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Der Winter naht in großen Schritten und gerade Besitzer:innen alter Pferde stellen sich dann oft die Frage: Was tun, um den Senior gut über den Winter zu bringen? Was muss ich beachten, damit mein Pferd nicht zu sehr abnimmt? Was kann ich tun für Knochen und Gelenke, wenn die Arthrose zwickt?

Mehr zum Thema auf unserer Themenseite: Alte Pferde oder im Geballten Wissen #17 Alte Pferde

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Es wird kälter, die Weiden sind abgefressen und alle Besitzer, die ältere Pferde haben, fangen an sich Sorgen zu machen, ob sie mit ihrem Pferd gut über den Winter kommen, ob er wieder stark abbauen wird usw. Und da geht es natürlich immer darum, wie ich so ein Pferd unterstützen kann.

Ab wann gilt ein Pferd überhaupt als alt? Man sagt normalerweise über 20 Jahre ist ein Pferd biologisch alt. Das gibt aber natürlich immer große Unterschiede. Das hängt unter anderem davon ab, was für ein Leben das Pferd geführt hat, z.B. wie viel Stress es hatte. Ist es im Turniersport gelaufen oder eher Freizeitpferd gewesen? Was hat es vielleicht schon an Krankheiten durchgemacht? Das sind also viele Faktoren, die das beeinflussen.

Es gibt 20-jährige Pferde, die sehen locker aus wie 10-jährige, die sind fit und leistungsfähig und es gibt 20-jährige Pferde, die sehen eher aus wie 30-jährige, die sind müde, abgekämpft und haben kaputte Beine. Also deswegen muss man das immer individuell betrachten. Aber man kann sagen, also biologisch gesehen, ab 20 muss man auf andere Sachen ein Auge haben als einfach bei jüngeren Pferden.

Und deswegen muss man natürlich auch, was die Themen Haltung, Fütterung und Bewegung angeht, also unsere drei großen Themen immer wenn es um die Gesundheit der Pferde geht, ein bisschen anders rangehen bei älteren Pferden als bei jüngeren.

Probleme bei älteren Pferden

Eines der ganz großen Probleme, wenn die Pferde älter werden, ist schlicht und ergreifend im Winter der Gewichtsverlust. Das wissen alle Leute, die ältere Pferde haben. Im Sommer geht es denen meistens relativ gut, wenn sie auf der Weide sind. Sie bauen auf, sie setzen ein bisschen was an und man kann nicht mehr jede Rippe zählen. Aber kaum kommt das schlechte Wetter und der Winter, die Weiden sind zu, fangen sie an, abzunehmen. Im Frühjahr, so März herum, ist man meistens froh, wenn der Tierschutz nicht gerade auf dem Hof steht. Da kommen manche Senioren so was von klapperdünn aus dem Winter, dass man sich wirklich schwere Sorgen machen muss.

Ursachen für den Gewichtsabbau

Es hat im Wesentlichen zwei Gründe, dass die Pferde so massiv abbauen, immer über den Winter. Zum einen ist es das Thema Zahnzustand, zum anderen das Thema Stress.

Zähne als Ursache für Gewichtsabbau

Bei den Zähnen ist es einfach so: Jeder, der sich schon mal ein bisschen damit beschäftigt hat, weiß, dass Pferdezähne ja sehr lang angelegt werden in der Jugend. Das sind also sehr lange Zähne und die nutzen sich an ihrer Oberfläche im Kaubereich ab. Und so wie sie sich abnutzen, schieben sie nach und nach aus dem Kiefer raus.

Und man muss nun mal sagen, biologisch gesehen ist ein Pferd eigentlich in der Natur dafür gedacht, so zwischen vielleicht 16 und 20 Jahre alt zu werden. Dann ist einfach der Zeitpunkt gekommen, wo so ein Pferd dann auch mal irgendwann vom Puma erwischt wird. Und für diesen Zeitraum halten die Zähne auch sehr gut. Aber wenn es dann älter als 20 Jahre ist, dann kommen wir einfach an einen Punkt, wo die Zähne oft zu weit aus dem Zahnfach rausgeschoben sind.

Wackelzähne

Im Wesentlichen haben wir zwei verschiedene Typen mit alten Gebissen. Es gibt die einen Pferde, da schieben die Zähne so weit aus dem Kiefer raus, dass sie irgendwann anfangen zu wackeln. Man merkt es meistens daran, dass sie anfangen schlecht zu fressen und irgendwie noch mehr Röllchen zu machen als gewohnt. Und da muss man immer ein sehr gutes Auge für haben. Also wirklich daneben stehen bleiben, gucken, wie dieses Pferd frisst, was er mit seinem Futter macht. Fällt ihm das alles wieder aus dem Maul raus oder kann es gut und schnell kauen? Wenn man merkt, dass es da Probleme gibt, dann unbedingt als allererstes mal den Zahnarzt rufen, dann kann es sein, dass wieder ein Zahn wackelig geworden ist, weil einfach zu weit aus dem Zahnfach rausgeschoben ist und deswegen einfach keinen Halt mehr hat.

Und so ein wackelnder Zahn, der ist einfach sehr schmerzhaft. Die Pferde können da nicht mehr richtig kauen. So ein Zahn muss dann extrahiert werden. Dann kommt der Zahnarzt und zieht den Zahn raus. Das ist in der Regel auch gar kein großer Aufwand, weil der Zahn ja schon so weit rausguckt und eigentlich schon sehr kurz ist. Der hat ja kaum noch Halt im Zahnfach. Also da muss man nur einmal mit der Zange ansetzen und dann ist er raus. Und in dem Moment, wo der Wackelzahn raus ist, können die Pferde auch gleich wieder besser kauen. Da geht es denen besser.

