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Einleitung

Der Markt der Ergänzungsfuttermittel boomt, vor allem für solche, welche der „Entgiftung“ des Pferdes dienen sollen. Dabei gibt es einiges sinnvolles, einiges unsinniges und manche Sachen wirken gar nicht so, wie man das auf den ersten Blick denkt oder der Hersteller das bewirbt. Deshalb muss man einmal mehr etwas genauer hinschauen, worum es sich handelt und welcher Wirkmechanismus dahintersteckt.

Die meisten, die beispielsweise selber schonmal mit einer Lebensmittelvergiftung zu tun hatten, kennen Aktivkohle. Als Pflanzen- oder Futterkohle hält ein ähnliches Produkt jetzt auch immer öfter Einzug in die Futterkammer. Daneben gibt es zwei Verwandte der Futterkohle, das Trockenmoor und das Leonhardit. Das erste und auffälligste, das diese drei Futtermittel verbindet, ist die braun-schwarze Farbe, durch den enthaltenen konzentrierten Kohlenstoff. Auch sonst finden sich Gemeinsamkeiten in der Zusammensetzung, aber in der Wirkung sind sie dann doch alle ein bisschen unterschiedlich.

Futterkohle

Futterkohle ist nicht zu verwechseln mit Schwarz- oder Braunkohle, mit der Öfen beheizt werden.

Futterkohle wird aus Pflanzen hergestellt, die in einem kontrollierten Prozess unter Sauerstoffmangel thermisch zersetzt werden, man nennt das „veraschen“.

Im Gegensatz zur Aktivkohle, deren Oberfläche durch noch heißere Temperaturen bei der Herstellung noch mehr vergrößert wird, besitzt die Futterkohle eine Oberfläche von 200-500m2 pro Gramm. Damit werden sowohl Wasser (bis zum fünffachen des Eigengewichts) als auch in dem Wasser gelöste Stoffe wie Toxine gebunden.

Schon lange wird in der (Nutz-)Tierfütterung bei Verdauungsproblemen Pflanzenkohle eingesetzt, so dass – wie so oft im Futtermittelbereich – die meisten Studien an Hühnern oder Rindern durchgeführt wurden. Alle Studien zeigen, dass sich die Gesundheit der Tiere verbesserte und das aufgenommene Futter besser verwertet werden konnte. Allerdings sind Geflügel und Wiederkäuer vom Verdauungssystem her nur bedingt mit dem Dickdarm-Verdauer Pferd vergleichbar und auch die Futterqualität zwischen Nutztier und Pferd ist oft eine deutlich andere.

Vom Wirkmechanismus her ist Futterkohle in der Lage, verschiedene Giftstoffe wie Mykotoxine, pflanzliche Toxine oder auch Pathogene und deren Stoffwechselprodukte, im Verdauungstrakt zu binden. Man geht davon aus, dass diese Toxin-Bindung im vorderen Teil des Verdauungstrakts passiert und die mit Toxinen beladene Futterkohle dann mit dem Kot ausgeschieden wird.

Ein Schimmel frisst sein Futter aus einem Futternapf auf der Wiese.
Futterkohle sollte nicht auf Dauer gefüttert werden. ©Adobe Stock / Aneta

Bei Rindern konnte der Gehalt an Glyphosat im Urin durch die Fütterung von Huminsäuren oder die Gabe einer Kombination aus Futterkohle und Sauerkrautsaft gesenkt werden. Bei Hühnern war die Dioxinbelastung der Eier bzw. des Fettgewebes nach Fütterung von Futterkohle deutlich gesenkt. Diese Effekte sind darauf zurückzuführen, dass die Toxine schon im Verdauungstrakt gebunden wurden und damit gar nicht erst in de Stoffwechsel und dann die Speicher- bzw. Ausscheidungsorgane gelangt sind.

