Das kleine Einmaleins der Heu-Lagerung

Das kleine Einmaleins der Heu-Lagerung

Die meisten Pferdebesitzer müssen sich glücklicherweise keine großen Gedanken darüber machen, wie das Raufutter oder die Einstreu für ihr Pferd gelagert wird, denn das übernimmt der Stallbetreiber. Erst wenn es zu so genanntem „Lagerschaden“ kommt, also Schimmel im Heu durch falsche Lagerung, kommt das Thema auf die Tagesordnung. Denn verdorbenes Heu kann zu erheblichen und langfristigen Gesundheitsproblemen bei Pferden führen, beispielsweise in Form von chronischem Husten, Kotwasser, Koliken oder sogar Abort bei Zuchtstuten.

Heu in Folie ist keine Lösung

Heulage in der Pferdefütterung
©Westwind / AdobeStock

Die Idee vieler Stallbetreiber, von Heu auf Heulage umzustellen, weil man die plastikverpackten Ballen draußen lagern kann, bringt langfristig ebenso viele Gesundheitsprobleme bei den Pferden mit sich wie schimmeliges Heu. Ganz abgesehen von den Bergen an Einweg-Plastikfolie, die bei Heulageballen Jahr für Jahr anfallen und auf den Mülldeponien in Entwicklungsländern landen, ist Heulage für Pferde schlicht nicht gesundheitszuträglich. Die Fütterung silierter Futtermittel mag bei Rindern möglich sein, weil diese ja auch im Schnitt nur wenige Jahre leben bevor sie in die Schlachtung gehen. Wer aber in seinem Pferd einen Begleiter für viele Lebensjahre sieht, sollte von silierten Futtermitteln generell absehen. Eine vernünftige Heulagerung ist also das das A und O in jedem Pferdestall.

Feuchtigkeit ist der Anfang allen Schimmels

Der mit weitem Abstand wichtigste Punkt ist, das Heu immer trocken zu halten. Sowohl Feuchtigkeit vom Boden (besonders bei Lagerung auf Erde oder Sand) als auch Kondenswasser, das vom Dach tropft oder sich an Wänden abschlägt als auch hohe Luftfeuchtigkeit (z.B. Nebel) oder Regen, die auf das Heu treffen, sind fatal. Es hilft nichts, das Heu in einem top getrockneten Zustand einzufahren, wenn es dann in den folgenden Wochen und Monaten beständig Feuchtigkeit zieht. Denn alle Mikroorganismen, die zum Verderb des Futters beitragen, benötigen ein feuchtes Klima – je nasser, desto wohler fühlen sie sich. Allerdings ist eine trockene Lagerung auch nicht immer ganz einfach.

Die Premium-Lagerung: Scheune

Im optimalen Fall hat der Stall eine gute alte Scheune. Ein befestigter Boden aus Stein, Holz oder Beton sollte Schutz vor Feuchtigkeit von unten bieten, eine durchdachte Belüftung sorgt dafür, dass sich das Heu beim Nachschwitzen nicht entzünden kann und es auch nicht zu Kondenswasser kommt, das ins Heu tropft. Wände und Tor schützen vor Regen und durchziehendem Nebel. Leider stehen dem Bau einer guten Scheune oft die örtlichen Bauvorschriften bzw. -verbote im Wege und insbesondere wenn man eine kleine Haltergemeinschaft auf der Wiese ist, wird ein Scheunenbau meist zur Unmöglichkeit.

Die günstigere Alternative: Heuzelt

Viele stellen sich daher ein Heuzelt auf die Wiese, um den Vorrat für die nächsten Wochen oder – in der großen Version – auch für den ganzen Winter zu bunkern. Solche Zelte gibt es in halbrunder oder „klassischer“ hausförmiger Zeltform und man kann sie ohne eine geschlossene Bodenplatte (also ohne langfristige Bodenversiegelung) auf die Wiese stellen. Meist werden sie mit langen Erdnägeln gegen Sturm gesichert. Je nach Vorschriften der örtlichen Gemeinde können Heuzelte aber trotzdem genehmigungspflichtig sein! Daher sollte man das vor dem Aufstellen prüfen.

Rundrum zu

Man sollte darauf achten, dass man die Stirnseiten mit am Zeltgestänge befestigten Planen verschließen kann und die Öffnung, durch die man täglich ans Heu geht, nicht gerade in Richtung der Wetterseite (meist Westen) gerichtet ist. Meist steht diese Öffnung bei der Heuentnahme länger offen oder ist mit der Zeit durch Abnutzung nicht mehr ganz zu schließen. In diesen Fällen können Regen und Nebel durch die offene oder nur noch schlecht schließende Frontplane ins Heu ziehen und Verderb beschleunigen.

Heufütterung im Offenstall
©Acceptfoto / AdobeStock

Wichtig bei Lagerung auf Erde: der Unterbau

Damit die Heuballen keine Feuchtigkeit vom unbefestigten Boden ziehen, sollten sie nicht direkt auf die Erde gestellt, sondern auf mindestens einer, besser zwei Schichten Paletten gelagert werden. Eine doppelte Palettenschicht ist zwar etwas aufwendiger, sorgt aber für bessere Durchlüftung von unten. Es lohnt sich, hier in die etwas teureren Europaletten zu investieren, da Einweg-Paletten oft instabiler sind und leichter brechen können, was entsprechende Verletzungsgefahr mit sich bringt. Außerdem sind sie meist schon nach einem Winter auf der feuchte Erde durchgerottet und müssen dann entsorgt werden.