Nun ist es aber so, wenn dann so ein Zahn fehlt in der Zahnreihe, dann dauert es meistens nicht lange und die Nachbarzähne fangen dann an zu wackeln, weil dort ja eine Lücke entstanden ist und dadurch der Halt fehlt in der Zahnreihe. Und da die anderen Zähne ja schon genauso weit aus dem Zahnfach rausgeschoben sind und genauso wenig Halt haben, dauert es dann oft nicht lange, bis das Thema wieder losgeht. Das Pferd frisst schlecht, macht extrem viele Röllchen. Dann holt man den Zahnarzt, der nächste Zahn wackelt und so verlieren die Pferde nach und nach ihre Zähne, bis sie irgendwann quasi dann nur noch auf dem Kiefer kauen können.

Und das heißt natürlich übersetzt: Die Pferde können einfach kein Heu mehr kauen.

Glatte Backenzähne

Es gibt aber auch alte Pferde, die sind so 35 Jahre alt und haben noch alle Zähne, aber die haben kein Kaumaterial mehr. Die Backenzähne, die sind so eine Raspel. Und diese beiden Raspeln der oberen Backenzahnreihe und der unteren Backenzahnreihe verschieben sich beim Kauprozess gegeneinander und zermahlen dabei das Heu, also die Fasern der Pflanzen.

Und wenn man bei so alten Pferden über die Backenzähne mal drüber geht, dann sind die wirklich blank wie eine Schlittschuhbahn. Da ist einfach kein Raspeleffekt mehr. Und ohne diesen Raspeleffekt können die Pferde eben auch ihr Raufutter nicht mehr zerkleinern. Die kriegen die Fasern nicht zermahlen.

Denen geht es dann plötzlich so wie uns. Wir können das selber mal ausprobieren. Wer mal so einen schönen dicken Heustängel zwischen die Zähne nimmt und versucht, den zu zerkauen, der wird feststellen, dass wir da stundenlang drauf rumknutschen können. Wir kriegen den nicht klein mit unseren Zähnen, weil uns einfach dieser Raspeleffekt fehlt. Und so geht es dann eben auch den alten Pferden.

Selbst wenn die noch ein komplettes Gebiss drin haben, ist da einfach keine Mahlfähigkeit mehr gegeben.

Zufütterung von Heucobs

Das heißt also übersetzt: Je schlechter der Zahnzustand meines Pferdes ist, umso eher muss ich anfangen zuzufüttern. Und zwar als allererstes Heucobs. Das ist besonders wichtig. Je weniger Heu die Pferde kauen können, umso mehr muss ich einfach Heucobs zufüttern.

Das fängt meistens damit an, wenn sie älter werden, dass sie einfach langsamer fressen als andere Pferde und damit natürlich im Laufe eines Tages nicht mehr die Menge zu sich nehmen.

Und das muss man dann einfach mal auswiegen, wenn man das Gefühl hat, das Pferd bekommt eigentlich Heu satt, hat immer rund um die Uhr Heu zur Verfügung und wird trotzdem von Tag zu Tag ein bisschen weniger. Dann einfach mal das Pferd für 24 Stunden separat stellen und das Heu abwiegen, was man dem Pferd gibt. Dann einfach vorher und nachher wiegen und dann sieht man, wie viel das Pferd gefressen hat.

Menge an Heucobs

Und normalerweise muss man davon ausgehen, dass die Pferde so zwischen 2 und 3 kg je 100 kg Körpergewicht fressen sollten. Das heißt, wenn ich ein 500 kg Pferd habe, dann sollte der zwischen 10 und 15 kg Heu in 24 Stunden fressen. Und wenn die Menge davon abweicht, dann weiß ich, dass es Zeit wird, Heu zuzufüttern. Da gilt immer, dass man das an Trockenmenge einwiegt, was das Pferd an Heu nicht mehr fressen kann. Also wenn ich sage, der müsste eigentlich ein Minimum von 10 kg Heu am Tag fressen, der kriegt aber nur noch 8 kg runter, dann muss ich mindestens zwei Kilo Trockengewicht Heu einwiegen und dann einweichen und verfüttern, um das auszugleichen.

Da sind wir dann eben noch bei der Mindestmenge. Das heißt also mit den Heucobs nicht zu geizig sein, ruhig etwas großzügiger füttern bei den alten Pferden, da werdet ihr merken, dass es denen deutlich besser geht, wenn ihr etwas mehr gebt. Beispielsweise bei Minimum 10 kg, die mein 500 kg Pferd haben muss, 8 kg Heu frisst er aber nur. Wenn ihr dem nicht nur 2, sondern vielleicht 3-5 kg im Laufe des Tages verfüttert, an Heucobs, dann werdet ihr merken, dass er auch wieder aufbaut und es dem schon wieder besser geht. Und dann steht er auch nicht mehr ganz so verzweifelt vor seinem Heu, weil er einfach da nicht genug reinkriegt.

Eiweiß in der Ration

Weil das den Pferden auch tatsächlich einen gewissen Stress macht, wenn sie nicht mehr richtig kauen können. Und das ist dann gleich unser nächstes Thema. Dann haben wir natürlich bei den alten Pferden immer so ein bisschen das Problem, nicht nur die Energiezufuhr zu gewährleisten, sprich Heu plus Heucobs geben, sondern auch ein bisschen mehr Eiweiß in die Ration einzurechnen. Das gilt immer für die ganz jungen und für die ganz alten. Da gibt es nämlich eine ganze Menge Ähnlichkeiten in der Versorgung.