Auf Dauer sollte Futterkohle jedoch nicht gefüttert werden, da die Langzeitfolgen auf die Verschiebung des Mikrobioms noch nicht untersucht sind und eventuell auch wichtige Nährstoffe auf Dauer dem Organismus nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Bisher durchgeführte in vitro (also nicht im Tier, sondern in einem Laboraufbau) Untersuchungen weisen zwar darauf hin, dass man hier keine negativen Effekte erwarten sollte, aber der genaue Nachweis in vivo (also im lebenden Pferd) steht derzeit noch aus.
Auch bei Medikamentengaben sollte auf eine zusätzliche Fütterung von Futterkohle verzichtet werden, da für Studien mit Aktivkohle (die zwar eine noch höhere Bindekapazität hat als Futterkohle, aber im Übrigen vergleichbar ist) gezeigt haben, dass Medikamente durch diese gebunden und ausgeschieden werden.

Kritisch bei der Futterkohle ist außerdem anzumerken, dass hier verschiedenstes organisches Material für die Produktion verwendet werden kann, nicht nur Baumstämme, wie man sich das so klassisch für eine Holzkohleproduktion vorstellt.
So wird in den Tropen sehr viel Futterkohle produziert aus den Abfällen der Palmölproduktion. Da achtet man dann als ökologisch bewusster Mensch extra drauf, keine Lebensmittel mit Palmöl zu kaufen, um die Abholzung des Regenwalds nicht noch zu fördern, holt sich das Problem aber dann vielleicht in den Futtertrog zurück ins Haus.

Es ist also sehr darauf zu achten, aus welchen Quellen das Ausgangsmaterial stammt, auch um Toxin-Belastungen im Endprodukt zu vermeiden, die am Ende vielleicht mehr schaden als nützen.

Trockenmoor und Leonardit

Trockenmoor und Leonardit sind – im Gegensatz zur Futterkohle – nicht gezielt durch den Menschen hergestellt worden, sondern entstanden im Lauf der Erdgeschichte durch die Zersetzung von organischer Masse unter Sauerstoffabschluss. Bei Moor dauert dieser Prozess mehrere tausend Jahre, bis eine entsprechende Schicht entstanden ist. Hier zersetzen sich Pflanzen unter sauren Bedingungen und weitgehendem Abschluss von Sauerstoff und werden damit zu Moor. Wird nun im nächsten Schritt, beispielsweise durch Auffaltungen der Erdkruste, das Wasser und die organische Masse aus dem Moor gepresst, entsteht im Laufe von mehreren Millionen Jahren (Weich-)Braunkohle und aus ebendieser wird Leonardit gewonnen.

Während es sich bei Trockenmoor also um vermoorte Pflanzenmasse handelt, die aus aktiven Mooren abgebaut und getrocknet verkauft wird, geht es bei Leonardit um eine oberflächennahe, genau definierte Sedimentschicht in der Weichbraunkohle, die oberhalb von Braunkohlelagerstätten zu finden ist und dort abgebaut wird.

Bei Moor und Leonardit sind es hauptsächlich die enthaltenden Huminsäuren, die diese beiden Stoffe zu wertvollen Zusatzfuttermitteln machen. Daher sind sie in ihrer Wirkung recht ähnlich.

Moor enthält neben Kieselsäure, Mineralstoffen, Spurenelementen, ätherischen Ölen, usw. als Hauptwirkstoff Huminsäuren, die ungefähr 20% Anteil an den Inhaltsstoffen haben. Leonardit enthält im Vergleich dazu ca. 70-85% Huminsäuren. Die genauen Zusammensetzungen schwanken immer mit dem Ursprungsgebiet, den Abbaumethoden und anderen Faktoren.

Ähnlich wie bei der Zufütterung von Futterkohle, zeigt sich in der Nutztierfütterung, dass das Futter auch bei Zugabe von Huminsäuren wesentlich besser verwertet wird, weniger Antibiotika verabreicht werden müssen und die Tiere insgesamt gesünder, ruhiger und zufriedener sind.

