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Checkliste für die Stallsuche

Drei Pferde schauen aus den Boxenfenstern
© stokkete / Adobe Stock

Worauf sollte man bei der Stallsuche achten?

Zu einem eigenen Pferd kommt man oft schneller, als gedacht. Aber dann den richtigen Stall für seinen geliebten Vierbeiner zu finden, ist wie ein Sechser im Lotto. Wenn man die örtlichen Kleinanzeigen aufschlägt, denkt man erstmal, dass das doch so schwer nicht sein kann, schließlich fährt man ja täglich auf dem Weg zur Arbeit an dutzenden Ställen vorbei. Sobald es aber ins Detail geht, reduziert sich die Anzahl der Ställe, die eine wirklich artgerechte Haltung und Versorgung bieten, sehr schnell auf ganz wenige. 

Dabei steht an erster Stelle die Frage: Offenstall oder Box? Beide Haltungsformen haben Vorteile, beide haben Nachteile.

Hat man ein junges Pferd, das aufgeweckt ist und Bewegungsdrang hat, sollte man unbedingt eine Offenstallhaltung ins Auge fassen. Hat man aber einen Senior, der vielleicht auch noch größere Mengen an Heucobs täglich zugefüttert bekommen muss aufgrund seines Zahnzustands oder eher rangniedrig und ängstlich ist, dann fallen die meisten Offenställe schon raus, weil so ein Pferd dort nicht ausreichend zur Ruhe kommt.

Hier sollte man eher nach einem Boxenstall schauen, bei dem die Pferde tagsüber in Kleingruppen auf großzügige Ausläufe kommen, aber abends wieder in ihre Box. Eine durchgehende Boxenhaltung ist ebenso tierschutzwidrig wie die Haltung in einem Offenstall, der durch Überbelegung, asoziale Gruppenmitglieder oder falsches Management zum Dauerstress bei den Pferden führt.

Neben der passenden Haltungsform kommen noch viele andere Faktoren dazu, wie Erreichbarkeit, Raufuttermanagement, Zufütterung, Reitplatz, Halle, Ausreitgelände, Zusatzleistungen wie Vorstellen beim Hufschmied und so weiter.

Einige dieser Punkte sind eher wichtig für den Besitzer. Denn dem Pferd ist es egal, ob es ein gemütliches, beheiztes Reiterstübchen gibt, dem Menschen aber nicht unbedingt.

Andere Punkte betreffen einzig und allein das Pferd, beispielsweise die Gruppenzusammensetzung oder die Größe des Paddocks. Einige Punkte sind verhandelbar – so muss es vielleicht nicht der Stall mit Halle sein, ein beleuchteter Reitplatz tut es eventuell auch. Andere sind ein absolutes No-Go, wenn beispielsweise regelmäßig schimmeliges Heu gefüttert wird. 

Ein Stallwechsel ist eine wichtige Entscheidung und für das Pferd mit erheblichem Stress verbunden – wie auch für die Gruppe, in die das Pferd integriert wird. Ehe man vorschnell irgendwo zusagt, um dann nach sechs Wochen wieder auszuziehen, ist es sinnvoller, schon bei der Stallsuche ein paar Punkte kritisch zu beleuchten, um zu entscheiden, ob der Stall auch wirklich passt. Lieber noch etwas länger suchen oder sich in einem guten Stall auf die Warteliste setzen lassen, als zum „Stallhopper“ zu werden, weil der erste dann doch zu teuer, der zweite doch zu weit weg und der dritte leider überhaupt nicht für das Pferd geeignet ist.

Erste Überlegungen, noch bevor man die Kleinanzeigen aufschlägt:

1. Welches Budget habe ich?

Hier sollte man nicht auf „Knirsch“ kalkulieren, denn zu den monatlichen Stallkosten kommen noch Fahrtkosten, Hufbearbeitung, Tierarzt etc. dazu. Damit man nicht ganz schnell finanziell mit dem Rücken an der Wand steht, sollte man die Stallmiete realistisch planen und schauen, ob das mit dem monatlich zur Verfügung stehenden Einkommen wirklich auch langfristig machbar ist. Viele Ställe bieten mittlerweile komplexe Preissysteme, wo zum „Grundpreis“ diverse Zuschläge kommen, wenn das Pferd z.B. im Winter auf den Auslauf oder die Weide soll (dabei kosten „Weidenutzung“ und „auf die Weide bringen“ gerne nochmal extra). Hier sollte man also ganz kritisch fragen, was alles im Preis enthalten ist, um nicht nachher böse Überraschungen zu erleben, wenn es um die Miete für eine Box geht, aber weder Einstreu, noch Heu, Misten oder Paddock-Gang in dem vordergründig günstigen Preis enthalten sind. 

