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Ein absoluter Beratungs-Favorit ist und bleibt das Thema Kotwasser. Gefühlt 9 von 10 Pferden, zu denen wir gefragt werden, sind mehr oder weniger stark von Kotwasser betroffen. Viele der Besitzer waren zwischen resigniert und verzweifelt, weil sie ihr Pferd gar nicht so häufig waschen können, wie es wieder „verklebt“.

Aber warum leiden derzeit so viele Pferde unter dieser Verdauungsstörung? Ist es das Futter? Die Haltung? Der Stress?
 
Versucht man, in der wissenschaftlichen Literatur zum Thema Kotwasser zu recherchieren, dann wird man kaum fündig. Aus dem deutschsprachigen Raum ist es zwar überall bekannt, jedoch sind bisher kaum Studien dazu gemacht worden. Und sobald man etwas über die Ländergrenzen hinweg schaut, scheint es Kotwasser überhaupt nicht zu geben – in den meisten Ländern gibt es noch nicht einmal einen Begriff dafür. Entsprechend dünn ist die Forschungslage – was erstaunlich ist in Anbetracht der Tatsache, dass so viele Pferde in Deutschland, Österreich und in der Schweiz ganz offensichtlich betroffen sind.
 
Als mögliche Ursachen für Kotwasser gelten:

  • Stress
  • Fütterung
  • Darmschleimhautentzündungen
  • Störungen der Darmflora
  • Magengeschwüre / Magenschleimhautentzündung
  • Auch Gebiss-Anomalien, Parasitenbefall, Sand-Ablagerungen im Dickdarm oder „Stoffwechselprobleme“ werden immer wieder genannt. 

Kotwasser ist definitiv kein „Schönheitsfehler“, sondern das sichtbare Symptom für eine massive Störung des Dickdarm-Gleichgewichts – auch wenn es „nur“ im Winter auftritt.

Aus diesen Darm-Störungen resultieren häufig Folgeerkrankungen – angefangen von der Entgiftungsstörung Kryptopyrrolurie (KPU), über Störungen des Immunsystems bis hin zu psychischen Problemen bei betroffenen Pferden.
 
Daher sollte man Kotwasser nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern möglichst rechtzeitig nach den Ursachen suchen, diese abstellen und therapeutisch den Darm unterstützen, damit er wieder in sein natürliches Gleichgewicht zurück findet.
 

Kotwasser und Stress

Zum Thema Stress gibt es tatsächlich eine Studie, die gezeigt hat, dass vor allem rangniedrige Pferde in Gruppenhaltung zu Kotwasser neigen. Stress sorgt dafür, dass die Darmschleimhaut schlechter durchblutet wird. Gerade Dauerstress ist hier fatal, da die Darmschleimhaut nie die Gelegenheit bekommt, sich zu beruhigen und zu regenerieren. Kleine, alltägliche Beschädigungen der Darmschleimhaut können so nicht rechtzeitig repariert werden, führen zu Entzündungen und damit offenbar zu Kotwasser. Stress kann beim Pferd viele Gesichter haben. So kann ein rangniedriges Pferd, insbesondere bei engen Haltungsbedingungen auf dem kleinen Winterauslauf, großen Stress haben. Aber auch ranghohe Pferde, die mit ihrer Position überfordert sind, können Stress haben, ebenso Pferde in Gruppen, wo es keinen souveränen Herdenchef gibt. 
 
Häufig beobachtet man bei Gruppenhaltung, dass gescheckte Pferde und Schimmel nicht nur besonders oft Kotwasser haben, sondern auch vielfach ausgegrenzt werden. Das hängt vermutlich mit einem evolutiven Überlebens-Programm zusammen: Helle Pferde ziehen die Aufmerksamkeit der Raubtiere auf die Gruppe. Grenzt die Herde ein solches Pferd aus, sichert dieses Verhalten das Überleben der Gruppe, führt aber leider zu Stress beim schimmeligen oder gescheckten Pferd. In Gruppen mit ausschließlich weißen oder bunten Pferden ist dieses Verhalten nicht zu beobachten und solche Gruppen sind meist auch viel ruhiger und sozialer miteinander.

