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Jedes Pferd kann Quatsch lernen – aber jedes lernt anders

© Adobe Stock / Osetrik

Zeit für Zirkuslektionen und Clickertraining

Um sein Pferd auch bei schlechtem Wetter sinnvoll zu beschäftigen, setzen immer mehr Reiter auf Zirkuslektionen oder Clickertraining.

Diese Arbeit regt die kognitiven Fähigkeiten des Pferdes an und man kann den Fellnasen regelrecht ansehen, wie sich zwischen den Ohren die Zahnrädchen drehen, wenn man ihnen eine neue Übung zeigt. Viele Pferde und Reiter haben großen Spaß an dieser so ganz anderen Art von Arbeit, in die man neben Blödsinn wie „Beine überkreuzen“, „Eimer apportieren“ oder „ja und nein sagen“ auch spielerisch Muskeldehnungsübungen oder Gelassenheitstraining integrieren kann. Es gibt aber auch Pferdebesitzer, die schier verzweifeln an ihrem Liebling. Während das Nachbarpferd fröhlich und mit Begeisterung sein Trick-Repertoire abspult, will das eigene nur mit der dicken Nase in den Leckerlibeutel oder es wird bockig und ungeduldig, wenn alles nicht gleich auf Anhieb klappt oder es geht lieber aus dem Reithallenfenster gucken, was die Kumpels draußen so machen. Andere Pferde wiederum sind zwar bemüht, aber brauchen ewig, bis sie die einfachsten Übungen verstanden haben, was einen auch manchmal an der Intelligenz seines geliebten Vierbeines schwer zweifeln lässt.

Motivation durch die richtigen Leckerlis spielt hier natürlich eine Rolle.

Die meisten von uns bemühen sich auch eher, wenn dafür Schokolade in Aussicht steht, als für ein Stück Radieschen. Leckerlis für Zirkuslektionen oder Clickertraining sollten gleichzeitig klein und zuckerarm sein (weil während einer halben Stunde dieser Arbeit doch eine ganze Menge Leckerchen in so ein Pferd hinein passen), aber gleichzeitig so lecker sein, dass sie wirklich motivieren. Heucobs oder getrocknete Hagebutten werden von vielen Pferden zwar gerne genommen, aber die Begeisterung, sich dafür anzustrengen, hält sich meist sehr in Grenzen. Die OKAPI Clickerlis eignen sich sehr gut, sie sind klein und durch den Kräuteranteil gesund und kalorienarm, aber gleichzeitig lecker. Durch ihre Form sind sie besser für den Kauprozess geeignet als die meisten pelletierten Futtermittel. Hier und da kann man auch mal einen getrockneten Karottenchip dazwischen haben als „Jackpot“ Belohnung. Karottenchips sind recht zuckerreich, daher sollte man sie sparsam einsetzen, aber dafür sind sie natürlich umso attraktiver, um wieder die Aufmerksamkeit zu erhöhen. Dazu hängt der Erfolg der Zirkuslektions-Arbeit natürlich auch vom Pferd selber ab.

Pferde haben ganz unterschiedliche Charaktere und Talente, wie Menschen auch.

So arbeitet das eine Pferd gerne mit dem Menschen, während man das andere nur mit größter Mühe vom Heuhaufen oder von seiner Herde weg bekommt. Das eine lernt jede Lektion schnell, das andere tut sich unendlich schwer mit neuem. Das eine ist draufgängerisch, das andere eher ängstlich. Die 5 Elemente aus der Chinesischen Medizin können eine Hilfe sein, das Wesen seines Pferdes besser zu verstehen. Dieses Verständnis ist der erste Schritt, um die Lektionen passend zum Pferd aufzubauen. Denn je nach ihrem dominierenden Element lernen Pferde ganz unterschiedlich.

© Adobe Stock / Talitha

So arbeiten Pferde, die im Holztyp stehen, sehr gerne mit und tun sich in der Regel recht leicht damit, neue Lektionen zu lernen. Sie können aber überaus ungeduldig und zornig werden, wenn etwas nicht so klappt, wie sie sich das vorgestellt haben. Dazu gehören sowohl schwierige Übungen, die ihnen nicht auf Anhieb gelingen als auch ständiges Wiederholen einer Lektion, bis sie perfekt sitzt. Holzpferde leben nach der Devise „passt schon, weiter gehts!“ und sind insgesamt mit körperlicher Arbeit meist ausgeglichener und zufriedener als mit geistiger. Mit ihnen sollte man Zirkuslektionen nicht übertreiben, sonst werden sie grantig und blockieren die Zusammenarbeit.

