Augen auf beim Pferdekauf

Augen auf beim Pferdekauf

Das Wetter ist schön, die ersten Pferde sind auf der Weide, da kommen die schönen Erinnerungen hoch an tolle Tage, die man als Kind auf dem Ponyhof verbracht hat. Die neue Freundin hat ein Pferd und da sie so viel Zeit auf dem Hof verbringt, bietet es sich an, dass man auch mal Reitstunden nimmt und schon ist man begeistert und will mehr. Das Reitbeteiligungspferd wird in Rente geschickt und eine andere passende Reitbeteiligung nicht in Sicht, was tun? 

Es gibt viele Gründe, warum man sich dafür entscheidet, sich ein Pferd anschaffen zu wollen. Oft genug sehen wir in unserer Praxis allerdings Pferd-Reiter-Kombinationen, bei denen dieser Schritt gründlich schief gegangen ist. Vom dauerkranken oder kaputt gerittenen Pferd, das einem unwissenden Neuling angedreht wurde über Pferde mit gefährlichen Verhaltensstörungen und Traumata, die ihre Besitzer regelmäßig beißen, treten oder runterbuckeln bis hin zu dreijährigen, grünen Jungpferden, die einem ebenso grünen Reitanfänger verkauft werden – die Liste der frustrierenden Pferdekäufe ist lang. Nicht selten enden solche Pferdekäufe dann damit, dass die Pferde weiter verkauft werden, der Pferdeneuling das Hobby an den Nagel hängt oder im schlimmsten Fall mit schweren Verletzungen im Krankenhaus landet und vielleicht nie wieder auf einem Pferd sitzen kann. 

Wir haben aus der Praxiserfahrung heraus eine Checkliste erstellt, worauf man als Pferdebesitzer-Neuling beim Kauf achten sollte, um spätere Enttäuschungen zu vermeiden. Denn oft genug entscheidet das Herz und nicht der Kopf oder man hat einfach nicht die Erfahrung und  den Blick, Probleme frühzeitig als solche zu erkennen. „Ich habe mich spontan in ihn verliebt, als ich die Internetanzeige gesehen habe“ kann gut gehen, aber erfahrungsgemäß geht es in den meisten Fällen schief.
Wir wollen hier einen Wegweiser geben, damit die neue Zukunft mit dem vierbeinigen Gefährten ein Erfolg wird. Denn auch wenn man schon länger Reitunterricht nimmt oder eine Reitbeteiligung hatte – der Schritt zum eigenen Pferd mit allen Kosten, aller Verantwortung und auch allen Konsequenzen ist nicht zu unterschätzen. Und Pferdehändler haben – wie Gebrauchtwagenverkäufer – nicht ohne Grund einen halbseidenen Ruf in der allgemeinen Wahrnehmung, denn allzu oft wird auch hier nicht ganz mit offenen Karten gespielt.

Welche Fragen sollte ich mir stellen, bevor ich ernsthaft anfange, nach einem Pferd zu suchen?

1. Muss es wirklich ein eigenes Pferd sein?

Es gibt viele Möglichkeiten, dem Hobby Reiten zu folgen. Viele Pferdebesitzer sind froh, wenn sie eine Reitbeteiligung für ihr Pferd finden, da sie selber nicht genug Zeit haben. Eine Reitbeteiligung bedeutet auch weniger Kosten und weniger Verantwortung und kann eine gute Alternative zum eigenen Pferd sein. Gerade wenn man in seinem Leben noch nicht ganz „angekommen“ ist und vielleicht ein Auslandsjahr plant oder nochmal eine Ausbildung oder man noch Nachwuchs haben möchte, dann ist die Zeit vielleicht noch nicht reif für ein eigenes Pferd.
Auch muss man sich kritisch fragen, ob man überhaupt genügend Zeit hat für ein eigenes Pferd – neben Arbeit, Haushalt, Partner, Kindern, Hund… Wie viel Zeit ist jeden Tag übrig, sich um ein Pferd zu kümmern? Geh davon aus, dass du für ein Pferd pro Stallbesuch zwei Stunden als Minimum einplanen musst. Wie oft kannst du das? Worauf musst du verzichten, wenn du die Zeit für das Pferd brauchst?
Zeitintensive andere Hobbies oder ein Freundeskreis, der nichts mit Pferden am Hut hat können dafür sorgen, dass entweder für dein Pferd zu wenig Zeit bleibt, oder du andere Hobbies oder dein Sozialleben an den Nagel hängen kannst. Bist du dafür bereit? Wenn du nun mal ganz ehrlich zu dir selbst bist und nur zweimal pro Woche dieses Zeitkontingent “übrig“ hast, dann ist vielleicht doch die Reitbeteiligung erstmal der richtige Weg, bis sich dein Leben dahingehend ändert, dass du mehr Zeit hast.
Einfach mal in den Ställen der Umgebung einen Zettel am schwarzen Brett aufhängen, vielleicht ergibt sich hier ja etwas. 

2. Kann ich mir überhaupt ein eigenes Pferd leisten?

Wenn man Anzeigen sieht, die lauten „Suche eigenes Pferd geschenkt“ – dann muss man sich schon immer fragen, ob demjenigen überhaupt klar ist, dass die Anschaffungskosten in der Regel der geringste Kostenfaktor sind für ein Pferd.
Ein Jahr lang die monatlichen Kosten zurück gelegt und man kann sich schon ein sehr ordentliches Pferd leisten. Natürlich gibt es hier eine große Spanne, was Pferde kosten. Man sieht immer mal wieder Anzeigen, wo Pferde zu verschenken sind, aber das ist meist nicht ohne Grund.
Man muss damit rechnen, dass man damit einen nicht-reitbaren Dauerpatienten bekommt, wo sich die zusätzlichen Therapiekosten schon im ersten Jahr auf mehr summieren können als der Kaufpreis für ein gutes Reitpferd.
Es gibt auch schon Pferde für 500 bis 1.000 Euro, was so ungefähr dem Schlachtpreis für Pferde entspricht. Hier findet man ausgemusterte Rennpferde, kaputt gerittene Turnierpferde, altersschwache Pferde (denn ab 20 wird es wirklich teuer im Unterhalt!) und ähnliche Kandidaten, bei denen die Besitzer oft froh sind, das Pferd überhaupt los zu werden. Egal zu welchem Preis, Hauptsache keine laufenden Kosten mehr.
Natürlich bekommt man auch einen Jährling ohne Papiere zu diesem Preis. Hier muss man allerdings nochmal 3-4 Jahre in Aufzucht investieren und dann noch in einen Bereiter zum Einreiten für 6-12 Monate, bevor man selber zum ersten Mal auf seinem Pferd sitzt.
Am Ende kommt einen dieses Pferd, bis man endlich zum Reiten kommt, deutlich teurer als wenn man ein ausgewachsenes, eingerittenes Pferd kauft (zumal man ja in der Zeit dazwischen meist weiter reiten will, also noch Kosten für Reitbeteiligung und / oder Unterricht dazu kommen).
Üblicherweise wird man für ein gesundes, ordentlich gerittenes Pferd, das „nichts besonderes“ ist im Bezug auf Rasse, Abstammungspapiere, Turniererfolge etc. etwas im Bereich zwischen 3.000 und 5.000 Euro zahlen.
Hat man Ambitionen und sucht ein Pferd, mit dem man auch Turniere gehen kann, wird es schon teurer, da ist man dann schnell mit 10.000 Euro dabei für ein ordentlich ausgebildetes Pferd, das vielleicht auch schon ein paar Schleifen nach Hause gebracht hat. Wenn es dann noch eine Spezialrasse oder spezielle Eigenschaften in Bezug auf Ausbildung, Gangverhalten etc. sein sollen, dann sprechen wir schnell über Kaufpreise zwischen 10.000 und 20.000 Euro.
Das sollte man schon auf dem Konto haben, bevor man nach Pferden Ausschau hält. Die wenigsten Verkäufer werden sich auf Ratenzahlungen einlassen, zumal ja dann zu den monatlichen Kaufraten auch noch die Unterhaltskosten kommen und die sind für ein Pferd nicht unerheblich.

