JahreszeitenAllgemeinWinter

10 Tipps für den Start in die kalte Jahreszeit

Die Tage werden merklich kürzer und die Sonne wärmt kaum noch – wenn sie denn mal durch die Wolkendecken guckt. Die Reiter holen die dicken Winterstiefel vor und Heizhandschuhe ebenso wie Heizsohlen für die Stallstiefel haben Hochkonjunktur. Alles bereitet sich auf den nahenden Winter vor und viele Ställe (und Besitzer) gehen in regelrechte Winterstarre. Wir geben ein paar Tipps, worauf man achten sollte, damit alle gut durch den Winter kommen.

  1. Winterfell wachsen lassen

Seit einigen Jahren beobachten wir einen wachsenden Trend, das Pferd zu scheren und dann in eine Thermodecke zu wickeln oder gleich ab September durch das Eindecken mit Thermodecke die Winterfellbildung möglichst zu unterbinden. Dabei wird immer wieder vergessen, dass das Winterfell des Pferdes besser geeignet ist, es nach Bedarf warm oder kühl zu halten und Schweiß nach außen abzuleiten, als jede Multifunktionsjacke. Es leitet Regen ab, sodass ein Pferd, auch wenn es mal im Regen steht, trotzdem nicht „bis auf die Haut“ nass wird. Und es reinigt sich – im Gegensatz zur Thermodecke – innerhalb weniger Tage wieder selber, auch wenn sich Pferd unser mal wieder in der größten Matschpfütze gewälzt hat.

Die Unterwolle, die im Winterfell gebildet wird, erlaubt es, ein wärmendes Luftpolster unter dem Deckhaar zu halten, sodass ein Pferd in seinem Winterfell wärmer eingepackt ist als wir in einer Daunenjacke. Gleichzeitig ermöglichen es die Kapillarkräfte der Haare, dass der Schweiß sofort von der Haut weg transportiert wird zur Oberfläche.

Auch wenn ein Pferd beim Reiten ins Schwitzen kommt, kann man nach 15 Minuten abreiten feststellen, dass es in den hautnahen Regionen schon wieder trocken ist, auch wenn es oberflächlich noch nass aussieht. So kann schon wieder das wärmende Luftpolster unmittelbar über der Haut aufgebaut werden und der Restschweiß ganz allmählich abtrocknen.

Gleichzeitig können Pferde im Winter an sonnigen Tagen ihr Fell so stellen, dass die Wärme von der Haut abgeleitet wird, sodass es nicht zum Wärmestau kommt.

All diese wunderbaren Eigenschaften nehmen wir dem Pferd weg, wenn es geschoren wird und eine Decke trägt. Dann ist ihm wahlweise zu kalt oder zu warm, es schwitzt oder fröstelt. Und allzu oft sieht man Pferde mit Komplettschur vom Kopf bis zu den Hufen – dabei ist nur der Körper von der Decke gewärmt, während das Blut am Hals und an den Beinen auskühlt. Das führt vor allem an den Beinen zu einer deutlich reduzierten Durchblutung, wodurch Mikrotraumata, die bei der Bewegung alltäglich entstehen, nicht mehr ausreichend und schnell regenerieren können.

Langfristige Schäden an Sehnen, Bändern oder Gelenken können die Folge sein. Vor allem wenn die Pferde unter der Decke schwitzen und diese klamme Decke dann nach dem Reiten wieder aufgelegt bekommen, führt das zu ähnlichen Effekten wie wenn wir im Winter nach dem Sport nasse Kleidung anziehen.

Dann mögen wir zwar dick angezogen sein, aber frösteln trotzdem. Darüber hinaus fördern Decken die Ansiedelung von Hautpilzen und anderen Hautparasiten, weshalb sie heutzutage meist mit Fungiziden behandelt sind.

Fazit: es gibt keinen besseren Wetterschutz als ein natürliches Winterfell. Es schützt vor Kälte ebenso wie vor Nässe und vor Wärme und sieht auch noch schick aus.

  1. Wenn schon Decke, dann bitte sauber und passend

Es gibt Pferde, die aufgrund ihrer Rasse oder ihres Alters kein ausreichendes Winterfell bilden. Dazu gehören vor allem Pferde mit hohem Vollblut- oder Araber-Anteil. Aber auch viele jenseits der 20 schaffen es nicht mehr, rechtzeitig oder qualitativ ausreichendes Fell zu bilden.

Ihr Winterfell unterscheidet sich häufig kaum vom Sommerfell oder sieht teilweise aus wie ein Fohlenplüsch ohne Deckhaar. Entsprechend stehen sie bei schlechtem Wetter mit klappernden Zähnen auf dem Auslauf.

Solche Pferde sind meistens ohnehin schon schwerfuttrig und wenn es dann richtig kalt wird, dann kann man gar nicht so viel reinfüttern, wie sie an Energie für’s „Heizen“ gleich wieder verbrauchen.

Solchen Pferden tut man keinen Gefallen, wenn man sie bei Wind und Wetter ohne Decke auf den Auslauf stellt. Sie nehmen dann zusehends ab, sind klemmig und unmotiviert bei der Arbeit und entwickeln über den Winter zunehmend schlechte Laune.

Kritisch ist vor allem Regenwetter, insbesondere wenn es auch noch mit Wind einhergeht. Während trockene Kälte häufig gut vertragen wird, ist es vor allem die nasse Kälte, die den Pferden regelrecht in die Knochen kriecht und sie auskühlt. In solchen Fällen kommt man um eine Decke nicht herum, wenn man sein Pferd artgerecht, also draußen an der frischen Luft und bei viel freier Bewegung, halten will.

In vielen Fällen reicht allerdings eine reine Regendecke. Sobald Regen und Wind abgehalten werden, können viele dieser Pferde noch ausreichend Wärmepolster unter der Decke bilden, dass sie sich ganz wohl fühlen.

Wenn das nicht ausreicht, sollte man auf eine nur leicht gefütterte Decke umsteigen. Denn je wärmer das Pferd eingepackt wird, desto mehr verkümmert seine eigene Fellbildung. Bleibt man aber in der Decken-Dicke immer knapp unter dem Super-Wohlfühlfaktor, so sorgt man dafür, dass die Pferde dennoch weiterhin so viel Winterfell bilden, wie sie eben können.

Bei vielen ehemaligen Sportpferden, die ihr Leben lang nur Warmstallhaltung gewöhnt waren, kann man so beobachten, dass sie von Winter zu Winter kuscheliger werden.

Bei der Wahl einer Decke kommt es weder auf den günstigsten Sonderpreis an, noch auf den teuren Markennamen. Wichtig ist, dass sie dem Pferd passt. Leider bieten nach wie vor viele Deckenhersteller nur Deckengrößen gemessen nach der Rückenlänge an. Nun hat aber ein Araber eine ganz andere Schulterform als ein gleich langer Spanier.

Besonders an der Schulter „klemmt“ es bei den meisten Decken. Entweder baumelt das Brustteil auf Höhe der Karpalgelenke oder das Pferd kann sich kaum noch aus der Schulter heraus vorwärts bewegen – und das oft trotz der viel gepriesenen „Quetschfalte“ im Schulterbereich der Decke. Diverse Scheuerstellen und klemmige Bewegungen sind die Folge.

Hier muss man für sein Pferd ausprobieren, mit welcher Marke bzw. mit welchem Schnitt es am besten zurecht kommt. Der Trend zum Schweiflatz sorgt dafür, dass den Pferden durch die Bewegung die Decken nach hinten gezogen werden und dann oft an der Brust zerren.

Eine Decke sollte direkt am Ansatz der Schweifrübe enden. Auch wenn man dann den Eindruck hat, dass „der Po rausguckt“: Pferde frieren trotzdem nicht und es sorgt dafür, dass die Decke auch bei Bewegung besser sitzt.