Auge eines gestressten Pferdes
Gerade Dauerstress ist fatal. © Adobe Stock / mani


 
Aber auch Einzel-(Boxen-)Haltung ohne Sozialkontakte kann Stress bedeuten, ebenso wie ein ungeliebter Boxen- oder Paddocknachbar. Dazu kommt mangelnde Bewegung. Denn über freie Bewegung auf der Weide oder einem großen Auslauf können Pferde durch Rennen, Buckeln und Toben ihren Stress sehr gut abbauen – aber gerade das ist in vielen Ställen – vor allem im Winter – nicht oder kaum möglich. Kontrollierte Bewegung an der Longe oder unter dem Reiter ersetzt nicht das freie „ausbuckeln“ zum Stressabbau, ebensowenig wie die lange, ruhige Bewegung auf der Weide.
 
Oft unterschätzt ist Stress bei Pferden durch mangelnde Fress- oder Schlafmöglichkeiten. Studien zeigen, dass die Reduktion von Raufutter auf „Mahlzeiten“ mit längeren Pausen dazwischen ebenso Stress macht wie das Angebot von zu wenigen Fressplätzen. Mehr Raufutter, ggf. mit einem engmaschigen Heunetz angeboten, kann also in solchen Fällen Stress vermeiden. Dazu kommt, dass Pferde eingestreute Liegeflächen benötigen, um ausreichend schlafen zu können. Der Trend, gerade in Offenställen – aber auch immer häufiger bei Boxenhaltung – auf Einstreu zu verzichten und statt dessen nur Gummimatten oder „Pferdematratzen“ als Isolierung gegen Bodenkälte anzubieten, ist hier kritisch zu sehen. Die Pferde legen sich folglich nicht ausreichend zum Schlafen hin, ihnen fehlt dann die wichtige REM-Tiefschlafphase. „Narkolepsie“ – also das einbrechen beim Dösen, ist die unschöne Folge und natürlich wieder jede Menge Stress. Ordentliche Einstreu und ausreichend Platz für Abstand zum Nachbarn ist essentiell, um Schlafmangel-Stress zu vermeiden.
 
Herauszufinden, warum ein Pferd Stress hat, ist also gar nicht so einfach. Noch schwieriger gestaltet es sich meist, diesen Stress-Auslöser dann auch abzuschalten. Ist es nur der doofe Boxennachbar, kann man vielleicht noch die Box mit jemand anderem tauschen. Ist es aber die mangelnde Raufuttergabe, dann ist meist schon Stress für den Besitzer vorprogrammiert, sich mit dem Stallbetreiber und den anderen Einstellern darüber auseinander zu setzen. In einigen Fällen wird einem nichts anderes übrig bleiben, als den Stall zu wechseln – und siehe da, bei vielen Pferden verschwindet dann das Kotwasser, sobald der Stressauslöser nicht mehr vorhanden ist. 
 


Fütterung, Darmschleimhautentzündungen und Darmflora

Diese drei Punkte kann man nicht voneinander trennen, da sie in der Regel gemeinsam auftreten. Allen gemein ist, dass die betroffenen Pferde in den meisten Fällen unter zu niedrigen pH-Werten im Dickdarm leiden. Diese Übersäuerung des Dickdarms („Hindgut acidosis“) wird unter Wissenschaftlern immer kritischer untersucht und hinterfragt. Sie hängt in aller Regel zusammen mit falscher Fütterung, einer entgleisten Darmflora und/oder damit einhergehend Darmschleimhautentzündungen. 
 
Beim Menschen sind die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Darmflora, Darmschleimhautreizung und „Irritable Bowel Disease“ (IBD, IBS, FGID) mittlerweile relativ gut untersucht. Diese Studien am Menschen zeigen eine komplexe Wechselwirkung zwischen der Darmflora und dem Immunsystem. Die Mikroorganismen, die natürlicherweise im Darm leben, arbeiten demnach Hand in Hand mit dem Schleim, der von der Darmschleimhaut produziert wird und den darin enthaltenen IgA, antimikrobiellen Peptiden und Lysozymen. Sie sind aber auch in Symbiose mit den Epithelzellen des Darms – also der Schleimhautoberfläche – und den in der Darmschleimhaut eingebauten Anteilen des Immunsystems (dendritische Zellen, Lymphozyten). Kommt es im Dickdarm des Menschen zu einer „Dysbiose“, also einer Störung der natürlichen Darmflora, dann ist das Zusammenspiel der Darmsymbionten mit den“CD1d-Natürlichen Killerzellen“ des Immunsystems (NKT) gestört. Beim Menschen führen also Störungen der Darmflora zu NKT-vermittelten Entzündungen der Darmschleimhautoberfläche. Man geht davon aus, dass ähnliche Prozesse im Darm des Pferdes ebenfalls stattfinden. 
 

