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Verstopfungskolik – ein Winterproblem

Graues Pony liegt im Schnee auf der Wiese
© Nadine Haase / Adobe Stock

Kolik ist ist keine neue Erkrankung bei Pferden, schon im frühen 19. Jahrhundert erschienen medizinische Abhandlungen, die sich mit dem Thema beschäftigten.

Auch damals wusste man schon, dass viele Faktoren bei der Entstehung eine Rolle spielen, von der Fütterung bis zur Bewegung. Und man wusste auch schon, dass „Thiere, die an schlechter Verdauung leiden, bei denen der Mist fast unverdauet und in großen, locker zusammenhängenden Ballen (abgehet), welche dabei einen säuerlichen Geruch verbreiten“ (1) besonders anfällig für Koliken waren. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Auch heute noch weisen viele Pferde mit Kolik in ihrer Vorgeschichte mögliche Ursachen im Hinblick auf nicht artgerechte Fütterung und andere Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten auf.

Aber warum sind manche Pferde vor allem im Winter anfällig für Verstopfungskoliken, während das im Sommer kein Problem zu sein scheint?

Das hat meist mit zwei Faktoren zu tun: Wasserhaushalt und Bewegungsmangel. So weiss man aus Studien, dass auch Wildpferde sich im Winter weniger bewegen als im Sommer, vermutlich um Energie zu sparen. Unsere Hauspferde bewegen sich ohnehin schon deutlich weniger als Wildpferde.

Während Wildpferde pro Tag (je nach Lebensraum, Jahreszeit und Futter-/Wasserangebot) im Schnitt etwa 25km pro Tag zurück legen, kann man davon ausgehen, dass ein Pferd in normaler Offenstallhaltung zwischen ein und drei Kilometern am Tag läuft.

Bei einer sehr guten Paddock Trail Haltung mit viel Bewegungsanreiz kommt man normalerweise auf etwa zehn bis zwölf Kilometer täglich, bei einer Boxenhaltung hingegen nur auf etwa 800 Meter. 

Bewegung ist wichtig: Vor allem für die Verdauung des Pferdes. © callipso88 / Adobe Stock

Da die körperliche Bewegung eine wichtige Rolle spielt bei der Anregung der Peristaltik und damit dem Vorwärts-Transport des Nahrungsbreis im Darm, wird bei diesen Zahlen schnell deutlich: je weniger Bewegung, desto träger der Darm.

Im Sommer bei ausgiebigem Weidegang und ausgedehnte Ritten am Abend wird der Darm noch ordentlich mobilisiert. Im Winter beim Herumstehen auf dem Auslauf oder in der Paddockbox und dazu ein bisschen Clickertraining am Abend im Nieselregen auf dem Roundpen ist das Bewegungspensum hingegen so niedrig, dass die Fortbewegung kaum noch eine Rolle in der Vorwärtsbewegung des Nahrungsbreis spielt.

Ein träger Darm ist aber nur die eine Seite der Geschichte. 

Dazu kommt jetzt die Funktionsweise des Dickdarms. Bis zum Ende des Dünndarms wird dem Nahrungsbrei ständig Flüssigkeit zugesetzt: Speichel, Magensaft, Gallenflüssigkeit und Pankreassekret summieren sich zusammen mit dem getrunkenen Wasser auf 50-100 Liter Wasser, die innerhalb von 24 Stunden durch den Verdauungstrakt transportiert werden.

Erst im Dickdarm kehrt sich der Prozess um, jetzt wird dem Nahrungsbrei die Flüssigkeit nach und nach entzogen, sodass am Ende der feste Kot das Pferd verlässt.

Die Resorptionsrate hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, unter anderem vom Anteil an Salzen und Wasser im Nahrungsbrei sowie von der Geschwindigkeit der Peristaltik. Je langsamer der Nahrungsbrei vorwärts bewegt wird, umso mehr Flüssigkeit wird entzogen.

Hier kommt dann wieder das Thema Bewegung dazu: Ein träger Darm neigt eher zu Verstopfung als einer, der viel und gleichmäßig bewegt wird.

Das sorgt dafür, dass Pferde in Boxenhaltung ein höheres Risiko für Verstopfungskoliken haben als Pferde in einer guten Paddock Trail Haltung mit viel Bewegungsanreiz. Die regelmäßige, kurweise Gabe von Bitterkräutern kann dann zusätzlich zum täglichen Bewegungspensum dazu beitragen, die Peristaltik anzuregen, damit es wieder flotter vorwärts geht im Darm.