Optimal ist es, wenn ein Pferd seine Decke nur tragen muss, wenn es bei schlechtem Wetter auf dem Auslauf ist. In der Box ist eine solche Maßnahme meist nicht notwendig, denn die meisten Ställe achten darauf, dass die Temperaturen im Stall nicht unter Null Grad sinken – weil sonst die Tränken einfrieren.

Bei einer solchen Haltung kann man also den meisten Pferden getrost die Decke morgens für den Paddock an- und abends wieder ausziehen. Das geht natürlich nicht im Offenstall, hier ist meist 24-Stunden-Decken-Tragen angesagt.

Decken müssen regelmäßig gereinigt werden, damit die Ansiedlung von Hautparasiten wie Hautpilz etc. vermieden wird.

Viele Pferdebesitzer ziehen ihrem Pferd die Decke im Oktober an und im März wieder aus. Da muss man sich nur mal vorstellen, wie man sich selber fühlt, wenn man seine Unterwäsche von Oktober bis März trägt, ohne sie zu wechseln. Noch dazu erwarten wir, dass das Pferd in seiner Decke in den eigenen Fäkalien schläft und ziehen sie nach dem Reiten an, wenn das Pferd noch am Nachschwitzen ist.

Solche Decken sehen oft schon im November äußerst unappetitlich aus. Wenn man selber die Decke nur noch mit spitzen Fingern anfassen will, dann ist es aber dringend Zeit für die Reinigung! Als Faustregel gilt: mindestens einmal wöchentlich waschen.

Das heißt, man braucht entsprechend viele Ersatzdecken und muss sich auf einigen Aufwand einstellen, denn die meisten Winterdecken passen nicht in die häusliche Waschmaschine.

Fazit: Wenn eine Decke notwendig ist – aufgrund des Alters oder genetisch schwacher Winterfellbildung – dann braucht man ausreichend viele Decken, die perfekt sitzen müssen (auch nach einem Tag auf dem Paddock mit Wälzen, Spielen und dran zupfenden Kollegen) und muss sie regelmäßig einmal wöchentlich reinigen lassen.

  1. Weiden schließen

Der Trend geht derzeit offenbar zur Ganzjahresweide – immer mehr Ställe lassen die Weiden mindestens den halben Winter offen, manchmal bis zum Frühjahr. Auch wenn es zu begrüßen ist, dass die Pferde mehr Auslauf haben – nicht jedes Pferd verträgt die Winterweide!

Bei einem gesunden Pferd kann man ohne Probleme 365 Tage im Jahr Weidezugang ermöglichen, sofern trotzdem stets eine ausreichende Menge an qualitativ hochwertigem Heu zur Verfügung steht.

Hat ein Pferd aber bereits Dysbiosen – also Fehlgärungen durch die Ansiedlung falscher Mikroorganismen im Darm, dann kann der Weidezugang im Winter fatal werden.

Hat man das Gras dieser Weide den ganzen Sommer über wachsen lassen und stellt jetzt die Pferde drauf, dann finden sie nur einen „Grasfilz“, der – bei genauer Betrachtung – in den Ansätzen meist schon arg verschimmelt ist.

Die Pferde nehmen den Schimmel mit auf und damit auch dessen Mykotoxine und antibiotisch wirkende Substanzen. Letztere wirken schädigend auf die natürliche Darmflora, die Schimmeltoxine hingegen müssen über den Leberstoffwechsel abgebaut und wieder entsorgt werden, was eine deutliche Zusatzbelastung mit sich bringt.

Hat man von der Wiese Heu gemacht und sie dann nochmal nachwachsen lassen, dann ist das Gras oft sehr reich an Pektin, denn das ist der Baustoff der Blätter in den Gräsern. Die Pektine werden im Dickdarm überwiegend abgebaut von Mikroorgismen, die dabei schädliche Säuren produzieren. Eine schleichende Dickdarm-Ansäuerung ist die Folge, die eine der Hauptursachen für Darmschleimhautentzündungen, weitere Dysbiosen und schließlich häufig Hufrehe ist.

Dazu kommt die Tatsache, dass bei niedrigen Temperaturen der Fruktan-Gehalt der Gräser steigt. Auch hier hat ein gesundes Pferd mit einer intakten Darmflora keine Probleme, das diese Fruktane im Dickdarm unschädlich abgebaut werden. Haben sich aber bei einem Pferd im Dickdarm in größerem Stil Milchsäurebakterien angesiedelt, z.B. direkt durch Fütterung von Milchsäurebakterien in Form von EM-A, Fermentgetreideprodukten oder Heulage oder indirekt, z.B. durch Fütterung größerer Mengen Kraftfutter oder Bierhefe, dann kommt es zu einem unsauberen Abbau des Fruktans im Dickdarm.

Die dabei entstehenden Milchsäuren sorgen wiederum für eine pH-Wert Absenkung und – je nachdem, wie schnell diese pH-Verschiebung vonstatten geht – zu langsamen oder schnellen Veränderungen des Dickdarmmilieus.

Auch hier kann Hufrehe die Folge einer solchen Fruktanüberladung sein. Endophyten sind in Gräsern lebende Pilze, welche den Gräsern selber einen Selektionsvorteil verschaffen, da sie z.B. stressresistenter werden.

Die Wirkung von Endophyten in Gräsern und ihren Stoffwechselprodukten auf das Pferd sind bisher nur in Ansätzen erforscht, aber die Ergebnisse weisen darauf hin, dass auch sie Ursache erheblicher Stoffwechselprobleme sein können, insbesondere wenn bereits Dysbiosen oder Stoffwechselstörungen vorliegen.

Auch den Weiden tut die Nutzung als Winterweide häufig nicht gut, vor allem wenn sie ganzjährig genutzt werden. Den meisten Ställen stehen nicht ausreichend Flächen zur Verfügung, d.h. zwischen ein und zwei Hektar pro Pferd. Nur dann ist gewährt, dass es nicht zu erheblichen Verschiebungen im Bewuchs durch die selektive Pflanzenaufnahme der Pferde kommt.

Hält man zu viele Pferde pro Flächeneinheit, dann kommt es zu Verbiss und Vertritt und das Gras bekommt Stress – was wiederum zu einem Anstieg an Fruktan und Endophyten führt. Außerdem sorgen die Pferde in solchen Haltungsbedingungen für eine zu hohe Bodenverdichtung, was sich auch wieder negativ auf die Vegetation auswirkt.

Eine Alternative zur Weide im Winter ist die Anlage eines Paddock Trail, der sich mittlerweile auch großer Beliebtheit in Offenstallanlagen erfreut. Mit geschickt aufgestellten Bewegungsanreizen (Fress-Stationen, Salzleckstein, Knabberhölzer etc.) sorgt man für mehr Bewegung als auf der Weide und vermeidet gleichzeitig die Aufnahme von Gräsern in Zeiten, in denen sie schlecht verträglich sind. Für Ideen und Anregungen zum Thema Paddock Trail empfehlen wir www.offenstallkonzepte.com.

Fazit: Da die meisten Pferde in unseren Haltungsbedingungen bereits unter mehr oder weniger gestörten Verhältnissen in ihrem Dickdarm leiden und die Weiden oft ohnehin schon unter einer Über-Nutzung leiden, sollte man seine Weiden mit dem Beginn der kalten Temperaturen besser schließen und dafür Heu auf dem Auslauf zur Verfügung stellen – zum Wohl der Pferde und der Wiese. Ein Paddock Trail rund um die Weide ist eine gute Alternative für mehr Bewegung im Winter.

  1. Pferdegewicht richtig einschätzen – genug Reserve da?

Keine Frage, die meisten Pferde in unseren Ställen leiden tendenziell eher unter Übergewicht. Aber es gibt auch die anderen. Die Pferde, wo man reinfüttert, was geht und trotzdem sieht man jede Rippe. Nicht nur Pferde mit hohem Blüter-Anteil sind darunter, sondern natürlich auch die älteren Semester und häufig auch Jungpferde im Wachstum. Gerade sehr schlanken bis mageren Pferde haben dann keine Reserven, um Kaltwetterperioden oder zwischendurch schlechte Heuqualität ohne Probleme zu überstehen.

