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PSSM2 – Ein Überbegriff für verschiedene Myopathien

Braunes Pferd unter einem Baum schaut nach rechts
© Nadine Haase / Adobe Stock

Als der Begriff PSSM2 (Polysaccharid Myopathie 2) entstand, fasste man damit alle Pferde zusammen, die zwar unter Belastung dasselbe Muster zeigten wie PSSM1 Pferde, bei denen aber die Mutation, die zu PSSM1 führt, nicht nachweisbar war.

Mit fortschreitender Forschung war irgendwann klar, dass es sich bei PSSM2 nicht um eine Erkrankung mit einer Ursache oder einem Gendefekt handelt, sondern um viele verschiedene Erkrankungen, bei denen noch keine ursächlichen Mutationen identifiziert wurden. Somit sind auch die angebotenen Gentests nicht aussagekräftig. Goldstandard zur Diagnose von PSSM2 und zur Unterscheidung von Myofibrillärer Myopathie (MFM) ist und bleibt eine histopathologische Untersuchung über eine Muskelbiopsie.

Das sehr wahrscheinlich unterschiedliche Ursachen für PSSM2 zugrunde liegen, sieht man auch an der Tatsache, dass Warmblüter oft anders reagieren als Nicht-Warmblüter.

Bei Warmblütern sind erstaunlicherweise mehr Wallache von PSSM2 betroffen als Stuten. Bei mehr als zwei drittel der Warmblüter sind Gangunreinheiten immer ein erstes Anzeichen für das Vorliegen von PSSM2. Weitere Anzeichen sind steife Gänge, verkürzte Schrittweite, kein Vorwärtsdrang und leichte Hinterhandlahmheiten ohne genaue Ursache. Auch die Enzyme Ck und AST unterscheiden sich nicht von gesunden Pferden.

Bei Warmblütern mit PSSM2 kommt es nur sehr selten zu einem Kreuzverschlag im Vergleich zu Nicht-Warmblütern, die häufiger davon betroffen sind. Im Vergleich zu gesunden Pferden ist auch keine erhöhte Glycogenkonzentration im Muskel nachweisbar. Auffällig ist außerdem, dass bei vielen PSSM2 Warmblütern auch ein Magengeschwür nachgewiesen werden konnte. Spezielle Warmblut-Linien, bei denen PSSM2 auftritt konnten bislang auch noch nicht identifiziert werden.

Quarter Horse auf einer Wiese schaut nach rechts
© Thomas / Adobe Stock

Im Gegensatz zu Warmblütern finden sich bei Nicht-Warmblüter, bei denen aufgrund einer Muskelbiopsie PSSM2 diagnostiziert wurde, häufiger Pferde mit Kreuzverschlag mit erhöhten CK und AST Werten (vor allem Araber und Quarter Horses). In Quarter Horses geht PSSM2 auch sehr oft mit Muskelschwund und erhöhten CK Werten einher, bei sehr jungen Quarter Horses auch mit der Unfähigkeit aufzustehen oder einer steifen Hinterhand.

PSSM2 ist in vielen Rassen nachweisbar, u.a. Isländer, Friesen, Morgan Horses, Araber, Englisches Vollblut und viele Warmblutrassen.

Pferde, die in der Histologie abnorme Desmin-Aggregate zeigen, wurden in der Zwischenzeit als Pferde mit Myofibrillärer Myopathie reklassifiziert.

Ähnlich wie PSSM1 Pferde, profitieren PSSM2 Pferde auch von einer kohlehydratarmen Ernährung, bei der sämtliche leichtverdaulichen Kohlehydrate aus der Fütterung entfernt werden und regelmäßiger täglicher Bewegung.

2 Comments

  1. Sehr schade, die Beiträge aus dem heutigen Newsletter zu Myopathien sind sehr oberflächlich und damit in meinen Augen für Unerfahrene potentiell irreführend, weil unvollständig.

