AllgemeinAllgemeine GesundheitsthemenGesundheitHaltung & PflegeHerbstJahreszeiten

Herbstlaub auf Weiden und Auslauf – sicher für Pferde?

© Rita Kochmarjova / AdobeStock

Frage: „Bei uns fällt derzeit viel Laub von den Bäumen auf die Ausläufe. Bisher habe ich das immer so einmal die Woche entfernt, jetzt wurde mir aber gesagt, dass Laub ungesund für Pferde wäre und ich das täglich entfernen muss. Stimmt das?“

Jeden Herbst, wenn sich die Blätter verfärben und vom Baum fallen, landen viele davon auch auf Weiden und Ausläufen. Was im Sommer hervorragende Schattenspender für die Pferde sind, wird im Herbst zum Futterspender, denn die meisten Pferde sammeln mit großer Begeisterung das Laub der Bäume als Futter auf. Laub gehört auf den normalen Speiseplan von Pferden, sofern sie dran kommen. Es liefert wertvolle Fasern für den Dickdarm und einen hohen Mineralanteil bei gleichzeitige wenig Zucker, Fett und Eiweiß. Daher ist es vor allem für Pferde, die zu Übergewicht neigen, eine wertvolle Ergänzung.

Auch entspricht das „rumschnobeln“ auf dem Boden und Suchen von Futter dem natürlichen Pferdeverhalten. Pferde sind so genannte „tickle feeders“, sie bewegen sich in der Natur ständig vorwärts und schnuppern an den Pflanzen, um auszuwählen, von welcher sie als nächstes abbeißen. Das „Laubaufsammeln“ im Herbst kommt also recht nahe an das natürliche Fressverhalten ran und scheint den Pferden nicht nur gut zu schmecken, sondern auch Spaß zu machen. Denn teilweise lassen sie das Heu stehen, um Laub fressen zu gehen. 

Bei Laubbäumen und -büschen gibt es aber Unterscheidungen, wie gesund sie für Pferde sind. Es gibt ganz klar Pflanzen, deren Laub und / oder Früchte harmlos oder sogar gesund sind für Pferde, dazu zählen beispielsweise Pappel oder Erlen. Deren Laub kann man bedenkenlos auf dem Auslauf oder der Weide liegen lassen, es wird meist komplett weggefressen und wird von den Pferden gerne als Ergänzung zum Speiseplan genommen.

Auch Bäume und Büsche mit stärkerer therapeutischer Wirkung wie Weißdorn oder Weide können in der Regel für die Pferde erreichbar bleiben – entweder durch den Zaun hindurch oder wenn das Laub auf ihren Auslauf fällt. Üblicherweise werden von solchen Bäumen oder Büschen die Blätter nicht im Übermaß gefressen und am Zaun entlang gepflanzt bieten „fressbare“ Büsche und Bäume nicht nur einen guten Wind- und Sonnenschutz, sondern sie sind auch Beschäftigung für die Pferde, die gerne alle Triebe abknabbern, die durch den Zaun ragen. Nebenbei bieten solche Naturhecken auch einen wichtigen Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Kleintiere.

©Pavel /Adobe Stock

Dann gibt es Bäume, deren Laub und/oder Früchte in kleinen Mengen durchaus eine positive Wirkung auf den Stoffwechsel haben können, die aber in größeren Mengen giftig werden. Dazu gehören zum Beispiel Walnuss oder Eiche.

Steht den Pferden permanent ausreichend Heu zur Verfügung und die Pferde haben genügend Fressplätze an den Raufen, sodass alle Pferde ständig nach Bedarf Zugang zu Heu haben, dann werden Laub und Früchte solcher Bäume in der Regel nur in kleinen Mengen von den Pferden aufgenommen.

Stehen aber Pferde mit Stoffwechselproblemen wie Kotwasser oder Blähungen im Stall, kann es passieren, dass diese übermäßig viel von diesen Bäumen fressen, was dann zu neuen Gesundheitsproblemen wie Koliken und Vergiftungs-Hufrehe führen kann.

Daher sollte man in diesen Fällen seine Herde gut kennen und die Pferde auch über längere Zeit beobachten. Ist man nicht sicher, ob die Pferde eventuell doch größere Mengen aufnehmen (beispielsweise auch dann, wenn über Nacht die Heuraufe leer gefressen ist und die Pferde aus Hunger auch mindergiftige Pflanzenteile in größeren Mengen fressen) oder hat man häufigen Wechsel in der Gruppe und kennt nicht jedes Pferd so gut, dann sollte man solche Bäume zu den entsprechenden Zeiten sicherheitshalber auszäunen und runtergefallenes Laub und Früchte täglich beim Misten mit entfernen. 

Und es gibt Bäume und Büsche, die im Bereich von Ausläufen oder Weiden gar nichts zu suchen haben, weil sie giftig sind für Pferde. Hierzu gehören beispielsweise Robinien oder Eiben. Diese sollten nach Möglichkeit überhaupt nicht auf dem Hof wachsen (denn auch ein Pferd, das über Nacht aus Box oder Paddock ausbüxt, kann sich an solchen Bäumen vergiften) und schon gar nicht in der Nähe von Boxen, Paddocks oder Weiden, wo die Pferde eventuell auch über den Zaun hinweg daran knabbern. 

Ob man also das Laub täglich entfernen sollte, das auf den Auslauf fällt, oder ob man es ruhigen Gewissens liegen lassen kann, hängt immer davon ab, welche Bäume und Büsche entlang von Auslauf und Weiden stehen und welches Fressverhalten die Pferde haben. Es gibt immer mehr Ställe, die gezielt Büsche und Bäume an oder auf den Ausläufen und Weiden pflanzen, als Schattenspender, Windschutz und natürlich auch aus ökologischen Aspekten, da gerade Hecken ein wichtiger Lebensraum sind.

Bei der richtigen Pflanzenauswahl und gleichzeitig einer Heu ad libitum Fütterung kann man dann bedenkenlos das Laub liegen lassen, sodass die Pferde es fressen können. Hat man aber Bäume oder Büsche dort stehen, die kritisch sind – entweder weil sie komplett giftig sind wie Thuja oder weil sie zu bestimmten Zeiten giftige Pflanzenteile produzieren wie Ahorn-Samen, -Keimlinge oder Bucheckern, dann sollte man sie entsprechend auszäunen, sodass sie von den Pferden nicht erreicht werden können. Alternativ kann man im Herbst und Winter, wenn Bäume geschlagen und Büsche zurück geschnitten werden, auch Äste und Zweige von ungiftigen Bäumen und Büschen als Knabberspaß anbieten. Als Totholzhecke angelegt, stellen diese Äste und Zweige auch einen schönen Raumteiler im Auslauf dar und bieten gleich noch einen weiteren Lebensraum für Insekten und Kleintiere.

Eine sehr schöne Auflistung von Bäumen und / oder Büschen, die man im Bereich von Stall, Ausläufen und Weiden pflanzen kann, findet man unter https://www.offenstallkonzepte.com/giftige-baeume/

Leave a Response