3. Kann ich mir den monatlichen Unterhalt und auch mal eine höhere Tierarztrechnung leisten?

Da schlägt zunächst die Stallmiete zu Buche. Die kann natürlich sehr stark variieren und zwar vor allem mit der Region, in der man lebt und mit dem Service. Grundsätzlich gilt, dass die Stallmieten rund um Ballungszentren deutlich höher liegen als im ländlichen Bereich. Je weiter ich jedoch fahren muss, umso mehr Spritgeld und Autoabnutzung muss ich dazu rechnen (im Schnitt 0,30 Euro pro gefahrenen Kilometer, also Hin- und Rückweg).
Da kann ein Stall, der näher dran ist, am Ende des Monats manchmal günstiger sein. Außerdem fressen lange Fahrzeiten weiter an dem Zeitkontingent, das ich für mein Pferd habe. Wenn eine Stunde schon mit Hin- und Rückfahrt weg sind, muss ich jedes Mal mindestens 3 Stunden Zeit haben, um mich in Ruhe um mein Pferd kümmern zu können. Bei einer Stunde einfache Strecke muss ich 2 Stunden Fahrzeit rechnen für 2 Stunden beim Pferd, also 4 Stunden insgesamt.
Will ich das auch im Winter machen, wenn es früh dunkel wird und ich dann nach der Arbeit immer erst um 20 Uhr im Stall ankomme? 

Der Service in den Ställen ist sehr unterschiedlich – von Vollpension bis Selbstversorger. Bei einem Vollpensions-Stall ist normalerweise Unterbringung, Einstreu und Heu in der Stallmiete enthalten sowie tägliches Misten und im Sommer Koppelgang. Optional kann man in vielen Ställen weitere Leistungen zubuchen, z.B. Eindecken des Pferdes bei Schlechtwetter, eine eigene Weide oder das Vorstellen beim Schmied. Diese Kosten muss ich dann noch oben drauf rechnen, wenn ich sie in Anspruch nehmen will. Hier muss man also genau nachfragen, welche Leistungen alle enthalten sind – sonst kommt dann der Schock, wenn nur 6kg Heu pro Tag inklusive sind (Heu satt kostet extra) oder Weidegang extra bezahlt werden muss. Günstiger sind Selbstversorger-Ställe, wo sich entweder mehrere Pferdehalter zusammen tun oder ein Stallbetreiber an Selbstversorger vermietet. Das heißt: Abmisten, Füttern, Zäune reparieren, Heu einkaufen und -lagern und all die anderen Stallarbeiten kommen mit auf meine 2 Stunden beim Pferd oben drauf. Außerdem hat man seine festen Stalldienste und büßt eine Menge Flexibilität ein, wann man zu seinem Pferd fährt. Die meisten Selbstversorger kommen früher oder später darauf, dass sie zwar eine Menge Stunden im Stall verbringen, aber wenig Zeit mit ihrem Pferd, weil man nach zwei Stunden abmisten einfach müde ist und keine Lust mehr hat auf eine weitere Stunde kalte Füße, Nieselregen oder Mückenplage. Das Reiten kommt immer kürzer, die Stallarbeit wird immer lästiger. Das geht alles noch im Sommer, wenn die Tage lang und das Wetter trocken ist. Ich muss meinen Stalldienst aber auch im Winter machen, wenn ich erst um 18 Uhr von der Arbeit komme und mit Stirnlampe bei strömendem Regen die Karre durch die Pampe schieben muss zum Abmisten. Ist dann das Budget für Stallmiete zu knapp mit meinem monatlichen Budget kalkuliert, habe ich nicht einfach die Möglichkeit, in einen Vollpension-Stall zu wechseln, weil ich mir das einfach nicht leisten kann. Daher sicherheitshalber die Einstellpreise für Vollpension in der eigenen Region checken und überlegen, ob man sich das jeden Monat auf die nächsten 20 Jahre hinaus leisten kann. 

Zur Stallmiete kommen die weiteren laufenden Kosten. Dazu gehört die Hufbearbeitung alle 6-8 Wochen. Die Preise hier variieren, die Barhufbearbeitung ist dabei in der Regel das Günstigste, ein Beschlag wird teurer und wenn es ein orthopädischer Beschlag ist, dann bin ich alle 6 Wochen auch schnell mal 200 – 400 Euro los. Dazu kommen Tierarztkosten, wenn mal etwas sein sollte und einmal jährlich die Zahnbearbeitung.

Als Reitanfänger oder Wiedereinsteiger sollte man auch unbedingt weiterhin Unterricht nehmen, wenn auch jetzt auf dem eigenen Pferd. Zwei Reitstunden pro Woche kommen also auch noch auf die Rechnung oben drauf. Dazu sollte man unbedingt eine Haftpflichtversicherung für sein Pferd haben und ggf. auch eine OP Versicherung, damit man bei einer notwendigen Operation nicht plötzlich ganz pleite dasteht. So eine Kolik-OP kann sich schnell auf 4.000 – 6.000 Euro summieren und hat schon in manchem Fall den Kaufpreis überstiegen. 

Neben diesen monatlichen laufenden Kosten muss man außerdem noch ein Budget für die Anschaffung der Ausrüstung einrechnen. Für einen passenden, gebrauchten Sattel inkl. Anpassung durch den Sattler ist man schnell 600 – 2.000 Euro los, je nachdem, was für ein Modell es sein soll. Dazu kommt Trense, Halfter, Frühstrick, Putzzeug, evt. noch eine Abschwitzdecke und ggf. einige Regen- oder Thermodecken, wenn man ein Pferd hat, das kaum Winterfell bildet und natürlich sonstige Ausrüstungsgegenstände je nach Interessen und Reitweise. Auch diese „Kleinigkeiten“ summieren sich dann schnell in der Anschaffung auf 200 – 1.000 Euro, je nach Aufwand und Qualität und natürlich braucht man gelegentlich auch mal ein neues Halfter oder muss einen zerschlissenen Strick ersetzen.
Hat man ein Pferd mit Gesundheitsproblemen gekauft, muss man auch noch Gelder für Therapeuten und ggf. Futterzusätze oder Medikamente einrechnen. Insgesamt kann man sagen, dass bei der Anschaffung eines Pferdes, bis man wirklich alles komplett hat 2.000 – 3.000 Euro schnell weg sind (zuzüglich zum Kaufpreis!)  und die laufenden Kosten (wenn keine größeren Probleme auftauchen) im Schnitt bei 400 – 800 Euro liegen, je nach Höhe der Stallmiete. Das Geld muss man netto übrig haben, um sich ein Pferd in einem ordentlichen Stall halten zu können. Wer bei diesen Preisen schon Schnappatmung kriegt, sollte vielleicht doch vorerst noch bei der Reitbeteiligung bleiben und den Traum vom eigenen Pferd verschieben. 

