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Mauke von der Weide?!

Ja, das geht.

Krusten in den Fesselbeugen (Mauke) oder auch eine Etage höher an den Karpal- oder Sprunggelenken (Raspe) verbinden die meisten Pferdehalter mit Winter, Matschwetter und nassen Füßen.

Nicht optimale Haltungsbedingungen, bei denen die Pferde permanent im Matsch stehen, insbesondere vermengt mit Fäkalien, können so genannte „Schmutzmauke“ auslösen. Es gibt aber Pferde, die im Winter prima Füße haben, aber im Sommer in der Weidesaison mit Krusten in den Fesselbeugen reagieren. 

Die Auslöser hierzu sind wissenschaftlich nicht genau untersucht, aber Dauerfeuchtigkeit und Fäkalkeime kann man wohl ausschließen, sofern die Weiden trocken und die Flächen groß genug sind.

Mauke steht nicht nur im Zusammenhang mit nassem Wetter und Dreck.

Diskutiert werden hier Milben als Auslöser, die an den Gräsern sitzen. Jedoch sind in der Regel nicht alle Pferde auf der Fläche betroffen, sondern immer nur Einzelne. Es muss also etwas geben, was die Milben bei diesen Pferden besonders anzieht oder vielleicht hat es mit Milben auch überhaupt nichts zu tun.

Denn die betroffenen Pferde sind häufig die Kandidaten, die auch sonst eher zu Stoffwechselproblemen neigen und gerne hautempfindlich reagieren.

Und das bringt uns zu einer ganz anderen möglichen Ursache. In der Naturheilkunde sagt man: „Die Haut ist die Hilfsniere des Körpers“ und entsprechend häufig sehen wir Auswirkungen einer nicht optimalen Nierenfunktion in Hautproblemen.

Weidegras ist deutlich reicher an für Pferde schlecht verwertbaren Nährstoffen wie Zucker, Eiweiß und Fett, da das Gras bei der Heuproduktion durch den Trocknungsprozess erheblich diese Nährstoffe einbüßt. Ein hoher Blutzuckerspiegel belastet erheblich die Nierenfunktion, wie jeder Diabetiker aus leidvoller Erfahrung weiß.

Gerade junges blattreiches Gras ist reich an Pektinen.

Eiweißüberschuss muss abgebaut und unter anderem als Harnstoff über den Urin wieder ausgeschieden werden. Beim Pflanzenfresser Pferd ist die Ausscheidungskapazität für Harnstoff im Vergleich zu Fleischfressern von Natur aus sehr begrenzt. Und Fette zu entsorgen ist für Pferde besonders schwierig, da sie als Fresser sehr fettarmer Nahrung nicht darauf angepasst sind. Was nicht ausreichend von der Leber umgebaut und über die Nieren ausgeschieden werden kann, wird oft über die Talgdrüsen der Haut „entsorgt“.

Gleichzeitig ist gerade junges, blattreiches Gras oft arm an Cellulose-Faser und reich an den weichen Pektin-Fasern. Diese jedoch säuern den Dickdarm des Pferdes an, was Dysbiosen (Fehlgärungen) zur Folge haben kann. Diese Fehlgärungs-Produkte werden vom Pferd über die Darmwand aufgenommen und müssen über Leber und Nieren wieder ausgeschieden werden.

Bei überweideten Flächen (zu viele Pferde sind zu lange auf zu kleinen Flächen) steigt darüber hinaus von Jahr zu Jahr der Anteil an stressresistenten Leistungsgräsern, die sich durch einen hohen Gehalt an Zucker und Endophyten auszeichnen.

Die Endophytentoxine sind für Pferde besonders belastend, denn sie stellen eine zusätzliche Herausforderung für die Entgiftungssysteme dar, vor allem in Kombination mit hohem Blutzuckerspiegel und damit eingeschränkter Nierenfunktion. Deshalb entwickeln die Pferde auch deutlich häufiger Stoffwechselprobleme wie Mauke, Ekzeme, fühliges Laufen / Hufrehe und ähnliche Erkrankungen, je „fetter“ die Weide ist, also je mehr blattreiche Leistungsgräser auf den „schönen grünen Wiesen“ wachsen und je weniger Kräuter und Magergräser.

Das Gegensteuern muss entsprechend immer auf mehreren Ebenen passieren. Wenn es die eigenen Weideflächen sind, dann sollten die Weidezeiten dem Pferdebestand angepasst werden. Lieber kürzere Weidezeiten und längere Erholungsphasen für die Wiesen als eine permanente Überweidung.