Auch Pferde, bei denen das Element Feuer dominiert, lernen meist schnell, aber sie sind von Wiederholungen genau so schnell gelangweilt. Sie wollen Ihrem Besitzer gefallen und gelobt werden, Bewunderung ist oft noch wichtiger als das Leckerli. Sie profitieren besonders von dieser „Denkarbeit“, den ihr kreativer Geist will ständig beschäftigt werden und wenn man ihnen keine Abwechslung bietet, dann denken sie sich gerne auch selber neuen Blödsinn aus. Mit ihnen können Zirkuslektionen überaus unterhaltsam werden, da sie gerne eigene Ideen und Interpretationen einbringen. Zwischendurch brauchen sie aber auch mal den körperlichen „Workout“ – daher sollte man bei allem Spaß nicht täglich nur Clickern. Wichtig ist bei Feuer-Pferden, dass man den gelernten Quatsch auch wieder „abschalten“ kann, sonst führen sie ihn pausenlos vor.

Da für Pferde im Erde-Typ Futter so ziemlich das wichtigste im Leben ist, kann man sie mit einer Handvoll Leckerchen oft zu Höchstleistungen motivieren. Sie sind geistig meist nicht die schnellsten und es gibt so die Tage, wo man sich denkt „das lernt der nie!“ – aber was sie dann mal gelernt haben, das sitzt und kann jederzeit zuverlässig abgerufen werden (während das Feuer-Pferd schon auch mal wieder vergisst, was es letzte Woche gelernt hat…). Man muss bei Erde-Pferden mit Geduld und Ruhe rangehen und schwierige Lektionen in kleine Einheiten herunter brechen, die man mit ihnen gemeinsam Schritt für Schritt erarbeitet. Dann sind sie sehr bemühte und zuverlässige Kameraden, die für ein Jackpot Leckerli alles tun.

Wer ein Pferd aus dem Metall-Element hat, der hat einen „Professor“ im Stall. Es sind Pferde, bei denen man manchmal Sorge hat, sie könnten klüger sein als man selbst. Als ernsthafte Mitarbeiter beobachten sie viel, zerlegen jede Lektion analytisch und führen sie dann korrekt aus. Immer gleiche Routinen und Wiederholungen sind ganz ihr Element. Sie sind die Perfektionisten unter den Zirkuspferden, aber sie können ausgesprochen mürrisch werden, wenn man auf ihre Kosten Späße treibt oder sie das Gefühl haben, ausgelacht zu werden. Wer einen Zirkusclown sucht, ist beim Metall-Pferd an der falschen Stelle. Hier sind Zirkuslektionen eine ernste Sache, die korrekt ausgeführt gehört.

Wasser-Pferde sind im ausgeglichenen Zustand sehr flexibel und unkompliziert und machen alle Lektionen brav und ohne Aufsehen mit. Sie neigen aber sehr zur Ängstlichkeit. Hier bietet es sich an, insbesondere Clickertraining mit Desensibilisierungstraining zu kombinieren, sodass „gefährliche“ Dinge wie Plastikplanen, Regenschirme und dergleichen ihren Schrecken verlieren und positiv bewertet werden. Ganz wichtig ist für solche Pferde, dass man immer viel Ruhe und Gelassenheit vermittelt und nie ungeduldig wird, wenn etwas nicht so klappt wie geplant. Ärger des Besitzers führt sofort zu Angst beim Wasser-Pferd und es schaltet dann regelrecht das Gehirn aus.

Man sieht also: grundsätzlich kann man mit allen Pferdetypen Zirkuslektionen oder Clickertraining machen, man muss nur die Übungen immer passend zum Pferd gestalten. Und bei aller Begeisterung für solche Arbeit: nicht vergessen, dass Pferde in erster Linie Bewegungstiere sind. Sobald es das Wetter zulässt also ab ins Gelände, die letzten schönen Herbsttage im rot-goldenen Wald oder auf verzaubert-nebligen Feldern genießen. Dafür gibt’s anschließend heißen Tee aus der Thermoskanne für den durchgefrorenen Reiter und einen Danke-Keks fürs Pferd.

Mehr zu den Pferdetypen findet man auch im Buch „Erkenne dein Pferd in den 5 Elementen“, erschienen im Crystal-Verlag:

https://crystal-verlag.com/produkt/erkenne-dein-pferd-in-den-5-elementen-dr-christina-fritz/

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