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Die Abfohlzeit steht in’s Haus!

Braune Stute und Fohlen galoppieren über eine Weide
© rima15 / Adobe Stock

Was du in der Trächtigkeit und der Fohlenzeit beachten solltest.

Bald turnen wieder lauter langbeinige, kleine Plüschtiere über die Wiesen und Ausläufe. Was gibt es schöneres, als aus der eigenen Stute ein Fohlen zu ziehen, das man vom ersten Tag an kennt und bei dem man alle Fehler selber machen kann 😉 Frühling und Sommer sind auch für jeden erfahrenen Züchter immer wieder eine aufregende Zeit – werden die Fohlen so, wie man es geplant hat? Hoffentlich geht alles mit allen Müttern und Fohlen gut? Die Arbeit eines Züchters ist anstrengend und oft nervaufreibend, aber wenn man seine Nachzucht dann erfolgreich sieht – ob im Sport oder als geliebtes, gesundes Freizeitpferd, ist sie auch unglaublich belohnend.

Was viele Stutenhalter und Züchter nicht wissen ist die Tatsache, dass Zuchtstuten nicht nur Eiweiß brauchen, damit das Fohlen im Bauch gedeiht. Gerade in den letzten zwei Trächtigkeitsmonaten holt sich das Fohlen all das aus dem Stoffwechsel der Mutterstute, was es für einen guten Start und die ersten Monate braucht.

Da die Muttermilch kaum Mineralien und Spurenelemente enthält, das Fohlen aber noch kein Beifutter verwerten kann, sind diese essentiell für eine gesunde Entwicklung in den ersten 4-6 Monaten. Erst dann ist der Verdauungsapparat des Fohlens soweit, dass es auch mit zugefüttertem Futter gut zurechtkommt und sich selber versorgen kann. 

Insbesondere Eisen, Zink und Kupfer sind essentiell, damit das Fohlen gut über die ersten Wochen und Monate kommt.

Auch andere Spurenelemente wie Selen oder Mangan sind natürlich wichtig, aber in der Regel ausreichend vorhanden. Auch Eisenmangel kommt bei Mutterstuten dank konsequentem Wurm-Monitoring eher selten vor. Dagegen finden wir häufig Probleme im Zink- und Kupferhaushalt. Diese beiden „Gegenspieler“ im Mineralhaushalt können leicht zum Ende der Trächtigkeit in den Mangel gehen. Fellprobleme, stumpfes / glanzloses Fell bis hin zum Pigmentverlust rund um die Augen („Kupferbrille“) oder das Maul können bei der Mutterstute ebenso die Folge sein wie Probleme im Bewegungsapparat, Hornbildungsstörungen, schwaches Immunsystem oder dass die Stuten extrem lange brauchen, um sich von der Trächtigkeit und Geburt zu erholen.

Auch bei Fohlen, die nicht genug dieser Spurenelemente von der Mutterstute bekommen haben, kann man oft beobachten, dass sie Probleme haben, das Fohlenfell zu wechseln und häufig haben sie in den ersten Tagen oder Wochen erhebliche Probleme mit der Stabilität ihres Bewegungsapparats („Gummibeine“).

Daher sollte man in den letzten zwei Trächtigkeitsmonaten nicht nur auf Wurmbefall achten (Kotproben!), und regelmäßig Mineralfutter anbieten, sondern insbesondere Zink und Kupfer im wöchentlichen Wechsel (möglichst als Einzelfuttermittel ohne viel Schnickschnack) zufüttern. Damit haben erfahrungsgemäß Fohlen und Mutter einen deutlich besseren Start.

In den ersten Monaten ist die Muttermilch sehr reich an der Aminosäure Lysin.

Sie wirkt im Darm des Fohlens wie ein „Verstärker“ für die Aufnahme von Eiweiss. Denn gerade Eiweiss wird in den ersten Monaten besonders gebraucht, um zu wachsen. Solange das Fohlen Gras und Heu noch nicht richtig verdauen kann, muss es diese Versorgung also über die Muttermilch bekommen. Deshalb sollte man darauf achten, dass die Abfohltermine möglichst in die Zeit fallen, in der die Stuten schon auf der Weide sind. Junges Weidegras ist reich an Lysin und anderen essentiellen Aminosäuren und damit die beste Versorgung für Mutterstuten.

