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Neben Bäumen und Sträuchern gibt es natürlich auch eine Menge anderer Pflanzen, welche die botanische Vielfalt im Stall bereichern, den Speiseplan der Pferde ergänzen können und wichtige sekundäre Pflanzenstoffe bieten. Es bietet sich eine Bepflanzung des Offenstalls mit verschiedenen Kletterpflanzen, Stauden & Kräutern an. Wichtig ist, bei der Auswahl der Pflanzen darauf zu achten, dass diese ungiftig für die Pferde sind.

Kapuzinerkresse vor einer Stallwand
Kapuzinerkresse sieht nicht nur toll aus, sondern eignet sich sogar für den menschlichen Verzehr. Ihre Blüten und Blätter können Salate sowohl otpisch wie auch geschmacklich aufpeppen. © AdobeStock / SanLyn

Kletterpflanzen

So bietet es sich an, den Unterstand mit Kletterpflanzen zu bepflanzen. Sie verschönern nicht nur die kahlen Wände, sondern der Bewuchs sorgt auch für ein kühleres Klima im Sommer, sodass der Unterstand an heißen Tagen besser von den Pferden angenommen wird.
Allerdings sollte man darauf achten, nur Pflanzen zu verwenden, die für die Pferde verträglich sind und nicht mit Wurzeln die Gebäudestruktur zerstören können, damit scheidet Efeu beispielsweise aus.
Hier bietet sich aber Knöterich an: er wächst schnell und bildet innerhalb von ein bis zwei Jahren meist schon ein dichtes Geflecht über dem Dach, was einen kühlenden Effekt auf das Stallinnere hat. Allerdings benötigt er an den Wänden eine Rankhilfe. Außerdem sollte er so gepflanzt werden, dass die Pferde nur an den wuchernden Ranken knabbern können, aber nicht die Pflanze bis zur Wurzel abnagen. Auch andere schnellwüchsige Rankpflanzen wie Hopfen, Jiaogulan (Frauenginseng) oder die Kapuzinerkresse mit ihren auffallend leuchtenden Blüten sind rund um den Pferdestall geeignet. Sie alle können unschöne Wände verbergen und für Kühlung im Inneren von Ställen und Unterständen sorgen. Sie sollten aber immer so gesetzt werden, dass die Pflanze selber vor Verbiss geschützt ist und die Pferde nur einen Teil der wuchernden Ranken beknabbern können, ohne die Pflanze zu schädigen.

Wildstauden und Kräuter

Wildstauden und Kräuterpflanzen lassen sich hervorragend an den Rand des Paddocks oder der Wiese außerhalb des Zauns pflanzen. Aber auch geschützt durch einen Holzzaun oder zwischen größere Steine mitten auf dem Paddock können sie zur Strukturierung des Auslaufs beitragen und Laufwege verlängern. Außerdem kann man mit ihnen abgetrennte Ecken auf dem Auslauf oder Paddock Trail begrünen, was mit dazu beiträgt, dass rangniedrige Pferde nicht in Ecken gedrängt werden können, aus denen sie kein Entkommen sehen.
Darüber hinaus kann man Kräuter in Hochbeete auf dem Auslauf pflanzen, sofern man die Pflanzen durch ein aufgebrachtes Gitter vor dem Verbiss schützt, sodass die Pferde nur den Teil fressen können, der durch das Gitter hindurch wächst. Auch Hochbeete können zur Strukturierung des Auslaufs beitragen und eignen sich vor allem bei befestigten Ausläufen, um auch optisch für etwas Abwechslung zu sorgen.
Auf der Weide lassen sich sogenannte „Kräuterpatches“ integrieren. Dafür zäunt man ein paar Quadratmeter aus und lässt dort die gewünschten Kräuter – vor den Pferden geschützt – wachsen. Dies kommt zunächst hauptsächlich Biene, Hummel und Co zugute, aber mit der Zeit werden auch an anderen Stellen der Wiese diese Kräuter als gesundes Pferdefutter sprießen, wenn man Ihnen die Chance zum Blühen und Aussamen gegeben hat. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Pflanzen vor dem Pferd geschützt gesät bzw. gepflanzt werden, denn Verbiss oder Vertritt verdrängt sie von der Wiese.

