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Wissen Pferde, was gut für sie ist?

Wissen Pferde, was gut für sie ist?
© Adobe Stock/Rita Kochmarjova

Diese Frage wird unter Pferdeleuten heiß diskutiert. Die einen argumentieren, dass Pferde die Evolution nicht überlebt hätten, wenn sie Sachen fressen würden, die ihnen schaden. Die anderen argumentieren, dass es einfach auch Futtermittel gibt, die so gut schmecken, dass sie trotz allem gefressen werden, auch wenn sie nicht gesund sind. Aber wer hat recht?

Beide! Die meisten Hauspferde haben – wie auch die Wildpferde – ein guten Instinkt dafür, was ihnen gut tut und welche Futtermittel sie eher vermeiden sollten. Dabei handelt es sich aber nicht um angeborenes Wissen, sondern um erlerntes.

Zum Einen lernen Fohlen vom ersten Tag an durch Abschauen von ihrer Mutter, was man fressen kann. Viele Pferdehalter können das bestätigen: hat die Mutter regelmäßig von bestimmten Büschen genascht, tut das meist auch ihr Nachwuchs, auch wenn die anderen Pferde einer Gruppe nicht daran gehen (weil sie das offenbar von ihrer Mutter nicht gelernt haben).

Braunes Pferd auf einer Blumenwiese
© Rita Kochmarjova / Adobe Stock

Je artenreicher der Lebensraum, in dem sich Mutter und Fohlen bewegen, umso gezielter wird auch das junge Pferd verschiedenste Pflanzen oder Teile davon fressen.

Steht die Mutter aber nur auf einer grünen Monokultur-Wiese, dann kann das Fohlen natürlich nicht lernen, wie schmackhaft die Blätter vom Haselnussstrauch sind oder wie gut der wilde Thymian beim Husten tut.

Darüber hinaus lernen Pferde aber auch ein Leben lang und ohne Vorbild, welche Pflanzen ihnen gut oder eben nicht bekommen.
Dieses Lernverhalten haben praktisch alle Säugetiere als angeborenes Verhalten: Das Pferd frisst etwas, das ihm nicht bekommt.
Das Resultat davon sind Bauchschmerzen (die meisten Giftpflanzen gehen, im Übermaß aufgenommen, mit Koliksymptomen einher). Dabei sind nur wenige Giftpflanzen so stark giftig, dass sie schon in kleinen Mengen heftigste Vergiftungssymptome auslösen. Meist sorgen sie für mehr oder weniger Bauchweh, Übelkeitsgefühl und ggf. auch Kreislaufprobleme. Es geht dem Pferd also insgesamt nach dem Fressen dieser Pflanze ziemlich schlecht. Daraus lernt das Pferd, in Zukunft die Pflanzen mit diesem Geschmack zu meiden. Auf diese Weise lernen sie auch im späteren Leben, die Giftpflanzen in ihrem Lebensraum zu erkennen und stehen zu lassen.

Problematisch ist dieses Lernverhalten vor allem dann, wenn Pferde unter Magengeschwüren leiden.
Da sie ständig mehr oder weniger Bauchweh haben, lernen sie recht bald, unbekannte oder intensiv schmeckende Futtermittel grundsätzlich abzulehnen – es könnte ihnen danach ja wieder schlecht gehen. Wer solch einen „mäkeligen Fresser“ im Stall hat, sollte also dringend mal über das Thema Magengeschwüre nachdenken.

Aber wie fast jeder Instinkt, kann auch die natürliche „Geschmackssicherheit“ von Pferden ausgetrickst werden.
Das funktioniert bei Pferden hervorragend über Zucker, aber auch Fette oder ätherische Öle wie Pfefferminzöl leisten hier ganze Arbeit.

Schon die Jungpferde – und mittlerweile sogar schon Fohlen – werden mit süßen Getreiden, aromatisierten oder melassierten Futtermitteln oder fruchtzuckrigem Saftfutter wie Äpfeln oder Karotten gefüttert.
Da Zucker nicht unmittelbar zu Bauchweh führt und gleichzeitig noch lecker ist und viel Energie spendet, werden diese Pferde regelrecht in die Zuckersucht hinein gefüttert. Bietet man einem solchen Pferd später Futtermittel mit unverträglichen Bestandteilen an, das aber gleichzeitig schön süß ist, wird es trotzdem gefressen. Es ist einfach positiv auf süßes Futter konditioniert.

Bietet man solchen „Zuckerjunkies“ dann mal reine Kräutermischungen oder fade, eingeweichte Heucobs an, werden diese oft verschmäht, da sie nicht süß schmecken.

Es dauert erfahrungsgemäß mindestens ein Jahr konsequent artgerechter Ernährung (und kein Pferd verhungert vor dem Heuhaufen!), bis Pferde wieder „entzuckert“ sind und ihr natürliches Fressverhalten wiederkehrt.
Und siehe da: Auf einmal werden Kräuter und -mischungen sehr gezielt ausgewählt und gefressen. Weil das Pferd wieder schmeckt und spürt, was gut und was schlecht ist.


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