Pferde fallen nicht tot um, wenn sie nicht auf die Weide dürfen, solange sie Heu auf dem Auslauf zur Verfügung haben. Bei kleinen Flächen lieber ein bisschen Weide für das Anlegen eins Paddock Trails nutzen und hier für mageres Grundfutter und viel Bewegungsanreiz sorgen. Das ist am Ende für die meisten Pferde gesünder als die abgenagte Leistungsgräser-Monokultur, die viele als Weide bezeichnen.

Leider hat man als Einsteller hier nicht immer Einfluss auf Weidezeiten und Weidepflege (z.B. Nachsäen von Magergräsern, Schonung der Flächen, Ruhezeiten etc.). In dem Fall sollte man überlegen, durch eine Fressbremse zumindest die Aufnahmemenge für die Leistungsgräser pro Zeiteinheit zu begrenzen. Neuere Studien haben gezeigt, dass die Pferde nach einer Gewöhnungsphase überhaupt keinen Stress mit den Fressbremsen haben, solange sie so konstruiert sind, dass die Pferde Futter aufnehmen können (da sind die Modelle mit einem kleinen Loch in der Mitte in der Regel sehr problematisch, vor allem bei hoch stehenden Weiden) und die Fressbremse nur zeitweise aufgesetzt wird während des Weidegangs und nicht für 24h täglich.

Gut bewährt hat sich das Modell AS von „Das Pferd im Blick“, wo man über verschiedenen Reduktionsplatten die Fressgeschwindigkeit an das Geschick des Pferdes und den Zustand der Weide gut anpassen kann. Außerdem sollte man den Inhalt seines Futterkübels mal kritisch überdenken und Getreide sowie sonstige, sehr nährstoffhaltige „Kraftfutter“ tendenziell reduzieren oder streichen.

Die Pferde bekommen ja schon mehr als genug über das Weidegras, da muss man den Stoffwechsel nicht noch mit weiteren Nährstoffgaben belasten. Häufig kann man hier schon durch die Reduktion der Nährstoffzufuhr in der Weidezeit eine Besserung des Hautbilds innerhalb weniger Tage beobachten.

Zusätzlich kann man die Nierenfunktion anregen, beispielsweise mit entsprechenden Kräutermischungen. Wenn die Nieren mehr Urin produzieren, wird der ganze Entgiftungshaushalt entlastet, sodass die Pferde mit dem Nährstoffangebot besser zurechtkommen.

Bewährt hat sich hier z.B. die Mischung „Entschlackungskräuter“ von Okapi. Wenn die Nieren besser arbeiten, wird die Haut entlastet und die Mauke kann nachhaltig abheilen.

Die Hautregeneration sollte außerdem unterstützt werden entweder durch das regelmäßige Angebot eines ordentlichen Mineralfutters (z.B. Weidemineral GS, wenn die Weiden auf mineralarmen Sandböden sind oder Mineral Pur G bei „normaler“ Bodenqualität) oder durch die gezielte Gabe von organischem Zink und Schwefel (z.B. Zinkchelat und Schwefel Plus von Okapi), die beide in erhöhtem Maß für die Hautbildung benötigt werden.

Solange das Pferd nur leichte Krustenbildung in den Fesselbeugen hat, sollten diese weitgehend ignoriert und „von innen“ behandelt werden. Bei großflächiger Krustenbildung müssen diese einmal runter, weil sich in den Krusten Bakterien und Milben ansiedeln können, welche die Abheilung erschweren.

Am besten macht man dafür eine Lösung aus Wasser und Kernseife (Kernseife aus der Drogerie oder Apotheke mit dem Käsehobel großzügig in warmes Wasser reiben, rühren zum Auflösen) und tränkt mit dieser Lösung Fleece-Bandagen, die man dann um die betroffenen Beine wickelt und 10-15 min einwirken lässt.

Damit werden die Krusten aufgeweicht und fangen an, sich zu lösen. Kernseife wirkt außerdem mild desinfizierend. Bandagen abwickeln, lose Krusten abwischen und die Bandagen neu tränken und wieder rumwickeln. Den Vorgang wiederholt man so lange, bis die Krusten vollständig entfernt sind. Dann die Haut am besten mit etwas Babypuder (Drogerie) abpudern und in Ruhe lassen. Ist die Haut oberflächlich eingerissen, z.B. an der Quetschfalte der Fesselbeuge, kann man hier etwas normale Penatencreme (Drogerie) oder Lebertran-Zink-Salbe (Apotheke) auftragen, um die Haut geschmeidig zu halten und die Abheilung zu fördern.

Erfahrungsgemäß heilen die Stellen schneller ab, wenn man Luft ranlässt, als wenn man sie in Verbände wickelt. Wird parallel die Nierenfunktion angeregt und die Hautregeneration unterstütz, dann heilt die „Sommermauke“ oft sehr schnell von allein ab.

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