Lesedauer 9 Minuten

Kräutersteckbrief

Deutscher NameWeißdorn
Auch bekannt als Hagedorn, Heckendorn, Mehlbaum, Mehlbeerbusch oder Zaundorn.
Lateinischer NameCrataegus spp., es gibt insgesamt etwa 300 Arten, davon allein in Europa 22 verschiedene
Traditionelle AnwendungWeißdorn wird in der Volksmedizin vor allem zur Verbesserung der Durchblutung der Herzkranzgefäße verwendet, wodurch der Herzmuskel sowie der restliche Körper, besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt werden. Auch in Stresssituationen einsetzbar und bei altersbedingter Herzschwäche.
Wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung(en)Enthält mehr als 150 Wirkstoffe, hauptsächlich verschiedene oligomere Procyanidine (OPC), Quercetin, Pyrocatechin, Phlorodizin, Terpenoide, Steroide und organische Säuren sowie kardioton wirkende Amine und bis zu 1% Gerbstoffe.

Hauptwirkung ist die Steigerung der Kontraktionskraft des Herzmuskels und die Weitung der Herzkrankgefäße. Wirkt darüber hinaus entzündungshemmend, stressmindernd, antibakteriell, antioxidativ, blutzuckersenkend, blutlipidsenkend, Darmregulierend, immunfördernd.
KontraindikationenKeine Neben- oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln bekannt.
Insgesamt gut verträglich.
Wann wird gesammelt?Blütezeit: Mai und Juni werden die Äste mitsamt Blüten und Blättern geerntet und getrocknet, Pferde fressen ihn auch gerne frisch vom Strauch, die Früchte sind im Herbst reif.
Welche Pflanzenteile werden verwendet?Blüten und Blätter, teilweise auch die Rinde sowie Früchte
Wie wird sie zubereitet?Die Blüten und Blätter können als Tee aufgekocht und dann über das Futter gegeben werden. Aus getrockneten Blüten und Blättern kann ein öliger Auszug gegen einen Fersensporn beim Menschen hergestellt werden. Menschen können außerdem die Rinde gegen Herzbeschwerden kauen.
TriviaArzneipflanze des Jahres 2019
Weißdorn wurde im Mittelalter als Büschel an Häuser gehängt, um Krankheiten und Unheil fernzuhalten. Der Strauch kann 300 bis 500 Jahre alt werden.
In Hungerzeiten wurden die getrockneten, gemahlenen Früchte als Mehlersatz zum Brotbacken verwendet, die gerösteten Kerne als Kaffeeersatz
Die verschiedenen europäischen Arten können sich miteinander kreuzen, was die Differenzierung einzelner Arten schwierig macht.
Die meisten Früchte sind roh essbar, aber mehlig, sie können als Kompott oder Gelees oder mit anderen Früchten als Marmeladen eingekocht werden, da sie gut gelieren.
Weißdornbüsche eignen sich hervorragend als ausgezäunte Hecke entlang von Paddock- oder Weidezäunen, um Fußgänger vom Füttern der Pferde abzuhalten

Geschichte und Vorkommen der Weißdornpflanze

Weißdorn ist ein Rosengewächs, welches drei bis acht Meter hoch und mehrere hundert Jahre alt werden kann und vorwiegend in Europa, Nordamerika und Nord-Asien wächst. Der Name setzt sich aus der weißen Farbe der Blüten (oder auch der hellen Rinde, im Vergleich zum Schwarzdorn, als welcher die Schlehe auch bezeichnet wird) sowie den Dornen an den Zweigen zusammen. Der lateinische Name Crataegus hingegen geht auf das Wort „krattaios“ zurück, welches „fest“ bzw. „stark“ bedeutet und sich auf das harte Holz des Strauchs bezieht.

Als Heilpflanze bei Herzleiden wird der Weißdorn schon seit der Antike eingesetzt. Die Früchte dienten im Mittelalter den armen Menschen oder in Hungersnöten als Nahrungsmittel, sie wurden getrocknet zum Beispiel als Mehlersatz zum Brotbacken verwendet, weshalb in einigen Regionen der Name „Mehlbaum“ oder „Mehlbeerbusch“ gebräuchlich ist. Die Namen „Hagedorn“ bzw. „Heckendorn“ weisen auf die Verwendung von Weißdornsträuchern als dornige Hecken zum Umzäunen von Grundstücken hin. Noch heute findet man in der Landschaft teilweise Überreste solcher alten Weißdornhecken.

Schon seit über 1000 Jahren wird die Pflanze in China in der Therapie verwendet, aber auch in Sagen und Mythen aufgrund ihrer heilenden Fähigkeiten erwähnt und angeblich ließ sie Dornröschen in den hundertjährigen Schlaf fallen. Auch die Dornenkrone von Jesus soll laut einer Legende aus Weißdorn bestanden haben, daher galt die Pflanze unter Christen als Zeichen der Hoffnung, aber auch der Assoziation mit Leben und Tod.