2. Haltergemeinschaft oder Vollpension?

Das geht meist Hand in Hand mit dem Pensionspreis. Eine Haltergemeinschaft oder ein kompletter Selbstversorgerstall ist deutlich günstiger als ein Stall mit Vollpension. Allerdings tauscht man Geld gegen Arbeitszeit. Im Sommer macht das Abmisten der Ausläufe ja noch Spaß – das Wetter ist gut, die Tage sind lang. Aber wenn man dann im Winter um 18 Uhr nach einem stressigen Arbeitstag in den Stall kommt und mit Stirnlampe im Nieselregen Äppel einsammelt, hat man anschließend sicher keine Lust mehr zum Reiten. Viele Selbstversorger oder Einsteller in Haltergemeinschaften kommen sehr schnell darauf, dass sie deutlich mehr Zeit mit Stallarbeit verbringen, als mit ihrem Pferd. Gerade wer beruflich oder familiär stark eingebunden ist, profitiert davon, wenn die tägliche Stallarbeit schon erledigt ist, wenn man zum Pferd kommt.

3. Was soll die Anlage bieten?

Auch dieser Punkt spielt mit in die monatlichen Kosten rein. So wird ein Stall, der nur aus Unterstand und Auslauf besteht, meist günstiger sein als eine Reitanlage mit Halle, Reitplatz und Roundpen. Denn der Unterhalt einer solchen Anlage kostet natürlich auch. Auf der anderen Seite bringt es nichts, in den günstigen, sehr einfachen Offenstall zu ziehen, wenn man dafür dann den ganzen Winter nicht zum Reiten kommt, weil es nach der Arbeit schon zu dunkel ist zum Ausreiten oder der improvisierte Reitplatz im Schlamm versinkt. Hier sollte man also kritisch seine eigenen Ambitionen hinterfragen: Will ich ganzjährig trainieren? Oder bin ich ohnehin eher der Ausreiter, der um Reitplätze einen möglichst großen Bogen macht? Einerseits kann man sich später ärgern, wenn man für eine Anlage zahlt, die man nie nutzt. Andererseits kann es genauso ärgerlich sein, wenn man später feststellt, dass es so ganz ohne vernünftigen, beleuchteten Reitplatz im Winter auch blöd ist.

4. Wie weit kann / will ich fahren?

Ein Punkt, der anfangs oft unterschätzt wird, aber mit der Zeit an den Nerven zehren kann. Gerade wer gerne täglich zu seinem Pferd möchte, der sollte unbedingt schauen, dass der Stall in der Nähe des Wohnorts oder der Arbeitsstelle ist. Je weiter die Strecke, desto höher die Kosten (Sprit, Autonutzung…) und desto mehr Freizeit verbringt man auf der Straße. Wer ohnehin aus beruflichen oder privaten Gründen nur zwei- oder dreimal pro Woche zu seinem Pferd kommt, der kann auch eine etwas längere Fahrzeit in Kauf nehmen, wenn dafür der Stall ansonsten perfekt passt. Wer Selbstversorger ist, wird sehr schnell am Limit laufen, wenn täglich zwei Stunden der wertvollen Freizeit schon mit Autofahren weg sind.

Mit diesen Fragen grenzt man schonmal die Kleinanzeigen ein und kann alle Angebote streichen, die ohnehin nicht in Frage kommen. Im nächsten Schritt geht es dann an die Stallbesichtigung und das Abklären der eigentlich Haltungs- und Fütterungsbedingungen. Während man bei der Ausstattung der Anlage noch Kompromisse machen kann (ein Solarium ist ein toller Luxus, aber eben nicht lebensnotwendig), sollte man bei der Haltung und Fütterung ganz klar vor Augen haben, dass jeder faule Kompromiss an dieser Stelle für das Pferd später Krankheit, Leiden, Schmerzen und erhebliche Therapiekosten bedeuten kann. 

Nicht verhandelbare Einstellbedingungen:

Fütterung:

Must Have

  • Ständiger Zugang zu qualitativ einwandfreiem Heu
  • Kein Schimmel im Heu, keine Giftpflanzen
  • Heulagerung unter Dach oder Heuvlies 
  • Genügend Fressplätze, sodass alle Pferde jederzeit ans Heu kommen
  • Management der Fressgeschwindigkeit über passende Heunetze

Optional

  • Weidegang im Sommer
  • Ggf. reduzierte Weidezeit oder das Aufsetzen einer Fressbremse möglich
  • Zufütterung mit Heucobs oder therapeutischen Futtermitteln möglich (z.B. bei Senioren)