Bei Pferden jenseits der 20 gilt: lieber mit 50kg Übergewicht in den Winter als zu dünn! Denn diese Reserve schwindet sehr schnell, wenn die Pferde krank werden, z.B. einen Infekt einfangen. Auch bei Schmerzen, z.B. durch Arthrose-Schübe oder Zahnproblemen, die ja häufiger auftauchen bei älteren Pferden, sind die zusätzlichen Pfunde schnell eingeschmolzen. Deshalb sollte man sich durch das ganze Jahr bemühen, diese Pferde eher auf der leicht übergewichtigen Seite zu halten.

Bei Jungpferden variiert der Gewichtszustand sehr stark mit dem Wachstum. Normalweise haben sie eine Periode der Gewichtszunahme, bis an den Punkt, wo man langsam über Futterreduktion aufgrund von Übergewicht nachdenkt. Denn folgt ein Wachstumsschub und innerhalb weniger Tage sind die Pferde ein ganzes Stück höher (meist hinten zuerst) und dafür deutlich dünner bis rippig.

Solche Schübe aus Gewichtszunahme und Wachstum sind als normal einzustufen. Auch ohne besondere Maßnahmen nehmen sie nach dem Wachstumsschub in der Regel wieder zu, während der Rest des Körpers langsam an die neue Höhe angepasst wird.

Im Auge behalten sollte man bei Jungpferden das Thema Wurmbefall, denn eine starke Parasitenbelastung kann durchaus zu schlechte Gewichtszunahme und damit Wachstumshemmung führen.

Daher lieber häufig Kotproben einschicken, als zu selten. Außerdem sind Jungpferde fast ständig im Zahnwechsel. Während der ersten Lebensmonate brechen die Milchzähne durch. Dann entwickeln sich die bleibenden Zähne im Kiefer und ab ca. 2,5 Jahren beginnt der Zahnwechsel und das Herausschieben der hinteren Backenzähne.

Mit etwa 5 Jahren ist der Zahnwechsel abgeschlossen. Bis dahin kann es also auch bedingt durch Zahnschmerzen immer wieder zu schlechter Futteraufnahme und damit Abmagerung kommen. Auch das sollte man im Zweifel überprüfen lassen.

Bei Pferden mit hohem Blüter-Anteil verzweifeln viele Besitzer, denn egal was und wie viel sie in ihr Pferd hinein füttern – es wird zwar unter dem Sattel immer lustiger, aber mehr auf den Rippen hat es trotzdem nicht. Dazu kommt, dass solche Pferde häufig kein ausreichendes Winterfell bilden. Bei vielen Vollblütern unterscheidet sich das Winterfell nicht so wirklich vom Sommerfell. Das heißt, dass sie entsprechend viel Energie in Wärme umsetzen müssen, damit sie ihre Körperkerntemperatur halten. So bleibt auch bei bester Fütterung oft nicht genug zum „Ansetzen“.

Im Gegenteil, trotz Heu ad libitum (bis zur Sättigung) und dazu ordentlich Kraftfutter nehmen solche Pferde, insbesondere in Offenstallhaltung und in Höhenlagen, oft über den Winter noch ab. Solange die Pferde dabei schlank (=letzte 4-5 Rippen zu sehen, Pferd sieht etwas eckig aus, aber nicht krankhaft) und nicht dürr aussehen (=alle Rippen sichtbar, Becken steht raus, Pferd wirkt eingefallen, Rückenmuskulatur praktisch nicht mehr vorhanden) und vom Wesen her gut drauf sind, also bewegungsfreudig am Leben teilnehmen, muss man sich noch keine größeren Sorgen machen.

Wenn es aber kritisch wird mit dem Gewicht, dann hilft nur eins: den Energieverbrauch senken. Es sind Pferde, bei denen man doch über die Anschaffung von Thermodecken nachdenken sollte. Denn mit ihr lässt sich der Energieverbrauch deutlich drosseln, sodass mehr Energie vom Futter übrig bleibt für „Baufunktionen“. Und natürlich sollte ein solches Pferd auf mögliche Schmerzen, Parasitenbefall, Zahnprobleme, Stress und schlechte Futterverwertung überprüft werden.

Woran erkennt man aber, ob ein Pferd zu dick, normal oder zu dünn ist? Hals und Kruppe sind hier schlechte Ratgeber, da ihre Form sehr stark mit der Rasse variiert. So wird ein Spanier immer einen ausgeprägten Oberhals zeigen, ein Araber hingegen hat praktisch gar keinen und zwar unabhängig vom Gewichtszustand.

Gleiches gilt für die Kruppe: Ein Vollblüter wird immer eine eckige Kruppe haben, die von hinten an ein Giebeldach erinnert, egal wie man ihn füttert. Der Kaltblüter hat hingegen auch im mageren Zustand immer noch einen „Herz’l-Popo“.

Am besten erkennt man den Gewichtszustand an den Rippen. Sind sie alle deutlich im Stand sichtbar, ist ein Pferd zu dünn (Ausnahme: Vollblüter, Achal Tekkiner, also alle stark im Blut stehenden Rassen, hier sind im normalen Fütterungszustand die letzten 3-4 Rippen häufig sichtbar).

Sieht man mal die letzten 2-3 Rippen, dann ist das kein Grund zur Besorgnis, aber gerade zum Ende der Weidesaison sollte das eigentlich so nicht sein, da sich die Pferde im Sommer mit reichlich Nährstoffen versorgen können und daher eher zunehmen, also etwas „zu rund“ in den Winter gehen. Wenn man ein Pferd biegt, dann sollte auf der Außenseite die Rippen sichtbar werden.

Wenn man hier nichts sieht, ist das Pferd zu dick. Das gilt für alle Rassen, von Pony bis Warmblut, von Araber bis Kaltblut. Auch der Hüfthöcker gibt Aufschluss über den Gewichtszustand: Er sollte bei allen Pferden leicht tastbar sein. Bei Blütern ist er oft auch wieder recht deutlich sichtbar. Steht er aber kuh-artig heraus, dann ist ein Pferd zu dünn.

Muss man unter Fleischbergen nach ihm suchen, dann ist das Pferd zu dick. Das sind die Kandidaten, wo man teilweise auch mit viel Mühe und Drücken kaum noch Rippen tasten kann.

Zusätzlich sollte man unterscheiden, ob ein Pferd eher Fett oder eher Lymphe eingelagert hat, die das Gewicht nach oben treiben. Dabei gilt, dass Pferde Fett zunächst nicht in „Pölsterchen“ einlagern, sondern als Fettsträhnen in der Muskulatur. Ein fettes Pferd sieht also zunächst ordentlich bemuskelt aus.

Bis dahin, dass die Rückenmuskeln so ausgeprägt sind, dass in der Mitte eine Rinne entsteht, in der bei Regen das Wasser stehen bleibt. Erst wenn der Fettstoffwechsel entgleist (EMS), dann entstehen Polster und zwar ein schwabbeliger Halskamm und ein Fettsteiß oberhalb der Schweifwurzel (nicht zu verwechseln mit fehlerhaft ausgeprägter Muskulatur, wie sie bei Trage-Erschöpfung auftritt).

Lagern Pferde eher Lymphe ein, so sieht man anfangs die „Pölsterchen“, die oft für Fett gehalten werden. Sie entstehen insbesondere an den Flanken und am Hals. Manch ein Halskamm sieht dann aus, als hätte man ein Kissen hinein gestopft. An den Flanken sitzen die Polster dort, wo die Satteltaschen hängen würden, wenn man welche am Sattel hätte, also links und rechts unterhalb vom Hinterzwiesel.