Achtung: Kondenswasser!

Dazu sollte man unbedingt darauf achten, die Heuballen nicht bis an die Wände bzw. Decke heranzustapeln. Denn sobald die Sonne auf die Zeltplane scheint, steigt aus den Heuballen immer etwas Wasserdampf auf (Heu enthält im Schnitt etwa 10-15% Restfeuchte, auch wenn es sich supertrocken anfühlt), der sich an den Kunststoffplanen absetzt. Durch die halbrunde oder giebelförmige Zeltform kann das Kondenswasser grundsätzlich ablaufen, dann sollte aber kein Heuballen im Weg stehen, der es aufsaugt.

Das ist dann auch genau das Problem bei Lagerung in Zelten: Häufig entsteht unter der Plane ein feuchtes Milieu, was dafür sorgt, dass die Ballen deutlich schneller schimmeln und damit verderben als in einer Scheune. Je kleiner die Zelte sind, umso höher das Risiko, dass man keine gute Durchlüftung hinbekommt und die Feuchtigkeit stockt. Was absolut vermieden werden sollte ist deshalb auch das Abdecken der Heuballen mit einer Plane, die direkt auf den Ballen liegt. Leider sieht man das oft in kleinen Offenställen oder Haltergemeinschaften. Diese Form der Lagerung ist nicht nur mühsam für die tägliche Fütterung, sondern die aufliegende Plane sorgt meist auch dafür, dass man den Ballen beim Schimmeln regelrecht zugucken kann.

Pferdeweide mit kurzem Gras
©Residence View / AdobeStock

First in, first out

Im Fall von kleinen Heuzelten oder mit Plane abgedeckten Heuballen ist unbedingt darauf zu achten, dass das so gelagerte Heu zeitnah verfüttert werden kann und nicht ewig so liegen bleibt. Hier gilt es, nur die Menge für wenige Tage oder Wochen zu lagern und nach dem „first in, first out“ Prinzip zu füttern. Also immer erst die alten Ballen verfüttern, bevor man wieder neue reinbringt. Denn je länger im Zelt oder unter der Plane gelagert, umso höher das Risiko für Verderb.

Die Low Budget Variante: Heuvlies

Eine günstige Alternative zu Heuzelten ist das Heuvlies, das seit einigen Jahren am Markt ist und mittlerweile von vielen – auch großen – Ställen eingesetzt wird. Heuvlies ist ein Stoff, der wasserabweisend (nicht wasserdicht!) ist, aber das Verdunsten von Feuchtigkeit erlaubt, also vergleichbar mit einer Windstopperjacke ist. Auch hier werden die Heuballen auf Palette gestapelt, optimal ist eine doppelte Palettenlage zwischen Heu und Boden. Die Heuballen werden dann so aufeinandergestellt, dass sie ein Giebeldach ergeben, das geht mit Rundballen deutlich besser als mit Quaderballen.

Stehendes Wasser sickert durch Heuvlies

Hat man eine ebene Fläche oben, dann kann das Regenwasser darauf stehen bleiben und mit der Zeit durch das Heuvlies sickern. Durch die schrägen Seiten kann es ablaufen, sodass das Heu darunter weitgehend trocken bleibt. Der Vorteil von Heuvlies gegenüber einer Plane ist, dass Feuchtigkeit aus dem Heu auch wieder verdunsten kann. Es kommt also nicht zu Kondenswasser, was dann von den äußeren Ballen aufgesogen ist und für Verderb sorgen kann. Man sollte darauf achten, dass man sein Heulager so platziert, dass Wind und Sonne dafür sorgen, dass Feuchtigkeit das Lager auch schnell wieder verlassen kann. Windgeschützt oder im Schatten von Bäumen positioniert, funktioniert das eher schlecht und man kann damit auch unter Heuvlies Schimmelballen züchten.

Fazit: Es gibt viele Lager-Möglichkeiten für Heu, aber nicht jede passt für jeden

Beim Bau von Reitsportanlagen oder der Umplanung eines ehemaligen Landwirtschaftsbetriebs auf Pferdehaltung, sollte man die Heulagerung nicht vernachlässigen und von Anfang an eine ordentliche Scheune mit einplanen. Wo das nicht möglich ist, findet man in Heuzelten oder Heuvlies gute Alternativen. Natürlich ist Heuvlies nie so gut wie eine ordentliche Scheune oder eine gut belüftete, große, halbrunde Zelthalle. Es stellt aber bei richtiger Anwendung eine brauchbare und bezahlbare Alternative dar, insbesondere auch in Gemeinden, in denen selbst Heuzelte aufgrund baurechtlicher Gründe nicht so einfach aufgestellt werden können.

Je schlechter die Lagerungsmöglichkeiten, umso weniger sollte eingelagert werden

Optimal ist es, wenn man bei ungünstigen Lagergedingungen dann nur den Bedarf für einen überschaubaren Zeitraum unter dem Heuvlies oder in seinem kleinen Heuzelt lagert und einen Landwirt hat, der einem regelmäßig (ordentlich in Scheune) gelagerten Nachschub liefern kann. Damit kann man auch bei etwas ungünstigeren Standorten mit Heuvlies oder kleinen Heuzelten gute Ergebnisse bekommen und auf Heulage komplett verzichten.

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