Meistens reicht der Eiweißgehalt im Heu für die Senioren nicht mehr so richtig aus. Das heißt, die Muskulatur wird doch immer weniger. Das heißt, die Rippen sehen zwar irgendwie ganz gut aus vom Gewichtszustand, aber irgendwie wird der Rücken und die Kruppe dann doch immer weniger. Und deswegen sollte man bei den Pferden auch schauen, dass man den Eiweißgehalt in der Ration etwas hoch setzt. Das kann man ganz gut erreichen mit eiweißreichen Pflanzen.

Klassischerweise wurde immer die Luzerne gegeben bei uns in den letzten Jahren. Was aber noch deutlich besser funktioniert, ist sozusagen die kleine Schwester der Luzerne, die Esparsette. Die hat ein noch etwas besseres Eiweißmuster als die Luzerne, außerdem enthält sie auch Gerbstoffe. Und diese Gerbstoffe sorgen dafür, dass das Darmmilieu stabilisiert wird, was gerade bei den alten Pferden eine wichtige Sache ist, weil auch die Peristaltik bei denen nicht mehr so richtig rund läuft. Und damit kann die Gesamtration dann ein bisschen besser verwertet werden. Deswegen also ruhig ein bisschen Esparsette mit reingeben in das Futter natürlich jetzt nicht gleich den riesen 50 kg Kübel am Morgen hinstellen und sagen: „So in zwei Stunden hast du aber aufgegessen und dann will ich dich zu den anderen stellen“, sondern am besten natürlich über mehrere kleine Mahlzeiten verteilen.

Wer das organisatorisch über einen Tag nicht hinbekommt, da ist es dann manchmal ganz sinnvoll, alte Pferde am Tag in der Gruppe laufen zu lassen, wo sie mit am Heu knabbern können und abends dann separat zu stellen, wo man dann einfach wirklich einen großen Kübel reinstellen kann mit den Heucobs und eingeweicht gleich die Esparsette Cops mit drin und dann können die Pferde da ganz in Ruhe über Nacht das fressen. Das ist also immer eine ganz gute Alternative. Wenn das Pferd die Esparsette nicht so gut frisst, wenn sie vielleicht zu bitter ist, der kann ausweichen auf die Vitalcobs. Das ist auch eine ganz spannende Sache. Das ist nämlich eine Leguminosen-Mischung. Da ist jetzt auch ein kleines bisschen Esparsette drin, aber natürlich nicht so viel. Dazu sind eben verschiedene andere eiweißreiche Pflanzen drin, verschiedene Kräutersorten. Und das ist also auch eine ganz gute Alternative, wenn man mehr Eiweiß braucht. Dann kann man gut auf die Vitalcobs setzen.

Kraftfutter

Was überhaupt nichts bringt, um die alten Pferde im Gewicht zu halten, das ist, denen Kraftfutter reinzufüttern.

Kraftfutter also ob das jetzt Hafer, Gerste Müsli ist, muss in Bewegung umgesetzt werden. Das heißt, Kraftfutter enthält im Wesentlichen Stärke. Stärke wird im Darm in Zucker zerlegt wird und muss in Bewegung umgesetzt werden. Wenn ich den alten Pferden Kraftfutter gebe und sie nicht entsprechend im Sport reite, was man ja normalerweise mit dem Rentner nicht mehr macht, dann kann ich mir bei den Pferden eine Insulinresistenz ran füttern. Also das, was man früher bei uns als Altersdiabetes bezeichnet hat, das kann ich den Pferden damit ran füttern, wenn ich den Kraftfutter gebe. Also da sollte man tunlichst die Finger von lassen. Deshalb gehört Getreide zum Thema Bewegung und Sportreiterei. Bei den alten Pferden lieber auf das Eiweiß setzen.

Ölfütterung

Was auch überhaupt nichts bringt, sondern eher schadet, ist die Fütterung von Öl. Auch das wird ja gerne gemacht. Dann möchte man mit einem Schuss Öl die Energiedichte erhöhen und damit kriegen wieder Gewicht ans Pferd bekommen. Genau das Gegenteil ist der Fall. Pferde können Öl nur sehr eingeschränkt verdauen im Dünndarm. Das macht uns also große Probleme, nicht nur bei der Dünndarm Verdauung, sondern auch im Dickdarm. Weil Öl im Dünndarm nicht effizient verdaut werden kann, wird es mit durchgeschleppt in den Dickdarm. Im Dickdarm ist Öl dann toxisch für die Darmflora. Das heißt, es killt mir dann auch noch die Mikroorganismen, die ich eigentlich brauche, damit mein Pferd aus Heu und Heucobs ausreichend Energie gewinnen kann.

Also Ölfütterung heißt immer rechnerisch zwar mehr Energie in der Ration, rein praktisch kommt aber deutlich weniger Energie im Pferd an, als wenn ich kein Öl ins Futter reingemacht hätte. Deswegen lass die Finger davon. Zu diesen ganzen Futtermitteln haben wir auch eigene Podcasts, wenn euch das interessiert. Es gibt einen schönen Podcast über die Esparsette. Es gibt auch einen zum Thema Ölfütterung. Da gibt es sogar einen Film über das Thema Ölfütterung. Da könnt ihr gerne mal reingucken, euch das anschauen, da wird das noch mal ein bisschen im Detail erklärt.

Zusammenfassung

Also von der Fütterung her, schaut, dass die Pferde immer ausreichend Heu haben, dazu Heucobs, angepasst an das, was die Pferde nicht mehr fressen können. Ihr könnt das Eiweiß ein bisschen aufpeppen mit Esparsette oder mit Vitalcobs.

