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6 Tipps für die heißen Tage

Fohlen spielt mit Wasser
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Sommerhitze: Temperaturen bis über 30°C machen nicht nur dem Reiter, sondern auch den Pferden zu schaffen. Worauf sollte man achten, damit alle gut durch diese Tage kommen?

Zunächst einmal sind Pferde ursprünglich Steppentiere und haben daher eine relativ hohe Toleranz gegen niedrige ebenso wie hohe Temperaturen. Aber auch ein Steppenpferd sucht in der Hitze nach Möglichkeit Schatten auf. Insbesondere ganz junge und ganz alte Pferde bekommen schnell Probleme mit der Thermoregulation, wenn es zu heiß wird. Während Fohlen dann häufig im Schatten der Mutter schlafen, leiden die alten Pferde vor allem unter altersbedingter Herzinsuffizienz, weshalb ihnen Hitze (ebenso wie schwüles Wetter und Wetterschwankungen) mehr zu schaffen macht. Aber auch Pferden „in den besten Jahren“ macht die Hitze teilweise genau so zu schaffen wie ihren Besitzern. Worauf also achten?

1) Schatten anbieten

Wildpferde suchen nach Möglichkeit Schattenplätze auf, um dort die heißesten Stunden zu verbringen. Daher sollten auf den Weiden Bäume oder Unterstände bereit stehen – und wenn es „nur“ aufgespannte Sonnensegel sind – wo die Pferde sich insbesondere um die Mittagszeit unterstellen können. Wenn es auf der Koppel keine Möglichkeit dafür gibt, dann sollte man die Pferde über Mittag reinholen oder noch besser sie über Nacht auf die Koppel lassen und tagsüber in den schattigen Stall.

Ohnehin lieben es die meisten Pferde, einen freien Zugang vom Stall zur Koppel zu haben. So kann man in solchen Ställen meist beobachten, dass die Pferde in den frühen Morgenstunden raus gehen und grasen, dann am späten Vormittag – noch bevor es richtig heiß wird – reinkommen und eine Zeit lang Heu fressen. Sie gleichen sich so das Faser-/Nährstoffverhältnis aus, das im Weidegras oft ungünstig ist und deshalb auch gerne den bekannten „Weidedurchfall“ verursacht. Dann wird über die Mittagszeit im Schatten des Stalls geschlafen oder gedöst und später, wenn die Sonne nicht mehr so brennt, geht die Herde wieder auf die Koppel, um dort den Abend mit Grasen zu verbringen. Ideal also, wer die Weide direkt am Stall hat und das gewährleisten kann. Wo das nicht geht: Pferde mittags reinholen und im Stall Heu anbieten, um zu lange Raufutterpausen zu vermeiden.

2) Ausreichend Wasser

Fünf braune Pferde trinken an einem See
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Pferde können ihre Körpertemperatur sehr gut über Schwitzen regulieren. Dabei gehen aber nicht nur Elektrolyte verloren (daher auf gute Mineralversorgung in heißen Wetterphasen achten), sondern auch viel Wasser. Deshalb sollte auf der Weide immer Wasser angeboten werden. Hier eignen sich große Kübel aus Hartplastik, da diese im Gegensatz zu den verbreiteten schwarzen Mörtelkübeln keine krebserregenden Weichmacher enthalten, die ins Wasser abgegeben werden. Auch Badewannen funktionieren sehr gut, man kann sie auch leichter reinigen als große Kübel. Ein Tränkewagen ist auch eine gute Alternative. Bei allen Wasserbehältern immer darauf achten, dass sie nicht nur täglich nachgefüllt, sondern auch regelmäßig gereinigt werden. Warmes, stehendes Wasser ist eine ideale Brutstätte für alle möglichen Keime und viele Insekten.

Hat man einen Bach auf der Koppel, können sich Pferde natürlich auch hier versorgen. Stehende Gewässer wie Entwässerungsgräben, Tümpel oder große Pfützen, in denen nach Regenfällen noch lange das Wasser steht, sollten hingegen ausgezäunt werden, denn das Wasser hat in den meisten Fällen nach einigen Tagen kräftiger Sonneneinstrahlung eine hohe Keimbelastung und damit auch für Pferde keine Trinkwasserqualität.