Sollte das nicht möglich sein (Fohlen kommt schon im Winter oder Frühling oder erst im Spätsommer, es steht nicht genügend Weide zur Verfügung…), muss auf den Lysin-Gehalt des Futters geachtet und im Zweifelsfall zugefüttert werden. Es geht also nicht nur um den Gesamt-Eiweissgehalt im Futter – der ist bei einer Fütterung von Heu ad libitum und/oder Weidegras normalerweise gedeckt. Limitierend ist in der Regel die Menge an verfügbarem Lysin.

Braunes Fohlen trinkt bei seiner schwarzen Mutter
In den ersten Monaten ist die Muttermilch sehr reich an der Aminosäure Lysin. © callipso88 / Adobe Stock

Darmträgheit in den letzten Trächtigkeitsmonaten

In den letzten Trächtigkeitsmonaten haben außerdem viele Mutterstuten mit Darmträgheit zu kämpfen. Das Fohlen nimmt im Bauch viel Raum ein und der Darm wird beiseite gedrängt. Hat die Stute dazu vielleicht noch einen kurzen Rücken, steigt das Risiko für Koliken deutlich an.

Hier kann man seine Stute unterstützen, indem sie viel ruhige Bewegung hat, zum Beispiel in einem Offenstall mit einer gut funktionierenden Gruppe, in Kombination mit täglichen, langen Spaziergängen. Tragende Stuten sind nicht krank! Sie dürfen und sollen sich bewegen und können bis in das letzte Drittel der Trächtigkeit in der Regel auch geritten werden – natürlich im „Schongang“, denn mit einer dicken „Schwanger-Murmel“ macht sich die Piaffe schlecht.

Außerdem sollte man darauf achten, dass der Sattel bis zum Schluss passt, denn auch der Rücken verändert sich mit fortschreitender Trächtigkeit. Wenn es mit dem Reiten nicht mehr klappt, dann kann eine tragende Stute auch wunderbar als Handpferd auf den Spazierritt mitgenommen werden oder man marschiert mit Pferd (und vielleicht Hund) auch mal zu Fuß los, damit der Darm der Stute in Bewegung kommt.

Trächtige Fuchsstute steht auf einer grünen Wiese
© callipso88 / Adobe Stock

In der Gruppe bleiben oder lieber separieren?

Es wäre falsch, die Stute jetzt aus der Gruppe zu nehmen und in eine Box zu stellen, damit steigt das Risiko für Komplikationen. Leider machen das viele Besitzer, aus dem vermenschlichenden Gedanken heraus, dass das „sicherer“ sei – denn wir gehen ja auch zur Geburt ins Krankenhaus.

Ein Pferdestall ist aber kein Krankenhaus uns sofern die Trächtigkeit ohne Komplikationen abgelaufen ist, muss man eine Stute zur Geburt weder in die Box noch in die Klinik stellen. Im Gegenteil: Jeder Transport und Ortswechsel ist Stress pur. Daher sollte man auch umgekehrt eine Stute, die an Boxenhaltung gewöhnt ist, nicht gerade zum Ende der Trächtigkeit in eine Offenstallgruppe umstellen, da Stress in dieser Phase genau das falsche ist. Mit einem solchen „Umzug“ dann lieber warten, bis das Fohlen auf der Welt ist und seine ersten eigenen Schritte machen kann. 

Optimal ist es, wenn Zuchtstuten – auch wenn aus dem geliebten Reitpferd „nur ein Fohlen als Nachwuchspferd“ gezogen wird –  rechtzeitig in einer Mutterstutengruppe untergebracht werden. Damit hat das Fohlen von Anfang an Spielkameraden und lernt ein gesundes Sozialverhalten im Umgang mit den anderen Fohlen, aber auch den „Tanten“, die häufig strengere Erzieher sind als die eigene Mutter. Dazu kann die Mutter öfter mal ausruhen, da die „Tanten“ einen Teil der Fürsorge und Erziehungsarbeit übernehmen. Eine Mutterstute im Reitstall ist dagegen die „Alleinerziehende“ unter lauter Vollzeitjobbern.