Nährstoffaufnahme im Darm sinkt

Und schaut darauf, dass die Pferde auch immer ausreichend Mineralfutter bekommen. Denn ab einem gewissen Alter, so ab 20 Jahre, werden die Nährstoffe nicht mehr so effizient im Darm resorbiert. Das heißt, es bleibt quasi mehr im Nahrungsbrei drin und wird mit dem Kot ausgeschieden, als bei jüngeren Pferden. Und deswegen muss man da durchaus auch das Mineralfutter ein bisschen höher dosieren. Da sollte man dann schon schauen, dass man auf ein Senior Mineralfutter wechselt. Das ist einfach höher konzentriert, sodass ich am Ende tatsächlich genügend im Pferd habe. Damit kriegt ihr die Pferde auf jeden Fall schon mal ganz gut über den Winter, was die Fütterung angeht, auch bei schlechtem Zahnzustand.

Stress

Wenn es aber um das Thema Gewichtsmanagement bei den Rentnern geht, haben wir nicht nur das Thema Zähne, sondern auch ganz wichtig das Thema Stress. Denn Stress sorgt dafür, dass der Körper in einen sogenannten katabolen Stoffwechsel geht. Katabol heißt abbauender Stoffwechsel im Gegensatz zum anabolen Stoffwechsel. Anabol heißt aufbauend. Jetzt nicht an den Bodybuilder mit den Anabolika denken, aber im Wesentlichen geht es schon in die Richtung.

Das heißt, wenn das Pferd in Ruhe ist und ein entspanntes Leben hat mit genug zu fressen, dann ist es im anabolen Stoffwechsel. Das heißt, es kann das, was es an Nährstoffen aufnimmt, auch tatsächlich umsetzen. Es kann Körpermasse aufbauen, kann Reserven anlegen. Und in dem Moment, wo ein Pferd unter Stress steht, geht es in den katabolen Stoffwechsel. Dann kann es also Nährstoffe nicht mehr richtig verwerten und treibt eigentlich einen Raubbau an den eingelagerten Reserven.

Ein junges Pferd kann das immer noch relativ gut kompensieren, wenn es Stress hat. Die können das noch wegstecken, weil sie einfach genügend Reserven haben und auch der Darm gut genug arbeitet.

Bei den alten Pferden, wo ja schon die Aufnahme der Nährstoffe im Darm altersbedingt nicht mehr so gut ist (Malabsorptionssyndrom), haben wir dann zusätzlich das Problem, dass sie sehr schnell zusammenfallen, wenn sie Stress haben.

Varianten von Stress

Stress kommt in vielen Varianten vor. Stress gibt es sowohl in extrinsischer als auch in intrinsischer Form.

Extrinsischer Stress ist der, der von außen kommt. Äußerer Stress kennen wir alle. Ein stressiger Job, stressiger Straßenverkehr, das ist typischer äußerer Stress.

Es gibt auch den inneren Stress. Also der Stress, den sich Pferde selber machen. Es gibt ja Pferde, die haben so ein hohes inneres Stresslevel, dass sie ein bisschen hypernervös sind. Es können aber auch zum Beispiel chronische Schmerzen sein. All das können Stressauslöser sein.

Und je stressfreier ich das Leben von meinem Senior gestalten kann, umso besser funktioniert das Ganze eigentlich. Dafür heißt es immer, dass man sich das Thema Haltung anguckt.

Haltung als Stressauslöser

Haltung ist ganz wichtig, denn mit einer für dieses Pferd unpassenden Haltungsform kann ich eine Menge Stress auslösen. Auf der einen Seite heißt es ja immer bei den alten Pferden: Bewegung, Bewegung, Bewegung. Das ist ganz wichtig wegen der Arthrose. Und das stimmt auch. Das Beste, was ich gegen Arthrose tun kann und vor allem gegen Arthrose-Schmerzen ist es, die Pferde in Bewegung zu halten.

Also sagt man: ab in den Offenstall. Wenn ich jetzt aber ein Pferd habe, was 15 Jahre seines Lebens in einer Box gestanden hat und jetzt plötzlich mit 20 Jahren zieht es um in den Offenstall, dann haben solche Pferde oft massiven Stress. Sie wurden ja über 15 Jahre eigentlich desozialisiert. Die können beispielsweise die Körpersprache der anderen nicht mehr richtig lesen.

Dann geraten sie mit anderen Pferden aneinander und das in einem Alter, wo sie selber schon nicht mehr so fit sind, sich zur Wehr zu setzen. Da wird es schwierig. Und selbst bei Pferden, die ihr Leben im Offenstall verbracht haben, bemerkt man oft vor allem in großen Gruppen und in Ställen, wo sehr viel Wechsel ist, dass diese alten Pferde mit der Zeit immer weiter in der Rangordnung nach unten purzeln.

Je älter die Pferde werden, umso schwerer können sie sich zur Wehr setzen. Und jeder Wechsel in der Herde, egal ob ein neues Pferd reinkommt oder ob ein Pferd auszieht, sorgt immer dafür, dass die ganze Rangordnung neu sortiert wird. Und die alten Pferde ziehen dabei immer den Kürzeren. Je größer die Gruppen sind, umso größer ist das Gerangel in den Gruppen, gerade wenn auch noch wenig Platz zur Verfügung steht. Wenn ich da 20 Pferde in einem Offenstall stehen habe, der eigentlich mal ursprünglich für 10 Pferde konzipiert war, dann kann das junge Pferd sich noch ganz gut durchsetzen. Aber das alte Pferd hat da einfach ein Problem. Da tue ich dem überhaupt keinen Gefallen damit.

