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Factsheet: Kotwasser

Und was man dagegen tun kann.

Wie entsteht Kotwasser?

Störungen der Verdauung im Dickdarm des Pferdes führen zu Kotwasser. Kotwasser gehört zu den Zivilisationskrankheiten, die immer häufiger auftreten.  

Was geschieht im Dickdarm?

Im Darmabschnitt des Dickdarms findet sowohl die Verdauung von Strukturkohlenhydraten durch die dort angesiedelten Mikroorganismen statt, als auch der Entzug von Wasser und Nährstoffen aus dem Nahrungsbrei. Der so eingedickte Kot wird durch die peristaltischen Bewegungen der Darmmuskulatur zu den bekannten „Pferdeäpfeln“ geformt, die dann ausgeschieden werden. Bei Kotwasser wird zusammen mit dem geformten Kot auch ein Anteil braune Flüssigkeit ausgeschieden. Je nach Stärke der Störung im Darm kann es sich um ein paar Tropfen oder einen ganzen Schwall dieser Flüssigkeit handeln. Kotwasser kann entweder in bestimmten Situationen, z.B. bei Stress, auftreten oder permanent vorhanden sein. Kotwasser kann bei allen Pferderassen und Altersgruppen auftreten.   

Was passiert im Darm , wenn Kotwasser auftritt?

Der Dickdarm des Pferdes ist auf einen genau eingestellten pH-Wert angewiesen. Dieser liegt beim gesunden Pferd im engen Rahmen zwischen 6,8 und 7,2 – also im neutralen Bereich.  

Saurer ph-Wert bewirkt Darmschleimhautentzündung

Sinkt der pH-Wert in den sauren Bereich, stirbt der überwiegende Teil der Darmsymbionten ab. Auch die Darmschleimhaut ist nicht vor Säuren geschützt, benötigt also den neutralen pH-Wert, um intakt zu sein. Sinkt der pH-Wert, kommt es zu Entzündungen der Darmschleimhaut (Colitis). Diese Entzündungen sorgen langfristig dafür, dass sich die Zellverbände, die normalerweise eine dichte, abschließende Schicht bilden, lockern. Es entstehen „Löcher“ – daher auch die Bezeichnung „Leaky Gut Syndrom“, was so viel heißt wie „löchriger Darm“.

Kotwasser verstärkt sich selbst

Bei Kotwasser wird die Flüssigkeit zunächst aus dem Kot entzogen und fließt später durch die „Löcher“ in der Darmschleimhaut wieder in die „falsche“ Richtung, also in den Darm, zurück. Da der Kot von Pferden mit Kotwasser meist sehr sauer ist, wird auch das Kotwasser angesäuert, was zu weiteren Entzündungen der Darmschleimhaut und  weiteren Löchern führt: Kotwasser sorgt also dafür, dass noch mehr Kotwasser entsteht. Das trifft auch auf Pferde zu, die nur in bestimmten Situationen mit Kotwasser reagieren – auch hier ist der Darm aus dem Gleichgewicht und schon die geringsten Störungen von Darmmotorik und -durchblutung (Stress) reichen aus, um das sensible Verhältnis zu kippen und symptomatisch Kotwasser auszulösen.

Was säuert den Dickdarm an?

Vor allem saure Futtermittel wie Silage/Heulage und der Eintrag von Milchsäurebakterien in das Verdauungssystem (durch Silage, Heulage, Joghurt, alle Produkte mit „Lacto“- oder „Bifidus“-Kulturen usw.) wirken im Pferdedarm sauer. Milchsäurebakterien gehören nicht zur natürlichen Darmflora des Pferdes. Sie fühlen sich bei pH-Werten unter 6 wohl, der aber ist deutlich zu niedrig für den Pferdedarm.

Milchsäurebakterien säuern den Dickdarm an

Milchsäurebakterien zerlegen aus dem Raufutter überwiegend Proteine und Zucker, aber keine Strukturkohlenhydrate. Und sie bilden daraus keine Zucker-Moleküle, die das Pferd direkt zur Energiegewinnung einsetzen könnte, sondern Milchsäure-Moleküle. Diese Milchsäure säuert den Darm an, sodass sich die Milchsäurebakterien noch wohler fühlen und weiter vermehren, während die natürliche Darmflora abstirbt. Die Milchsäure wird vom Pferd aufgenommen und muss dann unter Verwendung von Sauerstoff in der Leber zunächst in Zucker umgewandelt werden, bevor sie überhaupt zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Milchsäure ist also für Pferde ein Abfallstoff, kein Nährstoff und sollte daher auch nicht im Übermaß im Darm produziert und aufgenommen werden.        

Cellulose ist besser als Stärke

Auch ein Übermaß an Kraftfutter führt beim Pferd zu einer Absenkung des pH-Werts im Dickdarm, vor allem wenn es sich um schwer verdauliche Kraftfutter handelt. Stärke aus ungequetschter oder im Übermaß gefütterter Gerste und (nicht thermisch aufgeschlossenem) Mais gelangt bei Fütterung in den Dickdarm und steht dort als Nährstoff für Milchsäurebakterien bereit. Die Darmflora des Pferdes hingegen kann Stärke nicht verdauen; sie benötigt Cellulose, um richtig arbeiten zu können. Auch die übermäßige Fütterung von Pektinen – im Futter enthalten als Apfeltrester, Zuckerrübenschnitzel oder in Karotten – verschiebt die Darmflora des Pferdes hin zu Protozoen und anderen säureproduzierenden Mikroorganismen, die dort nur in geringen Mengen, aber nie im Übermaß vorkommen sollten.   