Vor allem silierte Futtermittel wie Heulage, Maissilage etc. aber auch Strukturhäckselfutter, großzügige Kraftfuttergaben oder reichliche Saftfutter wie Karotten, Äpfel oder Bananen) sind in vielen Fällen Ursache für eine gestörte Darmflora, daraus folgend zu sauren pH Werten im Dickdarm und entsprechenden Folgestörungen wie Kotwasser.

Die Wirkungsweise auf die Darmflora bzw. die Darmhomöostase ist aber je nach Futtermittel unterschiedlich.

Silierte Futtermittel

Silierte Futtermittel wie Heulage basieren auf einer Milchsäuregärung. Mit jeder Portion Heulage werden also im großen Stil Milchsäurebakterien und Milchsäure in den Verdauungstrakt eingetragen. Milchsäurebakterien gehören aber nicht zur natürlichen Dickdarmflora des Pferdes, sie sollten – wenn überhaupt – nur in geringsten Mengen vorkommen. Bei Wildpferden sind sie in der Regel gar nicht nachweisbar. In kleinen Mengen kann das Pferd im Dickdarm anfallende Milchsäure kompensieren, da sich in dem Fall Bakterien ansiedeln, welche die Milchsäure gleich weiter verwerten. Füttert man aber über Heulage oder andere silierte Futtermittel große Mengen von Milchsäurebakterien in den Darm, dann können sie sich entsprechend stark ansiedeln und senken dabei den pH Wert – insbesondere im Dickdarm – deutlich ab. Dadurch wird die natürliche Darmflora – die einen neutralen pH Wert benötigt – Stück für Stück verdrängt und es kommt zu einer weiteren Ansäuerung und damit auch Ansiedlung anderer, pathogener und säureliebender Keime. Großzügige Kraftfuttergaben, fruktanreiches Weidegras und ähnliche Futtermittel sind beste Grundlage für die jetzt vorhandenen Milchsäurebakterien, um sich weiter zu vermehren und die Darmhomöostase weiter zu stören. Die dabei entstehenden Säuren greifen zusätzlich zu dem gestörten Zusammenspiel zwischen Darmflora und Immunsystem auch noch die Darmschleimhaut an, es kommt zu Entzündungen. Als Symptom sieht der Besitzer dann das Kotwasser.

Pektine

Pektine, die „Baustoffe“ von Obst und Gemüse sowie von jungem Weidegras, führen ebenfalls zu einer Übersäuerung des Dickdarms und einer Entgleisung der natürlichen Darmflora. Der Weg geht hier aber weniger über Milchsäurebakterien, sondern vielmehr über Protozoen. Diese sind im Darm des Pferdes immer nachweisbar, aber in geringen Mengen. So stören sie auch nicht. Haben sie aber durch pektinreiche Fütterung ausreichend Nahrungsgrundlage, um sich zu vermehren, kommt es ebenfalls zu einer Ansäuerung des Dickdarms (Hindgut acidosis), zur Ansiedlung weiterer, pathogener und säureliebender Keime und damit zu Darmschleimhautentzündungen und letztlich Kotwasser. Bei der Fütterung von Obst und Gemüse wie Karotten oder Äpfeln ist also immer zu beachten: Die Dosis macht das Gift. In kleinen Mengen eine wohlschmeckende Belohnung, sind sie in großen Mengen problematisch für die Verdauung. Ganz im Gegensatz zum Menschen. Pektine sind beim Menschen pro-biotisch, helfen also, die Dickdarmflora zu stabilisieren. Beim Pferd sind sie genau das Gegenteil, da sie das mikrobielle Gleichgewicht im Dickdarm empfindlich stören. Unter diesem Aspekt ist auch die Fütterung von Apfeltrester oder (entmelassierten) Zuckerrübenschnitzeln an Pferde ausgesprochen kritisch zu sehen, da sie praktisch ausschließlich aus Pektin bestehen.