Die Bepflanzung bietet viele Vorteile

Man muss kein Landschaftsplaner sein, aber mit ein wenig Kreativität und vorausschauender Planung, kann man mit relativ geringem Aufwand einen großen Beitrag in Sachen Artenvielfalt leisten und natürlich dem Pferd Beschäftigung und abwechslungsreichere Nahrung bieten. Darüber hinaus verschönern blühende und grünende Pflanzen den Pferdestall, sodass man keine kahlen Sand- oder Schotterwüsten mehr hat. Bepflanzung trägt außerdem dazu bei, Schatten zu spenden und die Temperaturen zu senken, was den Pferden gerade an heißen Hochsommertagen zugutekommt.

Heidekraut
Dem Heidekraut werden verschiedene heilende Eigenschaften nachgesagt, so dass es gerne in der Naturheilkunde zum Einsatz kommt. Zudem ist es auch sehr hübsch anzuschauen und bietet den Bienen während seiner Blütezeit im Herbst noch Nahrung vor deren Winterruhe. © AdobeStock / Karim

Geeignete Stauden- und Kräuterpflanzen

Hier noch eine kleine Übersicht über Stauden- und Kräuterpflanzen, die für den Pferdestall geeignet sind:
Ringelblume (Calendula officinalis/arvensis): wirkt entzündungshemmend auf die Haut und Schleimhäute, verdauungsfördernd.
Echter Oregano (Origanum vulgare): antibakteriell, entzündungshemmend, hustenlösend, antiparasitär, krampflösend, verdauungsfördernd.
Eibisch (Althaea officinalis): schleimlösend, bei Reizhusten, Rachenschleimhautentzündung, Gastritis.
Eisenkraut (Verbena officinalis): anregend für Nieren & Leber, chronische Atemwegserkrankungen, stärkende Wirkung auf Nervensystem, krampflösend.
Esparsette (Onobrychis viciifolia): wurmtreibend, antiblähend, Bodenverbesserer für andere Pflanzen.
Heidekraut (Erica): bei Hauterkrankungen, blutreinigend und harntreibend.
Kamille (strahlenlose) (Matricaria discoidea): verdauungsfördernd, entzündungshemmend, krampflösend, schmerzlindernd, beruhigend auf Magen, bei Kolikanfälligkeit, wundheilungsfördernd.
Kornblume (Centaurea cyanus): entzündungshemmend, verdauungsfördernd.
Margerite (Leucanthemum vulgare): bei gereizten Schleimhäuten, Husten, Magenbeschwerden.
Melisse (Melissa officinalis): entkrampfend und beruhigend.
Minze (Mentha): krampflösend bei Atemwegserkrankungen und Verdauungsbeschwerden.
Malve (Malva moschata): Schützt Schleimhäute, Gastritis, Reizhusten.
Schafgarbe (Achillea millefolium): verdauungsfördernd, appetitanregend, krampflösend, harntreibend, durchblutungsfördernd.
Thymian (Thymus vulgaris): wirkt positiv auf die Atmungsorgane, krampflösend, schleimlösend, desinfizierend, bakterizid und fungizid, wirkt positiv auf den Magen-Darm-Trakt.
Wegwarte (Cichorium intybus): Entgiftung, entzündungshemmend.
Wiesen-Salbei (Salvia pratensis): wirkt entzündungshemmend auf die Schleimhäute, beruhigend, antibakteriell, bei Atemwegserkrankungen und Magen-Darm Problematiken, Entzündungen im Maul.
Wilde Möhre (Daucus carota): Durchfall, leichte Nierenbeschwerden.
Witwenblume (Knautia arvensis): harntreibend, bei Ödemen, Blut reinigend, schleimlösend, Stoffwechsel anregend.
Viele Pflanzen, deren positive Eigenschaften allseits bekannt sind, wachsen oftmals ganz von selbst, wenn man sie lässt, wie zum Beispiel die Mariendistel, Brennnessel, Giersch, Spitzwegerich oder Beifuß.


Welche Bäume uns Sträucher sich für die Bepflanzung im Offenstall eignen, kannst du HIER nachlesen.