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Top 5 Fütterungsfehler im Winter

Öl liefert dem Pferd mehr Energie im Winter

Pferde sind Verwerter von Fasern, vor allem Cellulose und Hemicellulose zur Energiegewinnung. Steigt der Energiebedarf, so wird zuerst die Ausbeute an Energie aus dem Raufutter gesteigert durch effizientere Verwertung im Dickdarm.

Darüber hinaus wird im Winter mit sinkenden Temperaturen mehr Heu aufgenommen, 20-25kg können hier pro Tag gefressen werden, um den Energiebedarf zu decken.

Reicht die Energie aus Faser nicht mehr aus, so gewinnen Pferde zusätzliche Energie aus verzweigten Aminosäuren, den Bausteinen der Eiweiße. Erst ganz am Ende wird Energie aus Fetten gewonnen, wenn gar nichts anderes mehr als Energielieferant zur Verfügung steht.

Öle sind darüber hinaus für Pferde in der Fütterung grundsätzlich problematisch, da sie im Dünndarm schlecht verdaut werden und toxisch für die Darmflora sind, sollten sie in den Dickdarm gelangen.

Öle in der Fütterung liefern dem Pferd also keine zusätzliche Energie, sondern sorgen im Gegenteil dafür, dass die Energiegewinnung aus dem Raufutter reduziert wird.

Im Winter braucht mein Pferd täglich eine warme Mahlzeit (Mash) und eine Thermodecke, damit es nicht friert

Pferde haben sich in der Evolution stets in klimatisch anspruchsvollen Regionen entwickelt: in Steppen, Halbwüsten und Tundren. Extreme Hitze- und Kälteunterschiede prägen diese Landschaften. Ihr Temperatur-Wohlfühlbereich geht entsprechend von etwa -15°C bis +25°C.

Thermodecken stören die natürliche Temperaturregulation über das Fell massiv und sorgen dafür, dass dem Pferd stets entweder zu warm oder zu kalt ist (siehe hierzu auch ein Artikel zum Thema in der Natural Horse (http://naturalhorse.de/winterfell-die-natuerliche-hightechfaser.html). Daher gilt: nur weil mir kalt ist, friert mein Pferd noch lange nicht.

Und auch das Mash, das unzweifelhaft von den meisten Pferden wegen seiner gehaltvollen Zutaten gerne gefressen wird, ist nicht notwendig, damit dem Pferd „warm“ ist. Die Thermoregulation findet beim Pferd über sein Winterfell, das Aufsuchen von Schutzorten vor Wind oder Regen (Unterstand, Bäume und Büsche) sowie die metabolische Regulation der Wärmeproduktion durch die Schilddrüsenhormone statt.

Heißt übersetzt: wird dem Pferd dann doch mal kalt, sorgen die Schilddrüsenhormone dafür, dass mehr Energie zur Wärmeproduktion verwendet wird. Wichtig ist in diesen Fällen die ausreichende Versorgung mit gutem Heu als Energielieferant.

Sorgen sollten einem hier nur sehr alte Pferde machen, die aufgrund von Zahnproblemen oft nicht mehr genügend Energie aus dem Heu gewinnen können. Die Zufütterung von eingeweichten Heu- und Esparsettencobs ist hier ein muss, damit diese Pferde mit ausreichender Energieversorgung für die „innere Heizung“ durch den Winter kommen.

Im Winter braucht mein Pferd Vitamin C für das Immunsystem, daher bekommt es Obstsalat

Es gibt Tiere, die Vitamin C zu sich nehmen müssen. Dazu gehören der Mensch und die Primaten sowie die Meerschweinchen. Pferde gehören nicht dazu. Sie produzieren Vitamin C selber und zwar aus Zucker – und der ist in ihrer Nahrung reichlich vorhanden. Es gibt daher keinen Grund, Pferden im Winter Orangen, Mandarinen, Kiwis oder ähnliches zu füttern. Im Gegenteil stören alle diese Obstsorten empfindlich das Gleichgewicht im Dickdarm und schaden damit mehr als sie nutzen. Daher immer Vorsicht mit jeder Art von Obst und Gemüse – das sind sozusagen die Schokoriegel für’s Pferd und sollten nur äußerst sparsam und selten gegeben werden.

Höre dir dazu gerne auch unseren Podcast zum Thema „Braucht mein Pferd Vitamine zugefüttert?“ an. Du findest unsere Podcasts auf Spotify, Soundcloud und hier auf unserer Website. Hier kommst du direkt zum Podcast: Sanoanimal Podcast #10 Braucht mein Pferd Vitamine zugefüttert?

Besser eine gute Heulage als schlechtes Heu

Diesen Vergleich hört man immer wieder, aber es ist dasselbe, wie wenn ich sage: „Lieber Hamburger mit Pommes als einen schimmeligen Apfel.“ Natürlich ist schimmeliges Heu kein gesundes Pferdefutter, das bestreitet ja niemand. Aber das macht ein ungesundes Futtermittel wie Heulage trotzdem nicht gesünder.

Heulage und andere silierte Futtermittel sind aufgrund des Silierungsprozesses für Pferde grundsätzlich nicht geeignet. Es werden dabei im großen Stil Milchsäurebakterien in den Darm eingetragen, die in dem Maß nicht Teil der natürlichen Darmflora sind.

