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Einführung

Ich habe von einer Stallkollegin gehört, dass ich mit meinem Pferd eine jährliche Flohsamenkur machen sollte zur „Darmreinigung“, das solle vor Koliken schützen. Da mein Pferd mit seiner Verdauung eher sensibel ist, möchte ich natürlich vermeiden, dass er eine Kolik bekommt, allerdings mag er die Flohsamen nicht besonders. Deshalb meine Frage: ist eine jährliche Flohsamenkur sinnvoll oder nicht?

Die Frage nach der regelmäßigen Kur mit Flohsamen oder Flohsamenschalen wird uns recht oft gestellt, da diese Empfehlung in vielen Ställen die Runde macht. Aber ist das überhaupt für jedes Pferd sinnvoll? Gibt es Gründe, eher keine Flohsamen zu geben? Und kann man mit einer solchen Flohsamenkur vielleicht auch Schaden anrichten?

In Kürze: Nach Aufnahme von Sand oder Erde unbedingt Flohsamen oder Flohsamenschalen geben!

Um es gleich vorwegzunehmen: wenn ein Pferd viele Verunreinigungen vom Boden aufnimmt, also beispielsweise jeden Grashalm aus dem Paddockboden zupft und mitsamt Wurzeln frisst, wenn die Pferde den ganzen Winter über auf abgefressenen Weiden noch jeden grünen Fussel abnagen oder wenn ein Pferd jeden Heuhalm aufsammelt, auch wenn er nicht mehr ganz sauber ist, dann empfehlen wir unbedingt zweimal jährlich eine Kur mit Flohsamen oder Flohsamenschalen durchführen. Hier ist die Lage ganz klar.

Bei anderen Fällen kommt es drauf an… Werfen wir daher einen genaueren Blick auf die Fähigkeiten dieser berühmten Samen(schalen).

Plantago ovata, der indische Bruder vom heimischen Wegerich

Indischer Flohsamen wird aus der Pflanze Plantago ovata gewonnen, eine Pflanze aus der Familie der Wegerichgewächse und die, wie der Name schon sagt, in Indien beheimatet ist. Seinen Namen hat der Flohsamen von seinem Aussehen, da die Samen der Pflanze eben sehr große Ähnlichkeit mit einem Floh haben. Hier endet die Ähnlichkeit aber glücklicherweise auch schon.

Ganzer Flohsamen und Flohsamenschalen unterscheiden sich nicht in der Wirkung

Es wird üblicherweise empfohlen, die Flohsamen/-schalen vor der Fütterung einzuweichen, damit sie ihre schleimbildende Wirkung entfalten können. Allerdings werden sie in dieser schleimigen Form von vielen Pferde nicht gefressen. Alternativ können beide auch trocken gegeben oder unter eine Handvoll Heucobs gemischt und sofort gefüttert werden, denn sie quellen dann im Magen-Darm-Trakt auf und haben dadurch dieselbe Wirkung. Bei Pferden, die zu Verstopfungskoliken neigen, sollte man sie sicherheitshalber vor dem Füttern einweichen und gegebenenfalls sehr flüssig, gemischt mit eingeweichten Heucobs oder einer leckeren Kräutermischung, anbieten.

Ganze Flohsamen unterscheiden sich von Flohsamenschalen lediglich dadurch, dass beim einen der ganze Samen verwendet wird (inklusive Schale) und beim anderen nur die Samenschalen zur Verwendung kommen. Der Hauptteil der schleimbildenden Stoffe sitzt in den Schalen. Nährstoffreicher ist natürlich der ganze Samen, weshalb beim dicken Moppelpony vielleicht besser auf die Schalen zurückgegriffen werden sollte. Allerdings fressen die meisten Pferde wiederum die ganzen Samen lieber als die Schalen und es hilft nichts, die Schalen anzubieten, wenn das Moppelpony sie strikt verweigert.

Erwünschte Nebenwirkung: Ganze Flohsamen unterstützen Pferde bei Insulinresistenz

Außerdem leiden viele übergewichtige Pferde an einer (nicht immer diagnostizierten) Insulinresistenz und ganze Flohsamen wirken sich positiv auf die Blutzuckerregulation aus. Deshalb kann es durchaus sinnvoll sein, für das Moppelpony die ganzen Flohsamen zu wählen. Man muss also immer im Einzelfall abwägen, was die bessere Variante ist oder manchmal auch ausprobieren, was besser akzeptiert wird im Futter.

Flohsamen bei Durchfall, Kolik oder Kotwasser

Eine der wichtigsten Anwendungen von Flohsamen/-schalen liegt darin, dass sie Feuchtigkeit im Darm binden und den Kot aufblähen, ohne ihn zu verfestigen. Daher kommen sie beim Pferd überwiegend bei Verdauungsproblemen wie Durchfall oder Kotwasser zum Einsatz, aber auch nach Koliken oder bei bestehender Neigung zu Kolik. Sie können dazu beitragen, die Peristaltik zu normalisieren und ihr Schleim legt sich wie ein Schutzfilm über entzündete Schleimhautbereiche, wodurch diese Entzündungen sich beruhigen können, was den Darm weiter stabilisiert.

Flohsamen
Erwünschte Nebenwirkung: Ganze Flohsamen unterstützen Pferde bei Insulinresistenz
©Adobe Stock / alicja neumiler

Flohsamen und Flohsamenschalen gegen Sandkolik

Eine weitere Anwendung ist die Reinigung des Darms von Sand. Gerade wenn die Pferde auf sandigen Böden stehen und ihr Futter vom Boden aufnehmen, aber auch wenn im Frühling die ersten Gräser entlang des Trails sprießen und mit Stumpf und Stiel ausgerissen und gefressen werden oder auch wenn die Pferde auf abgenagten Weiden stehen und aus Hunger teilweise anfangen, die Grasnarbe – also das Wurzelwerk – mitzufressen, nehmen sie in erhöhtem Maß Sand auf. Flohsamenschalen oder Flohsamen binden den im Darm abgelagerten Sand und helfen, ihn auszuscheiden.

Die beste Prophylaxe ist natürlich die Aufnahme von Sand zu vermeiden.

Besser ist es natürlich immer, wenn es gar nicht erst dazu kommt, dass das Pferd übermäßig Sand aufnimmt. Hier kann Abhilfe geschaffen werden, in dem man das Heu in Heunetzen anbietet und immer ausreichend Heu zur Verfügung steht, damit die Pferde nicht unbedingt das verunreinigt Futter vom Boden aufsammeln müssen. Ebenso sollten natürlich auch genug Fressplätze zur Verfügung stehen, sodass alle ausreichend versorgt sind und nicht die rangniedrigen Pferde nur noch die (verschmutzten) Reste vom Boden bekommen.

Aber manchmal kann man es nicht vermeiden, dass Sand aufgenommen wird, vor allem bei Winterpaddocks oder Paddock Trails mit Sandböden. Hier hat es sich bewährt, prophylaktisch zweimal im Jahr über ca. 30 Tage eine solche Reinigung des Darms mit Flohsamen/-schalen durchzuführen.

Fazit

Kuren mit Flohsamen oder Flohsamenschalen können durchaus sinnvoll sein, insbesondere bei bestehenden Verdauungsstörungen oder nach der Aufnahme von Sand. Dabei gibt es in der Wirkung fast keine Unterschiede zwischen den Samen und den Samenschalen. Kontraindikationen sind bisher nicht bekannt. Bei Pferden mit Neigung zu Verstopfungskoliken sollten sie vor dem Füttern am besten eingeweicht werden.