Aber nicht nur Nutztiere, sondern auch alle Haustiere profitieren vom Einsatz von Huminsäuren. Huminsäuren sind aufgrund ihrer Molekülstruktur ebenfalls in der Lage, Schadstoffe und Toxine, wie z. B. Schwermetalle, Herbizide oder Pestizide, zu binden, sodass sie mit dem Kot zusammen ausgeschieden werden. Sie wirken damit – genauso wie Futterkohle – entgiftend.

Im Gegensatz zur Futterkohle wirken sie aber zusätzlich auch noch antiviral, antibakteriell und entzündungshemmend und sind in der Lage, die Regeneration der Darmschleimhaut zu fördern, indem sie die Schleimhautproduktion anregen. Darüber hinaus haben sie auch positive Effekte auf das Mikrobiom, sodass sie beim Pferd vor allem beim Vorhandensein von Dysbiosen (Fehlgärungen) stabilisierend auf das Darmmilieu wirken können.

ColoBalance Okapi
© Okapi GmbH

Sowohl bei akuten Beschwerden wie Kotwasser, saurem Kot, Durchfall oder Blähungen, aber auch vorbeugend zur Stabilisierung und Verbesserung des Mikrobioms sind Huminsäuren beim Pferd als Futtermittel geeignet. Stabilisiert sich der Darm, dann kann man in den meisten Fällen auch eine Verbesserung von Allergien oder entzündlichen Gelenksproblemen beobachten, die Gesundheit wird also auf vielen Ebenen verbessert. Auch nach Antibiotika-Gabe regeneriert und stabilisiert sich die das Mikrobiom im Verdauungstrakt, wenn Huminsäuren verabreicht werden, was natürlich auch die ungeliebten Nachwirkungen von medizinisch notwendigen Antibiotika minimiert.

Alles in allem sind sowohl Leonardit als auch Moor eine wertvolle Ergänzung im Futtertrog (oder auch im Napf, denn die nachgewiesenen Vorteile gelten für praktisch alle Tierarten, von Hund bis Huhn). Während man Futterkohle nur im akuten Fall geben sollte und nicht unbedingt über längere Zeiträume, kann man Huminsäuren auch schon geben, bevor sichtbare gesundheitliche Probleme auftreten.

Sie können helfen, die Gesundheit zu stabilisieren bevor es zu schweren Erkrankungen kommt. Da es sich um Naturprodukte handelt, schwankt auch hier wieder die Qualität stark mit dem Abbaugebiet. Daher sollte man – wie bei Futterkohle – einen Hersteller seines Vertrauens haben, um sicherzugehen, dass das Endprodukt nicht gegebenenfalls belastet ist.

Da Moore extrem wertvolle Ökosysteme sind, sollte man außerdem nur Trockenmoor von zertifizierten Herstellern beziehen, die ausschließlich Moor von solchen Flächen abbauen, die ohnehin schon trockengelegt und beispielsweise als Bauland ausgewiesen sind, denn hier wird der Boden sowieso ausgehoben (ja, man könnte jetzt diskutieren, wie sinnvoll es ist, Wohn- oder Gewerbesiedlungen auf ehemaligen Moorflächen zu bauen statt diese zu renaturieren, aber so die Bebauung solcher Flächen ist nun mal tägliche Realität und man kann damit vermeiden, dass weitere, noch lebende Moore zerstört werden). Denn man sollte sich nichts vormachen: Sowohl Moore als auch Leonardit sind über Jahrtausende bis Jahrmillionen entstanden. Ein Hochmoor wächst beispielsweise nur mit etwa 1mm pro Jahr! Ein Raubbau an solchen Ressourcen, um die Fehler zu begleichen, die wir durch falsche Fütterung verursacht haben, ist immer eine ökologisch kritische Sache.

Quellen

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Elke Malenke