Langfristig folgen daraus Gesundheitsstörungen wie: Kryptopyrrolurie, Sommerekzem, Mauke, Strahlfäule, Hufrehe, Lymphstau und viele andere Stoffwechselprobleme. Darüber hinaus schimmelt insbesondere trockene Heulage häufig während der Lagerungszeit, da kein pH unter 5 und damit keine „Keimruhe“ erreicht wird.

Ein solcher Heulageballen gleicht spätestens Mitte des Winters eher einem Brotlaib, den man in eine Plastiktüte eingewickelt auf dem Balkon lagert. Nur wird der Schimmel in der Heulage leider weder vom Menschen noch vom Pferd wahrgenommen, denn der Feuchtegehalt bindet die Sporen (schimmeliges Heu hingegen „staubt“) und der säuerliche Silier-Geruch überdeckt den Schimmelmuff.

Wer es nicht glaubt, sollte im Februar mal eine Probe nehmen und auf mikrobiologische Kontamination untersuchen lassen. Oft genug kommen bei der augenscheinlich „guten“ Heulage erschreckende Ergebnisse raus, dass man sich schon fragt, ob das schimmelige Heu nicht doch noch die „gesündere“ Alternative gewesen wäre.

Wir wissen, wie schwer es für den Landwirt ist, gutes Heu zu produzieren und wie schwer für den Pferdehalter, gutes Heu zu bekommen und auch ordentlich unter Dach zu lagern. Es ist und bleibt aber das gesündeste Grundfutter, das man seinem Pferd geben kann und kann mit keiner noch so „guten“ Heulage ersetzt werden.

Im Winter dürfen Pferde nicht auf die Koppel

Mittlerweile beobachtet man eine regelrechte „Fruktan-Panik“ unter Pferdebesitzern, die Koppelgang im Winter und in der Übergangszeit komplett verteufeln. Dabei sind ja auch Wildpferde das ganze Jahr auf der Weide, ohne ständige Fruktan-Hufrehe zu schieben. Wie geht das?

Der Unterschied ist v.a. in zwei Faktoren zu suchen: Weidebewuchs und Darmflora. Der Bewuchs auf unseren Weiden hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich verschoben, weg von extensiven und mageren Gräsern, hin zu vertrittsicheren und stressresistenten Hochleistungsgräsern.

Sie kommen nicht nur mit neuen Saatgutmischungen auf die Weide, sondern auch durch Eintrag umgebender (Hochleistungs-)Wiesen, gefördert durch Stickstoffdüngung und Überweidung (=zu viele Pferde auf zu kleiner Fläche).

Diese Gräser enthalten deutlich mehr Fruktan als die extensiven Gräser, die eigentlich auf eine Pferdeweide gehören. Der zweite Faktor ist das häufig bereits gestörte Darmgleichgewicht unserer Hauspferde.

Fruktan ist ein Speicherkohlenhydrat der Pflanze, das – im Gegensatz zur Stärke – beim Pferd nicht im Dünndarm verdaut werden kann. Im Dickdarm kann Fruktan im Wesentlichen von Milchsäurebakterien verdaut werden, als Abfallstoff bleibt Milchsäure übrig, die den Darm ansäuert. Das ist für die Darmflora ausgesprochen problematisch.

Für ein Wildpferd ist das harmlos, weil hier praktisch keine Milchsäurebakterien im Darm zu finden sind. Hat man seinem Pferd aber bereits eine gestörte Darmflora angefüttert, wird das zum Problem.

Milchsäurebakterien findet man in großen Mengen im Dickdarm bei Pferden, die Heulage bekommen (oder in der Vergangenheit bekommen haben) ebenso wie bei Pferden, die Kraftfutter bekommen (haben). Denn Kraftfutter sorgt u.a. dafür, dass sich die Milchsäurebakterien, die natürlicherweise im vorderen Magenanteil angesiedelt sind, übermäßig vermehren und dann mit dem Nahrungsbrei mitgeschleppt werden bis in den Dickdarm.

Finden sie jetzt hier auch noch gute Futterbedingungen, z.B. in Form von Fruktan oder nicht im Dünndarm verdauten Kraftfutteranteilen, so können sie sich hier etablieren und stören damit empfindlich das Darmmilieu. Lässt man dieses Pferd jetzt bei hohen Fruktanwerten im Spätherbst oder Winter auf die Weide mit Hochleistungsgräsern, dann können sich diese Fehlkeime übermäßig vermehren.

Es kommt zu einer schlagartigen pH-Wert Absenkung und damit zum Massensterben der natürlichen Darmflora. Die dadurch frei werdenden Endotoxine lösen dann die „Fruktan-Hufrehe“ aus. Daher ist bei vielen Hauspferden durchaus Vorsicht geboten mit „Winterweide“. Das ist aber im Wesentlichen ein vom Besitzer selbst verursachtes Problem einer gestörten Darmhomöostase in Kombination mit zu intensiv genutzten Weideflächen.

Die beste Prävention ist hier eine artgerechte Haltung und Ernährung seines Pferdes und entsprechende therapeutische Maßnahmen für das Darmgleichgewicht, sollte es in der Vergangenheit mit der Ernährung mal schief gelaufen sein. Damit zukünftig das Pferd auch im Winter mal ein Maulvoll Gras ohne Schaden zu sich nehmen kann.

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