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Myopathien beim Pferd

Pferd galoppiert auf einer Wiese
© Kseniya Abramova / Adobe Stock

Genau wie beim Menschen gibt es auch bei Pferden zahlreiche Muskelerkrankungen, deren Ursache und Vielfalt teilweise noch im Dunkeln liegen und bei weitem nicht so gut erforscht sind.

Zum einen gibt es vererbte Muskelerkrankungen, bei denen der Erbgang und die vorliegende Mutation geklärt sind, aber auch Muskelerkrankungen, die aufgrund einer Stoffwechselstörung oder Hormonstörung entstehen, falscher Fütterung oder gar aufgrund eines Muskeltraumas hervorgerufen werden.

Beim Menschen stehen hierzu eine Vielzahl an Daten und Studien zur Verfügung, aber auch bei Pferden gibt es neue Erkenntnisse gerade im Bereich Myopathien. Dadurch kann immer differenzierter zwischen den unterschiedlichen Erkrankungen unterschieden werden und als Folge davon werden immer neue Ursachen entdeckt, so dass z.B. PSSM2 mittlerweile eher ein Überbegriff für mehrere darunter liegende Muskelerkrankungen ist. Mit Sicherheit wird die Anzahl der bekannten Myopathien beim Pferd in den nächsten Jahren noch weiter steigen.

Zu den Myopathien mit bereits bekannter genetischer Ursache gehören beim Pferd:

  • Polysaccharid Speicher Myopathie 1 (PSSM1)
  • Hyperkalämische Periodische Paralyse (HYPP)
  • Glycogen Branching Enzyme Deficiency (GBED)
  • Maligne Hyperthermie (MH)
  • Myosin Heavy Chain Myopathy (MYHM) oder Immunvermittelte Myositis (IMM)

Dazu kommen mit noch ungeklärter (genetischer) oder fütterungsbedingter Ursache:

  • Myofibrilläre Myopathie (MFM)
  • Polysaccharid Speicher Myopathie 2 (PSSM2)
  • Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (RER)
  • Sporadic Exertional Rhabsomyolysis (SER)
  • Tying up

Myopathien durch Vergiftungen oder Mängel:

  • Atypische Weidemyopathie
  • Weißmuskelkrankheit: Selenmangel bei neugeborenen Fohlen

Myopathien durch Traumata:

  • Fibrosierende Myopathie

Oft ist der Übergang zwischen einer genetischen Ursache und einer fütterungsbedingten Ursache fließend, denn einige dieser Myopathien lassen sich bei entsprechender Fütterung sehr gut managen. Die wichtigsten wollen wir euch hier in loser Folge vorstellen und beginnen mit PSSM1.

PSSM1 – Ein Erbe der Arbeitspferde?

Polysaccharid Speicher Myopathie 1 ist eine erbliche Muskelerkrankung, die sehr häufig bei Kaltblütern und Quarter Horses auftritt. Aber auch Warmblüter sind zu einem kleinen Teil davon betroffen.

Verantwortlich dafür ist eine Mutation in einem Gen namens Glykogen Synthase 1, kurz GYS1, die dafür sorgt, dass bei den betroffenen Pferden zuviel Glykogen im Muskel eingelagert wird, aber nicht mehr abgebaut. Glucose wird in den Muskeln als Glykogen gespeichert, um sie später wieder zur Energiegewinnung heranziehen zu können.

Bei Pferden mit PSSM1 ist das aber nicht in der Form möglich, wie es bei einem gesunden Pferd der Fall ist. In Folge dessen kommt es bei den betroffenen Pferden häufig zu einem Zerfall des Muskelgewebes, der sogenannten Rhabdomyolyse oder Kreuzverschlag. Hierbei sind meistens die Rücken- und Kruppenmuskulatur der Pferde betroffen und mit enormen Schmerzen verbunden.

Kaltblut frisst auf der grünen Wiese
© Dirk70 / Adobe Stock

Die Symptome beginnen meistens kurz nach Beginn der Arbeit und können von Bewegungsunlust, über Muskelsteifheit und Lahmheiten, bis hin zur völligen Bewegungsunfähigkeit variieren. In schweren Fällen versuchen die Pferde sich mit der sogenannten Sägebockhaltung – Vorderbeine nach vorn, Hinterbeine nach hinten – Erleichterung zu verschaffen.

Wie stark und wie häufig es zu einem Kreuzverschlag kommt, hängt zum einen damit zusammen, ob das Pferd reinerbig für diese Mutation ist, also ob es vom Vater und der Mutter vererbt wurde, oder nur von einem Elternteil. Ist das Pferd reinerbig für die Mutation erkrankt es schwerer als ein heterozygotes Pferd. Ein wesentlicher Faktor, ob es bei einem von der Mutation betroffenen Pferd jemals zu einem Ausbruch der Krankheit und zu diesen ungewollt hohen Glykogeneinlagerungen im Muskel kommt, ist die Ernährung.

Werden diese Pferde zuckerarm ernährt und regelmäßig bewegt, muss es nicht zwangsläufig zu diesen Zuckereinlagerungen im Muskel kommen. Wichtig ist vor allem die Bewegung. Nicht umsonst wurde der Kreuzverschlag früher auch als Feiertagskrankheit bezeichnet, denn oft kam es dazu, wenn die Arbeitspferde sonntags frei hatten oder am Montagmorgen wieder in die Arbeit genommen werden sollten, aber dasselbe Futter erhielten, wie an einem Tag, an dem sie arbeiten mussten. Das Auftreten eines Kreuzverschlages weist nicht zwingend auf das Vorliegen einer GYS1 Mutation hin, auch Pferde ohne diese Mutation können bei entsprechend kohlehydratreicher Ernährung ohne ausreichend Bewegung davon betroffen sein.

Es wird vermutet, dass dieses Gen schon vor 1200-1500 Jahren mutiert ist, lange bevor es die heutigen Rassen gab. Dies lässt vermuten, dass gerade Arbeitspferde eventuell gezielt daraufhin selektiert wurden, da betroffene Pferde mit wenig Futter normal Arbeiten konnten. In den USA sind 87% der Arbeitspferde und 72% der Quarter Horses Träger für PSSM1. Aber auch in den europäischen Kaltblutrassen ist PSSM1 stark vertreten (z.B. Rheinisch-Deutsches Kaltblut 68%, Belgisches Kaltblut 92,1%). Aber auch bei Freibergern (2%), Haflingern (23%) und Norikern (33-62%) findet man PSSM1.

Die Diagnose erfolgt über DNA aus Blut oder Haaren. Wurde PSSM1 diagnostiziert, ist es wichtig das Pferd kohlehydratarm zu ernähren und vor allem für ausreichend Bewegung zu sorgen. Kohlehydratarme Ernährung bedeutet ausreichend Heu mit geringem Zuckergehalt und Mineralfutter, aber keinesfalls Kraftfutter oder Saftfutter. Ebenso wichtig wie die Fütterung ist bei diesen Pferden die regelmäßige und vor allem tägliche Bewegung.

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