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Pigmentverlust rund um die Augen

Unter einer „Kupferbrille“ beim Pferd versteht man einen Pigmentverlust der Haut, der sich rund um die Augen und am Maul bemerkbar macht. Ist die Haut dort nicht mehr pigmentiert, entstehen zunächst helle (rosafarbene) Flecken und mit der Zeit ein heller Ring um die Augen, der aussieht, als ob das Pferd eine Brille tragen würde. Viele Pferde bekommen auch rosa Flecken an Maul und Nüstern. Das kennt man häufiger als „Krötenmaul“ bei Appaloosas oder Knabstruppern, wobei das bei diesen Pferderassen durch die Farbgenetik und nicht durch Kupfermangel bedingt ist.

Ohne Kupfer kein Melanin

Die Ursache dahinter ist ein Kupfermangel. Dieser verursacht die Bildung von Kupfer und damit einen Pigmentverlust. Melanin ist der dunkle Farbstoff, der die Haut vor UV-Strahlung schützt. Es ist auch der Grund dafür, warum wir unter der Sommersonne braun werden und manche Menschen von Natur aus eine dunkler gefärbte Haut haben als der durchschnittliche Nordeuropäer.
Je dunkler die Haut oder das Haar, desto mehr Melanin ist enthalten.

Hauttypen

Bei Pferden mit dunkel pigmentierter Haut enthalten die Zellen viel Melanin: Entsprechend wachsen hier auch häufig dunkel gefärbte Haare, die ebenfalls mit Melanin eingefärbt werden. Bei Pferden mit rosafarbener Haut, wie man das großflächig bei Perlinos oder Cremellos sieht – oder auch im Kleinen bei Pferden mit ausgedehnten weißen Abzeichen im Gesicht, können diese Zellen kein Melanin bilden. Deshalb sieht die Haut – wie bei uns – rosig aus. Allerdings hat die Haut bei Pferden mit solcher Farbgenetik an den Stellen komplett die Fähigkeit zur Melaninbildung verloren, wodurch sie im Sommer stark zu Sonnenbrand neigen. Melanin wird im Körper aus Tyrosin gebildet und dafür wird das Spurenelement Kupfer benötigt.

Kein Kupfer = kein Melanin = kein Farbstoff.

Massive Gesundheitsschäden durch Kupfermangel

Ein Kupfermangel ist aber mehr als eine farbliche Kuriosität und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Kupfer greift in viele Prozesse im Körper ein und es kann bei Mangel zu massiven Gesundheitsschäden kommen. So ist Kupfer an der Bildung der Erythrozyten beteiligt, den roten Blutkörperchen, die den Sauerstoff von der Lunge in das Gewebe transportieren. Es beeinflusst darüber hinaus die Knochen- und Knorpelbildung, ist beteiligt an der Keratinbildung von Haut-, Haar- und Hufhorn und spielt zudem auch noch eine zentrale Rolle bei der Reizweiterleitung der Nervenfasern. Gerade bei Jungpferden kann es infolge eines Kupfermangels zu Osteochondrosis dissecans (OCD) kommen, die umgangssprachlich auch als „Gelenkchips“ bezeichnet werden. Aber auch Huf- und Hautprobleme in allen Alterstufen, sowie Anämien können die Folgen eines Kupfermangels sein, ebenso wie neurologische Störungen.

Ursachen

Ein Kupfermangel kann entstehen, wenn zum Beispiel die Konzentration von Molybdän im Boden der Weiden oder Heuwiesen sehr hoch ist. Infolgedessen ist der Kupfergehalt in den Futterpflanzen niedrig, da Molybdän die Aufnahme von Kupfer in die Pflanze hemmt. Aber auch eine dauerhafte Substitution von Zink im Futter kann zu einem Kupfermangel führen, da Zink und Kupfer zum einen über denselben Weg aus dem Futter in den Körper aufgenommen werden und es aber zusätzlich auch noch ein Kupfer-Zink-Gleichgewicht im Körper gibt. Je mehr Zink aufgenommen wird, desto mehr Kupfer wird benötigt. Bekommen die Pferde zum Grundfutter noch täglich Mineralfutter, ist ein Kupfermangel in der Regel ausgeschlossen, sofern das Mineralfutter Kupfer enthält.

Nicht hinter jedem Pigmentverlust steckt ein Kupfermangel

Aber Achtung: insbesondere bei Schimmeln, die ja mit pigmentbildender dunkler Haut und Fell geboren werden und nur später die Pigmentierung im Haar verlieren, kann es auch aufgrund einer Autoimmunerkrankung (Vitiligo) zu einem flächigem Pigmentverlust an den Augen, der Nase und der Perianalregion kommen. Sehr selten kann Vitiligo auch bei Pferden anderer Farben auftreten.
Auch Narben hinterlassen gerne helle Haut.

Nicht jeder Pigmentverlust muss also zwingend durch einen Kupfermangel ausgelöst sein.
Wenn man nicht sicher ist, ob ein Kupfermangel oder vielleicht eine andere Erkrankung der Auslöser für die Pigmentstörung beim eigenen Pferd ist, sollte man am besten einen Tierarzt oder kompetenten Therapeuten hinzuziehen.

Mehr zum Thema: PFERDEFÜTTERUNG – MINERALFUTTER

Elke Malenke