    PSSM Typ 1 darf durchaus Fett als Energieträger zugefüttert bekommen, wenn das Heu energiearm ist.
    Unabhängig von jeder Myopathieform sollte jedes eiweißdefizitäre Heu um Eiweiß ergänzt werden.
    PSSM Typ 2 braucht häufig mehr Eiweiß als gesunde Pferde, je nach Typ vertragen sie aber Luzerne wegen des hohen Calciumgehalts nicht.
    Und aus welcher Quelle stammt die Aussage, dass Warmblüter mit PSSM Typ 2 im Vergleich zu Westernrassen häufig nicht symptomatisch sind? Dem würde ich widersprechen wollen.
    Ebenso ist es nicht korrekt, dass man die meisten Pferde mit passender Fütterung gut in den Griff bekommt. Die allerwenigsten Pferde, so denn sie symptomatisch sind, werden mit passender Fütterung völlig asymptomatisch. Vielen geht es damit besser, nicht wenigen aber geht es trotz angepasster Fütterung so schlecht, dass sie erlöst werden müssen.

    1. Liebe Tina,

      Da bei Pferden der Keton Pathway nur äußerst schwach ausgeprägt ist, ist eine Zufütterung von Fetten als Energieträger ziemlich sinnlos – weil diese nicht in adäquatem Maß in den Zitratzyklus eingeschleust und damit in ATP (also für die Zellprozesse nutzbare Energie) umgewandelt werden können. Das gilt für Pferde mit PSSM genauso wie für Pferde ohne PSSM. Pferde sind von Natur aus nicht auf die Verwertung von fettreicher Nahrung ausgelegt, weil sie damit im Lauf der Evolution nie konfrontiert wurden. Und 20 Jahre Ölfütterung in unseren Ställen kann leider nicht knapp 50 Millionen Jahre Evolution ungeschehen machen.

      Bei eiweißarmem Heu kann und darf natürlich Eiweiß zugefüttert werden und zwar nicht nur bei PSSM Pferden, sondern bei allen Pferden. Liegt der Eiweißgehalt in der Fütterung unter dem täglichen Bedarf, kommt es ansonsten dazu, dass körpereigene Eiweiße wie Muskeln abgebaut werden, um die Aminosäuren anderswo zum Aufbau lebensnotwendiger Eiweiße zu verwenden. Dafür sollte man aber zuerst mal schauen, wie hoch der Eiweißgehalt im Heu ist. Die meisten Heuproben, die wir täglich zu sehen bekommen, liegen im Bereich von 6-9% Rohprotein. Füttert man dieses ad libitum, also mit 2-3kg pro 100kg Körpergewicht, ist der Bedarf bei normalen Freizeitpferden gedeckt, da sie dann (je nach Eiweißgehalt und Heumenge) locker ein Kilogramm Rohprotein in der Ration haben. Nur wenn die Eiweißgehalte deutlich unter den 6% liegen, ist eine Zufütterung von Eiweiß angeraten.

      Gibt man mehr Eiweiß in die Ration, obwohl im Heu bereits mehr als genug vorhanden ist, so müssen die überschüssig aufgenommenen Aminosäuren (Bausteine der Eiweiße) in der Leber ab- bzw. umgebaut werden. Dabei wird Harnstoff frei, der über die Nieren ausgeschieden werden muss. Eine zu gut gemeinte Eiweißfütterung stellt damit eine erhebliche Belastung für die Leber und die Nieren dar – das Pferd ist schließlich kein Fleischfresser und damit nicht auf die Verwertung übermäßiger Eiweißmengen zur Energiegewinnung optimiert.