Therapeutische Anwendung von Weißdorn

Bereits in der Antike wurde Weißdorn als Heilpflanze gegen Durchfall, Koliken und zur Blutstillung genutzt und auch die herzschützende Wirkung war bei den nordamerikanischen Ureinwohnern früh bekannt. Erste Untersuchungen gab es im Jahr 1896 in den USA, wobei der Weißdorn als ausgezeichnetes Herzmittel und als Mittel bei akuten Infektionskrankheiten bezeichnet wurde. 2019 wurde Weißdorn als Arzneipflanze des Jahres gewählt, nachdem er 2016 von der deutschen Zulassungsbehörde als traditionelles pflanzliches Arzneimittel eingestuft wurde.

Aufgrund der bekannten Wirkungen durch sekundäre Pflanzenstoffe, wie die oligomeren Procyanidine (OPC), wird Weißdornextrakt insbesondere bei Herzproblemen eingesetzt. Dazu gehören nicht nur die funktionellen Herzbeschwerden, sondern auch schon erste Anzeichen einer Herzinsuffizienz. Darüber hinaus kann er herzschützend in Phasen von Stress eingesetzt werden, was das Schlafverhalten verbessert und der stressbedingten Entstehung von „Narkolepsie“ beim Pferd (= zusammenbrechen beim Dösen aufgrund von chronischem Schlafmangel) vorbeugen kann. Die positiven Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System lassen sich auf die verbesserte Kontraktionsfähigkeit des Herzmuskels sowie die bessere Durchblutung der Herzkrankgefäße – und damit die insgesamt bessere Durchblutung aller Organsysteme – zurückführen.

Bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzmuskels werden Extrakte aus Weißdornblättern mit Blüten eingesetzt, bei nervösen Herzbeschwerden und zur allgemeinen Unterstützung des Herz-Kreislauf-Systems eher ein Tee oder die Früchte der Pflanze. Bei der Einnahme ist etwas Geduld erforderlich, da die Pflanze häufig erst nach etwa sechs Wochen wirkt. Neben- oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln sind nicht bekannt und Extrakte aus der Pflanze gelten als gut verträglich.

Anwendung von Weißdorn beim Pferd

Bei Pferden hat der Weißdorn verschiedene Anwendungsbereiche, in denen er unterstützend eingesetzt werden kann, denn oft tauchen die Symptome einer Herzschwäche an Stellen auf, die man zunächst gar nicht mit dem Herzen in Verbindung bringen würde.

So ist er bei viele Pferden hilfreich bei Ödemen und angelaufenen Beinen, wenn diese aus einer Herzschwäche resultieren, die eine schwache Nierenfunktion zur Folge hat. Aber auch bei Pferden, die während extremer Wetterbedingungen oder Wetterwechsel, welche das Herz-Kreislauf-System beanspruchen und häufig Koliken verursachen („Kreislaufkolik“) kann Weißdorn präventiv gegeben werden. Er ist hier nicht als Akutmittel geeignet, aber bei Pferden mit bekannter Problematik kann er immer wieder kurweise gegeben werden, um das Herz insgesamt zu kräftigen. Aufgrund der durchblutungsfördernden Wirkung kann die Pflanze auch bei Stoffwechselbeschwerden wie Hufrehe eingesetzt werden, allerdings sollte hier immer im Hinterkopf behalten werden, dass Hufrehe – genauso wie Kolik – eine potenziell tödliche Krankheit ist, sodass in solchen Fällen immer ein Tierarzt und/oder Therapeut hinzugezogen werden sollte.

Vor allem für ältere Pferde als Unterstützung zur Vorbeugung bzw. als Behandlung einer altersbedingten, linksseitigen Herzinsuffizienz, kann Weißdorn verwendet werden. Es ist zu beachten, dass Weißdorn bei solchen Pferden als Langzeittherapie angesehen werden sollte, da es etwas Zeit in Anspruch nimmt, bis die Wirkstoffe sich entfalten. Eine bewährte Mischung aus der Praxis ist die zusätzliche Gabe von Ginkgo. Doch nicht nur für alte Pferde kann der Weißdorn genutzt werden. Auch jüngere Pferde profitieren besonders in anhaltenden (aber nicht vermeidbaren) Stresssituationen, in denen der Kreislauf übermäßig beansprucht wird, von den Wirkungen des Weißdorns.

Pferde bekommen täglich 20 g Blätter-Blüten-Mischung, Ponys etwa die Hälfte. Hierbei kann die Pflanze pur oder als Tee verfüttert werden. Verläuft der Paddock, der Trail oder die Weide an einem öffentlichen Weg entlang, kann eine Hecke aus Weißdorn, außerhalb des Zauns gepflanzt, genutzt werden, um Spaziergänger vom ungewollten Füttern der Pferde abzuhalten. Doppelter Gewinn: von außen kommt ungefragt nichts rein und von innen können die Pferde die Pflanze abknabbern, da sie gerne sowohl die Zweige und Blätter, aber auch die Blüten fressen.

Weißdorn ist ein wichtiges Heilkraut, welches ein herausragendes therapeutisches Potenzial, vor allem für Herz-Kreislauf-Erkrankungen besitzt. Aus aktuellen Studien über die Wirkstoffe geht allerdings hervor, dass die Wirkmechanismen bisher immer noch nicht ganz geklärt sind, sodass mehr Studien erforderlich sind, um die traditionellen Anwendungen zu überprüfen.