Da muss ich also genau schauen: Passt diese Haltung für mein Pferd? Es kann durchaus sein, dass die Pferde irgendwann in ein Alter kommen, wo ich sagen muss: Nee, das geht so nicht mehr. Es gibt ganz viele alte Pferde, denen ich einen riesen Gefallen tue, wenn ich die abends aus der Offenstallgruppe rausnehmen und über Nacht in die Box stelle. Dann haben die einfach ihren Schlafplatz über Nacht mit einem dicken Strohbett, wo sie sich vernünftig hinlegen können. Da können sie in Ruhe schlafen und sind vor Wind und Wetter geschützt.

Narkolepsie

Eine entspannte Umgebung, wo die Pferde ganz in Ruhe fressen können, ohne dass sie ihr Futter verteidigen müssen oder von jemand anders weggetrieben werden, spart auch Energie. Da werdet ihr merken, dass es auch gerade Pferden, die Narkolepsie haben, besser geht. Bei Narkolepsie brechen die Pferde beim Dösen zusammen.

Man weiß heute, dass es echte Narkolepsie gar nicht gibt. Aber beim Dösen brechen diese Pferde zusammen. Das hat gar nichts mit Narkolepsie zu tun, sondern die Pferde haben schlichtweg Schlafmangel.

Es ist in Studien gezeigt worden, dass die Pferde zu wenig dazu kommen, im Liegen Tiefschlaf zu halten. Und das muss ich den Pferden soweit es geht wieder ermöglichen. Die Ursache für Schlafmangel ist tatsächlich bei älteren Pferden die Unruhe im Offenstall, dieses Rumscheuchen von Futterplätzen und Wegscheuchen von Schlafplätzen. Die Alten wollen sich nicht draußen im Matsch in den Regen legen, da erfrieren die. Die haben nicht genügend Energie zum Heizen übrig. Deshalb schlafen die im Stehen und irgendwann klappen sie einem zusammen.

Das merkt man oft daran, dass sie anfangen, kreisrunde Löcher an den Vorderbeinen an den Fesselköpfen oder an den Karpalgelenken zu bekommen. Das sind so kreisrunde Wunden, die irgendwann ganz wulstig werden am Rand und auch nie richtig abheilen. Und das ist immer ein ganz starkes Hinweiszeichen dafür, dass die Pferde nicht mehr im Liegen schlafen.

Stressreduktion

Dann wird es allerspätestens Zeit, die Pferde über Nacht aus der Gruppe zu nehmen und über Nacht in die Box zu stellen, die dick eingestreut ist. Die dicke Einstreu sorgt dafür, dass sie einerseits gut schlafen können, eine gute Isolation haben, als auch andererseits dass sie gut wieder aufstehen können. Das ist also auch ganz wichtig, dass der Boden rutschfest ist.

Und dann nehme ich ganz viel Stress raus aus dem Leben dieses Pferdes. Das merkt man deutlich. Außerdem nehme ich natürlich Stress raus, wenn die Pferde dann über Nacht richtig viel zu fressen haben, auch richtig viele Heucobs bekommen. Dann haben sie nämlich nicht den Stress, die ganze Zeit Heu in sich reinstopfen zu müssen, was sie eigentlich gar nicht mehr gut kauen können. Das sorgt dafür, dass die Pferde dann tatsächlich auch wieder besser aufbauen können, wenn sie richtig zum Schlafen und richtig zum Fressen kommen und einfach ihre Ruhezeiten haben.

Schmerzen als Stressursache

Magengeschwüre

Die andere mögliche Stressursache sind immer auch Schmerzen. Auch da muss man gut hingucken. Wir haben bei alten Pferden viel mit dem Thema chronische Schmerzen zu tun.

Chronische Schmerzen haben die Pferde zum Beispiel, wenn sie schon seit vielen Jahren mit einem Magengeschwür rumlaufen. Also gerade so Pferde, die viel Stress vorher in ihrem Leben hatten. Das können rangniedrige Pferde im Offenstall gewesen sein oder ehemalige Sportpferde. Wir haben sehr viele Pferde mit Magengeschwüren und das ist chronischer Schmerz. Wenn jetzt das alte Pferd in der Offenstallgruppe auch noch rumgescheucht wird, hat es natürlich noch mehr Stress und dann wird das Magengeschwür eher noch schlimmer als besser. Magengeschwüre ist ein komplexes Thema. Da haben wir einen eigenen Film zu gemacht, den könnt ihr euch gerne mal angucken. Da erklären wir euch, wo die herkommen, und was man auch sinnvoll dagegen tun kann? Magengeschwüre betrifft ja nicht nur alte Pferde.

Arthrose

Und das andere ganz wichtige Thema ist Arthrose. Arthrose ist tatsächlich eher ein Thema, was dann wirklich bei den alten Pferden vorkommt. Man kann davon ausgehen, dass eigentlich alle Pferde so ab 16 Jahre spätestens Veränderungen an den Gelenken zeigen. Das heißt jetzt nicht, dass die hochgradig lahm sind, aber wenn man ganz genau hinguckt, dann sieht man schon erste Anzeichen. Das sind einfach normale Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen.

Je mehr Kilometer so ein Pferd auf den Füßen hat, umso mehr Verschleiß haben die Gelenke. Das sind besonders Pferde, die wirklich viel im Sport gelaufen sind, gerade Springsport und sowas, was halt doch sehr viel Belastung auf die Gelenke bringt. Dazu gehört auch der große Fahrsport und was mit viel Drehbewegung. Das ist viel Belastung für die Gelenke. Die fangen dann etwas früher an als das Freizeitpferd, das eigentlich sein ganzes Leben lang im Offenstall rumgestanden hat. Das fängt ein bisschen später an, aber ich sag mal, so ab 20 Jahren haben sie alle mit der Arthrose zu tun.