Bei Stress Kotwasser

Insbesondere Stress ist bekannt dafür, dass er Kotwasser auslösen kann. Problematisch ist hier Dauerstress. Dieser kann „von außen“ kommen, z.B. unpassende Gruppenzusammensetzung oder Boxennachbar, aber auch „von innen“, z.B. chronische Schmerzen oder Magengeschwüre.

Was tun bei Kotwasser?

Bei Pferden mit Kotwasser muss an erster Stelle die Überprüfung der Fütterung stehen: Um die Kotwasser-Problematik in den Griff zu bekommen, muss diese dahingehend optimiert werden, dass das Pferd ausreichend gutes Heu zur Verfügung hat und Futter, das die natürliche Darmflora belastet, aus dem Futterplan gestrichen wird.  

Heulage und Zucker vermeiden

Die Darmflora wird neben Silage / Heulage von allem belastet, was zuckerhaltig ist: Leckerlies, Karotten, Äpfel, Brot und melassierte Müslis, vor allem, wenn sie mit Apfeltrester angereichert sind.

Kein Strukturmüsli

Auch „Struktur“ im Müsli, erkennbar an kleinen grünen Stengeln, ist Tabu, denn diese Struktur verlangsamt aufgrund ihrer Länge die Darmmotorik, sodass das Futter bis zu einer Woche im Dickdarm gärt.

Nur verträgliche Medikamente

Bitte auch bei Medikamentengaben wie Wurmkuren berücksichtigen, inwieweit die Darmflora gestört wird. Gerade Wurmkuren sollten nur bei vorliegendem Wurmbefall (Kotprobe) vorgenommen werden und nicht „prophylaktisch“.

Gutes Heu

Pferde mit Kotwasser benötigen ständig ausreichende Mengen Heu in ordentlicher schimmelfreier Qualität. Als Faustregel gilt: 1,5 – 3 kg Heu je 100 kg Körpergewicht.

Viele kleine Mahlzeiten

Leerezeiten über 4 Stunden sollten unbedingt vermieden werden, da sie zu einem Zusammenbruch der Darmflora und Magengeschwüren führen.  Notfalls Knabberstroh, Äste, Laub und ähnliche Raufutterquellen zur Verfügung stellen. Die Kraftfuttermahlzeiten sollten insgesamt gering gehalten und nach Möglichkeit auf viele kleine Mahlzeiten aufgeteilt werden. Pferden mit Magen-Darm Empfindlichkeit kann als getreidefreies Basisfutter OKAPI Esparsette (als Cobs oder fix & fertig ohne Einweichen) gefüttert werden.

Darmsanierung

OKAPI ColoProtect forte wirkt sowohl „aufsaugend“ als auch stabilisierend auf das Darmmilieu und den Darm-pH-Wert. Das enthaltene Beta-Glucan legt sich wie eine Schutzschicht über die angegriffene Darmschleimhaut und entfaltet dort seine entzündungshemmende Wirkung. Bei sehr starkem Kotwasser ist die zusätzliche Gabe von Flohsamen bzw. Flohsamenschalen oder Topinambur empfohlen, die das Kotwasser wie ein Schwamm aufsaugen und Ruhe in den Zyklus aus KotwasserÜbersäuerung-Kotwasser bringen. Der Kotwasserproblematik bei therapieresistenten Pferden, die auf eine Darmsanierung nicht ansprechen, liegen häufig Magengeschwüre oder Stress zugrunde. In einem solchen Fall empfiehlt sich (auch zur Ursacheneingrenzung) eine Kur mit OKAPI GasterCare forte und mögliche Stressauslöser abzustellen.

Entsäuerung und Entgiftung

Zur Entsäuerung ist bei Pferden mit Kotwasserproblematik eine Kur mit OKAPI Prodic und OKAPI Zinkchelat über 6 – 8 Wochen angeraten. Darüber hinaus kann die Gabe von OKAPI Spirulina (als Pulver oder Pellets) den Stoffwechsel nachhaltig bei der Entschlackung entlasten. Pferde, die unter starkem Kotwasser leiden, sollten auch über die Darmsanierung hinaus mit Kräutern in der Entgiftung und Entschlackung unterstützt werden. Hier hat sich die Gabe von OKAPI Entschlackungskräutern, OKAPI Bitterkräutern, OKAPI Kräuterweide sowie OKAPI Imuno Kräutern im zweiwöchigen Wechsel bewährt. Bei Pferden mit sehr hohem Indikanwert kann außerdem die Zufütterung von Zinkchelat oder HeparKPU forte angezeigt sein. Dies sollten Sie aber vor der Gabe mit Ihrem Therapeuten besprechen, um vor allem bei der gleichzeitigen Fütterung eines Mineralfutters mit hohem Zinkanteil einer Überdosierung vorzubeugen. Als langfristige Alternative zum Kraftfutter empfehlen wir OKAPI Vierjahreszeitenfutter, ein reines Kräuterfutter, das jeweils die für die Jahreszeit passenden und unterstützenden Kräuter enthält und eine gesunde Kraftfutteralternative darstellt.    

Gutes Heu ist das A und O einer gesunden Pferdefütterung.

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