Drei Pferde schauen über ihre Boxentüren
© Adobe Stock/castenoid

4. Was für ein Pferd soll es sein?

„Ein gutes Pferd hat keine Farbe“ ist eine alte Reiterweisheit – und trotzdem werden die meisten Pferde nach ihrer Farbe und nach dem hübschen Köpfchen ausgesucht.
Wenn man ein Neuling ist als Pferdebesitzer, dann sollte man allerdings deutlich mehr Wert auf andere Eigenschaften legen.

Dabei muss zunächst einmal die Größe des Pferdes zum Reiter passen. Der Reiter sollte nicht mehr als 15% vom Gewicht des Pferdes wiegen. Kaufe ich also ein mittelgroßes Pferd mit 500kg Körpergewicht, dann sollte ich selber nicht mehr als 75kg inkl. meiner Ausrüstung wiegen.

Und mit dem Pferdekauf ist das wie mit dem Kleiderkauf: „da hungere ich mich rein“ funktioniert nie. Bin ich also eher ein schwerer Typ, sollte ich auch nach einem Pferd Ausschau halten, das mich tragen kann. Hat das Pferd selber schon 100kg Übergewicht, dann sollte ich da nicht auch noch mein Gewicht oben drauf packen. Hier muss erstmal das Pferd auf Normalgewicht kommen, bis ich an Reiten denken kann.

Auch von den Größenverhältnissen muss das Ganze passen. Als Faustregel gilt, dass die Schrittlänge des Pferdes zur Schrittlänge des Menschen passen muss. Wenn ich also das Pferd führe und wir laufen im Gleichschritt, dann passen wir in unseren Größenverhältnissen. Läuft aber ein großer Mensch neben einem kleinen Isländer oder ein kleiner Mensch neben einem großen Warmblut, dann sieht man sofort, dass das von der Schrittlänge nicht passt.

Da das Pferd beim Reiten den Menschen spiegelt in der Bewegung habe ich das entspannteste Reiterlebnis, wenn wir dieselbe Schrittlänge haben (Reiten ist letztlich Laufen zu Pferde). Hat mein Pferd einen deutlich längeren oder kürzeren Schritt als ich, dann muss ich meine Bewegungen beim Reiten an mein Pferd anpassen und das ist immens anstrengend. Mach mal eine Stunde Wanderung mit jemandem, der deutlich schneller oder deutlich langsamer läuft als du. Du wirst feststellen, wie anstrengend es ist, wenn du in einem Tempo laufen muss, das nicht deinem eigenen „Nomaltempo“ entspricht. Genau so anstrengend wird das Reiten, wenn du dich auf die Schrittlänge deines Pferdes einstellen musst.
Alternativ behältst du dein Bewegungsmuster bei, das sorgt jedoch dafür, dass du dein Pferd „vertaktest“, weil es versucht, sich an deine Schrittlänge anzupassen, was zu frühem Verschleiß im Bewegungsapparat, Verspannungen und mangelnder Freude an der Bewegung bei deinem Pferd führt. Daher sollte man neben dem Pferdegewicht und dem kritischen Vergleich mit dem eigenen Gewicht auch immer mal das Pferd 15-20 min entspannt führen und schauen, ob man dann immer noch im Gleichtakt läuft oder ständig gegeneinander. Wenn die Schrittlängen nicht passen, dann sollte man sich nach einem Pferd in der passenden Größe umschauen. 

Häufig hören wir Aussagen wie „ich möchte ein Jungpferd, das ist noch nicht verdorben“ – und ergänzen das dann still mit: „damit du, lieber Pferdeneuling, das Pferd dann selbst verderben kannst!“ Ein Jungpferd ist natürlich auf den ersten Blick verführerisch: es hat (hoffentlich) noch keine schlechten Erfahrungen mit dem Menschen gemacht, es sieht schick aus, hat noch keine „Alterszipperlein“, man hat eine lange „Nutzungsdauer“ vor sich, und es ist meist auch noch günstiger als ein älteres, gut ausgebildetes Pferd. Die alten Reitmeister wussten jedoch schon, dass zwei Schüler immer eine schlechte Kombination sind.

Auf ein unerfahrenes Pferd gehört ein erfahrener Reiter und der unerfahrene Reiter braucht ein erfahrenes Pferd. Nur dann kann man voneinander sinnvoll lernen und vermeidet unschöne und traumatisierende Erfahrungen auf beiden Seiten.

Nicht ohne Grund wählen Reitschulen ihre Pferde sehr sorgfältig aus, ob sie charakterlich für den Job mit unerfahrenen Menschen geeignet sind bzw. verkaufen auch Pferde wieder, die nicht „anfängersicher“ sind. Wenn es das erste Pferd ist – auch wenn man schon lange Reitunterricht hat – sollte man immer ein erfahrenes, ruhiges, älteres Pferd zum Einstieg in die neue Welt des „eigenen Pferdes“ wählen. Wenn man ein Pferd mit 15 Jahren kauft, gehört es heute noch lange nicht zum alten Eisen. Man hat noch gemeinsame gute 10 Jahre vor sich, in denen man viele lernen kann von seinem Pferd.
Ein älteres Pferd erschreckt sich nicht mehr so leicht, es ist geduldiger mit dem Menschen und weiß, wie es seinen Job zu machen hat. Bis man einem Vierjährigen erstmal das ganze Pferde-Einmaleins so beigebracht hat, dass es sicher sitzt und das Pferd im Alltag „funktioniert“, gehen schnell 6-8 Jahre ins Land. Da hätte man sich gleich ein 10-12jähriges Pferd kaufen können und viele, viele Nerven und vermutlich auch die eine oder andere unschöne oder schmerzhafte Erfahrung gespart. Denn man muss als Pferdebesitzer nicht nur Reiten können, sondern sich jetzt auch um vieles anderes kümmern, was sonst der Reitlehrer bei den Reitschulpferden oder der Besitzer beim Reitbeteiligungspferd übernimmt. Ständiges Korrigieren unerwünschten Verhaltens (betteln, scharren, an der Jacke rumrupfen), ständiges Korrekturreiten, damit sich Fehler nicht in Fehlhaltungen manifestieren, Gesundheitsver- und vorsorge, vom Impfen bis zum Anlegen eines Verbandes und viele andere tägliche Dinge gehören dazu.
Ein grünes Pferd, das noch nicht mal Hufe geben kann, ist ein Projekt, wo man mit zweimal zwei Stunden pro Woche nicht voran kommt und dann über die nächsten Jahre an Reiten nicht zu denken ist. Hier ist tägliches Üben angesagt, bis wenigstens mal die Alltäglichen Dinge funktionieren: Anbinden und dort auch still stehen bleiben, Putzen, überall anfassen, Hufe geben, ins Maul greifen, Beine abwaschen, Satteln, Trensen, still stehen beim Aufsteigen… Bis man mal an dem Punkt ist, sich auf sein Pferd zu setzen, haben die meisten Pferdeneulinge, die bisher ein braves und kooperatives Reitschulpferd gewohnt waren, schon mehrfach die Nerven geschmissen.

