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13 Symptome, die auf Magengeschwüre hinweisen

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Waren in der Vergangenheit Magengeschwüre (Equine Gastric Ulcer Syndrome, EGUS) vor allem als „Rennpferdekrankheit“ bekannt, wissen wir heute, dass sie auch unter Sport- und sogar bei Freizeitpferden und selbst schon bei Absetzern viel häufiger zu finden sind, als man gedacht hätte. Man kann davon ausgehen, dass etwa jedes zweite Pferd unter Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwüren leidet. Aber nur sehr selten führt dieses Krankheitsbild zu deutlichen Symptomen wie einer Kolik. In den meisten Fällen sind die Anzeichen so subtil, dass sie nicht wahrgenommen oder nicht mit Magengeschwüren in Verbindung gebracht werden.

Bei welchen Anzeichen meines Pferdes sollte ich daran denken, dass Magengeschwüre dahinter stecken könnten?

1. Futter-Mäkelei
Wenn das Pferd unbekanntes Futter nicht fressen mag oder nach ein bis zwei Tagen verweigert, wenn die Pferde Kraftfutter wie Hafer immer abwechselnd mit Heu fressen oder stärkehaltiges Kraftfutter verweigern.

2. Weiches Kuhheu statt hartem Pferdeheu
Betroffene Pferde bevorzugen oft weiches, blattreiches Heu und verschmähen hartes, stängeliges (eigentlich gutes Pferde-)Heu. Stängeliges Heu kann auch Kotwasser auslösen, das bei Wechsel zu blattreichem Heu (zweiter Schnitt) verschwindet.

3. Seltsame Verhaltensweise während oder nach dem Fressen
Manche Pferde flehmen häufig beim Fressen, insbesondere wenn es Kraftfutter gibt. Manche schlecken auch zwischen den Kraftfutterbissen oder nach dem Fressen an den Gitterstäben der Box oder am Salzstein.

4. Sehr langsames Fressen
Fressen Pferde auffallend langsam, machen häufiger lange Pause, verschmähen das Heu oder sortieren stundenlang im Heu herum, um Blätter zu fressen und Stängel liegen zu lassen, kann das ebenfalls ein Hinweis sein.

5. Starkes Speicheln oder Leerkauen
Manche Pferde stehen in der Box oder auf dem Auslauf und machen Kaubewegungen, ohne Futter im Maul zu haben. Solche Pferde sind nicht auf wundersame Weise zu Wiederkäuern geworden sondern zeigen „Leerkauen“. Das dient der Speichelproduktion, der wiederum die (schmerzhaften) Magensäuren abpuffert.

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6. Kotfressen oder Sandfressen
Insbesondere wenn die Pferde kein Heu zur Verfügung haben und statt dessen Kot (eigenen oder fremden) oder den Boden des Auslaufs fressen, sollten alle Alarmglocken losgehen. Diese Pferde leiden massiv und Raufuttermangel und haben vermutlich hochgradige Magengeschwüre, wenn sie schon anfangen, Kot oder Sand zu fressen, nur um irgend etwas in den Magen zu bekommen.

7. Verstopfungskoliken im Winter
Bietet man gesunden Pferden Wasser unterschiedlicher Temperatur, dann bevorzugen sie immer kaltes Wasser vor warmem. Ganz anders bei Magengeschwürkandidaten: Sie vermeiden kaltes Wasser, trinken oft nur in ganz kleinen Schlucken und insgesamt zu selten und zu wenig. Damit häufig sind vor allem im Winter Verstopfungskoliken. Bietet man seinem Pferd im Winter einen Kübel warmes Wasser an (obwohl es kaltes zur freien Verfügung hätte) und es trinkt auf einen Schlag davon 10-20 Liter, dann sollte man an Magengeschwüre denken. Ebenso wenn die Pferde eingeweichtes Futter wie Heucobs warm fressen, aber in kaltem Zustand verschmähen.