Arthrose ist einfach eine Degeneration des Gelenkknorpels. Das kann man auch nicht rückgängig machen. Man kann diesen Gelenkknorpel nicht wieder aufbauen. Alles was man machen kann, ist das Hemmen der Entzündungen, sodass der Knorpelzerfall verlangsamt wird. Und man kann Nährstoffe geben, damit wenigstens Ersatzknorpel aufgebaut wird. Das ist zwar kein echter Gelenkknorpel, der da gebildet wird, sondern es ist ein Faserknorpel, der gebildet wird. Aber der ist zumindest schon mal besser als gar nichts im Gelenkspalt.

Knorpelaufbau bei Arthrose

Zum Thema Knorpelaufbau wird ja wahnsinnig viel am Markt verkauft mittlerweile, was man so verfüttern kann. Leider funktioniert vieles überhaupt nicht. Es gibt Studien, die zeigen, dass zum Beispiel verfütterte Hyaluronsäure jetzt nicht wirklich im Gelenkknorpel ankommt. So zeigt es da auch keinen Effekt, also zumindest  kann man keinen statistisch signifikanten Effekt nachweisen.

Was tatsächlich hilft laut wissenschaftlichen Studien, ist Glucosaminsulfat. Das ist Knorpelnährstoff und der wird tatsächlich nicht verdaut, sondern wird aufgenommen und direkt dann dem Knorpel als Nährstoff zur Verfügung gestellt. Also das funktioniert tatsächlich sehr gut. Da gibt es Produkte, die Glucosaminsulfat enthalten. Ihr müsst aufpassen, dass es Glucosaminsulfat ist und nicht Glucosamin HCl. Klingt ganz ähnlich, ist aber eine ganz andere Geschichte. Das Glucosaminsulfat kann der Knorpel so verwenden, das Glucosamin HCl nicht. Das ist halt viel billiger. Deswegen wird es von vielen Herstellern lieber verkauft. Das ist also so ziemlich das einzige, was man geben kann.

Dieses Glucosaminsulfat ist der Wirkstoff, der im Grünlippmuschelextrakt drin ist. Und das kann man gut geben statt jetzt Muscheln zu verfüttern, denn Grünlippmuschelextrakt ist nichts anderes als gemahlenes Muschelfleisch.

Deswegen stinkt das auch so und deswegen wollen die Pferde das auch nicht fressen. Statt jetzt Muscheln in das Vegetarier Tier Pferd reinzufüttern, sollte man tatsächlich lieber auf reines Glucosaminsulfat setzen. Das wird gerne gefressen, da haben die kein Problem mit und ich habe den Wirkstoff eben in konzentrierter Form.

Entzündungshemmung bei Arthrose

Das andere ist das Thema Entzündungshemmung. Hier gibt es gewisse Abstufungen. Wenn ich einen habe, der nur so ganz milde mit Arthrosen zu tun hat, dann kann ich dem meistens ganz gut helfen, wenn ich so eine kleine Handvoll Hagebutten mit füttere jeden Tag. Hagebutten haben eine milde entzündungshemmende Wirkung auf Gelenkentzündungen. Das funktioniert bei vielen Fällen schon ganz gut. Blöd ist halt, dass nicht alle Pferde Hagebutten fressen wollen. Manche spucken sie einem vor die Füße. Aber gerade wenn man sowieso Heucobs verfüttert, kann man die da ganz gut noch reinrühren und dann fressen es die Pferde auch mit. Hagebutten sind eigentlich für alle Pferde geeignet.

Teufelskralle als Entzündungshemmer

Ganz im Gegensatz zur Teufelskralle. Teufelskralle ist ein genial guter Entzündungshemmer bei Arthrose-Entzündungsschmerzen. Allerdings ist es nicht geeignet für Pferde mit Magengeschwüren. Da sind wir dann wieder bei dem Thema Magengeschwüre. Also wenn ich den Verdacht habe, dass mein Senior auch Magengeschwüre haben könnte, sollte ich von der Teufelskralle lieber die Finger lassen. Alle anderen können das gerne bekommen. Teufelskralle braucht etwa zwei Wochen, bis sie ihren vollen Wirkstoffgrad erreicht hat. Das ist also eher was für eine etwas längerfristige Gabe geeignet.

Normalerweise so für Phasen von 4 bis 6 Wochen, in Ausnahmefällen vielleicht auch mal 8 Wochen. So kann man die Pferde ganz gut über die nasskalte Zeit zu bringen. Denn Arthroseschmerzen sind vor allem bei nasser Kälte schlimm. Trockene Kälte ist gar nicht so schlimm. Deswegen ist Teufelskralle gut so ganz typisch für die Zeit um Oktober, November. Dezember und Januar geht es dann bei vielen Fällen ganz gut, wenn wir halten, relativ kalten trockene Winter kriegen und dann geht’s meistens so Februar März noch mal los. Bei nasskaltem Wetter, da wird die Arthrose noch mal schlimm. Da kann man also dann die Teufelskralle sehr schön kurweise den Pferden geben.

CBD-Öl als Entzündungshemmer

Was mache ich jetzt mit meinem Magengeschwür-Kandidaten? Auf gar keinen Fall Schmerzmittel vom Tierarzt geben, denn diese ganzen nichtsteroidalen Antiphlogistika (engl: non-steroidal anti-inflammatory drugs, kurz NSAIDs) fördern das Entstehen von Magengeschwüren. Deswegen sollte man die immer nur ganz kurz geben. So drei bis höchstens fünf Tage und länger nicht. Das ist also denkbar ungeeignet. Man kann bei solchen Pferden ausweichen auf CBD-Öl. CBD-Öl ist momentan ein bisschen schwierig zu kriegen, weil die Futtermittelbehörde da gerade gegen vorgeht. Die hat das von der Futtermittelliste gestrichen. Deswegen muss man ein bisschen schauen, wo man das noch herbekommt. Gegebenenfalls bekommt man es nicht als Futtermittel.