Bei der Frage, ob man sich eher eine Stute oder einen Wallach zulegen soll, scheiden sich die Geister. Es gibt ausgesprochene „Stutenmenschen“ und es gibt „Wallachmenschen“, die zu dem einen oder anderen Geschlecht einfach einen besseren Draht haben.
Stuten sind dafür bekannt, öfter mal launisch oder zickig zu sein, vor allem wenn sie rossen. Wallachen sagt man ein ausgeglicheneres Gemüt nach, es gibt aber auch ausgesprochen temperamentvolle und hengstige Wallache, die dann schon eine Herausforderung für den Reiter sein können, vor allem bei Haltung in gemischten Gruppen, wenn die Mädels rossen. Wofür man sich letztlich entscheidet, ist nicht so wichtig – man muss einen Draht zu dem Pferd haben und mit seinem Charakter zurecht kommen.
Eine ruhige, mütterlich-freundliche Stute kann dann ein angenehmerer Partner sein als ein hengstiger Wallach, der auf jede Stute draufsteigen will.
Ein netter Wallach kann die bessere Wahl sein als eine Stute, die während jeder Rosse schnappt und kickt. Aus gutem Grund sind Hengste nicht in der Aufzählung enthalten, weil Hengste immer nur in die Hände von Fachleuten gehören, die ihnen eine artgerechte Haltung und ein entsprechendes Handling bieten können. Die Probleme fangen schon damit an, dass man als Einsteller in einem normalen Pferdebetrieb seinen Hengst zur Einzelhaft verurteilt. Gemischte Gruppen sind ebenso ein No-Go wie ein Hengst in einer Wallachgruppe, wenn die Stuten daneben stehen. Das Risiko, dass der Hengst über den Zaun geht und die Stuten deckt, will kein Stallbetreiber und auch kein Stutenhalter eingehen.
Außerdem gehen viele Hengst auf die Wallache der Herde los, sobald sie rossige Stuten wittern, um die Konkurrenz zu „vertreiben“. Spätestens in dem Moment spielen auch die Wallachbesitzer nicht mehr mit, sodass der Hengst – wenn er überhaupt mal aus seiner Box raus darf – abends oder morgens alleine auf einen Paddock oder eine Weide kommt, wenn keine anderen Pferde in Sicht sind.
Pferde – auch Hengste – sind aber soziale Tiere und durch die Einzelhaltung entwickeln die meisten Hengste früher oder später psychische Probleme. Dazu kommt, dass ein Hengst naturgemäß ein anderes Verhalten hat als ein Wallach. Das sieht man oft noch nicht, wenn man einen 3- oder 4jährigen Spanier bekommt. Denn gerade Spanier sind Spätentwickler und in dem Alter noch „Babys“, die sich sofort und ohne Murren unterordnen. Erst mit etwa 8 Jahren sind sie „erwachsen“ und das ist dann meist die Zeit, wo die Probleme immer mehr zunehmen, bis sie irgendwann als „gefährlich“ oder „unreitbar“ gelten.
Wenn man also nicht die Möglichkeit hat, seinen Hengst zusammen mit einem Wallach oder Hengst bei sich am Haus zu halten, weit weg von rossigen Stuten und dazu noch sehr viel Erfahrung in der Haltung, Erziehung und im Umgang mit Hengsten hat, sollte man auf jeden Fall die Finger davon lassen! Auch wenn der Friese noch so eine schöne Wallemähne hat, auch wenn der spanische Züchter den Hengst als noch so brav und wohlerzogen anpreist – Hengste sind was für Profis mit eigenem (Hengst-)Stall und nichts für Freizeitreiter.

Und als Letztes stellt sich natürlich immer noch die Frage nach der passenden Rasse. Hier gilt dasselbe wie bei der Farbe: Eine gutes Pferd hat auch keine Rasse.
Natürlich hat jede Rasse bestimmte Eigenschaften, die man wünschenswert finden kann. So wird der Araber tendenziell immer viel Temperament und etwas Schreckhaftigkeit mitbringen, dafür superedel aussehen.
Ob man als Anfänger jetzt unbedingt nach einer Rasse Ausschau halten will, die dafür bekannt ist, „Gespenster“ zu sehen und öfter mal kopflos durch die Gegend brettert, sollte wohlüberlegt sein. Der Friese ist hervorragend geeignet, um Kutschen zu ziehen und hat ein freundliches, menschenbezogenes Wesen. Aber sein Gebäude ist für das Reiten denkbar ungeeignet und wer nicht Kutsche fahren möchte und nicht ein ausgesprochen exzellenter Dressurreiter ist, sollte um den Friesen als Reitpferd besser einen Bogen machen.
Wer sportliche Ambitionen hat in Richtung Dressur, Springen oder Vielseitigkeit, ist mit einem Warmblut sicher am Besten bedient und sollte keine Experimente mit ausrangierten Galoppern machen, die zwar in der Vielseitigkeit unter einem guten Reiter oft noch gute Punkte bringen, aber in Dressur und Springen den extra darauf gezüchteten Warmblutlinien immer deutlich unterlegen sind.
Ein Reiter, der hingegen eher gemütliche Ausritte durch den Wald machen will, sollte sich nicht gerade das Supersportpferd mit viel Gang und Temperament aussuchen, sondern eher nach einem Pferd aus den klassischen Gebrauchsrassen wie Quarter, Tinker oder Haflinger umsehen.

Es gibt über 200 Pferderassen auf der Welt und das Wichtigste ist immer, dass das Pferd zum Reiter passt, sowohl körperlich als auch charakterlich. Man hat zwar immer die Rassen auch auf bestimmte Charaktere hin gezüchtet – den temperamentvollen Vollblutaraber oder den genügsamen Freiberger – aber Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Und es bringt leider überhaupt nichts, wenn ich unbedingt einen Isländer haben will, aber mit 100kg Körpergewicht oder 1,95cm Körpergröße einfach viel zu schwer oder viel zu groß für diese Pferde bin. Dann befriedige ich zwar mein Ego, einen Isländer zu haben, reite aber mein Pferd kaputt (und nein, Isländer sind keine Ameisen, die können nicht mehr Gewicht tragen als andere Pferde). 

5. Wo finde ich ein Pferd?

Das Internet ist voll von Anzeigen für Pferde, die einen neuen Platz suchen und auch in Pferdezeitschriften werden Verkaufsanzeigen geschaltet. Mit etwas Erfahrung kann man hier auch gute Angebote finden und mit einem Pferd aus zweiter oder dritter Hand einen Partner für’s Leben finden.
Die Alternative ist der Züchter, der jedoch meist Jungpferde im Angebot haben wird und das ist ja – wie schon ausgeführt – in Kombination mit einem Pferde-Neuling eher eine schlechte Idee.
Aber manchmal geben Züchter ihre Zuchtstuten ab, weil sie mit dieser Blutlinie nicht weiter züchten wollen und man kann eine ruhige und meist recht geduldige Stute für bezahlbares Geld erwerben. Es gibt auch Züchter, die Vorkaufsklauseln in ihren Verträgen haben. Das bedeutet, dass ein Käufer, wenn er das bei diesem Züchter gekaufte Pferd wieder verkaufen will – dem Züchter ein Vorkaufsrecht einräumen muss. Auf diese Weise wollen seriöse Züchter verhindern, dass ihre Pferde in schlechte Hände geraten und von Käufer zu Käufer gehen. So kann es sein, dass ein Züchter auch mal ältere, bereits ausgebildete und vielleicht auch auf Turnieren vorgestellte Pferde aus ihrer Zucht wieder vermitteln an einen neuen Besitzer. Das muss nicht immer schlecht sein. Vielleicht ist das Kind aus dem Endmaßpony rausgewachsen und braucht jetzt ein Großpferd, sodass das Pony zum Züchter zurück kommt. Passen meine Körpergröße und mein Gewicht zum Endmaßpony, dann kann das eine gute Wahl sein und das Pferd wird nicht mehr von einem Kind zum nächsten weiter gereicht. Vielleicht hatte auch der Käufer Sportambitionen, das Pferd ist aber körperlich oder charakterlich nicht für die Anforderungen geeignet. Oder ein Paar lässt sich scheiden und kann das Pferd nicht mehr finanzieren, sodass es wieder beim Züchter landet. Es gibt viele Gründe, warum ein Züchter ein älteres Pferd aus seiner Zucht weiter vermittelt, daher sollte man solche Angebote nicht gleich ausschlagen, sondern sich erstmal die Geschichte dahinter anhören. Auch haben Züchter natürlich viele Kontakte zu anderen Züchtern und hören oft, wenn ein Pferd einen neuen Platz sucht. Gerade wenn man eine bestimmte Rasse sucht, dann ist ein Züchter sicher ein guter Startpunkt. 

