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Frühling im Kopf: wenn die Pferde zu lustig werden…

Graues Pferd galoppiert über eine Wiese
© Alexia Khruscheva / Adobe Stock

Es ist Frühling und nicht nur unser Stoffwechsel wacht auf, sondern auch die Pferde werden zunehmen lustig. Das freut einen bei seinem Rentner, dessen Arthrosen ihn jetzt weniger plagen und der auch mal ein paar Trab-Schritte wagt. Hat man aber ein jüngeres Pferd, das eh schon Temperament hat und dem steigt jetzt noch der Frühling zu Kopf, kann das unschön bis auch gefährlich werden.

Pferden ist meist nicht bewusst, dass so ein Mensch zerbrechlicher ist als der Pferdekumpel. Da wird dann beim Longieren mal in Richtung Mensch gekickt vor lauter Übermut oder vielleicht auch beim Führen oder unter dem Sattel gestiegen, weil unser Pferd nicht mehr weiss, wohin mit seiner ganzen Energie.

Es kann Fälle geben, wo man doch gerne mal die Temperamentsspitzen ein bisschen reduzieren möchte. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten.

Optimal ist es natürlich immer, wenn die Pferde ihre überschüssige Energie durch mehr Bewegung abbauen können. Allerdings sind die Weiden in den meisten Ställen aus guten Gründen noch geschlossen und nicht jeder hat die Zeit und die Möglichkeiten, sein Pferd jetzt länger und ausgiebiger unter dem Sattel oder im Freilauf zu bewegen. 

Eine Möglichkeit, das Verhalten ein bisschen zu dämpfen ist die Gabe von beruhigend wirkenden Kräutern.

Verschieden getrocknete Kräuter und Kräutertinkturen
Kräuter können in der Pferdefütterung für eine beruhigende Wirkung eingesetzt werden. © yanadjan / Adobe Stock

Hier gibt es einiges aus der Naturheilkunde, was das Temperament ein bisschen dämpft, angefangen vom bekannten Baldrian bis zum Hopfen, den man eher vom Bierbrauen kennt, der aber ebenfalls eine beruhigende Wirkung hat. Kräuter wirken in Mischung meist besser als wenn man Einzelkräuter gibt. Verschiedene Kräuter haben auch unterschiedliche Wirkmechanismen im Körper und bei einer Mischung geht man das Problem dann sozusagen von mehreren Seiten aus an. Eine gute Kräutermischung sind hier beispielsweise die Beruhigungskräuter von OKAPI, die von den meisten Pferden auch gut gefressen werden. 

Auch Hanf wird gerne eingesetzt wegen seines hohen CBD Gehalts, der ebenfalls eine beruhigende Wirkung auf Pferde hat. Verarbeitet werden für „Pferdehanf“ (z.B. Hempura) in der Regel ganze Pflanzen, Blätter, Blüten und / oder Früchte (Hanfnüsse).

CBD (Cannabidiol) ist der nicht-psychogene Wirkstoff aus dem Hanf. Er hat nachweislich nicht nur eine schmerzstillende Wirkung, sondern in Studien an Mäusen konnte auch gezeigt werden, das es angstlösend und beruhigend wirkt, auch wenn der Wirkmechanismus noch nicht ganz verstanden ist. Während CBD Öl die Zulassung als Futtermittel ohne Begründung wieder entzogen wurde, darf Hanf derzeit noch als Futtermittel verkauft werden. Man bekommt von verschiedenen Herstellern Hanfprodukte, hier sollte darauf geachtet werden, dass vor allem junge Blätter und Blüten der weiblichen Hanf-Pflanzen verarbeitet wurden, da diese den höchsten CBD Gehalt haben.

Die Früchte der Hanfpflanze, die Hanfnüsse, enthalten bis zu 35% Fett und werden daher gerne als Fettsäure-Ergänzer eingesetzt, ihr CBD Gehalt ist jedoch nicht nennenswert. Entsprechend enthält das aus Hanfnüssen gepresste Hanföl oder Hanfpellets, die als Pressrückstand aus der Ölgewinnung übrig bleiben, ebenfalls praktisch kein CBD. Bei www.hanf-schnitt-nord.eu bekommt man Hanfblüten und -blätter lose geschnitten, die man auch als Tee aufgegossen verfüttern kann. Das ist zwar etwas teurer als andere Hanfprodukte, dafür benötigt man täglich viel weniger, weil der Wirkstoffgehalt deutlich höher ist als z.B. bei der Verarbeitung der ganzen Pflanze.

CBD Produkte (Öl, Kapseln) und Hanfblätter, Samen auf einem Tisch
© aedkafl / Adobe Stock

Es gibt aber auch Pferde, die in ihrem Verhalten nicht generell Frühlings-lustig sind, sondern sich nach dem Aufregen nicht mehr abregen. In diesen Fällen kann das Verhalten mit einem Magnesium Mangel zu tun haben oder mit einem zu geringen Serotonin-Level im Gehirn zusammen hängen. Hier kann man über die Gabe von Magnesium und Tryptophan (einem Vorläufer von Serotonin, der bei Bedarf umgewandelt wird) gegensteuern, um das Verhalten wieder in die Balance zu bringen. Die Pferde werden dadurch nicht insgesamt gedämpft im Verhalten wie beispielsweise mit Beruhigungskräutern oder Hanf, aber sie können sich nach Aufregung schneller wieder beruhigen. Magnesium und Typtophan kombiniert bekommt man z.B. als Relax von der Firma OKAPI.

Vermeiden sollte man die Gabe von Bierhefe, die zwar auch eine sedierende Wirkung auf viele Pferde hat, sich jedoch nachteilig auf das Dickdarm-Milieu auswirkt und Dysbiosen (Fehlgärungen) nach sich ziehen kann. 

Mit ein bisschen beruhigender Kräuter-Unterstützung und ein bisschen mehr Bewegung – die endlich wieder längeren Abende und das zunehmend warme Wetter laden ja dazu ein – sollten wir alle die Frühlings-Schmetterlinge im Kopf unserer Fellnasen gut und sicher überstehen.

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