Erst wenn der Lymphstoffwechsel völlig entgleist ist und das ganze Unterhautbindegewebe lymphatisch wird, dann sehen die Pferde dick und prall aus, wie ausgestopft – und unten gucken ein paar viel zu dünne Beine raus. Ein solches Pferd hat keine Energiereserven für den Winter. Denn unter den Lympheinlagerungen kann ein dünnes bis mageres Pferd stecken!

Hier ist besonders auf die ausreichende Energiezufuhr im Winter zu achten. „FDH-Diäten“ verstärken die Einlagerungen eher noch. Während die fetten Pferde ruhig ein bisschen knapp gehalten werden dürfen mit dem Grundfutter, sollten Pferde mit Lympheinlagerungen unbedingt ausreichend Heu erhalten, um weitere Entgleisungen des Stoffwechsels zu vermeiden.

Fazit: Ein bisschen Rippe darf man sehen, spätestens wenn sich das Pferd biegt auf seiner Außenseite. Die Hüfthöcker sollten immer gut tastbar sein. Zu dünn und zu dick ist gleichermaßen schädlich. Bei alten Pferden darf es ruhig etwas mehr „auf den Rippen“ sein, bei Jungpferden schwankt der Gewichtszustand stark mit dem Wachstum. Vollblüter und ähnliche „Seidenfellchen“ ggf. eindecken, wenn sie zu wenig Winterfell haben.

  1. Ordentliche Heuqualität in ausreichender Menge

Nach wie vor eines der Hauptprobleme in vielen Ställen ist die sparsame Fütterung von Raufutter. Obwohl die negativen Effekte der „Mahlzeitenfütterung“ und einer zu geringen Futtermenge ebenso wie zu wenigen Fressplätzen längst in Studien gezeigt wurden, bleibt es doch einer der größten Streitpunkte im Stall.

Lässt man gesunde Pferde Heu frei aufnehmen, dann fressen sie zwischen zwei und drei kg Heu je 100 kg Körpergewicht. Dazu kommt, dass Pferde Dauerfresser sind. Jede zwanghafte Raufutterrationierung mit längeren Pausen dazwischen, sorgt für Stress im Organismus.

Stress wiederum hat zur Folge, dass Pferde ihr Futter nicht mehr optimal verwerten können und vermehrt Energie verbrauchen, sie gehen in den so genannten katabolen Stoffwechsel, bei dem mehr Reserven verbraucht als wieder aufgefüllt werden. Gerade im Winter ist das natürlich nicht sinnvoll, da die Pferde durch das kalte Wetter ohnehin einen erhöhten Energiebedarf haben.

Pferde können aus den im Heu enthaltenen Fasern praktisch ihren kompletten Erhaltungsbedarf an Energie ziehen – selbst wenn sie im Winter zusätzliche Energie für die Produktion von Körperwärme benötigen. Dafür ist es aber wichtig, dass sie ununterbrochen Zugang zu diesem Faserreichen Futter haben. Ein solcher Vorschlag führt bei vielen Reitern und Stallbetreibern umgehend zu Schnappatmung, weil gleich die Angst vor dem verfetten der Pferde aufkommt.

Denn unser Heu ist nicht mehr das Heu unserer Großväter! Unsere Wiesen sind über die letzten 50 Jahre angereichert worden mit Hochleistungsgräsern, die hohe Zucker- und Eiweißgehalte aufweisen bei gleichzeitig sinkenden Fasergehalten. Solches Heu ist ideal für die Silierung geeignet sowie für Mast- und Milchvieh. Aber nicht für die immer weniger arbeitenden und energetisch genügsamen Pferde.

Zuckergehalte im Heu von 12-16% sind heute eher die Regel als die Ausnahme, dabei sollte Pferdeheu eigentlich im Zuckergehalt <10%, bei Pferden mit EMS oder Insulinresistenz eher <6% liegen.

Denn Pferde sind aber von Natur aus Faserverwerter und können die leicht verdaulichen Nährstoffe wie Zucker und Eiweiß nur sehr bedingt verwerten.

Gerade hohe Zuckergehalte im Heu können nur dann von Pferden kompensiert werden, wenn sie gleichzeitig ausreichend schnell bewegt werden, also mindestens 60 Minuten täglich im Trab oder Galopp gearbeitet werden. Das ist vielen Pferdebesitzern in dem Maß schlichtweg nicht möglich.

Daher wird bei der meist üblichen, nur mäßigen Arbeitsleistung der Pferde mit der Reduktion der Gesamtraufuttermenge versucht, die Energiebalance irgendwie aufrecht zu erhalten. Das widerspricht aber wiederum der Natur der Pferde, die nicht nur für ihr psychisches Wohlbefinden permanent Zugang zu Raufutter haben müssen, sondern deren empfindliches Mikrobiom im Dickdarm auf eine ständige Faserzufuhr angewiesen ist.

Nicht ohne Grund sehen wir in unseren Ställen eine wachsende Anzahl von Pferden mit Insulinresistenz, Kryptopyrrolurie, Hind Gut Acidosis, Übergewicht und fütterungsbedingter Hufrehe. Viel davon hat schon mit Fehlern in der Grundfütterung zu tun.

Die wirkliche Herausforderung in unserer heutigen Pferdehaltung besteht darin, den Pferden permanent Zugang zum Raufutter zu ermöglichen, ohne dass es zu Stoffwechselentgleisungen kommt. Denn an der Zusammensetzung der Heuwiesen wird sich so schnell nichts ändern, auch wenn die ersten Landwirte daran arbeiten, ihre Wiesen wieder „auszumagern“. Daher ist es wichtig, auf das Konzept von SlowFeedern zu setzen. Dazu gehören auch Heunetze, aber es gibt mittlerweile eine Reihe von Ideen und Erfindungen sowohl zum kommerziellen Erwerb als auch zum Selberbauen, von der Heukiste bis zum Raufutterball.

Wichtig ist, dass die Fressgeschwindigkeit reduziert wird, die Pferde aber trotzdem permanenten Zugang zu ausreichend viel Heu in einer möglichst natürlichen Fresshaltung haben, um einen physiologischen Kauprozess ohne Langzeitfolgen für Gebiss oder Craniosacralsystem zu ermöglichen. Daher funktioniert leider auch das System der Heuautomaten nicht, denn die erzwungenen Pausen widersprechen dem natürlichen Fressverhalten der Pferde.

Auch hat es sich bewährt, mehrere SlowFeeder auf dem Auslauf oder Paddock Trail anzubringen. Das fördert den natürlichen Trieb der Pferde, nach einer Weile mal woanders schauen zu gehen, ob das Futter dort vielleicht schmackhafter ist und bringt damit Bewegung in die Gruppe.

Neben der Menge und den Nährwerten ist auch auf die Qualität im Bezug auf Hygiene zu achten. Allzu häufig sieht man immer noch schimmeliges Heu, das bedenkenlos gefüttert wird, obwohl die schädlichen Folgen eines Schimmelbefalls längst bekannt sind. Daneben findet man immer wieder Heuballen mit Giftpflanzen, die ihre giftige Wirkung auch nach der Trocknung und Ablagerung nicht verlieren, wie Herbstzeitlose, Jakobskreuzkraut, Graukresse etc..

Solches Heu ist für die Verfütterung nicht nur ungeeignet, sondern schlicht gefährlich. Etwa 20% Graukresse im Heu reichen aus, um ein Pferd tödlich zu vergiften. Die Alkaloide des Jakobskreuzkrauts reichern sich im Lebergewebe an und können nicht mehr adäquat ausgeschieden werden, was die Langzeitfolgen unabsehbar macht.