Strukturhäcksel

Strukturhäcksel bestehen in der Regel aus Heu oder aus Luzerne, die in 1-5cm lange Stücke „gehäckselt“ werden. Solche Häcksel werden dann als Einzelfuttermittel oder auch untergemischt in vielen Pferdemüslis angeboten. Man erkennt sie an den kurzen, grünen Stängeln. Diese trockenen Kurzhäcksel können von Pferden nicht ausreichend zerkaut werden. Sie werden als zu große Raufutterpartikel abgeschluckt und stören dann die Peristaltik im Dickdarm. Studien haben gezeigt, dass die Fütterung von Strukturhäckseln dafür sorgt, dass das Futter bis zu einer Woche im Dickdarm verbleibt. Der Dickdarm hält diese langen Fasern immer wieder zurück, weil hier ja noch Nährstoffe zum Aufschließen drin wären – die aber aufgrund der mangelnden mechanischen Zerkleinerung von den Darmsymbionten gar nicht ausreichend aufgeschlossen werden können. Optimal für den Dickdarm wären Faserlängen von 2-5mm, die auch beim natürlichen Kauprozess entstehen. Eine solche, durch Strukturhäcksel bedingte Retention von Nahrungsbrei führt zu Fehlgärungen, damit zu Störungen des Mikrobioms und in Folge dann – wie schon oben beschrieben – zu vermutlich immunvermittelten Entzündungsprozessen. 
 
In diesem Zusammenhang sollte man beachten, dass auch Dauerstress zu Darmschleimhautentzündungen führt und zu einer höheren Bereitschaft des Immunsystems zu „Überreaktionen“, die sich dann in Futtermittelallergien oder Autoimmunstörungen sowie Störungen der Darmhomöostase bemerkbar machen können.

Insbesondere, wenn Stress und Fütterungsfehler gemeinsam auftreten, sind Dickdarmstörungen vorpgrogrammiert.

Kotwasser und Magengeschwüre / Magenschleimhautentzündung

Das Thema der Magengeschwüre (Ulzera) oder Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) beim Pferd ist noch relativ neu. Dass es hier einen Zusammenhang gibt mit Kotwasser, ist eher dem Zufall geschuldet. Unter Heilpraktikern sehr beliebt ist die „Entsäuerungskur“ des Organismus mit Hilfe von Bikarbonat („Basenpulver“). Die Theorie dahinter ist, dass Bicarbonate fähig sind, Säuren abzubinden. Füttert man sie dem Pferd, dann tun sie das auch und zwar im Magen. Sie binden die Magensäure und werden dabei irreparabel zerstört, denn sie zerfallen bei dem Prozess im Wesentlichen zu CO2 und Wasser. Sie gelangen also nicht bis in den Dickdarm oder gar in das Bindegewebe, wo sie entsäuernd wirken sollen. Bicoarbonate neutralisieren einfach nur den Magen. Interessanterweise konnte man aber immer wieder beobachten, dass Pferde nach der Gabe von Bicarbonat deutlich weniger oder kein Kotwasser mehr hatten. 
 
Die Ursache ist bei solchen Pferden in Störungen der Magenhomöostase zu suchen, sie leiden also unter Gastritis oder bereits Ulzera der Magenschleimhaut. Diese reagieren empfindlich auf die aggressive Magensäure. Die Schmerzen, die dadurch entstehen, sorgen im Organismus für Stress. Und dieser Schmerz-Stress wiederum kann Kotwasser bedingen (siehe „Kotwasser und Stress“). Neutralisiert man jetzt die Magensäure mit Bicarbonat, fällt der auslösende Schmerz-Reiz weg. Der Stress lässt nach und damit auch das Kotwasser. Setzt man das Bicarbonat wieder ab, kommen die entzündeten Magenschleimhautbereiche wieder mit den Säuren in Berührung und das Kotwasser tritt zuverlässig wieder auf. 


Man kann daher die Bicarbonat-Gabe als eine Art „therapeutische Diagnostik“ bezeichnen. Verschwindet das Kotwasser nach Gabe von Bicarbonat, dann kann man davon ausgehen, dass das Pferd Entzündungen oder bereits Geschwüre der Magenschleimhaut hat. Bicarbonat ist dabei als Therapie für den Magen nicht geeignet, da durch die langfristige Neutralisierung des Magenmilieus andere Verdauungsprobleme (z.B. unzureichende Protein-Hydrolyse und oder Einschleppung von unerwünschten Mikroorganismen und folglich Dickdarmprobleme) entstehen.

von Kotwasser schmutziger Schweif
Magenschleimhautentzündungen (Gastritis) kann eine Ursache für Kotwasser sein. © Adobe Stock/Grubärin

Ein von Gastritis/Ulzera betroffenes Pferd sollte daher besser gezielt auf Magengeschwüre therapiert werden. Dazu gehört nicht nur die Regeneration der Schutz-Schleimschicht im Magen und das Eindämmen der Entzündungen, sondern in erster Linie auch, die Ursachen für das Magenproblem zu finden und zu lösen. Die Ursachen sind meist in Fehlern im Haltungs- oder Fütterungsmanagement zu suchen und reichen von zu großen Raufutterpausen (>4h) bis zu reinem Stress.