Das ist keine schöne Situation und kostet die Stute deutlich mehr Kraft als wenn sie gleichgesinnte um sich hat. Zuchtställe wissen außerdem gut Bescheid über den Ablauf der Geburt und wenn sich bei einer Stute Komplikationen ankündigen. Die meisten verfügen auch über eine Abfohlbox, die mit Kameras überwacht ist, sodass man sein Pferd in guten Händen weiß. Schließlich machen die Züchter das ja nicht zum ersten Mal. 

Zwei Haflinger Fohlen spielen auf einer Wiese
Spielkammeraden sind für die Fohlen sehr wichtig. © kathomenden / Adobe Stock

Die ersten zwei Wochen sind entscheidend für den Bewegungsapparat des Fohlens

Ist ein Aufenthalt in einem Zuchtstall für die Zeit der Trächtigkeit und bis zum Absetzen nicht möglich, dann sollten Mutter und Fohlen zumindest ab dem ersten Tag raus auf den Auslauf und auf die Weide. Die ersten zwei Wochen sind entscheidend für den Bewegungsapparat des Fohlens. Er passt sich an den Untergrund an: ist er tief (z.B. Sandreitplatz), bleibt die Fesselstellung steiler. Ist er hart (Betonauslauf) wird die Fesselstellung flacher. Damit der Bewegungsapparat also die optimalen Außenreize bekommt, um sein Pferd später auf den verschiedensten Böden optimal reiten oder fahren zu können, sollte der Boden abwechslungsreich gestaltetet sein. Da gehört ein Rumtoben auf dem tiefen Reitplatz dann genauso dazu wie das Spielen auf federndem Weidegrund oder auch der Weg über den gepflasterten Hof. Auch wenn man sich manchmal die Augen zuhalten muss, wenn Fohlen über die Weiden toben – sie sind die reinsten Gummibälle und auch wenn sie mal stürzen, passiert ihnen meist genauso wenig wie kleinen Kindern.

Viele Pferdebesitzer, die aus ihrer Stute ein Fohlen ziehen, wollen das Jungtier dann möglichst ab dem ersten Atemzug auf sich prägen, damit es später ein „bester Freund für’s Leben“ wird. Die Erfahrung zeigt, dass solche Pferde viel häufiger psychische Störungen entwickeln als die Pferde, die artgerecht ohne ständige menschliche Einflussnahme aufwachsen konnten.

Die Neugier und Motivation zum Lernen und zur Zusammenarbeit mit dem Menschen kommt von ganz alleine, wenn die Pferde erst einmal in der „Pubertät“ sind. Daher Mutter und Fohlen am besten das erste halbe Jahr soweit wie möglich in Ruhe lassen. Natürlich kann man die Stute immer mal putzen, regelmäßige Hufschmied-Termine machen oder auch mal mit Mutter und Fohlen spazieren gehen oder reiten. So lernt das Fohlen vom ersten Tag an durch Beobachtung, dass Menschen nett sind und der Mutter Gutes tun – das hilft beim Vertrauensaufbau viel mehr, als die Kleinen ständig mit gut gemeinten Streicheleinheiten und Leckerchen zu bedrängen. 

Fohlen zufüttern?

Insbesondere das Zufüttern sollte man ohnehin vermeiden. Fohlen haben zwar Milchzähne, sie können aber noch nicht so recht hartes Futter kauen. Außerdem werden in den ersten Lebensmonaten auch die Weichen für den späteren Stoffwechsel gestellt.

Das ist beim Pferd wie beim Menschen: Wer als Säugling „fett“ gefüttert wurde mit ordentlich reichhaltiger Fertignahrung, der wird auch im späteren Leben immer mit Gewichtsproblemen zu kämpfen haben. Genau dasselbe beobachten wir auch bei Pferden.