No Go

  • Heulage
  • Heufütterung in Mahlzeiten
  • Raufutterautomaten
  • Zeitgesteuerte Raufen, die regelmäßig geschlossen werden, sodass die Pferde dann kein Raufutter bekommen
  • Tagesausläufe ohne Raufutterangebot
  • Fütterung von Kraftfutter an alle Pferde, auch gegen ausdrücklichen Wunsch des Besitzers
  • Jeder im Stall füttert alle Pferde (die gut gemeinte Karotte kann beim fremden Pferd eine Hufrehe auslösen!)
Vier junge Pferde fressen gemeinsam Heu
© acceptfoto / Adobe Stock

Offenstall:

Must Have

  • Solide gebauter Stall, an der langen Seite offen oder mehrere Ein- und Ausgänge
  • Dicke, weiche, trockene Einstreu – wenn man sich auf die Knie fallen lässt und das schmerzhaft ist oder die Hose durchweicht, ist die Einstreu zu dünn bwz. zu nass und nicht geeignet
  • Liegefläche ausreichend groß, dass alle Pferde abliegen können (ca. 10qm pro Pferd rechnen, bei großen Gruppen mit häufigem Wechsel eher mehr)
  • Großer Auslauf, optimal mit Paddock Trail oder so strukturiert, dass die Pferde sich gut ausweichen können und keine Verletzungsgefahr besteht
  • Stall und Ausläufe werden täglich abgemistet
  • Wasserstelle sauber, frostfrei und immer für alle Pferde zugänglich, kein Pferd kann am Wasser in die Ecke getrieben werden
  • Verteilte Raufutterfressplätze, sodass auch rangniedrige Pferde in Ruhe fressen können
  • Boden rund um Raufen und Wasserstellen befestigt, sodass die Pferde nicht im Schlamm stehen müssen im Winter
  • Ordentliche, stabile Zäune
  • Soziale Gruppe, kein Mobbing, friedliches Miteinander an den Raufen oder beim Dösen
  • Gruppengröße passt zur Größe von Unterstand und Auslauf
  • Gruppenzusammensetzung entsprechend Bedürfnissen (leichtfuttrige / schwerfuttrige Pferde, Stuten / Wallache, Jungpferde / Senioren etc.)
  • Integration über separaten Integrationsbereich und über längeren Zeitraum, kein abruptes „Dazustellen“ neuer Pferde

Optional

  • Paddock Trail mit Bewegungsanreizen
  • Mehrere Unterstände, damit die Pferde ausweichen oder bei unterschiedlichen Wetterlagen individuell Schutz finden
  • „Pferdeklo“, damit die Liegeflächen sauber bleiben
  • Totholz zum Knabbern und Hecken entlang der Zäune, die beknabbert werden können

No Go

  • Giftpflanzen wie Thuja, Eiben, Robinien etc. auf den Ausläufen oder entlang der Zäune, sodass sie beknabbert werden können
  • Zu kleiner Unterstand (weniger als 10qm pro Pferd)
  • Unterstand mit nur einem Ein- / Ausgang, schlechte Luft im Unterstand
  • Fehlende Einstreu
  • Nasse „Matratzenstreu“
  • Komplett unbefestigte Ausläufe, die im Winter im Schlamm versinken
  • „Zaunsalat“ mit improvisierten Pfosten, Strippen oder ähnlichem
Zwei Pferde auf einer großen Weide unter den Bäumen im Sonnenaufgang
© Mark / Adobe Stock

Boxenstall:

Musthave:

  • Solides Stallgebäude mit gutem Raumklima
  • Boxen ausreichend groß für das Pferd, das einziehen soll
  • Gute Luft im Stall (Dach mindestens in doppelter Widerristhöhe, Fenster, Paddocktüren…), auch im Winter!
  • Pferde kommen von früh bis spät auf einen Auslauf oder im Sommer auf die Weide
  • Dicke, saubere, trockene Einstreu (wenn man sich auf die Knie fallen lässt und das schmerzhaft ist oder die Hose durchweicht, ist die Einstreu zu dünn bwz. zu nass und nicht geeignet)
  • Boxen werden täglich gemistet und frische Einstreu eingebracht
  • Heufütterung über aufgehängte Netze, Eckraufen o.ä., damit das Heu nicht in die Einstreu gerührt oder vollgemistet wird
  • Ordentliche Beleuchtung
  • Frostfreie, saubere, gut funktionierende Selbsttränken
  • Vogelkot wird regelmäßig entfernt bzw. unter Schwalbennestern sind Kotfangbretter befestigt
  • Pferdesichere Fenster (Kunststoff, Gitter oder weit genug oben angebracht, dass die Pferde sich nicht an eingeschlagenen Scheiben verletzen können
  • Ausbruchsichere Boxen
  • Misten / Fegen des Stalls nur dann, wenn die Pferde draußen sind
  • Auf den Tagesausläufen Raufen oder Netze, die ständig mit Heu gefüllt sind und von allen Pferden immer gut erreicht werden können
  • Tägliches Misten der Tagesausläufe
  • Wasserversorgung auf dem Auslauf
  • Befestigter Boden auf dem Auslauf mindestens um die Raufen / Wasserstellen
  • Ordentlicher Zaun um den Auslauf, sicheres Tor zum Holen und Bringen

