Schimmelpilze lieben feucht-warme Winter

Schimmelpilze lieben feucht-warme Winter

Immer mehr Stallbetreiber geben sich unglaublich viel Mühe, ein wirklich gutes, gesundes, pferdegerechtes Heu zu produzieren. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle an all diese Landwirte, denn das Heu ist die Basis für die Pferdegesundheit.

Dennoch passiert es immer wieder, dass man top trockenes, gutes Heu eingefahren und unter optimalen Bedingungen gelagert hat – und irgendwann zwischen Januar und März öffnet man einen Ballen und dieser ist schimmelig. Wie kann das sein, das Heu war doch bei Ernte wirklich trocken und überhaupt nicht schimmelig?

Lebende Pflanzen können Schimmel abwehren

Solange die Pflanzen vital sind, wehren sie sich gegen den Befall durch Mikroorganismen, zu denen neben verschiedensten Bakterien und Viren auch Pilze gehören. Stirbt die Pflanze ab, dann fällt diese Abwehr zusammen und die ubiquitär (=überall) vorhandenen Schimmelpilzsporen, fangen an, die abgestorbene Pflanze zu besiedeln. Pflanzen können ihre Energie aus Sonnenlicht und CO2 gewinnen, das können Pilze nicht. Sie nehmen eine Zwischenstellung zwischen Pflanzen und Tieren ein, da sie im Gegensatz zu Tieren sich nicht selbstständig fortbewegen können, aber im Gegensatz zu Pflanzen keine Photosynthese betreiben. Pilze gehören zu den sogenannten Saprophyten: sie leben von totem organischem Material. Deshalb besiedeln Schimmelpilze so gerne abgestorbene Pflanzen, denn das ist das reinste „all you can eat“ Buffet für den Pilz.

Spät gemähtes Heu enthält oft schon Schimmelpilze

Je später man sein Heu mäht, desto mehr abgestorbene Pflanzen befinden sich bereits auf der Wiese. Denn sobald beispielsweise eine Graspflanze geblüht hat und ihre Samen gebildet, ausgereift und abgefallen sind, ist ihr Job für dieses Jahr getan. Sie zieht ihre Lebenskräfte und Nährstoffe in den Wurzelstock zurück und wird im folgenden Frühjahr wieder hochwachsen. Den toten, oberirdischen Teil können dann Schimmelpilze besiedeln. Das erkennt man im Heu daran, dass die Blätter dieser, bei Ernte schon länger abgestorbenen Gräser, graue Flecken oder Ringe aufweisen, die man mit dem Finger nicht abwischen kann, denn der Schimmel sitzt in der Pflanze und nicht äußerlich drauf. Auf diese Weise kann Schimmel schon zum Zeitpunkt der Heuernte im Ballen vorhanden sein, ohne dass man ihn wirklich wahrnimmt.

Heufütterung im Offenstall
©Acceptfoto / AdobeStock

Früheres Mähen ist keine Lösung

Man sollte denken, dass die naheliegende Lösung wäre, das Heu einfach früher zu mähen, wenn die Pflanzen noch vital sind. Das bringt bei der Produktion von Pferdeheu aber zum einen das Problem der viele zu hohen Nährstoffgehalte mit sich. Denn je früher man mäht, umso nahrhafter ist das Heu, vor allem im Bezug auf Protein- und Zuckergehalte. Da wir ohnehin schon viel zu viele übergewichtige Pferde in den Ställen haben, sollte man darauf hinarbeiten, möglichst nährstoffarmes Heu zu produzieren, damit eine 24/7 Heuversorgung (die notwendig ist für den Magen-Darmtrakt und die Psyche des Pferdes) gewährleisten zu können, ohne dass die Pferde irgendwann über den Auslauf kugeln.

Zum anderen hilft die frühe Mahd auch nicht wirklich gegen Ernteschimmel. Denn schon etwa 50 Stunden nach dem Mähen gehen Schimmelpilze ins Mähgut, das ist ein ganz normaler Vorgang. Mit dem Mähen stirbt die Pflanze ja ab, kann sich nicht mehr gegen Befall wehren und der Schimmel hält Einzug. Da Heu normalerweise – je nach Wetterbedingungen – drei bis fünf Tage braucht, bis es ausreichend durchgetrocknet ist für die Ballenpressung, ist also in bodengetrockneten Heuballen immer schon ein gewisser Schimmelanteil vorhanden. Das ist zunächst nicht problematisch, da die Menge so gering ist, dass sie keine gesundheitlichen Auswirkungen auf die Pferde hat. Sofern sich der Schimmel während der Lagerung nicht weiter vermehrt.

Gegen das Winterwetter ist kein Kraut gewachsen

Knackig kalte Wintertemperaturen gehen meist auch mit geringer Luftfeuchtigkeit einher – ungünstige Bedingungen für unsere schimmeligen Untermieter, die es sich bei der Ernte im Ballen gemütlich gemacht haben. Unter diesen Bedingungen können die Schimmelpilze sich nicht weiter vermehren, der Befall bleibt im minimalen Bereich und das Heu kann problemlos gefüttert werden.

Anders sieht das aus, wenn wir einen feucht-warmen Winter haben, was leider im Zuge des Klimawandels immer häufiger vorkommt. Bei um die Null Grad und 98% Luftfeuchtigkeit findet der Schimmel prima Bedingungen, um langsam im Ballen weiter zu wachsen und sich nach und nach zu vermehren. Das sorgt dafür, dass man irgendwann im Januar, Februar oder März einen neuen Ballen aufmacht und plötzlich vor Schimmelbefall steht.

Minderwertige Heuqualität managen

Das Problem daran ist, dass man in solchen Fällen das Heu nicht einfach entsorgen und Nachschub vom Nachbarn kaufen kann, denn der hat ja genau dasselbe Problem. Oft bleibt einem in solchen Wintern nichts anders übrig, als das Heu weiter zu verfüttern und die Pferde so gut wie möglich zu managen, damit sie damit zurechtkommen.

Dazu gehört es, das Heu anzufechten (z.B. mit der Gießkanne oder einer Blumenspritze), um die Atemwege zu entlasten, denn das permanente Einatmen des Schimmelsporen-durchsetzten Heustaubs kann langfristig Allergien auslösen. Bei Pferden, die allergisch auf Schimmelpilzsporen reagieren, bleibt oft nur die Lösung, das Heu zu bedampfen. Bauanleitungen für Bedampfer findet man im Internet, ebenso kommerzielle Anbieter solcher Geräte. Die Schimmeltoxine können durch die Zufütterung von so genannten Mykotoxinbindern wie dem OKAPI EndoProtect abgebunden werden, sodass sie nicht über die Darmwand resorbiert werden und den Stoffwechsel belasten.

Alles keine idealen Bedingungen, keine Frage. Da wir durch den Klimawandel immer häufiger ungünstige Wetterbedingungen im Winter (wie auch im Sommer) haben werden, kann man mittelfristig über die Anschaffung einer Heuentstaubungsanlage oder einer Heutrocknungsanlage nachdenken, um bessere Heuqualität füttern zu können. Beides sind aber erhebliche Investitionen, die sich meist nur für Betreiber großer Flächen und Ställe lohnen oder für landwirtschaftliche Genossenschaften, aber für den einzelnen Pferdebesitzer unerschwinglich sind. Da bleibt nur: auf so gute Qualität wie möglich achten und im Notfall mit entsprechenden Maßnahmen gegensteuern, bis die Weidesaison beginnt und dann die neue Heuernte kommt.

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