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Brauchen Pferde ein warmes Mash an kalten Winterabenden?

Und wenn ja, dann doch bitte getreidefrei! Oder doch nicht? Wie jetzt?

Mash ist ein traditionelles Pferdefutter, das schon unsere Urgroßväter in bestimmten Situationen gefüttert haben. Zu diesen Situationen gehörte es, wenn Pferde sehr schwer erkrankt waren, z.B. an Kolik. Es konnte passieren, dass sie zwar die Kolik überlebt haben, aber danach zu erschöpft waren, um noch zu fressen. Aber auch bei Pferden mit einer Neigung zu Kolik wurde vorbeugend z.B. bei Wetterumschwung Mash gegeben. Auch Pferde, die durch Gewaltritte beispielsweise in Kriegen oder ähnlichen Situationen bis an den Rand der totalen Erschöpfung geritten wurden, bekamen ein Mash. Es waren also meist lebensbedrohliche Zustände, die dazu führten, dass ein Mash angerührt wurde.

Ein traditionelles Mash besteht dabei nur aus vier Komponenten: Weizenkleie, Quetschhafer, Leinsamen und Salz. Dazu natürlich viel warmes Wasser.

Jeder dieser Bestandteile hat darin seine Bedeutung: Weizenkleie ist im Wesentlichen die äußere Hüllschicht des Weizenkorns. Sie ist reich an Faser, Eiweiß und verschiedenen Vitaminen und Spurenelementen. Außerdem wird sie durch ihren hohen Phosphorgehalt extrem gern gefressen, sodass sie der perfekte „Appetitanreger“ ist. Sie darf allerdings nur eingeweicht und nie trocken verfüttert werden – also im Mash ideal.

Hafer ist in gequetschter Form hoch verdaulich, sodass die Nährstoffe schneller aufgeschlossen werden können. Er enthält leicht verwertbare Stärke, die schnell als Zucker ins Blut geht und damit sehr schnell Energie liefert. Dazu hat er ein sehr gutes Fettsäuremuster, das ebenfalls direkt im Stoffwechsel verwendet werden kann, z.B. um defekte Zellen zu reparieren. Als Energielieferant spielen Fette in einer solchen Situation allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Leinsamen liefert ebenfalls hochwertige Fettsäuren für den Stoffwechsel und zudem noch einen hohen Gehalt an Eiweiß, das ebenfalls für Regenerationsprozesse dringend benötigt wird. Außerdem enthält er genauso wie der Hafer viele Schleimstoffe, was dem Magen gut tut und die Verdaulichkeit weiter fördert. Das Salz schließlich wird nicht nur benötigt, um den meist in solchen Situationen gestörten Elektrolythaushalt wieder zu balancieren, sondern auch, damit dem Verdauungsbrei das Wasser entzogen werden kann und so der Wasserhaushalt normalisiert wird.

Man sieht also: Mash ist ein „Powerfutter“ und genau so sollte es eigentlich auch eingesetzt werden. Mash war nie dafür gedacht, dass Mutti dem Pferdchen jeden Abend ein warmes Süppchen kochen kann. Insbesondere bei Pferden, die ohnehin unter Gewichtsproblemen leiden, sollte man hier mit solchen „Kalorienbomben“ mehr als vorsichtig sein.

Was also tun, wenn man ein Pferd hat, das zwar eher an allen Ecken rund ist, aber dennoch zum Frösteln neigt und sein warmes Futter sehr zu schätzen weiß? Oder dazu neigt, im Winter zu wenig zu saufen, sodass man ständig Sorge vor Verstopfungskoliken hat? Die meisten diese Pferde kann man hier sehr glücklich machen, wenn man ihnen Heucobs einweicht und vor dem Verfütterung nochmal etwas kochendes Wasser unterrührt, sodass sie schön lauwarm sind.