Ein guter Ansprechpartner ist auch immer der Trainer, denn Reitlehrer kommen viel rum, kennen viele Pferdeleute und teilweise auch Züchter und hören oft, wenn ein Pferd einen neuen Platz sucht. Da der Trainer auch den Schüler am besten einschätzen kann, wird er normalerweise keine Pferde vorschlagen, die ungeeignet sind und den neuen Besitzer überfordern.
Ausnahmen bestätigen jedoch auch leider hier die Regel, so ist es schon vorgekommen, dass Trainer Pferde empfohlen haben, mit denen der Schüler reiterlich komplett überfordert war, um dann diese Pferde im regelmäßigen Beritt zu haben und damit zusätzlich Geld zu verdienen und vielleicht sogar die Möglichkeit zu haben, ein sehr gutes Pferd (das sich der Trainer nie selber leisten könnte) dann auf Turnieren vorzustellen. So sollte es natürlich nicht laufen, aber schwarze Schafe gibt es leider überall. Daher sollte man, bevor man der Empfehlung folgt und das Pferd kauft – immer nochmal eine gute, pferdeerfahrene Freundin fragen, ob sie meint, dass es eine gute Wahl ist.
Dasselbe gilt dafür, wenn die Reitschule das geliebte Pferd, das man seit einem Jahr regelmäßig reitet, plötzlich verkaufen will. Oft genug geschieht auch das aus einem gewissen Kalkül heraus – weil das Pferd z.B. jetzt knapp 20 ist und bald nicht mehr im Unterricht seinen Unterhalt verdienen kann, sondern zum Kostenfaktor wird.
Natürlich gibt es auch hier tolle Reitschulen, die gut einschätzen können, wann der Schüler bereit ist für ein eigenes Pferd und dann – wenn sie sehen, das es perfekt passt – sich von einem Reitschulpferd trennen und damit dem Schüler die ersten Schritte mit dem eigenen, verlässlichen und gesunden Pferd zu ermöglichen.  Doch auch hier gilt: bevor man zusagt, erst nochmal eine zweite Meinung zum Pferd und zu den Gründen für den plötzlichen Verkauf einholen. Es kann sein, dass es ein Glücksgriff ist, es kann aber auch sein, dass die Reitschule das Pferd aus Gründen dringend los werden will, die nicht im Sinne des Reitschüler sind. Ähnliches gilt auch bei professionellen Pferdehändlern, hier gibt es gute und schlechte – wie überall. Hier kann man an einen seriösen Händler geraten, der sehr gut einschätzen kann, welches Pferd zu einem passt und man geht mit einem echten Schatz nach Hause. Allzu oft wird man hier jedoch auch ein Pferd bekommen, bei dem der Händler froh ist, einen „Dummen“ gefunden zu haben, der das Pferd kauft. Deshalb gilt vor allem beim Kauf über den Händler: unbedingt jemanden mitnehmen zum Anschauen, der das ganze nüchtern von außen betrachtet und genug Erfahrung mit Pferden und Pferdeleuten hat, um einschätzen zu können, ob es ein seriöser Verkauf ist oder nicht.

Sehr beliebt ist derzeit die Anschaffung von Pferden, die aus dem Tierschutz kommen. Hier meint man, etwas Gutes zu tun, denn das arme, geschundene Pferd bekommt einen guten Platz und man selber fühlt sich natürlich auch gut, wenn man helfen kann.
Allerdings sollte man bei solchen Angeboten nicht komplett kritiklos sofort zugreifen, nur weil das eigene Helfersyndrom anspringt und „sofort retten!“ schreit. Ja, es gibt hier schlimme Schicksale, wo man einem Pferd das Leben retten kann und dafür viel Zuneigung geschenkt bekommt.
Doch man muss sich vorher darüber klar sein, dass man mit solchen Rettungsfällen ein oft sehr krankes und/oder sehr schwer traumatisiertes Pferd bekommt und es ewig viel Zeit und vor allem ein Vermögen kostet, das Pferd soweit wieder herzustellen, dass man ihm seine Vergangenheit nicht mehr ansieht. Tierarzt, Medikamente, Therapeuten, Spezialfuttermittel, Trauma- und Verhaltenstherapie – die Liste der Maßnahmen, die oft notwendig sind, um ein solches Pferd „wieder herzustellen“, ist lang und teuer.
Und manche Pferde erholen sich nie: sie bleiben chronisch krank und sind ein Leben lang auf teure Medikamente oder Spezialfuttermittel angewiesen. Oder sie bleiben so traumatisiert, dass sie für immer beißen oder treten oder den Menschen runterbuckeln werden. Dann kann aus dem Traum vom eigenen Pferd auch schnell ein sehr teurer Albtraum werden. Und wer hat dann den Mut, ein solches Pferd ein oder zwei Jahre nach der „Rettung“ einschläfern zu lassen, weil es für den Menschen lebensgefährlich oder das Pferd doch unheilbar krank ist? Darüber sollte man sich ganz klar sein, bevor man ein Rettungspferd nimmt.
Gerade Pferde, die zum Schlachter gehen sollten, haben manchmal einen guten Grund dafür – weil sie z.B. gefährlich für den Menschen sind oder unheilbar krank. So schlimm das Schicksal ist, tut man aber manch einem Pferd keinen Gefallen, wenn man es vor diesem Schicksal „rettet“, nur um dann selber im Krankenhaus zu landen oder das Pferd dann – finanziell und nervlich zerrüttet – weiter zu verkaufen, wo es dann noch ein paar Monate oder Jahre lang von Hand zu Hand geht, bis jemand dem ein Ende macht. Pferderettung ist – wie Hengsthaltung – etwas für Profis und nichts für Anfänger. 

