Kräutersteckbrief

Deutscher NameMoos
Lateinischer NameBryophyta (bryon = Moos, phyton = Pflanze)
Traditionelle AnwendungEinige Moose werden äußerlich eingesetzt zur Herstellung von Wundsalben und direkt bei Ekzemen, innerliche Anwendung bei Bronchitis. Im Mittelalter vielfach eingesetzt bei Leberleiden.
Wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung(en)entzündungshemmend durch Hemmung der Stickstoffmonoxid (NO) -Produktion: Wird zu viel NO produziert, können sich viele Krankheiten entwickeln, auch wenn NO in geringen Mengen bei vielen biologischen Funktionen wie der Wirtsabwehr, Thrombozytenaggregation, Neurotransmission u.a. eine Rolle spielt.   Lebermoos: Flavonoide (entzündungshemmend) und Saponine (immunmodulierende, entzündungshemmende und expektorierende Eigenschaften). Produktion von TNF- wird durch Methanolextrakt aus Lebermoos erhöht.
Kontraindikationenfrische Lebermoospflanze aufgrund reizender Bestandteile meiden
Wann wird sie gesammelt?Ganzjährig, frisches Moos wird insbesondere im Winter beim Spazierengehen von einigen Pferden gerne gefressen, trocken aber häufig aussortiert
Welche Pflanzenteile werden verwendet?Ganze Pflanze
Wie wird sie zubereitet?Lebermoos trocknen
TriviaRiesige Pflanzenfamilie mit großer Anpassungsfähigkeit; in diversen Regionen weltweit zu finden (Wüste, Gebirge, Sumpf, Moor, Wasser, Wald) Lebensraum für Kleintiere, Insekten, Spinnen etc. Wichtiger Wasserspeicher, der sich bei Regen vollsaugt und das Wasser bei Trockenheit langsam abgibt Bodenschutz vor Austrocknung und Erosion Zeigerpflanze für Umweltschäden (z.B. saurer Regen)

Sanoanimal Kräutertipp:

Ohne Moos nix los?! Jeder kennt Moos und hat es schon einmal gesehen – ob am Boden oder an Bäumen. Doch was sind Moose eigentlich? Moose gab es bereits vor 350 bis 410 Millionen Jahren. Moose gehören zu den einfachsten Landpflanzen und besitzen keine Wurzeln. Sie haben eine große Anpassungsfähigkeit und werden weltweit in Wüsten, Gebirgen, Sümpfen, Mooren, im Wasser, auf dem Waldboden sowie auf Erde und Gestein gefunden. Da Moose Stoffe über ihre gesamte Oberfläche aufnehmen und leicht von Umweltgiften geschädigt werden können, sind sie – ebenso wie Flechten – Zeigerpflanzen für eine intakte bzw. bei ihrem Absterben für eine geschädigte Umwelt. Moose bilden nicht nur einen Schutz für den Boden und einen Speicher für Niederschlagswasser, sondern auch eigene Lebensräume für Kleintiere, Insekten, Spinnen etc., die wiederum Teil der Nahrungskette für Säugetiere, Reptilien und Vögel sind.

Auch wenn Moose wirtschaftlich keinen großen Nutzen aufweisen, werden sie aufgrund ihrer antimikrobiellen Eigenschaften (fungizid und bakterizid) in der Volksmedizin äußerlich bei Wundsalben und Ekzemen sowie teilweise innerlich bei Bronchitis eingesetzt. Im Mittelalter wurden einige Moose aufgrund ihres gelappten Aussehens entsprechend der Signaturenlehre der Leber zugeordnet und folglich bei Leberleiden eingesetzt, worauf auch die volkstümliche Bezeichnung „Lebermoose“ (Marchantiophyta) verweist. Als Heilpflanze spielen Moose heutzutage eine untergeordnete Rolle, sie werden aber von manchen Pferden gerne beim Waldspaziergang gezielt gefressen, was darauf hinweist, dass sie positive Eigenschaften zu haben scheinen.

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Die Studienlage über heilsame Wirkungen von Moos sind bisher eher dürftig, auch wenn Moose eine Vielzahl bioaktiver Stoffwechselprodukte enthalten. Einiges findet sich jedoch zu Lebermoosen. Diese bilden eine von drei Klassen der Moose, wobei Lebermoose im Vergleich zu den Verwandten weniger trockenresistent sind und eher in feuchten Umgebungen vorkommen. Lebermoos ist auch bekannt unter den Namen Hepatica, Nierenkraut oder Wassernabelkraut. Seinen Namen hat das Lebermoos aus früheren Zeiten erhalten, da es eine leberartig-gelappte Form aufweist. Nach der früher praktizierten Signaturenlehre ging man davon aus, dass Pflanzen, die einem Körperorgan ähneln, bei der Behandlung dieses Organs eingesetzt werden können.

Entsprechend wurde Lebermoos in früheren Zeiten vor allem bei Lebererkrankungen eingesetzt, auch wenn man zu dieser Zeit über seine Wirkstoffe noch nichts wusste. Außerdem findet es auch heute bei einigen Therapeuten noch Anwendung bei topischen (äußerlichen) Spülungen oder Hauterkrankungen, aufgrund der mangelnden wissenschaftlichen Grundlagen aber eher selten. Die chemischen Verbindungen einiger Lebermoose zeigen im Laborversuch Aktivität gegen bestimmte Krebszelllinien und darüber hinaus antibakterielle sowie antimikrobielle, antimykotische und muskelentspannende Eigenschaften. Allerdings sind gerade zu Lebermoosen auch aus einigen Studien Nebenwirkungen beschrieben. Dazu gehören Hautreizungen, Durchfall, Magen-, Nieren- und Harnwegsreizungen. Deshalb sollten Lebermoose nur von erfahrenen und entsprechend fundiert ausgebildeten Therapeuten eingesetzt werden

Vielen ist sicherlich auch das „Isländisch Moos“ bekannt, welches bei Erkrankungen der Atemwege eingesetzt wird. Hierbei handelt es sich allerdings um kein echtes Moos, sondern um eine Flechte (Cetraria islandica).

Insgesamt sind also noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen nötig, um die Wirkungen und Nebenwirkungen von Moosen besser zu verstehen, bevor man sie gezielt therapeutisch einsetzen kann.

Quellen:

  • Hertel, Eduard (1.4.2007): Ohne Moos nix los – Moose im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität Bayreuth
  • Institut für Natur und Informationsaustausch: Lebermoos – Wirkung, Studien, Anwendung. https://www.natur-journal.info/lebermoos/ (zuletzt aufgerufen am 23.01.2023)
  • Kim SY et al.: Anti-Inflammatory Effect of Liverwort (Marchantia polymorpha L.) and Racomitrium Moss (Racomitrium canescens (Hedw.) Brid.) Growing in Korea. Erschienen in Plants (Basel). 30.09.2021. https://doi.org/10.3390/plants10102075
  • Singh, G., & Singh, N. (2011). Phytochemical and pharmacological properties of the genus Bryophyllum (Crassulaceae). Journal of Ethnopharmacology, 137(3), 1121-1132.
  • Ali, M., & Khan, I. A. (2015). Pharmacological potential of medicinal mosses. Journal of Ethnopharmacology, 164, 372-390.
  • SZYPUŁA, Wojciech J.; PIETROSIUK, Agnieszka. Biology, Phytochemistry, Pharmacology, and Biotechnology of European Ferns, Club Mosses, and Horsetails: A Review. Medicinal Plants, 2021, S. 605-660.