Viele Stallbetreiber meinen zwar, die Pferde würden die Herbstzeitlose aussortieren – aber sie sehen ja nur, was unten in der Raufe liegen geblieben ist und nicht, was das Pferd trotzdem mitgefressen hat. Schimmeliges Heu ebenso wie solches, das Giftpflanzen enthält, gehört nicht in die Pferdefütterung!

Fazit: Pferde können normalerweise ihren kompletten Energiebedarf aus Heu decken – es muss dafür in ausreichender Menge und Qualität (Nährstoffe & Hygiene) zur Verfügung stehen und möglichst so angeboten werden, dass sie durchgehend Zugang dazu haben. Dann werden auch kalte Temperaturen problemlos durch mehr Wärmeproduktion ausgeglichen.

  1. Futterration an Wetter, Futterqualität und Gewicht des Pferdes anpassen

Es gibt lange Abhandlungen darüber, wie Futterrationen zu berechnen seien. Dabei wird oft vergessen, dass man – um eine sinnvolle Berechnung anstellen zu können – eigentlich nicht nur jede Heu-Charge auf ihren Nährwertgehalt überprüfen lassen muss, sondern auch exakt sicherstellen muss, wie viel ein Pferd davon tatsächlich pro Tag aufnimmt. Das mag in einer Boxenhaltung noch möglich sein, aber in einem Offenstall, wo viele Pferde an derselben Heuportion knabbern können, ist das ein Ding der Unmöglichkeit.

Außerdem gibt es kaum einen Pferdebesitzer oder Stallbetreiber, der einen genauen Überblick über die Nährwertzusammensetzung seiner aktuellen Heu-Charge hat. Die Nahrhaftigkeit des Heus kann aber extrem schwanken, je nachdem von welcher Wiese – oder auch manchmal von welchem Abschnitt derselben Wiese – der Ballen gerade stammt.

Darüber hinaus werden solche Berechnungen immer anhand von theoretischen Literaturwerten gemacht, die als Durchschnittswerte statistisch aus einer großen Anzahl Versuchspferde ermittelt wurde. Nun weiß aber jeder, dass Pferd nicht gleich Pferd ist.

Da gibt es die „leichtfuttrigen“, zu denen vor allem die Robustrassen zählen, aber auch die Kaltblüter und die meisten Barockpferde. Sie brauchen das reichhaltige Heu nur anschauen und schon sitzen ein paar Pfund mehr auf den Rippen.

Ganz im Gegensatz dazu die „schwerfuttrigen“, wo man füttern kann so viel man will – sie nehmen einfach nicht zu! Zu ihnen gehören die ganzen Pferde im Blütertyp, also die Galopper und Traber, viele ursprüngliche Arabertypen, aber auch Warmblüter im Vollblut-Typ, Achal Tekkiner und ähnliche Rassen. So hat ein deutsches Reitpony („Blütertyp“) bei gleicher Körpergröße einen ganz anderen Energiebedarf als ein Haflinger („Robustpferdetyp“).

Solchen Feinheiten wird in Futterberechnungsprogrammen viel zu wenig Rechnung getragen. Auch der Tatsache, dass sich der Energiebedarf durchaus über das Jahr verändern kann – und zwar nicht nur in Abhängigkeit von der täglichen Arbeit unter dem Reiter. Denn tiefe Temperaturen, wie man sie in kalten Wintern oder in Ställen in Höhenlagen erlebt, sorgen für einen deutlich gesteigerten Energiebedarf.

Die Betreiber von Ställen in Höhen von 1.300m und mehr können einem das bestätigen, dass mit Einbruch des kalten Wetters der Heubedarf der Pferde rasant ansteigt und erst wieder sinkt, wenn der Frühling mit wärmeren Temperaturen „mitheizt“.

Also muss man auch die Lage des Stalls, das Klima und den Stalltyp mit einbeziehen – denn ein geschlossener Boxenstall sinkt nachts selten unter Null Grad, ein Offenstall hingegen schon.

Deshalb galt früher immer der Leitsatz: Das Auge ist der beste Futtermeister! Anstatt mit zwanzig verschiedenen Zusatzfuttermittelchen und ausgefeilten Excel-Tabellen den Nährstoffbedärfen seines Pferdes bekommen zu wollen, sollte man zuerst einmal ausreichend Heu füttern und dann sein Pferd beobachten.

Hat man einen leichtfuttrigen Kandidaten und einen warmen Winter, dann sollte man auf eine magere Heuqualität oder auf sehr engmaschige Heunetze setzen, um das Gewicht optimal zu halten. Je kälter die Temperaturen, umso nährstoffreicher darf die Heuqualität sein oder umso großzügiger kann auch in einem weitmaschigen Heunetz noch zugefüttert werden. Bei den schwerfuttrigen Kandidaten sollte man eher auf eine sehr reichhaltige Heuqualität gehen und auf Heunetze mit weiteren Maschen. Wenn es sehr kalt wird, vor allem wenn die Kälte mit Wind einhergeht und kein ausreichender Windschutz zur Verfügung steht, kann man den Energieverbrauch dieser Pferde etwas eindämmen mit einer Thermodecke, die zumindest über Nacht angelegt werden sollte.

Fazit: Statt starrer Futtertabellen sollte man mit der richtigen Heuqualität, der richtigen Heunetz-Maschenweite und einem guten Stück Augenmaß für das Gewicht und die Zufriedenheit des jeweiligen Pferdes die Fütterung individuell an die Gegebenheiten anpassen.

  1. Pferdezähne überprüfen lassen

Ein gesundes Gebiss ist die Grundvoraussetzung, dass ein Pferd sein Heu überhaupt kauen und somit auch später im Darm verwerten kann. Unzureichend gekautes Heu kann im Dickdarm nicht von den dort angesiedelten Mikroorganismen verdaut werden.

Statt dessen führen grobe Fasern dazu, dass sie von der Peristaltik ständig zurück gehalten werden, in dem Versuch, aus diesen Fasern noch Energie zu gewinnen – was aber leider aufgrund der groben Struktur nicht möglich ist. Zahnprobleme sorgen damit nicht nur für eine schlechtere Nährstoffausbeute aus dem Raufutter, sondern fördern auch das Entstehen von Dysbiosen (Fehlgärungen) im Dickdarm durch den Rückhalt der Fasern in den Dickdarmabschnitten.

Das Pferdegebiss ist dafür ausgelegt, ganzjährig sehr hartes Steppengras mit den Schneidezähnen abzubeißen und dann mit den Backenzähnen zu zermahlen.

Dabei nutzen sich die Zähne gleichmäßig ab, sodass sie immer eine optimale mechanische Zerkleinerung ermöglichen. Untersuchungen an Schädeln von Wildequiden haben gezeigt, dass diese nicht unter den bei uns üblichen Zahnproblemen leiden, sondern ihr Zahnapparat optimal an eine Ernährung in freier Wildbahn – in Steppen, Tundren und Halbwüsten – angepasst ist.

Bei unserer Haltung gibt es mehrere Faktoren, die das Entstehen von Problemen im Kauapparat begünstigen. Zunächst einmal fressen unsere Pferde in der Regel kein Steppengras, sondern weiches Hochleistungsgras im Sommer, das kaum abgebissen werden muss, sondern mit den Lippen abgezupft werden kann.

Im Winter fällt der Prozess des Abbeißens komplett weg, wenn Pferde Heu fressen. Dadurch besteht keine ausreichende Abnutzung der Schneidezähne, die aber dennoch immer weiter aus dem Zahnfach herausgeschoben werden. Dadurch entstehen Dysbalancen im Kauvorgang.

Darüber hinaus sorgt die Fütterung nicht-langfaseriger Futtermittel wie Kraftfutter, Heu- oder Luzernehäcksel, Karotten, Äpfel etc. dafür, dass die Pferde beim Kauen dieser Futter keinen kompletten Kau-Ausschlag zeigen wie beim Fressen von Heu oder Gras. Sie „quetschen“ das Futter mehr, als es zu mahlen.