6. Welche Anzeigen kann ich gleich aussortieren?

In den meisten Fällen wir der Verkäufer des Pferdes das Tier im besten Licht darstellen. Wenn dann ein paar Schlüsselwörter auftauchen, dann weiss man schon, dass man diese Anzeige gleich beiseite legen kann. Wenn beispielsweise der Verkäufer eines Pferdes „kein Anfängerpferd“ reinschreibt, dann sollte man sich das zu Herzen nehmen und tatsächlich die Finger davon lassen. Die romantische Vorstellung, dass man sich ein „Problempferd“ zulegt und dann zu besten Freunden wird und man selber der einzige Mensch ist, dem dieses Pferd vertraut und wie in Hund folgt, wird leider meist sehr schnell von der Realität eingeholt in Form von einem abgebissenen Finger oder einen gebrochenen Knie nach einen Tritt oder Sturz vom Pferd. Dasselbe gilt für Formulierungen wie „temperamentvoll“ oder „nur für starken / erfahrenen Reiter“ oder „Charakterpferd“ – all das sind freundliche Umschreibungen dafür, dass diese Pferde nicht für einen Pferdeneuling geeignet sind und das sollte man beherzigen. 

Ausschließen kann man auch gleich tragende Stuten, denn das bedeutet, dass man nur ein bisschen „Schwangerschaftsgymnastik“ machen kann, bis das Fohlen mal abgesetzt ist (11 Monate Tragezeit plus mindestens 6 Monate Fohlen bei Fuß) und man mal richtig zum Reiten kommt.
Außerdem birgt jede Trächtigkeit das Risiko, die Stute (und ggf. das Fohlen) durch Geburtskomplikationen zu verlieren. Das heißt dann teures Equipment für die Geburtsüberwachung kaufen oder wochenlang im Stall wohnen oder das Pferd für die Geburt in einen professionellen Zuchtstall stellen – alles viel Aufwand, der so in den Kosten gar nicht einkalkuliert war. Wenn der Verkäufer dann das Fohlen zurück haben will, sobald es abgesetzt ist, sollte man sich immer kritisch fragen, warum er dann die Stute in tragendem Zustand verkauft, statt sie zu behalten und erst abzugeben, wenn das Fohlen alt genug ist. Evtl. ist es eine Risikoschwangerschaft? Und wenn der Verkäufer das Fohlen nicht zurück haben will, dann steht man in ein paar Monaten mit einem zweiten Pferd da. Dann gehen wieder die Überlegungen los: Kann ich mir ein zweites Pferd überhaupt finanziell leisten? Die ersten 6 Monate läuft das Fohlen meist bei den Kosten der Mutter mit, aber danach kostet es mich jeden Monat praktisch so viel wie ein ausgewachsenes Pferd (Einstellplatz, Hufbearbeitung, Tierarzt…). Dazu kommt das Risiko, dass das Fohlen vielleicht nie erwachsen wird, weil es einen tödlichen Unfall, eine Kolik oder ein anderes fatales Missgeschick hat. Und wenn es erwachsen wird, dann habe ich in 4 Jahren plötzlich zwei ausgewachsene Pferde zu versorgen. Dann werden aus den 2 Stunden im Stall plötzlich täglich 4 Stunden (plus Fahrzeit). Kann ich das zeitlich leisten? Oder kann ich es alternativ übers Herz bringen, das Fohlen, das mir quasi in den Arm geboren wurde, mit 6 Monaten zu verkaufen? Daher gilt: Tragende Stuten sind etwas für Züchter, nicht für Freizeitreiter. 

Fohlen und Jährlinge und alles unter 4 Jahren kosten im monatlichen Unterhalt fast so viel wie ein erwachsenes Pferd, aber ich kann es nicht reiten. Zu den Kosten für die Aufzucht kommen also noch meine Kosten für Reitbeteiligung oder Reitunterricht. Und man weiß nicht, was aus dem Pferd wird – vielleicht überlebt es die ersten Jahre nicht, vielleicht bleibt es zu klein für mich oder wird viel zu groß? Und selbst wenn es zum perfekten Pferd heranwächst, kommen dann die Kosten für das Einreiten dazu, denn das sollte man als Pferdeneuling in jedem Fall einem Profi überlassen.
Daher gilt für das ganze Junggemüse wie auch für „ungerittene“ oder „gerade erst angerittene“ oder „seit drei Monaten unter dem Sattel“ Pferde: nichts für Einsteiger.

Aus ganz anderen Gründen sollte man Anzeigen aussortieren, in denen steht „nicht mehr reitbar“ oder „nur als Beistellpferd abzugeben“ – denn solche Pferde haben oft so starke körperliche Einschränkungen, dass die Therapie und Versorgung oft richtig teuer wird (deshalb sind sie ja meist auch abzugeben). Ein „nicht reitbares“ oder „nur Beistellpferd“ kostet mich im Monat genau so viel oder sogar noch mehr als ein gesundes Pferd – nur kann ich es nicht reiten, sondern nur pflegen.

Verführerisch klingt es natürlich immer, wenn „wegen Aufgabe des Turniersports“ in der Anzeige steht. Das suggeriert, dass man ein hervorragend ausgebildetes Pferd zu einem günstigen Preis bekommt, mit dem man sofort in einem guten Turnierniveau einsteigen kann. Allerdings ist hier die Frage, warum die Besitzer das Pferd dann nicht als Freizeitpferd behalten, wenn sie sich nur entscheiden, keine Turniere mehr zu gehen? Oft genug gibt auch nicht der Besitzer den Turniersport auf, sondern das Pferd kann – oft genug aus gesundheitlichen Gründen – keine Turniere mehr gehen in der Art, wie sie der Besitzer bestreiten möchte. Man bekommt mit dieser Bezeichnung sehr oft Pferde, die „sauer geritten“ wurden oder erhebliche Schäden am Bewegungsapparat haben, sodass an weitere Turniere nicht zu denken ist. Auch sollte man hier immer im Kopf haben, dass solche Pferde oft sehr früh sehr stark in der Leistung gefordert wurden, was seine Spuren mental und körperlich hinterlässt. Diese Pferde „altern“ oft früher und haben deutlich früher als andere Pferde mit altersbedingten Gesundheitsproblemen zu tun.
Wer sich einen 8jährigen Quarter kauft, der sehr erfolgreich im Reiningsport gelaufen ist, kann sich das Dauerabo beim Tierarzt und Physiotherapeuten gleich dazu kaufen, wenn das Pferd überhaupt noch ein paar Jahre reitbar ist. Wer sich das 10jährige, vormals sehr erfolgreiche Dressur- oder Springpferd kauft, das schon mit 5 Jahren S gegangen ist, der muss sich nicht wundern, wenn er innerhalb kürzester Zeit in dauerlahmes Pferd im Stall hat. 

7. Welche Anzeigen bleiben dann noch übrig?

Wenn man als Pferdeneuling nach einem Pferd sucht, dann sollte man von den Suchbegriffen her darauf achten, dass das Pferd im Alter zwischen 8 und 16 liegt. Mit 8 Jahren sind Pferde in der Regel „erwachsen“ – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Hier lauern meist keine bösen Überraschungen mehr. Pferde sind in der Regel (wenn sie nicht frühzeitig zu stark belastet wurden) gut reitbar bis Anfang / Mitte 20.
Mit einem 16jährigen Pferd hat man also einen guten, erfahrenen Lehrmeister, der einem noch viele Jahre Reitfreude schenken kann (und dem es auch gut tut, regelmäßig bewegt zu werden).

Vom Temperament her sollte man auf Stichworte wie „Verlasspferd“ oder „Lebensversicherung im Gelände“ achten, das sind oft Beschreibungen für sehr zuverlässige und ruhige Pferde, die sich nicht so leicht erschrecken lassen und noch weniger durchgehen.