Sonstige mögliche Kotwasser-Ursachen:

Gebissanomalien

Viele Dentalpraktiker beobachten immer wieder, dass Kotwasser-Probleme sich bessern oder verschwinden, nachdem die Zähne in Ordnung gebracht wurden. Die Ursache hierfür liegt vermutlich darin, dass Pferde mit Zahnfehlstellungen oft ihr Raufutter nicht mehr ausreichend zerkleinern können. Kommt unzureichend zerkleinertes Raufutter in den Dickdarm, führt es zu Störungen der Peristaltik. Damit ist das Thema „Zahnprobleme“ als Ursache für Kotwasser im selben Bereich anzusiedeln wie die Fütterung von Strukturhäckseln. Nur dass in dem Fall das Pferd die Grobhäcksel selber beim Kauen produziert durch unzureichende Kauleistung. Die regelmäßige Zahnkontrolle und -korrektur durch einen entsprechend ausgebildeten Pferdedentalpraktiker sollte daher selbstverständlich sein.

Parasitenbefall

Hochgradiger Endoparasitenbefall („Würmer“) ist bekannt dafür, dass er Durchfall, Blähungen und Koliken verursachen kann. Gerade die Strongyliden sollte man dabei im Auge behalten bei Pferden mit Kotwasser. Hier stellt sich aber die Frage von Henne und Ei: Pferde mit Kotwasser haben häufig mit Wurminfekten zu tun. Ob die Würmer die Ursache für die Darmprobleme sind. Oder umgekehrt, das durch Darmprobleme gestörte Immunsystem die Ursache für den Wurmbefall ist – konnte bisher nicht abschließend geklärt werden. Dennoch sollte man bei Pferden mit Kotwasser regelmäßig Kotproben auf Wurmbefall untersuchen lassen und bei positivem Befund entsprechenden Maßnahmen durchführen.
 

Sandablagerungen

Auch Sandablagerungen im Dickdarm sind häufiger, als man immer so denkt. Umgekehrt hat das Pferd aber – als Steppentier – Mechanismen entwickelt, mit einer gewissen Menge Sand im Darm umzugehen. Problematisch ist vor allem die übermäßige Sandaufnahme, die man in unseren Haltungsbedingungen häufiger beobachten kann. In Studien konnte bisher aber kein direkter Zusammenhang zwischen Sand im Darm und Kotwasser nachgewiesen werden. Die praktische Erfahrung zeigt aber, dass viele Pferde, die übermäßig Sand aufnehmen, zu wenig Raufutter bekommen und/oder Magenprobleme haben. Beides wiederum ist Ursache für Stress und dieser ist dafür bekannt, dass er Kotwasser auslösen kann. Also vermutlich ist es nicht der Sand im Dickdarm. Sondern eher die Haltungs- und Fütterungsfehler, die u.a. auch zur übermäßigen Sandaufnahme führen.

Stoffwechselprobleme

Teilweise wird auf „Stoffwechselprobleme“ verwiesen im Zusammenhang mit Kotwasser. Diese können aber sehr vielfältig sein und ganz unterschiedliche Ursachen und auch Folgen haben. Andersherum sorgt aber Kotwasser dafür, dass das betroffene Pferd in praktisch jedem Fall Stoffwechselprobleme entwickelt.

Wenn die Darmhomöostase gestört ist – und das ist bei Kotwasser definitiv der Fall – läuft das Pferd langfristig in einen Mangel an essentiellen Nährstoffen, die üblicherweise von den Darmsymbionten zur Verfügung gestellt werden.

Eine der häufigsten Folgen ist die Entgiftungsstörung Kryptopyrrolurie (KPU) die dann wieder weitere Gesundheitsstörungen und Krankheitssymptome nach sich zieht.
 

Fazit

Die Vielfältigkeit der Ursachen und Verlaufsformen machen Kotwasser als Erkrankung schwer greifbar. So ist jeder Fall individuell zu betrachten. Was beim einen Pferd gut als Therapie anspricht, kann beim nächsten genau das falsche sein. Eine gründliche Anamnese der Vorgeschichte, der Fütterungs- und Haltungsbedingungen sind notwendig. Ebenso wie individuell eingestellte Therapiemaßnahmen, um dem Pferd langfristig zu helfen, wieder sein natürliches Verdauungsgleichgewicht zu finden.
 

Mehr zu m Thema Kotwasser auf unserer Themenseite Kotwasser oder Factsheet Kotwasser