Dadurch werden die oberen Backenzähne auf der lingualen (zungen-seitigen) Hälfte und die unteren Backenzähne auf der buccalen (wangen-seitigen) Hälfte der Kaufläche abgenutzt. Das Entstehen von Graten an den jeweils gegenüber liegenden Zahnkanten ist die Folge, sodass die Pferde irgendwann gar nicht mehr in der Lage sind, ihr Futter überhaupt vernünftig zu mahlen.

Ein dritter wichtiger Faktor ist die Tatsache, dass nur wenige Pferde die Möglichkeit haben, ihr Futter durchgehend aus einer physiologischen Kopfposition heraus zu kauen. Gerade die Fütterung aus Krippen ist hier problematisch. Aber auch die Verwendung von Heunetzen – die ja aus Gründen der höhen Nährstoffdichte unseres Heus ein idealer Kompromiss sind zwischen Dauerfütterung und begrenzter Nahrungszufuhr – sorgen dafür, dass die Pferde häufig mit zu hoher Kopfhaltung kauen und damit keinen kompletten Kau-Ausschlag machen. Auch die Entstehung von Zahnhaken an den vordersten bzw. hintersten Backenzähnen wird dadurch begünstigt.

Insgesamt hat man in vielen Untersuchungen – nicht nur an unseren Hauspferden, sondern auch an in Gefangenschaft gehaltenen Wildequiden – festgestellt, dass Zahnprobleme bei unseren Haltungs- und Ernährungsbedingungen praktisch nicht zu vermeiden sind. Kann das Pferd aber nicht richtig kauen, so kann es die im Futter enthaltenen Nährstoffe nicht aufschließen und das stellt gerade im Winter ein große Problem dar.

Denn der Nährstoffbedarf ist dann oft durch das kalte Wetter deutlich höher und die Nährstoffzufuhr aus dem Heu gleichzeitig geringer als durch das Weidegras im Sommer.

Pferde, die mit dem weichen, reichhaltigen Weidegras im Sommer noch gut zurecht gekommen sind aber mit der Umstellung auf Heu bereits jetzt mit Gewichtsverlust reagieren, sollten dringend auf Zahnprobleme kontrolliert werden.

Normalerweise gilt, dass man die Zähne seines Pferdes einmal im Jahr überprüfen lassen sollte, wenn einem komisches Kauverhalten, herausfallendes Futter oder mäkeliges Heufressen bei stängeliger Qualität auffällt, dann durchaus auch mal außer der Reihe draufschauen lassen. Vielleicht ist ein Zahn abgebrochen, es hat sich eine Zahnfleischtasche gebildet oder ein anderes Akutproblem sorgt für einen gestörten Kauvorgang. Wenn ein Pferd besondere Voraussetzungen hat und öfter oder seltener kontrolliert werden sollte, so bekommt man das von seinem „Pferdezahnarzt“ mitgeteilt.

Da im normalen Veterinärstudium die Zähne des Pferdes ungefähr so viel Raum einnehmen wie die Zähne des Menschen im Humanmedizinstudium (mit gutem Grund geht man mit Zahnproblemen nicht zum Hausarzt…), sollte man unbedingt einen Pferdedentalpraktiker bemühen. Egal ob derjenige Tierarzt ist oder nicht – wichtig ist die Zusatzqualifikation für Pferdezähne. Die Interessengemeinschaft zur Funktionsverbesserung der Pferdezähne (IGFP) ist eine Art „Stiftung Warentest“ für Pferdedentalpraktiker, da deren Mitglieder nicht nur entsprechend ausgebildet, sondern auch von einer qualifizierten Kommission geprüft sind.

Fazit: Nur ein Pferd mit gesunden Zähnen kann sein Futter richtig kauen und damit auch richtig verdauen. Einmal im Jahr sollten die Zähne überprüft werden, wenn das dieses Jahr noch nicht erfolgt ist, dann sollte das jetzt dringend nachgeholt werden, bevor ein Pferd vielleicht aufgrund von Zahnproblemen übermäßig abbaut. Geprüfte Pferdedentalpraktiker findet man z.B. unter www.igfp-ev.de.

  1. Wasserversorgung sicherstellen

Ein Faktor, der im Winter häufig unterschätzt wird, ist die Wasserversorgung. Ein Pferd säuft normalerweise zwischen 30 und 50 Litern Wasser pro Tag. Der Bedarf kann aber – je nach Beanspruchung und Fütterung – auch auf 70-80 Liter pro Tag ansteigen. Da ist es nicht mit einem Eimerchen Wasser pro Tag getan.

Natürlich läuft in der freien Natur niemand mit dem Wasserkocher herum und taut den Pferden den Teich auf, aus dem sie trinken wollen. Aber in der freien Natur leiden Pferde auch deutlich seltener unter schmerzhaften Magengeschwüren, haben weniger Streit um den Platz an der Tränke und können – wenn ihnen der Geschmack des Wassers in dem einen Tümpel nicht passt – auch zur nächsten Pfütze gehen.

Pferde trinken grundsätzlich lieber Wasser von einem Behälter mit einer geschlossenen Wasseroberfläche. Das heißt übersetzt: lieber Kübel als Selbsttränke. Insbesondere die Selbsttränken, die durch das Herunterdrücken eines Hebels oder Löffels während des Trinkvorgangs in Betrieb gesetzt werden, sind besonders unbeliebt. Denn sie sorgen dafür, dass das Pferd zusätzlich zum Wasser fast immer auch Luft mitschluckt. Da Pferde nicht rülpsen können, ist solche Luft im Magen besonders unangenehm. Dagegen wird jeder Kübel bevorzugt, selbst wenn das Wasser darin abgestandener als in der Selbsttränke ist.

Hat ein Pferd Probleme mit Magenschleimhautentzündungen oder Magengeschwüren, dann ist die Aufnahme von großen Mengen kalten Wassers sehr schmerzhaft. Die Folge davon ist, dass diese Pferde im Winter insgesamt zu wenig trinken, solange das Wasser kalt ist. Wird zu wenig Wasser aufgenommen, dann wird aber auch die Funktion der Nieren eingeschränkt. Sie benötigen Wasser, um Urin zu bilden und damit Giftstoffe aus dem Körper abzutransportieren.

Während Pferde im Sommer den Wasserbedarf noch zu einem großen Teil über das im Weidegras enthaltene pflanzliche Wasser decken können ,geht das beim Heu mit seinem Restfeuchtegehalt von nur ca. 15% definitiv nicht.

Separat angebotenes Wasser ist also ein Muss im Winter. Trinkt ein Pferd zu wenig – weil ihm das Wasser zu kalt ist, die Tränken zufrieren oder erst überhaupt keine Wasserkübel hingestellt werden, dann kommt es folglich zu Störungen der Nierenfunktion und damit des gesamten Elektrolythaushalts.

Die Quittung dafür bekommt man dann entweder in drastischer Form von Verstopfungskoliken oder Nierenkoliken oder – wenn man Glück hat – spätestens im Frühlingsfellwechsel, wenn das Pferd sich dort sehr schwer tut, matt und schlapp ist, das Fell nicht schön aussieht, die Hufe plötzlich schlechter werden und auch sonst eine Menge von diffusen „Stoffwechselführmarkern“ auftauchen.

In Offenställen haben sich Balltränken recht gut bewährt, solange sie häufig genug frequentiert werden, das heißt in der Regel mehr also vier Pferde die Tränke benutzen, und sie regelmäßig zerlegt und gereinigt werden. Denn in ihnen sammelt sich durch die Angewohnheit des „Zähneputzens“ vieler Pferde immer gerne auch viel Gammel an. Hartplastikwannen müssen getestet werden auf ihre Frostsicherheit – einige halten das aus, andere splittern sehr schnell, wenn bei Minusgraden ein Pferd mal gegen tritt. Die Splitter sind dann oft sehr scharfkantig und eine ernstzunehmende Verletzungsgefahr.