Heucobs entsprechen in ihrer Zusammensetzung üblicherweise normalem Heu, liefern einen hohen Faseranteil bei geringem bis mäßigem Nährstoffgehalt und sorgen mit ihrer Faserlänge dafür, dass die Peristaltik gut arbeiten kann. Denn sowohl zu kurze Fasern („Heumehl“ ebenso wie zu lange Fasern („Strukturhäcksel“ machen dem Darm hier Probleme. Heucobs sind in ihrer Länge genau dazwischen und damit perfekt. Wenn sie eingeweicht sind, kann man noch dazu genügend Flüssigkeit ins Pferd bekommen und nebenbei auch dieses „vorgekaute Heu“ mit allerlei leckeren Dingen aufpeppen.

So schätzen auch die meisten Pferde im Winter hie und da einen Kräutertee. Ob eine Kräutermischung gegen Husten oder eine für das Immunsystem, ob etwas entschlackendes für die Nieren oder Bitterkräuter für die Leber: Je nachdem ,was ein Pferd gerade braucht, eignen sich Kräuter wunderbar, sie unter die Heucobs zu rühren und ihnen damit nicht nur eine gesunde Note, sondern auch einen neuen Geschmack zu verleihen.

Pferde, die mit Magenproblemen zu tun haben, schätzen es auch sehr, wenn man die Heucobs mit gekochten Leinsamen oder auch in der etwas kalorienärmeren Variante mit Flohsamen(schalen) verrührt, die dann mit den Heucobs zusammen quellen können. Achtung nicht zu viel: Flohsamen(schalen) haben eine unglaubliche Quellfähigkeit und es kann passieren, dass der ganze Eimer nachher nur noch Gelee enthält! Die Schleimstoffe unterstützen den Magen und über das warme Wasser sorgt man dafür, dass diese Pferde mehr Flüssigkeit zu sich nehmen. Denn gerade Pferde mit Magenproblemen saufen meist zu wenig, wenn das Wasser aus der Tränke kalt ist.

Wenn ein Pferd eher auf der zu schlanken Seite ist und man etwas mehr auf die Rippen füttern möchte, dann muss man gar nicht auf stärkehaltige Futtermittel setzen, denn täglich Mash über den ganzen Winter ist ungesund.

Hier kann man zum einen die Heucobs-Portion erhöhen und zum anderen kann man Esparsette-Cobs mit untermischen. Die Esparsette, die eng verwandt ist mit der Luzerne, enthält ein für Pferde hervorragend geeignetes Aminosäuremuster und die kondensierten Tannine sind – entgegen dem, was hie und da behauptet wird – nicht tödlich giftig, sondern sorgen im Gegenteil in der richtigen Dosierung dafür, dass das Darmmilieu sich stabilisiert und damit alle Futtermittel besser verwertet werden können. Zwischen 1 und 3kg (trocken) Esparsette können pro Pferd und Tag zugefüttert werden, wobei man die Menge, mit einer Handvoll beginnend, langsam steigern sollte.

So kann man auch bei gesunden Pferden, wenn man ihnen an kalten Winterabenden etwas Leckeres gönnen möchte, eine gesunde Alternative schaffen zum traditionellen Mash. Dieses sollte aufgrund seiner Zusammensetzung wirklich Pferden vorbehalten bleiben, die eine klare Gesundheitsindikation dafür haben.

Also nach Kolik und bei ähnlich schweren Erkrankungen, die mit hohem Fieber und Appetitverlust einhergehen. Bei kolikanfälligen Pferden vor anstehenden Wetterumschwüngen. Nach langen Transporten oder bei Klinikaufenthalten. Also immer dann, wenn die Pferde aufgrund von Krankheit oder Stress deutlich mehr schnelle Energie benötigen, die leicht verdaulich sein muss.

Für alle anderen reicht normalerweise ein warmer Heucobs-Brei mit etwas „Leckerschmecker“ drin. Das darf dann auch gelegentlich mal etwas Leinsamen oder eine Handvoll Weizenkleie sein. Denn hier gilt wie immer: Die Dosis macht das Gift!

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