Quellen

  • Forschergruppe Klostermedizin GmbH (2023): Arzneipflanze des Jahres 2019: Weißdorn – Crataegus. https://www.klostermedizin.de/index.php/heilpflanzen/arzneipflanze-des-jahres/67-arzneipflanze-des-jahres-2019-weissdorn-crataegus (zuletzt aufgerufen am 22.10.2023)
  • Fritz, Dr. C., Maleh, S. (2020): Zivilisationskrankheiten des Pferdes – ganzheitliche Behandlung chronischer Krankheiten. Thieme Verlag, Stuttgart. 2. aktualisierte Auflage.
  • Jing, Y. et al. (19.06.2023): Research progress on the structural characterization, biological activity and product application of polysaccharides from Crataegus pinnatifida. Int J Biol Macromol. 2023 Jul 31;244:125408. doi: 10.1016/j.ijbiomac.2023.125408. Epub 2023 Jun 19. PMID: 37343606. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37343606/ (zuletzt aufgerufen am 19.10.2023)
  • Klein, Dr. G. (2022): Heilpflanzen im Portait. Weißdorn. Crataegus Laevigata. https://www.klein-naturarznei.de/kraeuterlexikon/weissdorn.html (zuletzt aufgerufen am 22.10.2023)
  • Korz, N. und Müller, A-K. (2020): Der Kräuterguide für Pferde.
  • Li, R. et al. (11.10.2022): Crataegus pinnatifida: a botanical, ethnopharmacological, phytochemical, and pharmacological overview. J Ethnopharmacol. 2023 Jan 30;301:115819. doi: 10.1016/j.jep.2022.115819. Epub 2022 Oct 11. PMID: 36228891. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36228891/ (zuletzt aufgerufen am 19.10.2023)
  • Peper, K.-H. (2015): Lexikon der Ostfriesischen Natur- und Volksheilkunde -Gesammeltes Wissen von 1560 bis heute. Isensee Verlag. Oldenburg.
  • Sanoanimal UG (29.08.2023): zu heiß, zu kalt, zu trocken, zu nass – Extremwetter macht auch den Pferden zu schaffen. https://wissen.sanoanimal.de/2023/08/29/extremwetter-macht-auch-den-pferden-zu-schaffen/ (zuletzt aufgerufen am 19.10.2023)
  • Wittek, C. (2019): Heilpflanzen & Hausmittel für Pferde. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co, Stuttgart
  • Nazhand, A., Lucarini, M., Durazzo, A., Zaccardelli, M., Cristarella, S., Souto, S. B., … & Santini, A. (2020). Hawthorn (Crataegus spp.): An updated overview on its beneficial properties. Forests, 11(5), 564.
  • Tassell, M. C., Kingston, R., Gilroy, D., Lehane, M., & Furey, A. (2010). Hawthorn (Crataegus spp.) in the treatment of cardiovascular disease. Pharmacognosy reviews, 4(7), 32.
  • Yang, B., & Liu, P. (2012). Composition and health effects of phenolic compounds in hawthorn (Crataegus spp.) of different origins. Journal of the Science of Food and Agriculture, 92(8), 1578-1590.
  • Wang, J., Xiong, X., & Feng, B. (2013). Effect of crataegus usage in cardiovascular disease prevention: an evidence-based approach. Evidence-Based Complementary and Alternative Medicine, 2013.
  • Venskutonis, P. R. (2018). Phytochemical composition and bioactivities of hawthorn (Crataegus spp.): Review of recent research advances. Journal of food bioactives, 4, 69-87.
  • Cloud, A., Vilcins, D., & McEwen, B. (2020). The effect of hawthorn (Crataegus spp.) on blood pressure: a systematic review. Advances in Integrative Medicine, 7(3), 167-175.
  • Holubarsch, C. J., Colucci, W. S., & Eha, J. (2018). Benefit-risk assessment of Crataegus extract WS 1442: An evidence-based review. American Journal of Cardiovascular Drugs, 18, 25-36.
  • Cui, M., Cheng, L., Zhou, Z., Zhu, Z., Liu, Y., Li, C., … & Duan, B. (2023). Traditional uses, phytochemistry, pharmacology, and safety concerns of hawthorn (Crataegus genus): A comprehensive review. Journal of Ethnopharmacology, 117229.
  • Elghandour, M. M., Reddy, P. R. K., Salem, A. Z., Reddy, P. P. R., Hyder, I., Barbabosa-Pliego, A., & Yasaswini, D. (2018). Plant bioactives and extracts as feed additives in horse nutrition. Journal of Equine Veterinary Science, 69, 66-77.
  • Bergh, A., Lund, I., Boström, A., Hyytiäinen, H., & Asplund, K. (2021). A systematic review of complementary and alternative veterinary medicine:“Miscellaneous therapies”. Animals, 11(12), 3356.

Weitere Kräutertipps gibt es hier: Sanoanimal Kräutertipps in der Pferdefütterung

Team Sanoanimal