Es gibt 10jährige Pferde, die noch ungeritten sind, darum sollte man als Pferdeneuling einen Bogen machen, das Pferd sollte ausreichend Erfahrung unter dem Reiter gesammelt haben, um zuverlässig die Hilfen anzunehmen und auch tolerant drüber hinwegzusehen, wenn der Reiter mal Fehler macht. Hier spielt natürlich auch immer rein, was das Pferd bisher gemacht hat: Ein Pferd, das eine Zeit in der Reitschule gelaufen ist, ist meist recht zuverlässig und tolerant. Ein Freizeitpferd, das vor allem Ausritte oder Wanderritte gemacht hat und vielleicht ein bisschen Gymnastizierung auf dem Platz oder Bodenarbeit, ist eher gut geeignet. Es kennt die Welt da draußen und weiß, was der Reiter von ihm will. Ein Turnierpferd kann früh Verschleißerscheinungen zeigen. Eine Stute, die bisher nur in der Zucht eingesetzt wurde, weiß vermutlich nicht mal, was ein Sattel ist, geschweige denn, dass sie reiterliche Hilfen kennt.

Man sollte also darauf achten, dass das Pferd schon längere Zeit regelmäßig geritten wurde, ohne dass es übermäßig (Turnier-)belastet wurde. Wenn man die Anzeigen so vorsortiert, dann bleiben immer noch genug gesunde, mittelalte, charakterlich einwandfreie Pferde übrig, die in das Budget des eigenen Geldbeutels passen.

Man muss sich als erstes Pferd nicht gleich den Super-Problemfall zulegen, das frustriert und führt leider allzu oft dazu, dass die ehemals stolzen Besitzer irgendwann das Pferd weiter geben als „nicht für Anfänger geeignet“ und das Hobby aufgeben. Soweit muss es nicht kommen. Mit ein bisschen Umsicht bei der Auswahl des passenden Pferdes kann man ein tolles Hobby mit einem verlässlichen vierbeinigen Partner für viele Jahre genießen. Und mit mehr Erfahrung als Pferdebesitzer kann man sich dann vielleicht beim nächsten Pferd an eins rantrauen, bei dem man noch größere „Baustellen“ vor sich hat.

Pferd Kotwasser beim Verladen
©Krappweis / AdobeStock

20 Do’s and Dont’s beim Pferdekauf

1. Verlass dich nicht drauf, was in der Verkaufsanzeige oder Emails geschrieben wird, auch Videos sind kein Ersatz für einen persönlichen Besuch.
Kauf kein Pferd, das du nicht vorher gesehen und geritten hast und schon gar nicht ohne jemand Fachkundiges an deiner Seite, der schon viel Erfahrung mit Pferden und auch Pferdekauf hat.

2. Kontaktier den Verkäufer nicht, wenn du dir das Pferd ohnehin nicht leisten kannst. Es kostet den Verkäufer Zeit, dir zu antworten und viele reagieren mit Recht genervt, wenn die Interessenten dann fünf Mails und drei Telefonate später damit rausrücken, dass sie sich das Pferd ja eigentlich eh nicht leisten können und ob man da am Preis was machen könnte, also man hätte so 50% des Verkaufspreises… 

3. Kontaktiere keine Verkäufer, wenn du nicht wirklich sicher bist, dass du auch jetzt ein Pferd kaufen kannst und willst. Auch Emails schreiben und mit Interessenten telefonieren kostet den Verkäufer Zeit, ganz zu Schweigen von Besuchen mit Probereiten.
Wenn du schon vorher weißt, dass es noch nicht die Zeit ist für ein eigenes Pferd oder du das Geld nicht hast, dann warte noch ab, bis du soweit bist. Viele seriöse Pferdeverkäufer sind schwer genervt von unseriösen Anfragen von Leuten, die fünf Videos haben wollen, obwohl sie von Vornherein wissen, dass sie das Pferd nicht kaufen werden.

4. Wähle die Preisspanne sorgfältig bis maximal 10% über dem ,was du dir leisten kannst. Ein wenig Verhandlungsspielraum mag sein, aber kaum ein Verkäufer wird ein gutes Pferd plötzlich zum halben Preis hergeben, nur weil du so nett guckst. Denk beim Kaufpreis auch daran, dass du noch Erspartes übrig haben musst für die Ausrüstung.

5. Handle nicht am Preis, bevor du das Pferd gesehen hast. Das ist unseriös und zeigt, dass du dir das Pferd eigentlich nicht leisten kannst. Schau dir das Pferd an und entscheide dann, was es dir wert ist.

6. Vereinbare einen Termin zum Ansehen und Probereiten. Du möchtest nicht, dass fremde Leute plötzlich vor deiner Haustür stehen – der Verkäufer möchte auch nicht, dass du plötzlich im Stall stehst. Daher sollte der erste Termin immer vorher vereinbart sein.
Ein seriöser Verkäufer hat das Pferd dann schon am Hof (und nicht irgendwo draußen auf einer Weide), es ist aber noch nicht gesattelt und aufgetrenst und schon gar nicht geschwitzt. Das weist darauf hin, dass das Pferd entweder Verhaltensauffälligkeiten beim Satteln und Trensen hat (Beißen, Treten, Ausweichen…) oder schon „müde geritten“ wurde, damit es jetzt schön brav ist.

7. Lass dir nicht nur die Adresse geben, sondern auch eine Beschreibung, nicht alle Pferdehöfe werden von den Navis gefunden. Es ist ärgerlich für den Verkäufer, wenn er das Pferd extra von der Weide holt zum Termin und man dann zwei Stunden später auftaucht, weil man sich verfahren hat. Merke: die letzten Kilometer sind meist die schwierigsten!

8. Erfrage die Handynummer des Verkäufers, damit du dich melden kannst, wenn du unterwegs verloren gehst. Auch wenn du in einen Stau geraten solltest oder aus anderen Gründen später kommst, ist es ein Gebot der Höflichkeit, Bescheid zu geben. Der Verkäufer stellt sich ja auch mit seinem Tagesablauf auf den Termin ein.

9. Lass deine Kinder zu Hause, du willst dich auf das Pferd konzentrieren und nicht darauf achten müssen, dass die Kinder nicht unter das fremde Pferd geraten.
Lass auch alle anderen Personen, die nicht unmittelbar mit dem Kauf involviert sind (also dein Trainer oder eine andere pferdeerfahrene Vertrauensperson) zu Hause, sie lenken nur ab vom Wesentlichen. Auch wenn es eine Familienpferd werden soll – die meisten Verkäufer werden kein Problem mit einem zweiten Besuchstermin haben, wo dann alle mitkommen und mit großem Hallo um das Pferd herumstehen. 

10. Lass deinen Hund zu Hause oder im Auto (sofern das Auto dafür geeignet ist, dass der Hund dort über längere Zeit bleiben kann). Du willst dich auf das Pferd konzentrieren, nicht auf den Hund.

Schwarzer Sattel hängt in der Stallgasse
© castenoid / Adobe Stock

11. Trage zum Reiten passende Kleidung wie Reithose, Reitjeans, Reitschuhe, die nicht im Steigbügel hängen bleiben können. Bring dein Sicherheitsequipment mit.
Setz dich nie ohne Helm auf ein unbekanntes Pferd und trage ggf. eine Sicherheitsweste. Kurze Hosen und Flipflops sind keine geeignete Kleidung für das Probereiten und lassen dich unseriös wirken. Denn nicht jeder Verkäufer will sein Pferd um jeden Preis loswerden. Ein verantwortungsvoller Verkäufer eines guten Pferdes wird auch genau schauen, wie derjenige auftritt, der das Pferd kaufen will. 

