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Junge und alte Pferde müssen sich „wärmer anziehen“

Altes, liegendes Pferd
© vprotastchik / Adobe Stock

Der Winterfellwechsel

Das Alter spielt für die Fellbildung auch eine große Rolle, die oft unterschätzt wird. Pferde unter 5 und über 20 Jahren fangen nämlich in der Regel schon früher an, Winterfell zu schieben, bilden einen dickeren Pelz und legen ihn im Frühling später ab. Das hat schlicht damit zu tun, dass sehr junge und sehr alte Pferde weniger Energie zum „Heizen“ übrig haben. Jungpferde müssen ihre Energie in Wachstum (und natürlich Toben und Raufen) umsetzen, alte Pferde haben meist keinen optimal laufenden Fermentierungsprozess mehr im Dickdarm und so genanntes Malabsorptionssyndrom, nehmen also nicht mehr ausreichend Nährstoffe aus dem Nahrungsbrei auf.

Der Dickdarm ist dabei der größte Wärmeproduzent des Pferdes. Die Verwertung der Pflanzenfasern durch Mikroorganismen (Fermentation) zur Freisetzung von Energie für das Pferd ist dabei ähnlich wärmeintensiv wie die Rotte in einem Kompost- oder Misthaufen.

Wer einmal im Winter die Hand tief in den Komposthaufen gesteckt hat, der weiß, wie viel Hitze dort entsteht. Entsprechend „heizt“ auch der Dickdarm das Pferd. Zusätzlich produziert die Leber Energie als Abfallprodukt ihrer vielen Stoffwechselprozesse. Bekommt ein Pferd dann Heu nur in kleiner Menge und mit großen Fresspausen (typische 2-3 Mahlzeiten am Tag mit Fresspausen spätestens über Nacht mit >4h) oder hat es Zahnprobleme (Jungpferde zwischen 2 und 5 aufgrund des Zahnwechseln, Pferde jenseits der 20 aufgrund altersbedingter Zahn- und Kiefergelenksprobleme) oder reicht der Wind- und Wetterschutz nicht aus, damit auch die rangniedrigen Pferde Schutz vor dem Wetter finden, dann reicht die innere „Heizung“ oft nicht mehr aus, um den Bedarf bei sehr kaltem Wetter zu decken. Solche Pferde sind daher gezwungen, mehr Winterfell zu bilden und behalten es entsprechend viel länger als die Kollegen im Nachbarstall mit Heufütterung ad libitum und gutem Wind- und Wetterschutz.

Optimale „Heizung“ im Winter: 24/7 Heufütterung. © Rita Kochmarjova / Adobe Stock

Sehr viele Pferde, die jetzt im Frühjahr wieder mit „Cushing“ diagnostiziert werden, sind oft entweder einfach nur normale, gesunde Pferde mit dickem Winterfell oder ihre Probleme sind hausgemacht durch falsches Fütterungs- oder Haltungsmanagement des Menschen. Hier den Organismus mit Medikamenten zu belasten, welche die Symptome unterdrücken sollen, die oft nicht mal vorhanden sind, ist nicht nur sinnlos, sondern schadet dem Pferd im Zweifelsfall noch. Daher sollte man mit der Diagnose „PPID“ äußerst vorsichtig sein und nur zu den letzten Mitteln greifen, wenn das Pferd tatsächlich krank ist alle anderen Maßnahmen keine Verbesserung bringen.

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