3) Mineralversorgung

Durch das Schwitzen geht nicht nur Wasser verloren, sondern auch Elektrolyte. Dazu gehören beim Pferd insbesondere Natrium, Kalium, Chlorid und Magnesium. Während Kalium in der Regel im Übermaß im Grundfutter vorhanden ist, können Natrium, Chlorid und teilweise auch Magnesium limitierend sein. Pferden sollte daher stets ein Salzleckstein zur Verfügung stehen, wo sie sich ihren Bedarf an NatriumChlorid („Kochsalz“, NaCl) selber wieder auffüllen können. Erfahrungsgemäß werden dabei Natursalzsteine (Bergkern, Himalaya-Salz) lieber genommen als die weißen Press-Salzsteine. Man kann den Salzstein an einen Pfosten hängen oder an einem regengeschützten Ort, z.B. im Stall oder unter einem großen Baum auch auf den Boden legen oder auch einen kleinen „Salzsteinunterstand“ für die Koppel oder den Trail zimmern. Dazu sollte regelmäßig ein gutes Mineralfutter angeboten werden, um auch Magnesium aufzufüllen und insgesamt den Mineralhaushalt in der Balance zu halten. Die Zufütterung von Elektrolyten ist in der Regel nur notwendig, wenn die Pferde im sportlichen Training und Turniereinsatz sind, also extrem schwitzen. Ein bisschen Schweißverlust auf der Koppel und durch den abendlichen Spazierritt kann durch Salzleckstein und Mineralfutter problemlos ausgeglichen werden.

4) Abkühlen

Das Reiten sollte man an heißen Tagen möglichst in die Morgen- und Abendstunden verlegen, weil es hier für den Reiter und das Pferd deutlich angenehmer ist. Aber das lässt sich ja nicht immer so organisieren, manchmal muss man dann doch tagsüber mit dem Pferd arbeiten. Dann sollte man nach der Arbeit das Pferd mit Wasser abspritzen – das ist ähnlich erfrischend wie die Dusche für uns. Das Wasser muss nicht eiskalt sein, lauwarm wird auch von den meisten Pferden als angenehmer empfunden. Beim Abspritzen immer den Hufen (!) anfangen und von dort langsam nach oben arbeiten. Und zwar sowohl an den Vorder- als auch an den Hinterbeinen – langsam den Wasserstrahl vom Huf nach oben wandern lassen.

Denn beim Pferd kommt es in den Beinen zu so genannten Zentralisierungsreaktionen: Wenn die Beine abkühlen dann werden „Kurzschlüsse“ zwischen Arterien und Venen geöffnet, sodass das Blut nicht mehr komplett bis in die Zehe geleitet wird. Das sorgt im Winter dafür, dass das Blut weniger auskühlt und damit weniger Energie für „heizen“ verbraucht wird. Spritzen wir das Pferd aber im Sommer von oben nach unten ab, so kann es ebenfalls zu dieser Reaktion kommen. Das Blut „versackt“ dabei in den Beinen und kann dann nicht mehr adäquat in Richtung Körper abtransportiert werden, was nicht nur zu angelaufenen Beinen führen kann, sondern auch die Regeneration der durch das Reiten entstandenen Mikrotraumata verzögert. Langfristig wird so der Entstehung von Sehnen- oder Bänderschäden Vorschub geleistet. Daher immer dran denken: Vom Huf zum Herz und schön langsam machen. Oder gleich im nächsten See mit Pferd baden gehen.

5) Fliegenschutz

Drei Pferde mit Fliegen am Kopf
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Heißes Wetter belastet nicht nur Herz und Kreislauf, sondern sorgt auch dafür, dass die lästigen Insekten wieder in großen Mengen auftreten. In der Mittagshitze sind vor allem die Bremsen unterwegs, am Abend dann gerne die verschiedenen Mückenarten und Fliegen haben praktisch zu jeder Tageszeit Konjunktur. Natürlich gibt es verschiedenste Fliegensprays, die Abhilfe versprechen. Aber hier findet seit Jahren ein „Wettrüsten“ zwischen Insekten und Sprayherstellern statt. Denn ein paar Insekten sind immer „immun“ gegen das Spray und stechen trotzdem. Sie können sich vermehren und geben diese Toleranz an ihre Nachkommen weiter. Von Jahr zu Jahr wirkt das Fliegenmittel also weniger. Konnte man sich vor 15 Jahren noch sehr gut mit Zedernöl schützen, wirkt das heute praktisch gar nicht mehr.