Nach wie vor hervorragend geeignet auf Ausläufen und Weiden sind Badewannen. Sie sorgen nicht nur für eine ordentliche Wasserqualität (da sie im Gegensatz zu den schwarzen Mörtelkübeln keine Weichmacher enthalten) und lassen sich leicht reinigen, sondern man kann sie auch relativ gut beheizbar machen. Bis zu Temperaturen knapp unter Null grad reicht es normalerweise, wenn man mehrere Grablichter darunter stellt. Wenn man zusätzlich PET-Flaschen mit Salzwasser füllt, fest zuschraubt und dann im Wasser schwimmen lässt, bildet sich nicht so leicht eine Eisschicht, sodass die Pferde länger freien Zugang zum Wasser haben. Wird es richtig kalt, dann kann man mit Hilfe von 60 Watt Glühbirnen oder Terrariumsheizungen und einer um die Wanne herum gezimmerten Isolierungskiste immer noch Wasser daraus anbieten, sofern man einen Stromzugang hat. Ganz genial bei Stromzugang und etwas größerem Geldbeutel ist aber auch der aus Schweden stammende Thermobar: http://www.thermobar.se/pdf/Thermobar_folder_de.pd

Natürlich gibt es immer die Pferde, die mit Begeisterung mit ihren Hufen Löcher in die Eisdecke des über Nacht zugefrorenen Kübels schlagen und dann nicht nur das eiskalte Wasser schlürfen, sondern auch genüsslich auf den Eisbrocken herumkauen. Es gibt aber eben auch die anderen, die kaum ans Wasser gehen, nur sehr wenig und sehr langsam und vorsichtig trinken und dann häufig vor dem Hüfthöcker „Kuhlen“ entwickeln („Hungerkuhlen“, die aber oft nichts mit Hunger, sondern mit Durst zu tun haben) und zu Verstopfungskolik neigen. Hier sollte man dringend ein- bis zweimal täglich warmes Wasser anbieten, damit diese Pferde ihren Wasserhaushalt normalisieren können.

Noch besser sind natürlich beheizte Schwimmertränken, die dafür sorgen, dass die Tränke nicht nur frostfrei bleibt, sondern das Pferd auch wohltemperiertes Wasser zur Verfügung hat. Wo das nicht möglich ist, schätzen die Pferde im Winter oft auch, wenn man ihnen heißen Tee in den Wassereimer macht und so das Wasser anwärmt und gleichzeitig nicht nur gesunde Kräuter beifügt, sondern dem Wasser auch noch etwas Geschmack verleiht. Aber auch Heucobs werden gerne nicht nur eingeweicht genommen, sondern auch lauwarm.

Denn hat sich ein Pferd erstmal über lange Zeit angewöhnt, wenig zu trinken, so funktioniert oft der natürliche Durst-Instinkt nicht mehr zuverlässig. Wasser wird dann auch in der besten und wärmsten Variante nicht ausreichend genommen. Mit Tee, eingeweichten Heucobs oder praktisch flüssigem Mash kann man solche Kandidaten dazu motivieren, wieder mehr Flüssigkeit aufzunehmen. Dabei kann man die Zusatzkomponenten dann langsam ausschleichen, bis irgendwann auch das normale, warme Wasser problemlos akzeptiert wird.

Fazit: Zu wenig Wasseraufnahme ist schädlich für die Pferdegesundheit. Unbedingt darauf achten, dass alle Pferde regelmäßig genug saufen – auch und gerade wenn die Pferde Selbsttränken haben. Zur Kontrolle besser regelmäßig warmes Wasser aus Kübeln anbieten. Bei heiklen Pferden gerne mit etwas „Geschmack“ versehen, Hauptsache sie saufen genug.

  1. Schneevorsorge an den Hufen

Auch wenn wir die letzten zwei Winter in den meisten Regionen vor größeren Schneefällen verschont blieben: Es ist wie mit den Winterreifen beim Auto. Im Zweifelsfall ist man froh, dass man sie hat. Denn verpackter Schnee in den Hufen stellt ein großes Risiko dar. Das Pferd kann ausrutschen und sich zerren oder sogar stürzen.

Aber auch das Balancieren auf den im Huf verpappten Schneeklumpen ist eine große Herausforderung und führt nicht selten zu Sehnen- und / oder Bänderschäden. Pferde mit Eisen haben dabei grundsätzlich ein schlechteres Gefühl für den Boden und rutschen natürlich auch leichter weg, wenn der Boden glatt ist. Daher werden oft Stifte oder Stollen in die Eisen eingesetzt. Diese hemmen aber den natürlichen Gleitprozess beim Auffußen, sodass es zu vermehrter Stoßbelastung in den darüber liegenden Gelenken kommt und der Entstehung von Arthrosen Vorschub geleistet wird. Wer also schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, sein Pferd barhuf laufen zu lassen: Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür.

Die meisten Pferde brauchen zumindest hinten keine Eisen, sodass sie schonmal dort etwas besser balancieren können, sollte der Boden mal unberechenbar werden.

Am besten jetzt schon mit dem Schmied oder Hufpfleger über die kommende Witterung sprechen und Vorkehrungen treffen. Beim nächsten Beschlag sollten dann unbedingt die Schneegrips eingesetzt werden, denn ab Anfang November muss man erfahrungsgemäß mit Schnee rechnen. Diese Gummilippen sorgen dafür, dass der Schnee sich nicht so leicht in der Sohle festsetzen kann und eher wieder herausfällt.

Bei Barhufgängern ist das natürlich nicht möglich. Sie neigen zwar von Hause aus weniger zu Schneeverklumpungen in den Hufen. Aber je nach Form des Hufs und nach Schneebeschaffenheit kann es auch hier dazu kommen, dass die Pferde innerhalb weniger Schritte auf „Plateausohlen“ laufen, weil der Schnee im Huf verbackt. Ebenso unvermittelt können sich diese Schneeklumpen lösen, sodass das Pferd beim nächsten Schritt ein paar Zentimeter tiefer landet, als berechnet – also als wenn wir eine Treppe herunterlaufen und da eine Stufe mehr ist, als gedacht.

Meist passiert das aber nur an den Tagen, wo der Schnee besonders pappig ist, man also auch gut Schneemänner bauen und Schneebälle formen kann. Loser Pulverschnee ist meist ebenso unproblematisch wie der tauende Schneematsch. Bei Tauwetter ist dann nur wieder besonders auf Glatteis zu achten, vor allem morgens.

Oft sind die Pferde abends vom getauten und matschigen Auslauf rein gekommen und haben bis zum Morgen vergessen, dass es ja wieder gefroren sein könnte. Entsprechend flott kommen sie aus der Stallgasse, um dann gleich auf dem Boden vor dem Stall die Grätsche zu machen. Bei Glatteis – auch wenn es nur am morgen ist – muss unbedingt auch zum Wohl der Pferde gestreut werden! Bitte kein Salz, denn es greift Hufe und Haut an. Sondern möglichst Sand oder Sägespäne, sie geben auf Glatteise den besten halt.

Ist der Schnee bereits durch Autoreifen oder viele Füße fest am Boden zusammengedrückt, dann wird auch er an der Oberfläche rutschig und stellt eine Gefahr für Mensch und Pferd dar. Hier hilft feiner Kies, der sich oberflächlich in den Schnee drückt und damit einen besseren Halt gibt. Optimal ist es natürlich, den Schnee zu räumen, sobald er fällt.

Und zwar nicht nur auf den Hauptwegen, die von den Menschen frequentiert werden, sondern möglichst auch auf dem Auslauf. Wo das nicht möglich ist – weil er z.B. schon die ganze Nacht von der Offenstallgruppe platt getrampelt wurde – sollte man dann zumindest streuen, um eine rutschfeste Unterlage zu haben.