CBD-Öl ist nicht dasselbe wie Hanföl, sondern hier wird ein Auszug gemacht, ein Extrakt, der hoch angereichert ist mit CBD und das wird dann zu einem Trägeröl dazugemischt. Da kann man sich dann so ein hochkonzentriertes, am besten so ein 20-prozentiges holen und das dem Pferd nach Anweisung des Herstellers geben. Es ist gar nicht viel, was das Pferd da pro Tag braucht. Und das spannende ist, dass dieser Wirkstoff, dieses CBD eigentlich in derselben Schmerzkaskade oder Schmerz-Unterdrückungskaskade ansetzt wie die Schmerzmittel vom Tierarzt.

Nur der Unterschied ist der, dass die Schmerzmittel vom Tierarzt ganz weit oben an in dieser Schmerzkaskade ansetzen und die vom CBD ganz weit unten. Das heißt, ich habe eine vergleichbare schmerzhemmende Wirkung, aber ohne dass das CBD-Öl Magenschmerzen verursachen würde oder Magengeschwüre fördern würde. Und deswegen ist das eben auch für Pferde mit empfindlichen Magen gut geeignet. Das kann man dann auch unter einer Hand voll Heucobs unterrühren, da wird das problemlos aufgefressen.

Da sind also die Sachen, die man ganz gut gegen die Arthrose machen kann. Ansonsten natürlich viel ruhige Bewegung ist immer ganz wichtig, auch bei den Boxen. Wenn das Pferd über Nacht in eine Box gestellt wird, darauf achten, dass die Box nicht zu klein ist, sodass das Pferd noch ausreichend Platz hat, sich zu bewegen.

Herz-Kreislauf Probleme

Dann haben wir natürlich noch immer das bei alten Pferden ganz wichtige Thema Herz-Kreislauf Probleme. Und das ist ein Thema, was oft viel zu wenig beachtet wird, auch gerade von tierärztlicher Seite. Es gibt da einige Untersuchungen mittlerweile dazu, die zeigen, dass im Schnitt etwa 40 % der Pferde Herz-Kreislauf Probleme haben, ohne dass es im Alltag festzustellen ist.

Das merkt man dann meistens nur bei Untersuchungen unter Belastung. Aber es ist so, dass eigentlich die Pferde auch hier wieder so ab 16 Jahren anfangen, eine sogenannte linksseitige Herzinsuffizienz zu entwickeln. Das wird auch als Altersherz bezeichnet. Und wer schon mal einen alten Hund hat oder eine alte Katze hatte, der kennt das. Da geht man dann irgendwann zum Tierarzt, weil das Tier so schlecht Luft kriegt. Und dann heißt es dann vom Tierarzt: „Ja da ist Wasser in der Lunge. Wir haben ein Altersherz, da geben wir jetzt was für das Herz und was entwässerndes und dann geht das wieder.“

Linksseitige Herzinsuffizienz

Und so ist das eben bei den Pferden auch. So mit 16 Jahren geht es dann meistens langsam los. So ab 20 Jahren kann man davon ausgehen, dass alle so ein bisschen ein Altersherz haben, eben linksseitige Herzinsuffizienz. Und das heißt übersetzt, dass die linke Herzhälfte nicht mehr ganz dicht schließt. Die Klappen schließen nicht mehr dicht. Das heißt, wenn das Blut aus dem Herz ausgeworfen wird in den Körperkreislauf, dann fließt anschließend immer ein kleines bisschen wieder zurück in das Herz.

Das bedeutet auf der einen Seite, dass das Herz nicht mehr genug Druck auf das Leitungssystem kriegt. Das heißt, dass die Pferde auch die Kreislaufschwäche haben. Und das andere ist, dass dadurch natürlich nicht mehr so viel Blutvolumen transportiert werden kann, weil ja immer ein bisschen Blut zurückfließt. Es kann halt nicht so viel reinfließen in die Herzkammer und deswegen ist dann halt das, was in den Körperkreislauf gepumpt wird, einfach ein bisschen weniger.

Und das zusammen sorgt dann dafür, dass das auch wieder Auswirkungen im Rest des Körpers hat. Zum einen hat das immer Auswirkungen auf die Nieren, denn die Nieren brauchen einen entsprechenden Blutdruck, damit sie das Blut filtern und Harn produzieren können, damit sie also die Giftstoffe herausholen können. Deswegen zeigen viele alte Pferde Frühmarker für Nierenprobleme. Denen hilft es dann nicht nur, wenn man die Nieren unterstützt mit Entschlackungskräutern, sondern wenn man vor allem auch das Herz unterstützt. Dann merkt man, dass die Nieren wieder besser arbeiten.

L-Carnitin zur Verbesserung der Herzleistung

Deswegen kann man also bei alten Pferden ruhig gerade über den Fellwechsel, der nierenbelastend ist, auf der einen Seite Entschlackungskräuter füttern. Die unterstützen die Nierenfunktion. Aber auf der anderen Seite sollte man auch das Herz unterstützen. Und das funktioniert sehr gut mit L-Carnitin. L-Carnitin kommt eigentlich aus dem Leistungssport und wird dort gerne eingesetzt, um die Ausdauer der Muskulatur zu steigern.