Zum Einsatz kommen bei Fliegensprays verschiedene ätherische Öle oder auch chemische Produkte. Man sollte darauf achten, dass das verwendete Spray nicht mit Permethrin versetzt ist. Es wirkt zwar super gegen Insekten, aber leider auch gegen Pferde, denn es wird aufgenommen und wirkt nicht nur neurotoxisch, sondern muss auch über die Leber wieder entgiftet werden. Gerade Pferde mit Entgiftungsstörungen (z.B. KPU) oder erhöhten Leberbelastungen können dann empfindlich reagieren. Auch DEET fällt in eine ähnliche Kategorie, es kann zu starken gesundheitlichen Einschränkungen und Schäden an der Ausrüstung führen, da es Kunststoff angreift. An natürlichen Produkten findet man meist Zimtöle, Zitronellöl, Geraniol, Katzenminzenöl, Eucalyptusöl sowie andere und Mischungen davon. Alle ätherischen Öle sollten nur in kleinen Mengen und möglichst sprühvernebelt verwendet werden. Schmiert man sie auf das Pferd, kann es zu empfindlichen Hautreaktionen kommen. Auch Tiroler Steinöl wirkt sehr gut, es sollte aber aufgrund des für uns sehr unangenehmen Geruchs sehr sparsam verwendet werden.

Alternativen zu Fliegensprays bieten auch Fliegendecken, Fliegenmasken, wahlweise im Zebralook oder „normal“ sowie das Pferd mit Zebrastreifen anzumalen. Die Facettenaugen der Insekten können die Zebrastreifen schlecht auflösen, die Pferde „verschwimmen“ so vor den Augen der Insekten. Da alle Insekten aber Rezeptoren u.a. für CO2 (Atemluft) und Buttersäure (Schweiß) haben, können sie Pferde auch so wahrnehmen – insbesondere während und nach dem Reiten, wie jeder Reiter aus leidvoller Erfahrung weiß…

Interessanterweise werden Pferde mit gestörtem Stoffwechsel erheblich stärker von Insekten befallen als gesunde Pferde, ebenso Pferde mit hohem Blutzuckerspiegel bzw. Insulinresistenz. Es könnte daran liegen, dass solche Pferde auch einen anderen Geruch haben und damit offenbar „leckerer“ riechen für die Insekten. Wessen Pferd also immer besonders gerne von Bremsen und Mücken „gefressen“ wird, sollte sich mal Gedanken über die Fütterung und den Stoffwechsel seines Pferdes machen.

6) Schutz vor Sonnenbrand

Pferde mit ausgedehnten Abzeichen im Gesicht wie hellen Pigmentflecken um die Augen bei Appaloosas oder Knabstruppern, solche mit „Milchmaul“ bei großen Blässen oder Schecken oder auch hell pigmentierte Pferde wie Cremellos oder Perlinos leiden besonders häufig unter Sonnenbrand der empfindlichen Gesichtshaut. Das erkennt man in der Regel daran, dass die Haut Krusten bildet, entzündet und teilweise offen und nässend ist. Hat man ein empfindliches Pferd, sollte man vorsorgen. Lange Fliegenmasken schützen nicht nur vor Insekten, sondern auch Augen- und Nüsternpartie vor Sonneneinstrahlung. Ist diese Lösung nicht möglich – weil z.B. die Herdenkumpels es lustig finden, die Fliegenmasken beim Spielen abzumontieren– dann kann man auch Baby-Sonnencreme mit möglichst hohem Lichtschutzfaktor auftragen. Sie wird von Pferden allgemein gut vertragen und erlaubt es ihnen, länger in der Sonne zu bleiben. Bitte daran denken, sie jeden morgen wieder neu aufzutragen und dass Wasser (Spielen im Wasserkübel, Schwitzen, Baden gehen, abspritzen) sie ablöst.

Braun weiß geflecktes Pferd mit rosa Nase
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Aus Untersuchungen ist bekannt, dass bestimmte Futtermittel photosensibilisierend wirken, also die Anfälligkeit für Sonnenbrand verstärken. Dazu gehört neben dem bekannten Johanniskraut, das auf den meisten einheimischen Koppel wächst auch der Amerikanische Bärenklau, der nicht mal gefressen werden muss, sondern schon bei Kontakt sensibilisierend wirkt. Auch der in Fertigfuttermitteln gerne eingesetzte Weizen (meist deklariert als Weizen, Weizenflocke, Weizengrießkleie, Nebenprodukte der Getreideverarbeitung…) verstärkt deutlich die Anfälligkeit für Sonnenbrand, weshalb man auf solche Futtermittel besser verzichten sollte. Luzerne steht ebenfalls im Verdacht, photosensibilisierend zu wirken, daher ist auch hier Vorsicht geboten. Auch sind Pferde mit Stoffwechselproblemen erfahrungsgemäß anfälliger für Sonnenbrand als solche, deren Stoffwechsel gesund ist. Bei Verdacht daher lieber prophylaktisch für Sonnenschutz in Form von Baby-Sonnencreme oder Fliegenmaske sorgen, bevor es zu schmerzhaften Verbrennungen kommt.

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