12. Schau dir den Stall an – ist er sauber und vertrauenswürdig? Sind die Ställe hell und freundlich und gut durchlüftet? Haben die Pferde große Ausläufe oder Paddocks oder ist es eine reine Boxenhaltung? Haben die Pferde Weidegang im Sommer und kommen sie im Winter täglich raus? Werden die Pferde in Gruppen gehalten? Welchen Eindruck machen die anderen Pferde, sind sie fröhlich, entspannt und neugierig? Oder sind sie „abgeschaltet“, aggressiv oder depressiv? Liegt Müll herum, sind die Zäune vergammelt oder wird Futter ohne Dach gelagert? Riecht der Stall säuerlich nach Heulage? Was wird gefüttert und wie wird gefüttert? Hier lauern versteckte Stoffwechselkrankheiten, die dich später viel Geld kosten können. 

13. Lass zuerst den Besitzer reiten und schau dir an, wie das Pferd unter ihm reagiert. Wenn du anschließend nicht selber reiten möchtest, dann kannst du es ablehnen, es gibt keine Verpflichtung, sich auf ein Pferd zu setzen, wenn man ein schlechtes Gefühl dabei hat.

14. Hab keine Angst davor, dass der Besitzer beleidigt sein könnte, wenn du das Pferd nicht kaufen möchtest. Formulierungen wie: „Ich denke, das Pferd und ich passen nicht zusammen“ tun keinem weh. Sei klar und direkt in deiner Aussage.
Ein seriöser Verkäufer wird dann nicht versuchen, dir das Pferd doch noch aufzuschwatzen. Verantwortungsvolle Pferdebesitzer wollen, dass ihr Pferd in gute, passende Hände kommt und dort lange, möglichst ein Leben lang, bleibt. Sie sind nicht auf den schnellen Verkauf aus. Sei offen und ehrlich, das spart beiden Zeit und der Verkäufer muss auch keine anderen Interessenten hinhalten, wenn du eh schon weisst, dass du das Pferd nicht kaufen möchtest.

15. Wenn du meinst, dass das Pferd etwas für dich sein könnte, dann behandle es so, als wäre es deins: Berühr es überall am Körper, auch an den Ohren, am Bauch, an den Knien und zwischen den Hinterbeinen. Heb alle vier Hufe auf und kratz sie aus. Nimm den Sattel ab, lege ihn wieder auf, zieh den Gurt an, zieh ihm die Trense aus und nach einem Moment wieder an. Lässt das Pferd das alles ruhig und gelassen mit sich machen oder reagiert es abwehrend oder ängstlich? Ist es apathisch „abgeschaltet“ und du hast Mühe, die Zähne beim auftrensen auseinander zu bringen? Ein Pferd, das hier schon abwehrend reagiert, wird später im täglichen Handling nicht unbedingt einfacher und es kann für deine Gesundheit gefährlich werden, wenn es jedes Mal beim Satteln nach dir schnappt oder beim Berühren der Hinterhand nach dir schlägt. Ein Pferd, das völlig apathisch ist kann entweder schwer traumatisiert sein oder es wurde „müde gemacht“.

16. Wenn du interessiert bist, zeige das nicht zu offensichtlich, ansonsten wird es für dich schwer werden, den Preis runterzuhandeln (insbesondere wenn es ein Pferd ist, dessen Kaufpreis dein Budget schon sehr strapaziert). Mach keine Kaufzusagen, bevor der Tierarzt einen Vetcheck gemacht hat.

17. Bring eine Kamera oder ein Handy mit guter Kamera, mach jede Menge Fotos und Videoaufnahmen. Lass dich selber filmen, wenn du das Pferd reitest und schau dir die Videos nachher in Ruhe auf dem Computer an. Wirkt das Pferd gelassen und hört es dir aufmerksam zu? Ist es ängstlich oder nervös? Wirkt es „abgeschaltet“ oder erschöpft – letzteres kann darauf hindeuten, dass es nicht gelassen ist, sondern für den Termin „müde gemacht“ wurde. Läuft es klar auf allen Füßen linke und rechte Hand in allen Gangarten? Lass die Videos von jemandem anschauen mit viel Pferdeerfahrung und bitte um die Einschätzung des Pferdes und wie harmonisch die Pferd-Reiter-Kombination wirkt.

18. Mach unbedingt einen Vetcheck, bevor du ein Pferd kaufst. Hier lohnt es sich, nicht unbedingt den Tierarzt des Verkäufers zu nehmen, der vielleicht ein „Gefälligkeitsgutachten“ erstellt, sondern sich umzusehen nach einem Pferde-Fachtierarzt in der Umgebung. Röntgenaufnahmen der Beine sind hier eine sinnvolle Investition, wenn man nachher keine überraschenden Lahmheiten entdecken will.

19. Wenn du ohne deinen Trainer oder eine pferdefachkundige Freundin, die dich einschätzen kann und auch offen Kritik äußert, den ersten Besichtigungstermin gemacht hast, dann fahr noch ein zweites Mal hin mit deinem Trainer oder jemand anderem, dessen Pferde-Erfahrung du vertrauen kannst.
Derjenige weiss deine Erfahrung und dein Reitniveau besser und vor allem objektiver einzuschätzen und kann dir sagen, ob das Pferd für dich geeignet ist oder nicht. Wenn du unsicher warst, ob das Pferd beim ersten Termin evtl. „müde gemacht“ wurde durch Sedierung oder „müde reiten“, dann wäre ein zweiter Besuch eine Möglichkeit, überraschend auf dem Hof zu stehen.
Das ist zwar nicht besonders nett, aber ein Pferd zu sedieren ist es auch nicht. Wenn das Pferd genauso entspannt ist wie beim letzten (angekündigten) Besuch, dann weißt du zumindest, dass sein Verhalten nicht manipuliert wurde.
Höre auf die Ratschläge deines Trainers oder deiner anderen Fachperson, auch wenn du dem Pferd schon dein Herz geschenkt hast. Zu oft entscheidet bei uns das Herz über den Kopf. Das bittere Erwachen kommt dann später. Und hinterher hat man’s meist vorher gewusst!

20. Kauf kein Pferd ohne schriftlichen Vertrag, auch wenn der Verkäufer dir erklärt, dass er vertrauenswürdig ist und seine Pferde immer per Handschlag verkauft.
Viele Verkaufsportale bieten Vordrucke für Pferdekaufverträge an. Bring zwei ausgedruckte Exemplare mit, die du vor Ort ausfüllen kannst zusammen mit dem Verkäufer, wenn er einen „Handschlagverkauf“ vorschlagen sollte. Der Vertrag gibt vor allem Rechtssicherheit, wenn das Pferd sich nach dem Umzug als völlig „gewandelt“ darstellt.
Das beim Probereiten ruhige, entspannte Pferd kann plötzlich völlig hysterisch und ängstlich sein – weil man da vielleicht etwas nachgeholfen hat. Ein Pferd, das beim Verkäufer klar ging und zwei Tage nach dem Umzug stocklahm ist, hat sich vielleicht nur vertreten, war aber vielleicht auch beim Verkäufer mir Schmerzmitteln „reitbar“ gemacht worden. Eine rechtliche Auseinandersetzung ohne Vertrag wird dann schwierig.

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