Diejenigen, die schon im Fohlenalter „Fohlenmüslis“ oder ohne Grund „Fohlenmilch“ oder später dann „Fohlenstarter“ und „Aufzuchtmüslis“ bekommen haben, sind unsere größten Sorgenkinder in der späteren Therapie. Das ist quasi „Happy Meal“ für Pferde: Sie werden ganz früh auf süßes, stärkereiches Hochleistungs-Futter konditioniert und der Körper beginnt schon „im Babyalter“, große Mengen Fettzellen anzulegen.

Mit diesem Fressverhalten und der Neigung zu Fettansatz kämpft der Besitzer dann ein Leben lang. Fohlen brauchen Muttermilch, Gras, Heu und etwas später dann Mineralfutter und einen Salzstein, dazu natürlich Wasser. Fohlen trinken schon bis zu 10L Wasser am Tag! Laktierende Stuten brauchen bis zu 80L Wasser täglich. Alles andere sollte man sich tunlichst verkneifen, auch wenn die Liebe – gerade für diese niedlichen kleinen Dinger – bei uns gerne durch den Magen geht… 

Häufig höre ich, dass man mit der Stute ja nichts machen kann, weil das Fohlen weglaufen würde. Das machen nur sehr wenige und sehr selbstbewusste Fohlen. Die meisten Fohlen laufen nur ein paar Meter weg von ihrer Mutter, vor allem in unbekanntem Gelände. Und sofern die Reitwege nicht an Straßen entlang oder über stark befahrene Straßen führen, funktioniert auch ein Spaziergang oder -ritt meist ganz hervorragend. 

Auf keinen Fall den Fohlen für solche Ausflüge oder andere Gelegenheiten Halfter aufziehen und sie als „Handpferd“ oder an den Bauchgurt der Mutter gebunden mitnehmen oder gar am Anbindebalken festknoten. Die Knochen des Hinterhauptbeins (Schädelabschluss) sowie die Halswirbel sind in den ersten Lebensmonaten noch nicht komplett verknöchert und ausgesprochen instabil. Erschreckt sich ein mit Halfter oder Halsriemen festgehaltenes oder -gebundenes Fohlen, kann es sich mit einem einfachen Ruck schon das Genick brechen. Daher sollten Fohlen frei mit der Mutter mitlaufen. 

Worauf muss man also achten? 

  • 1. Stute in den letzten beiden Trächtigkeitsmonaten mit Zink und Kupfer versorgen (zusätzlich zum Mineralfutter! z.B. Pränat Z&K)
  • 2. Viel ruhige Bewegung insbesondere in den letzten Trächtigkeitsmonaten (Spaziergänge, Offenstall…)
  • 3. Stress vermeiden vor und nach der Geburt (Transporte, Stallwechsel…)
  • 4. Für ausreichend Lysin in der Fütterung sorgen (optimal: junges Weidegras, sonst: Ergänzungsfuttermittel wie Esparsette und/oder Lymeth)
  • 5. Viel freie Bewegung für das Fohlen ab dem ersten Tag auf verschiedenen Böden – das fördert auch die Trittsicherheit
  • 6. Fohlen nicht mit menschlicher Interaktion überfordern – Ruhe und Zeit sind die wichtigsten Verbündeten für ein gutes, stabiles Verhältnis
  • 7. Mutterstuten brauchen Mutterstuten und Fohlen brauchen Fohlen: rechtzeitig die Stute in einen gut geführten Zuchtstall umstellen.
  • 8. Keine Fohlenmüslis – sie bekommen über die Muttermilch und später Gras und Heu sowie Mineralfutter und Salzstein und natürlich Wasser alles, was sie brauchen.
  • 9. Fohlen lernen durch Abschauen: Viel freundliche „Wellness“-Beschäftigung mit der Stute prägen ein Fohlen ebenso wie grober oder harter Umgang mit Fohlen oder Mutter.
  • 10: Keine Halfter, keine Halsriemen für Fohlen – sie können sich sehr schnell das Genick brechen.

Wir wünschen allen Besitzern tragender Stuten alles Gute für die Geburt und dass wir diesen Sommer wieder viele schöne, kräftige und gesunde kleine Fellnasen über die Weiden springen sehen.

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