      Es ist kurzsichtig, den Energiegehalt des Heus immer nur auf Zucker und Eiweiß zu reduzieren. Pferde sind in der Lage, mit Hilfe ihres Dickdarm-Mikrobioms die Cellulose im Heu aufzuschließen und als Energie aufzunehmen. Diese kommt in Form von v.a. Propionat, Butyrat und Acetat in den Stoffwechsel und nicht als Blutzucker, sodass sie optimal als Energieträger für PSSM Pferde geeignet sind. Seien wir mal ehrlich: die meisten Pferde nehmen schon allein vom Heu fressen zu. Die Idee, bei PSSM Pferden das Heu in der Menge zu reduzieren und dafür Fett und Eiweiß als Energieträger zuzufüttern, widerspricht komplett der Verdauung und dem Stoffwechsel des Pferdes. Die Energie aus Cellulose ist die weitaus gesündere Variante. Nicht ohne Grund, sind Pferde mit PSSM meist unter den „leichtfuttrigen“ zu finden – die aus Heu allein genug Energie beziehen können für das Arbeitspensum, was sie täglich leisten müssen. Nur wenn ein Pferd bei Heu ad libitum Fütterung abnimmt, muss man über eine Zufütterung anderer Energieträger wie Eiweiß nachdenken. Wichtiger ist es, auf den Zuckergehalt im Heu zu achten. Dieser muss bei Pferden mit PSSM zwingend <10% liegen, besser <6%, ansonsten bekommt man die Probleme nicht in den Griff, da zu viel Zucker in den Stoffwechsel gelangt. Von allen Wissenschaftlern, die sich mit PSSM beschäftigen, wird immer wieder bestätigt, dass die Faserfraktion des Raufutters die Hauptenergiequelle für PSSM Pferde ist. Da in vielen Regionen der USA aber der Nährwert dessen, was sie als „Heu“ bezeichnen ziemlich unterirdisch ist, kommt es zu der Empfehlung, zusätzlich Fett und Eiweiß zu füttern. Das Heu in Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist jedoch in keiner Weise zu vergleichen mit Heu aus Texas, Arizona oder Californien.

      Dass man Pferde mit PSSM über Fütterung und Bewegung managen kann, ist schon seit über 20 Jahren wissenschaftlich anerkannt und wird immer wieder in den Studien hervorgehoben, beispielsweise in dieser Studie https://doi.org/10.2746/042516408X244262, die sich explizit mit Warmblütern beschäftigt, die anfangs zu wenig untersucht wurden, weil man PSSM in den 1990er Jahren eher für eine „Quarterhorsekrankheit“ hielt. In dieser Studie berichten 85% der Pferdebesitzer von einer Verbesserung bei der Arbeit und im allgemenen Verhalten, wenn die Fütterung und dass Training angepasst wurden: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0203467 .Auch zeigen Warmblüter häufig andere Symptome, als z.B. Quarter Horses (die einfach auch deshalb mehr untersucht wurden, weil es in den USA davon deutlich mehr gibt). Einen guten Überblick über das Thema PSSM bei Warmblütern gibt auch diese Studie: https://doi.org/10.2460/ajvr.78.11.1305. Während Quarter Horses überwiegend mit Kreuzverschlag reagieren (7mal häufiger als andere Rassen, bei welchen PSSM anfangs überwiegend untersucht wurde) und auch Kaltblüter häufig Kreuzverschlag als Leitsymptom zeigen, findet man diesen bei Warmblütern deutlich seltener, hier ist Muskelsteifheit das häufigste Symptom. Da belastungsinduzierter Kreuzverschlag eines der Hauptsymptome war, nach denen man Anfangs Ausschau gehalten hat, um Pferde mit PSSM zu finden, wurden die Warmblüter entsprechend zu wenig beachtet. Das wird derzeit nachgeholt und bei Warmblütern wird auch aktuell zum Thema MFM intensiv geforscht, welches zum Themenkreis PSSM2 gehört. Da sicherlich viele verschiedene Ursachen hinter PSSM2 stecken, die jetzt nach und nach erst erforscht werden, ist jedes Pferd in puncto Training und Fütterungsmanagement im Einzelfall zu betrachten.

      Liebe Grüße
      Dein Team Sanoanimal

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