Lesedauer 5 Minuten

Das Abschwitzen von Heu nach der Ernte ist ein wichtiger Schritt, um die Qualität und Haltbarkeit des Futters zu verbessern.

Wenn Heu geerntet wird, enthält es normalerweise eine gewisse Menge an Rest-Feuchtigkeit, in der Regel im Bereich von 14-18 %. Durch das Abschwitzen wird die Restfeuchte im Heu reduziert, wodurch das Risiko von Schimmelbildung und Fäulnis verringert wird.

Der Schwitzprozess ermöglicht es auch, überschüssige Hitze aus dem Heu abzuführen. Denn in der Zeit nach dem Einbringen kommt es zu starker mikrobiologischer Aktivität. Dadurch steigt die Verdaulichkeit des Futters für die Pferde, es ist also grundsätzlich ein positiver Prozess.
Außerdem werden gleichzeitig viele Pflanzentoxine abgebaut, beispielsweise die aus Hahnenfuß oder von Gräser-Endophyten.
Der Stoffwechsel dieser bakteriellen Helfer erzeugt aber auch eine Menge Wärme, was dazu führen kann, dass sich das Heu sogar von selbst entzündet und die ganze Scheune abfackelt.

Es ist jedoch nicht nur das Selbstentzündungsrisiko, was die richtige Lagerung des frisch eingebrachten Heus so wichtig macht. Wird das Heu zu heiß, dann kann der in den Pflanzen enthaltene Zucker karamellisieren, was für eine bräunliche Färbung und einen leicht bitteren Geschmack im Futter sorgt. Viele Pferde verschmähen solches Futter, auch wenn es für unsere Nase angenehm nach Karamell riecht.

Leider wird in diesem Prozess von den Bakterien auch Ammoniak gebildet, der die Atemwege der Pferde belasten kann. Auch das ist ein Grund, warum das Heu zum einen in dieser Phase noch nicht gefüttert werden darf und warum auf eine gute Durchlüftung während dieser Lagerphase geachtet werden muss.

Fressen Pferde nicht abgelagertes Heu, drohen Koliken und Hufrehe!

Es ist wichtig zu beachten, dass der Schwitzprozess Zeit braucht und spezielle Lagerbedingungen erfordert. Das Heu sollte auf einem luftigen Untergrund (Euro-Paletten bieten sich an) in einer gut belüfteten Scheune oder einem Schuppen so gelagert werden, dass eine gute Luftzirkulation möglich ist.
Die Ballen dürfen also nicht dicht an dicht gestapelt werden, sondern mit ausreichenden Zwischenräumen.

Der Zeitraum für das Ausschwitzen variiert je nach Witterungsbedingungen und Heu-Typ, dauert jedoch normalerweise 6 bis 12 Wochen. Insbesondere wenn man viele Hochzuckergräser auf den Flächen hat, sollte man eher 12 Wochen warten, da die Endophytentoxine relativ lange für den Abbau brauchen.

Heuballen quellen aus offener Stalltür
Gute Heuqualität hängt eng mit der richtigen Lagerung und Belüftung der Ballen zusammen
© Adobe Stock/andreasbuchwald

Heu richtig ausschwitzen und gute Heuqualität erzeugen:

Um Heu richtig auszuschwitzen und damit für eine gute Heuqualität zu sorgen, sollte man folgende Schritte beachten:
1. Erntezeitpunkt: Das Heu sollte bei trockenem Wetter geerntet werden, wenn der Feuchtigkeitsgehalt in der Luft und im Boden niedrig ist. Die Halme sollten beim Knicktest brechen.

2. Vorbereitung: Das Heu sollte vor der Lagerung auf eine optimale Feuchtigkeit von etwa 14-18 % getrocknet werden. Dafür sollte es zunächst auf dem Feld getrocknet und gewendet werden, um eine gleichmäßige Trocknung zu gewährleisten.

3. Lagerort: Zum Abschwitzen braucht man einen gut belüfteten Lagerraum, der das Heu vor Regen und Feuchtigkeit schützt. Eine Scheune oder ein Schuppen eignen sich gut. Der Raum darf nicht komplett geschlossen sein, deshalb haben klassische Scheunen Schlitze in den Wänden

4. Stapelgröße: Die Ballen müssen locker, mit Zwischenräumen und nicht zu hoch gestapelt werden, sodass überall gut Luft zirkulieren und die Wärme nach oben steigen kann. Je höher der Restfeuchtegehalt, desto lockerer muss gestapelt werden. Nach dem Abschwitzen kann man es dann auch enger und höher stapeln, um Platz für weitere Ballen zu gewinnen.

Sollten die Rundballen nach der Ernte doch noch einen Schauer abbekommen haben, muss man sie abtrocknen lassen, bevor sie gestapelt werden, um Schimmelbildung zu verhindern. Dafür können sie auf Paletten vor der Scheune in die Mittagssonne gestellt werden – das UV-Licht reduziert den Keimbefall und die Wärme trocknet die oberen Schichten schnell wieder aus.

5. Abdeckung: Wenn das Heu unter Vlies gelagert werden muss, sollte es anfangs auch locker gestapelt und an den Seiten nicht komplett abgedeckt werden, sodass eine Durchlüftung möglich ist.

6. Kontrolle: Das abschwitzende Heu muss regelmäßig überwacht werden, um Überhitzung, Schimmelbildung, ungewöhnliche Gerüche oder Verfärbungen frühzeitig zu erkennen und gegensteuern zu können. Selbst die sorgfältigste Lagerung schützt nie komplett davor, dass beim Abschwitzen etwas schiefgehen kann.

Optimal checkt man sein Heu regelmäßig mit einem Feuchtigkeitsmesser: Werte von um die 15 % sind erwünscht. Zur Temperaturkontrolle gehört ein Heu-Thermometer. Werden in den ersten Wochen nach der Ernte Temperaturen von 50 – 55°C gemessen, kann man davon ausgehen, dass der Abschwitzprozess normal läuft. Sollten Temperaturen von 65°C angezeigt werden, besteht die akute Gefahr der Selbstentzündung, die Ballen müssen vereinzelt werden, damit sie abkühlen können. Bleibt die Temperatur unter 40°C, kommen die mikrobiologischen Prozesse zur Ruhe.

Fazit:

Das Abschwitzen über 6-12 Wochen gehört zum Konservierungsprozess des Heus dazu. Die Verdaulichkeit steigt, Pflanzengifte werden größtenteils abgebaut und Ammoniak kann entweichen. Auf keinen Fall sollte es in dieser Zeit verfüttert werden! Ansonsten drohen Kolik und Hufrehe.

Wenn man es richtig macht, kann man sicherstellen, dass das Heu gut abschwitzt, restliche Feuchtigkeit entweicht und die Qualität und Haltbarkeit des Heus verbessert wird. Trockenes, gut abgeschwitztes Heu lässt sich besser lagern, verliert weniger Futterwert und behält seinen aromatischen Geruch, sodass es von den Pferden auch gerne gefressen wird.

Gastautor: Helmut Muss (Die gesunde Pferdeweide)

Mehr zum Thema «Heuqualität»:

Artikel: Heukonservierung und Heudesinfektion