Man hat festgestellt, dass es nicht auf die Skelettmuskulatur eine leistungssteigernde Wirkung hat, sondern eben auch auf den Herzmuskel. Und gerade bei alten Pferden mit einem Altersherz, führt das dazu, dass die Herzleistung sich wieder verbessert. Das passiert natürlich im Rahmen. Da wird aus dem 30-jährigen kein 3-jähriger mehr, da müssen wir nicht drüber reden. Aber ich kriege die wieder ein bisschen verbessert, wenn ich das immer mal wieder kurweise gebe. Dann bekommt das Herz wieder eine bessere Pumpleistung und damit die funktionieren Nieren besser und damit übrigens auch die Verdauung.

Kolikrisiko bei Herzschwäche

Wir sehen immer wieder, wenn die Pferde Herz-Kreislauf Probleme haben, dann kriegen die oft auch Probleme mit der Peristaltik. Dann steigt gerne mal das Kolikrisiko. Kolik ist auch etwas, was gerne mit Herz-Kreislauf Problemen einhergeht. Und zwar nicht nur eine Verstopfungskolik, die kann schon auch mal vorkommen, weil die Peristaltik nicht mehr schnell genug arbeitet. Aber was wir bei den alten Pferden viel häufiger haben, das sind diese Wetterumschwungskoliken, also diese Kreislaufkoliken, wenn das Wetter umschlägt.

Die Leute im süddeutschen Raum kennen das. Wenn Föhn-Wetter angesagt ist, dann rennen die ganzen Seniorenbesitzer schon in den Stall und kochen Mash in der Hoffnung, dass sie damit die Kolik, die immer bei Föhn-Wetter auftaucht, bei ihrem Pferd abfangen können. Und das ist nicht nur bei Föhnwetterlagen, sondern insgesamt oft dann, wenn das Wetter umschwenkt. Gerade so auf schwül-warmes Wetter haben dann die Rentner gerne Probleme.

Unterstützung bei Kreislaufkolik

Gegen solche Kreislaufkoliken kann man vorgehen auf zwei Wegen.

Zum einen natürlich kann man immer das Herz stärken, also immer wieder Kuren machen mit L-Carnitin. Das ist eine sehr schöne Unterstützung.

Auf der anderen Seite kann man, auch wenn die Pferde gerade akut in der Kreislaufkolik sind, löslichen Kaffee geben. Jeder Seniorenbesitzer sollte etwas löslichen Kaffee in seiner Stallapotheke haben. Es gibt so kleine Espresso Sticks. Natürlich ist es wichtig, darauf zu achten, dass sie bitte mit Koffein sind und nicht ohne, denn Koffein geht durch die Schleimhaut, geht direkt ins Blut und bringt den Kreislauf in Schwung.

Und das funktioniert also sehr gut bei einem Pferd mit Kreislaufkolik, wo also die Schleimhäute blass sind und wo die kapillare Rückfüllzeit zeitverzögert ist.

Als allererstes den Tierarzt anrufen und dann im zweiten Schritt kann man seinen löslichen Kaffee holen. Das schmiert man dem Pferd direkt auf die Maulschleimhaut. Also Lippe hoch, Kaffee drauf reinreiben und dann geht das Koffein ins Blut. Die meisten Pferde, die nur Kreislaufkolik haben und keine anderen Komplikationen mit dabei, die kommen dann relativ schnell wieder auf die Füße.

Oft sind die schon wieder auf den Beinen und munter, wenn dann der Tierarzt kommt. Bei Kolik ist es ja gut, lieber einmal zu oft den Tierarzt zu rufen als irgendwas übersehen zu haben. So kann man den alten Pferden ganz gut helfen. Wenn sie Koffein bekommen haben, dann interferiert das auch nicht mit Medikamenten, die der Tierarzt gibt oder mit OPs oder was eventuell sonst noch ansteht. Also das ist ein ganz gutes Hausmittel, wenn der Kreislauf wegklappt, dass man die wieder ein bisschen fitter machen kann.

Zusammenfassung

Und das ist also das, was man so beachten sollte, um seinen Senior gut über den Winter zu bekommen.

Schaut unbedingt, dass ihr Stress reduziert auf allen Ebenen. Sowohl den Stress, der eventuell aus der Haltung entsteht, aus Schlafmangel, aus Futterneid als auch Stress durch chronische Schmerzen. Schaut, dass ihr die Arthrose im Griff behaltet mit entsprechend entzündungshemmenden Mitteln oder auch Knorpel aufbauenden Mitteln.

Guckt, dass ihr den Pferden genügend Heucobs zur Verfügung stellt, genügend Eiweiß über Esparsette oder Vitalcobs. Achtet auf die Mineralversorgung mit einem vernünftigen Senior-Mineralfutter und schaut, dass ihr den Kreislauf in Schwung haltet und immer mal wieder kurweise L-Carnitin füttert.

Dann werdet ihr auch merken, dass auch die Peristaltik wieder ein bisschen besser funktioniert. Der Kot sieht ein bisschen besser aus, die Pferde sind ein bisschen wacher, ein bisschen munterer. Da tut sich dann einiges und dann hoffen wir, dass wir im Sinne der Rentner einen relativ milden Winter bekommen. Dass es also nicht zu hart wird und wir alle unsere alten Pferde gut durch die kalte Jahreszeit bekommen und sie fit wieder in den Frühling starten können.

Ja, da sind wir schon wieder am Ende mit unserem Podcast über die alten Pferde und wie man sie gut über den Winter bringt. Ich hoffe es hat euch gefallen und euch wieder neue Informationen gegeben.

Team Sanoanimal