Besondere Vorsicht ist rund um die Tränken geboten. Denn viele Pferde drehen nach dem Saufen den Kopf beiseite, während ihnen noch Wasser aus dem Maul läuft.

Dieses verwandelt die Fläche rund um die Tränke dann gerne in eine Eisbahn. Hier bei eisigen Temperaturen ruhig mehrmals täglich mit dem Streugut vorbeigehen, damit kein Pferd wegrutscht.

Fazit: Im Winter Pferde möglichst barhuf laufen lassen. Sie spüren dann den Untergrund besser und rutschen seltener aus. Wenn Beschlag, dann unbedingt Schneegrips verwenden. Rund um Stall und Auslauf Schnee räumen und festgetretenen Schnee oder Eisflächen streuen, um Stürze zu vermeiden, aber bitte kein Streusalz verwenden.

  1. Parasitenkontrolle

Erfreulich ist der Trend weg vom „prophylaktischen“ Entwurmen hin zur „Parasitenkontrolle“ beziehungsweise zur „selektiven Entwurmung“. Denn viele Pferde haben gar keine Würmer und werden durch die Wurmkuren nur massiv mit Wirkstoffen belastet, die unverrichteter Dinge wieder ausgeschieden werden müssen.

Auch hat der großzügige Umgang mit Anthelmintika – also Wurmmitteln – in den letzten Jahrzehnten dazu geführt, dass wir mittlerweile gegen alle Wirkstoffe Resistenzen finden. Es gibt also Wurmstämme, die auf den einen oder anderen Wirkstoff gar nicht mehr reagieren.

Da so schnell keine neuen Wirkstoffe auf den Markt kommen werden, sollte man mit dem vorhandenen Arsenal etwas besser haushalten.

Langzeitstudien haben außerdem gezeigt, dass Pferde gar nicht automatisch mit der Zeit verwurmen. Vielmehr stellt sich bei den meisten ausgewachsenen Pferden irgendwann ein Gleichgewicht zwischen Wirt (Pferd) und Parasit (Wurm) ein. Übersetzt auf unsere Ställe bedeutet das, dass statistisch nur etwa 10-20% der Pferde überhaupt einen behandlungsbedürftigen Wurmbefall haben.

In einem Stall mit 100 Pferden sind also im Schnitt nur 10-20 Pferde so verwurmt, dass sie eine Wurmkur brauchen. Die anderen benötigen keinerlei Medikamente in dieser Richtung. Von den 10-20 verwurmten Pferden haben wiederum etwa 80% einen Befall mit Strongyliden, also etwa 8-16 Pferde. Die anderen 2-4 Pferde teilen sich sämtliche anderen Endoparasiten.

Anstatt jetzt also allen 100 Pferden Wurmkuren zu verabreichen, von denen 80 nur eine Zusatzbelastung für den Organismus darstellen, der ja gar keine Würmer hat, sollte man zunächst mal schauen, welche Pferde überhaupt Würmer haben. Das lässt sich anhand von Kotproben darstellen. Hier werden vor allem Strongyliden nachgewiesen, die ja die häufigsten Vertreter sind. Aber auch Spulwürmer, die besonders gerne Jungpferde unter sechs Jahren befallen, lassen sich zuverlässig nachweisen. Schwierig wird es beim Bandwurm, da dieser nur unregelmäßig seine Glieder abstößt und diese dann mit dem Kot ausgeschieden werden.

Sie sind aber deutlich im Kot zu erkenne und wer beim Misten die Augen aufmacht, der sieht einen Befall. Ähnlich wie bei Strongyliden geht man auch beim Bandwurm derzeit davon aus, dass ein gering gradiger Befall für den Organismus kein Problem darstellt. Ein hochgradiger Befall ist dagegen beim Ausmisten oder auch bei mehrfachen Kotproben über einen gewissen Zeitraum nachweisbar.

Hat man Verdacht auf Befall mit Pfriemschwänzen – die zum typischen Schweifrübe-Scheuern führen – sollte man zusätzlich zur Kotprobe einen Analabstrich einschicken. Dieser ist zuverlässiger, da die Eier nur unregelmäßig und mit dem Morgenkot ausgeschieden werden, den man ja nicht unbedingt für die Kotprobe erwischt. Nicht nachweisbar im Kot sind die Dassellarven, das Larvenstadium der Dasselfliege, das den Magen des Pferdes als Zwischenwirt nutzt, um zu überwintern.

Man kann zwar weder Eier noch Larven im Kot nachweisen, aber die meisten Pferdebesitzer kennen die typischen, winzigen gelben Eier, die im Hoch- und Spätsommer im Pferdefell kleben. Sie werden bevorzugt an den Fesseln und Schultern abgelegt, wo das Pferd gut mit seinen Zähnen zum Kratzen hinkommt und sich so infiziert. Hat man im Sommer solche Dassellarveneier im Fell gefunden, dann sollte man – auch unabhängig von der Kotprobe – entwurmen, sobald keine Insekten mehr fliegen.

Nur so kann man den Vermehrungszyklus der Dasselfliege unterbrechen und hat die Chance, dass im nächsten Jahr keine neuen Fliegen schlüpfen können. Denn die Verbreitungsgebiete der Dasselfliege wandern – wo konsequent dagegen entwurmt wird, verschwindet sie nach ein paar Jahren und taucht dafür in benachbarten Regionen auf.

Jetzt im Herbst ist das Thema vor allem Bandwurm (per Sichtkontrolle im Kot nachweisbar) und die Dassellarve (im Sommer anhand der Eier im Fell nachweisbar). Das heißt natürlich nicht, dass ein Pferd sich nicht auch einen anderen Wurminfekt zugezogen haben könnte.

Gerade das Aufstallen für den Winter, Neuzugänge in der Herde, Stallwechsel, andere Infekte (z.B. die derzeit herumgehenden Atemwegsinfekte) und ähnliche Zusatzbelastungen erhöhen das Risiko für einen Wurminfekt. Daher sollte man jetzt unbedingt Kotproben einschicken und untersuchen lassen. Ist ein Pferd hier auffällig, sollte man mit dem dazu passenden Wirkstoff behandeln.

Etwa 14 Tage nach der Wurmkur sollte dann unbedingt eine neue Kotprobe eingeschickt werden, um zu überprüfen, ob die Wurmkur gewirkt hat.

Durch den hohen Anteil an Resistenzen kommt es immer häufiger vor, dass die Wurmkur nicht wirkt. Dann muss mit einem anderen Wirkstoff nochmals entwurmt und wieder 14 Tage später überprüft werden. Erst wenn ein Pferd nachweisbar „im grünen Bereich“ ist, war die Wurmkur erfolgreich. Mehr Infos zum Thema und genaue Anleitung, wie man Kotproben sammelt und worauf man auch sonst achten sollte findet man hier: www.selektive-entwurmung.com. Langfristig lohnt es sich, nicht nur die verschiedenen Hygienemaßnahmen zur Parasitenkontrolle zu beherzigen, sondern auch dafür zu sorgen, dass jedes Pferd einen möglichst gesunden, stabilen Darm und ein intaktes Immunsystem hat. Dann sinkt nämlich das Risiko für einen Parasitenbefall ganz deutlich.

Fazit: Entwurmen ja, aber nur, wenn ein Pferd auch einen Parasitenbefall hat. Die meisten Würmer können per Kotprobe nachgewiesen werden, Bandwurmglieder erkennt man beim Ausmisten im Kot, die Eier von Dasselfliegen im Sommer im Fell des Pferdes. In dem Fall sollte unbedingt nach dem ersten Frost (wenn keine Insekten mehr fliegen) entwurmt werden. Wirkstoffe gezielt einsetzen nach dem nachgewiesenen Befall und 14 Tage später Wirksamkeit des Präparats per Kotprobe kontrollieren!

Leave a Response