8. Kotwasser
Magengeschwüre haben durch den Stress, den sie auslösen, auch erhebliche Auswirkungen auf den Dickdarm. Therapieresistentes Kotwasser kann hier ebenso ein Hinweis sein wie Kotwasser, das bei Fütterung von stängeligem Heu oder von Stroh stärker wird, aber bessert oder verschwindet, sobald man weiches, blattreiches (Kuh-)Heu füttert.

9. Abmagerung / schlechte Gewichtszunahme trotz guter Fütterung
Natürlich gibt es leicht- und schwerfuttrige Kandidaten. Wenn aber ein Pferd gut gefüttert wird, die Heuqualität und -menge stimmt und es trotzdem abnimmt oder stets rippig aussieht, dann sollte man auch mal an Magengeschwüre denken und das nicht nur als „der ist halt schwerfuttrig“ abtun.

10. Koppen
Viele Verhaltensauffälligkeiten wie Koppen, Weben, Manegenlaufen oder auch autoaggressives Verhalten, sind durch lang anhaltenden Stress verursacht. Dieser kann auch Magengeschwüre auslösen, die dann (wie auch die Verhaltensauffälligkeit) oft erhalten bleiben, auch wenn der Stress schon längst abgestellt wurde. Man kann davon ausgehen, dass praktisch jedes Pferd mit Verhaltensauffälligkeiten im Sinne einer Verhaltensstörung auch Magengeschwüre hat.

11. Gurtenzwang, Sattelzwang
Häufig wird dieses Verhalten auch einfach unter „Verhaltensauffälligkeit“ verbucht. Man bindet das Pferd links und rechts in der Stallgasse an, denn dann kann es denjenigen der sattelt ja nicht mehr beißen. Leider wird dabei vergessen, dass Pferde uns mit ihrem Verhalten oft etwas sagen wollen. In diesem Fall: Es tut mir weh, wenn du den Gurt anziehst“. Dahinter kann dann auch ein hochgradig entzündeter Magen stehen.

12. „Kitzelig“ am Bauch
Viele Pferde mögen es überhaupt nicht, am Bauch geputzt zu werden.
Gerade im Sommer ist das auffällig, denn die Mittellinie wird gerne von stechenden Insekten wie Mücken frequentiert und eigentlich juckt es die meisten Pferde am Bauch. Entsprechend genießen sie es, wenn man mal ordentlich mit der Bürste darüberschrubbt. Wer aber Bauchweh hat, mag es gar nicht, dort angefasst zu werden. Daher bei bauchempfindlichen Pferden immer an den Magen denken, denn „kitzelig“ ist der Bauch bei Pferden eigentlich nicht.

13. „Klemmiges“ Laufen, vor allem zum Beginn der Reitstunde
Nun kann es viele Gründe haben, warum Pferde eine verlängerte Aufwärmphase haben. Vom längeren Stehen in der Box über den unpassenden Sattel bis hin zu osteopathischen Blockierungen im Bewegungsapparat reicht die Liste der möglichen Ursachen. Aber insbesondere wenn man so einen Kandidaten mit „angezogener Handbremse“ hat, der auch noch das eine oder andere Merkmal aus dieser Liste zeigt, dann kann das durchaus auch vom Magen kommen. Denn wer geht schon gerne mit Bauchweh joggen?

Bei Verdacht auf Magengeschwüre sollte man immer einen kompetenten Therapeuten zu Rate ziehen
Es werden zwar viele „Wunderkuren“ angeboten, aber oft helfen sie nur kurzzeitig oder verschlimmern manchmal sogar noch das Problem. Eine erfolgreiche Therapie von Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwüren muss immer zuerst an den Ursachen (Haltung, Fütterungsmangement, Stress…) ansetzen und im zweiten Schritt die Entzündungen beruhigen und die Regeneration der Magenschleimhaut anregen.