Optional

  • Paddock an der Box (das Boxenpaddock ist nur ein „Balkon“ und ersetzt nicht den täglichen Auslauf auf einem Gemeinschaftspaddock)

No Go

  • Pferde müssen durch mehrere andere Boxen geführt werden, um aus dem Stall zu kommen, das kann gerade bei Gefahr (z.B. Stallbrand) zur tödlichen Falle werden und macht jeden Gang zu einem Spießrutenlauf, wenn unverträgliche Pferde in den anderen Boxen stehen
  • Fehlende Einstreu, Stall wird nur sporadisch gemistet, Matratzenstreu
  • Nachts kein Heu, mit dem Argument „das Pferd könne ja Stroh fressen“
Drei Pferde schauen über ihre Boxentüren
© castenoid / Adobe Stock

Ausstattung der Anlage:

Must Have

  • Futterkammer abschließbar, alle Futtermittel in fest verschließbaren Behältern (z.B. Plastiktonnen) untergebracht
  • Fütterung eigener Futtermittel möglich
  • Beleuchtung mindestens der wichtigen Wege bzw. des Putzplatzes, insbesondere für Notfälle (Kolik etc.)
  • Ordentliche Sanitäranlagen für die Menschen
  • Befestigter, ausreichend großer, sauberer Putzplatz, im Optimalfall mit Dach und Beleuchtung (Schlechtwetter, Notfälle…)
  • Weiden gepflegt (misten, ausmähen, düngen…)
  • Weiden werden im Sommer nicht bis zur Grasnarbe abgenagt und können im Winter ruhen (ab Ende September Weide geschlossen)
  • Ordentliche, stabile Weidezäune
  • Bei Weiden / Paddocks entlang von Spazierwegen doppelte Zäune oder Hecken, um fütterungswütige Menschen fern zu halten

Optional

  • Aufgeräumte, trockene, beheizbare Sattelkammer
  • Reitplatz / Roundpen / Halle ordentlich und ganzjährig nutzbar

No Go:

  • Ratten- oder Mäusekot in der Futterkammer
  • Offen herumstehendes Futter (Müsli, Brot… zieht Nager magisch an)

Reithalle
© Daniel Strautmann / Adobe Stock

Allgemein:

Must have

  • Stallbetreiber kompetent und fachlich qualifiziert für Pferdehaltung
  • Stallpersonal freundlich im Umgang mit den Pferden, wird kompetent angeleitet
  • Befestigte Zufahrt / Wege auf dem Hof, damit man im Winter nicht im Schlamm versinkt
  • Strom, Wasser auf dem Hof (insbesondere für Notfälle im Winter)
  • Individuelle Zufütterung möglich, insbesondere bei Senioren, kranken Pferden etc.
  • Pferde können bei Gruppenhaltung separiert werden (z.B. im Fall von Krankheit), entweder komplett oder z.B. in der Weidesaison, wenn ein Pferd aus gesundheitlichen Gründen nicht auf die Weide darf
  • Freie Wahl von Hufbearbeiter, Sattler, Therapeut, Tierarzt, Trainer etc., um den Pferd die beste Unterstützung angedeihen zu lassen

Optional

  • Selektives Parasitenmanagement
  • Jemand wohnt auf dem Hof, um mitzubekommen, wenn Pferde ausbrechen, ein Pferd kolikt oder Fremde auf das Gelände kommen
  • Zusatzleistungen wie Eindecken von Ekzemern oder Umdecken im Winter, Verbandswechsel, Vorstellen beim Hufschmied etc. optional zubuchbar
  • Schönes, abwechslungsreiches Ausreitgelände, freundliche Nachbarn

No Go

  • Herumliegendes Gerümpel (Verletzungsgefahr!) sowohl auf dem Auslauf als auch auf dem Hof – wenn ein Pferd mal ausbricht und dort hinein rennt
  • Undichtes Dach beim Unterstand
  • Überquellende Misthaufen
  • Insgesamt verwahrloste, ungepflegte Anlage – so ist dann meist auch die Pferdehaltung
  • Unfreundlicher Stallbetreiber / Stallpersonal

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