30-50 Liter trinken Pferde üblicherweise pro Tag. © pimmimemom / Adobe Stock

Auch die Menge des aufgenommenen Wasser spielt eine wesentliche Rolle. Gesunde Pferde trinken üblicherweise zwischen 30 und 50 Litern Wasser pro Tag.

Das Trinkwasser ist damit ganz wichtig, den Nahrungsbrei ausreichend zu verflüssigen, sodass er gut transportiert werden kann. Gras enthält dabei von Hause aus viel Wasser, sodass auch Pferde, die wenig trinken im Sommer weniger Probleme haben.

Heu hingegen saugt Wasser sehr stark auf und quillt dabei. Je weniger ein Pferd trinkt, desto höher ist damit das Risiko, dass der Nahrungsbrei zu wenig flüssig ist. Wird ihm dann im Dickdarm auch noch Wasser entzogen, kann er schnell so weit eindicken, dass ein Transport kaum noch möglich ist. Zusammen mit einer trägen Peristaltik ist damit die Verstopfungskolik vorprogrammiert. 

Die Gründe, warum ein Pferd zu wenig trinkt, können vielfältig sein. Hier spielt beispielsweise auch die Art, wie das Wasser angeboten wird, eine Rolle. In den letzten Jahrzehnten haben sich Selbsttränken in den Ställen weitgehend durchgesetzt.

Sie sind praktisch, weil man kein Wasser schleppen und keine großen Kübel reinigen muss. Allerdings trinken viele Pferde aus den klassischen Selbsttränken eher ungern. Denn sie trinken „schlürfend“, d.h. sie machen spitze Lippen und saugen das Wasser auf. Das ist vergleichbar damit, wenn wir mit einem Strohhalm trinken. Nutzen wir dafür ein Glas mit Wasser, geht das sehr gut. Versucht man aber, mit einem Strohhalm aus einem laufenden Wasserhahn zu trinken, dann wird das sehr mühsam, weil man viel Luft mitschluckt, die den Magen aufbläht.

Was sich bei uns als „Rülpser“ wieder entlädt kann beim Pferd nicht entweichen, da sie nicht rülpsen können. Die Luft dehnt unangenehm den Magen und muss dann mühsam in den Dünndarm weiter transportiert werden, was Bauchschmerzen verursachen kann. Kein Wunder, dass die Pferde unter solchen Umständen ungern trinken, vor allem wenn solche Selbsttränken dann auch noch falsch eingestellt sind und zu langsam laufen oder das Wasser sprudelt und sie damit Luftblasen mitschlucken.

Deshalb kann man das Problem bei einigen Pferden schon damit lösen, dass man sie aus einem Kübel tränkt oder eine Schwimmertränke installiert, die man mittlerweile für bezahlbare Preise zu Kaufen bekommt. Sie halten einen gleichmäßigen Wasserstand, sodass die Pferde immer eine geschlossene Wasseroberfläche zur Verfügung haben und dadurch genug trinken.

Aber nicht bei allen Pferde hilft es, ihnen das Wasser in einem anderen Gefäß anzubieten. Auch wenn man einen Kübel hinstellt, wird er von einigen Pferden hartnäckig ignoriert. Hier steht der Verdacht im Raum, dass das Pferd unter Magengeschwüren leidet.

Denn man hat inzwischen herausgefunden, dass Pferde mit Magengeschwüren es oft vermeiden, kaltes Wasser zu trinken, während warmes Wasser gerne angenommen wird.

Bei gesunden Pferde ist das genau andersherum, sie bevorzugen immer das kalte Wasser gegenüber dem warmem. Hat man also den Verdacht, dass das Pferd zu wenig trinkt, sollte man einen Kübel mit lauwarmem Wasser anbieten. Wird dieses vom Pferd gerne und gierig getrunken, während es sonst nur in kleinen Schlückchen aus dem großen, kalten Kübel trinkt, dann erhärtet sich der Verdacht in Richtung Magengeschwüre.

Dann hilft es leider nichts: man muss seinem Pferd mindestens einmal täglich ausreichend große Mengen warmes Wasser anbieten (optimal morgens und abends) und parallel eine Therapie auf Magengeschwüre starten. Erst wenn der Magen sich nachhaltig beruhigt hat, wird das Pferd auch kaltes Wasser in ausreichenden Mengen trinken. 

Hat man also einen Kandidaten im Stall, der im Winter zu Verstopfungskolik neigt, sollte man immer an beiden Punkten ansetzen: Bewegung und Wasserversorgung. Nur eines davon zu optimieren, ist oft nicht ausreichend. 

(1) Über die sichere Heilung der Kolik des Pferdes, Eine Inauguralschrift von Friedrich Wilhelm Brunswig, Rostock 1831

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