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Warum verschwindet Kotwasser beim Anweiden?

Gerade die Besitzer von Pferden mit Kotwasser können oft gar nicht schnell genug anweiden, weil ihr Pferd mit Beginn der Weidesaison oft die Kotwasser-Problematik ablegt. Es gibt zu Kotwasser kaum Forschung, aber eine Menge Erfahrungswerte. Zu den häufigsten Ursachen für Kotwasser gehören Stress, Magengeschwüre und eine Fütterung, die zu Dysbiosen mit Darmübersäuerung führt.

Viele Pferde leiden im Winter in Offenstallgruppen unter Dauerstress: Zu große Gruppen auf zu engem Raum, häufiger Wechsel und Neuintegration auf engen Winterausläufen, zu wenige Fressplätze oder insgesamt zu wenig Raufutter, fehlende oder zu kleine eingestreute Liegefläche, asoziale Herdenmitglieder oder brutale „Chefs“ in der Gruppe und viele andere Faktoren tragen dazu bei, dass die sensiblen Fluchttiere permanent unter Strom stehen.

Sobald die Weiden offen sind, lösen sich viele der Faktoren auf: Es steht mehr Platz zur Verfügung, die Pferde können sich besser ausweichen, sie haben ständigen Raufutterzugang und schlafen mit Vorliebe auf der Wiese.

Bei solchen Kandidaten sollte man sich jetzt im Sommer schon überlegen, wo man den nächsten Winter verbringen will. Denn ein Pferd, dass ein halbes Jahr unter Dauerstress steht durch seine Haltung, wird mit der Zeit massiv krank werden – noch weit über kosmetische Kotwasserprobleme hinaus.

Auch Magengeschwüre sind weiter verbreitet als man früher immer dachte. Bis zu 50% der untersuchten Freizeitpferde wiesen Magengeschwüre auf.

Diese sind schmerzhaft und Schmerz sorgt wiederum für Stress. Magengeschwüre haben ihre Ursache sehr häufig in falschen Futtermanagement, z.B. mit zu langen (>4h) Raufutterpausen, Fütterung über Heuautomaten, die nur kurzen Zugang und dann längere Pause vorsehen (Automatenfütterung funktioniert nur, wenn das Pferd 3-4h am Stück fressen kann und dann 30-60min Pause vorgegeben bekommt, alles andere macht Stress), Ställe mit zu wenigen Fressplätzen (je nach Gruppenharmonie braucht man 10% bis doppelt so viele Fressplätze als Pferde in der Gruppe, mehrere Raufutterstationen entzerren die Situation) etc. Auch Dauerstress, wenn beispielsweise das Pferd in der Gruppe gemobbt wird, schon alt und rangniedrig ist, nicht zum Schlafen kommt und so weiter, verursacht Magengeschwüre.

Und nicht zuletzt haben viele Pferde ihr erstes, stressbedingtes Magengeschwür schon im Fohlenalter bekommen, weil sie viel zu jung und viel zu abrupt abgesetzt wurden von ihrer Mutter. Solche Magengeschwüre verschwinden oft nicht ganz. Sie „gehen schlafen“, stören also manchmal jahrelang nicht, werden aber dann wieder aktiv, sobald das Pferd unter Stress steht und können dann unter anderem Ursache für Kotwasser sein.

Und wer seinem Pferd über den Winter Heulage füttert, muss sich überhaupt nicht wundern über Kotwasser, denn Heulage  trägt in hohem Maß Milchsäurebakterien in den Dickdarm ein, die dort entsprechend für Dysbiosen (Fehlgärungen und Verschiebungen im Mikrobiom) und saure pH-Werte sorgen. Sobald es warm wird, stellen viele Pferdebetriebe die Fütterung von Heulage ein, da diese schneller verdirbt, als man sie verfüttern kann.

Heulage ist kein geeignetes Pferdefutter. Sie trägt Milchsäurebakterien in den Darm des Pferdes ein, wodurch Dysbiosen entstehen und der pH-Wert entsprechend absinkt.

Entsprechend kann sich der Darm etwas beruhigen und Heu und Weide helfen, das Milieu wieder besser zu stabilisieren, sodass Kotwasser verschwinden kann. Das ist jetzt kein Grund, sich zurück zu lehnen, denn im nächsten Winter ist das Kotwasser meist wieder da. Auch wenn sich die (Wasch-)Situation mit dem Beginn der Weidezeit entspannt, sollte man jetzt schon darüber nachdenken, was man optimieren kann, damit das Pferd im nächsten Winter hoffentlich gar nicht erst wieder mit Kotwasser reagiert.

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