Lesedauer 4 Minuten

Der Sommer 2024 zeigt sich bisher in den meisten Regionen äußerst regnerisch – mal als Dauerregen, mal als zum Teil heftige Schauer. Das stellt uns vor einige Herausforderungen im Hinblick auf die diesjährige Heuernte, denn für diese gilt:
Totale Trockenheit hat ihre Tücken, das Gegenteil aber auch.

Worauf sollte jetzt also geachtet werden?

Die feuchte Wetterlage hat die Verbreitung von Pilzen zur Folge.
Anfällige Grasarten, wie Knäuelgras und Rohrschwingel beginnen am Stängel, von unten hoch zu verderben, andere Gräser haben Blattpilze.

Die Blätter der Grashalme bekommen Blattpilze.
© Sanoanimal
Durch die Feuchtigkeit beginnt das Gras von unten her zu verderben
Die ständige Nässe durch den häufigen Regen lässt das Gras von unten her verderben und die Blätter werden anfällig für Blattpilze
© Sanoanimal

Was bedeutet das für die Heuernte?

Kurzfristig:

  • Das Gras sollte höher geschnitten werden, sodass weniger von dem verdorbenen, angeschimmelten unteren Teil der Halme in das Heu gelangt.
  • In einigen Regionen liegt das Gras bereits durch vorangegangene heftige Regenschauer. Hier sollte quer zur Fallrichtung gemäht werden.
  • Beim Heueinkauf sollte das angebotene Heu unbedingt auf Pilzspuren kontrolliert werden. Besser ist es natürlich, eine mikrobiologische Untersuchung machen zu lassen, so ist man auf der sicheren Seite.

Langfristig:

  • Grasarten, die zur Verpilzung neigen, sollten von den Flächen verdrängt und durch weniger anfällige Grasarten ersetzt werden.

Wann ist der richtige Schnittzeitpunkt?

Der Schnittzeitpunkt entscheidet über die Nährwerte im Heu – den Zucker- und Fruktangehalt, die Verdaulichkeit von Protein, Vitaminen und Mineralstoffen.

Um den richtigen Schnittzeitpunkt, bei der gegebenen Wetterlage zu finden, ist es wichtig, die Hauptbestandsbildner der Fläche zu ermitteln. Der Reifezustand deines Hauptbestandsbildners sollte dich bei der Entscheidung leiten.

Den genauen Schnittzeitpunkt festzulegen, ist jedoch eine komplizierte Sache:

Soll ich am Morgen mähen, dann ist doch der Fruktangehalt am niedrigsten (vorausgesetzt die Nacht war über 8-10 C°), oder doch lieber am Abend, nach einem bedeckten Tag?

Hier ein paar Grundsätzlichkeiten:

  • Das Gras atmet nach dem Schnitt weiter und verarbeitet damit Zucker. Dieser Atemprozess wird ab einem Wassergehalt von 40-50 % marginal und kann vernachlässigt werden.
  • Wenn Kitzretter mit Drohnen eingebunden werden sollen, um die Verletzung von Rehkitzen zu vermeiden, sollten zur Überprüfung der Flächen durch wärmeempfindliche Drohnen, die frühen Morgenstunden genutzt werden.
    Nach dem Abfliegen der Flächen und sichern der Kitze, sollte unmittelbar gemäht werden.
  • Eine alte Bauernregel sagt. „Lieber im Regen mähen und im Trockenen einfahren, als im Trockenen mähen und im Regen einfahren.“ Wichtig ist also, die Zeit nach der Mahd bis zur Einfuhr richtig einzuschätzen.
  • Zwei Faktoren sind wichtig für die Trocknung: 1. Sonneneinstrahlung, 2. Niedrige Luftfeuchtigkeit.
    Willst du also erfolgreich Heu machen, sollte der Schattierungsgrad des Himmels unter 50 % liegen und die Luftfeuchtigkeit auch zumindest 6 Stunden unter 50 % sein, und das für mindestens die kommenden 3 Tage.

Wieviel Fläche ist zu mähen?

Keinesfalls sollte man den ganzen Tag durchmähen und erst am Folgetag wenden. Wenn viel Fläche gemäht werden muss und der Traktor auch für das Wenden gebraucht wird, sollte längstens bis in die späten Vormittagsstunden gemäht und dann umgehängt werden, um das Mähgut auszubreiten, damit es voll in die Sonne kommt. Steht ein zweiter Traktor mit Fahrer und Heuwender zur Verfügung, kann bis kurz nach dem Mittag gemäht werden.

Das anschließende Wenden kann dann morgens, nachdem der Tau abgetrocknet ist, aufgenommen werden.

Ist das Gras getrocknet, geschwadet und gepresst, beginnt das Einlagern. Hochdruckballen, egal ob kleine HD-Ballen oder die großen Big-Packs, müssen am Tag des Pressens noch eingefahren werden.
Wegen des hohen Pressdrucks der Ballen wird das Heu hygroskopisch, d.h., die Ballen ziehen Wasser und zwar bis in ihren Kern. Ein leichter Tau kann schon qualitätsmindernd sein.
Bei Rundballen ist der Pressdruck niedriger, sodass Rundballen bei trockenem Wetter auch über Nacht liegen bleiben können, wenn man mit der Einfuhr nicht fertig wird.

Viel Erfolg bei der Heuernte oder beim Heueinkauf.

Helmut Muß