Ja, Esparsette, was ist das eigentlich? Ist sie gut oder ist sie schädlich? Woher kommt sie eigentlich? Warum gibt man sie? Da sind ganz, ganz viele Fragen. Die einen loben sie in den Himmel. Die anderen verteufeln sie. Was hat es eigentlich auf sich mit dieser Pflanze?

Wenn du es bevorzugst, diesen Podcast zu lesen, dann geht es hier weiter:

Esparsette ist eigentlich eine ganz alte Pflanze, sie ist so ein bisschen was wie die kleine Schwester der Luzerne, das heißt, sie gehört in dieselbe Familie wie die Luzerne, in die Familie der Leguminosen. Und diesen Leguminosen ist allen gemein, dass sie an ihren Wurzeln spezielle Bakterien ansiedeln, die Stickstoff aus dem Boden verfügbar machen. Das führt dazu, dass alle Leguminosen-Pflanzen einen deutlich höheren Eiweißgehalt haben als andere Pflanzen. Dadurch, dass sie mehr Stickstoff aus dem Boden aufnehmen können, können sie entsprechend mehr Eiweiß aufbauen. Also hat auch die Esparsette genauso wie die Luzerne einen deutlich erhöhten Eiweißanteil. Das ist der Grund, warum man sie schon in früheren Zeiten angebaut hat, ganz explizit als Pferdefutter. Die Esparsette heißt in anderen Sprachen nicht ohne Grund „sain foin“, übersetzt „gesundes Heu“. Als genau das ist sie auch entsprechend angebaut und verfüttert worden, nämlich als das bessere Pferdeheu, als Ergänzung zum Heu, als Raufutterergänzung, um eben hochwertigeres eiweißreicheres Futter für die arbeitenden Pferde zur Verfügung zu stellen.

Die Esparsette ist dann weitgehend in Vergessenheit geraten, nachdem ja der Bestand an Pferden deutlich zurückgegangen ist. Mit dem Aufkommen des Automobils nach dem Zweiten Weltkrieg hat das Pferd an Bedeutung verloren. In der Landwirtschaft kam der Traktor, auf den Straßen wurden die Kutschen durch Autos ersetzt. Es gab immer weniger Pferde und vor allem auch immer weniger Arbeitspferde und deswegen wurde nicht mehr so viel Esparsette nachgefragt. Gleichzeitig wurde natürlich die ganze Landwirtschaft umgestrickt, hin zu einer Hochleistungslandwirtschaft, Mastvieh und Milchvieh. Dafür brauchte man natürlich mehr Eiweiß, aber Kühe kommen auch mit einer Luzerne sehr gut zurecht und die Luzerne ist im Anbau sehr viel anspruchsloser als die Esparsette. Esparsette ist relativ heikel, was Bodenqualitäten, Klima und Feuchtigkeit angeht und ist damit viel schwieriger anzubauen als so eine brave Bastard-Luzerne, die eigentlich überall und unter allen Bedingungen relativ gut wächst und einen ganz guten Ertrag liefert. Also Luzerne ist anspruchsloser und liefert mehr Ertrag, weshalb die Esparsette weitgehend verdrängt wurde. Die wurde eigentlich nur weiter angebaut in Saatguthaltungsprojekten aus der EU heraus, wo man alte Sorten schützen möchte und deswegen soll sie nicht aussterben und deswegen wurde sie weiter angebaut. Das spannende ist, wenn man Richtung ehemaligen Ostblock guckt, also Richtung Russland, Ukraine mit vielen sehr ländlichen Gebieten, dass dort immer noch relativ viele Pferde als Arbeitstiere genutzt werden und da wird heute noch vielfach Esparsette angebaut und verfüttert als Pferdefutter.

Mittlerweile ist die Esparsette wieder im Kommen bei uns. Man besinnt sich ja immer mehr auf alte Pflanzenarten zurück und guckt so ein bisschen in die Richtung. Und entsprechend hat auch die Esparsette eigentlich eine ziemliche Renaissance erlebt. Sie wird jetzt auch wieder verstärkt angebaut. Nicht nur eben wenn man in Richtung Osten guckt, sondern auch bei uns gibt es immer mehr Landwirte, die die Esparsette wieder ins Programm nehmen. Sie verbessert den Boden für den Landwirt, indem sie Stickstoff im Boden anreichert, deswegen gehört sie genauso wie die Luzerne zu den typischen Früchten, die man gerade im Biolandbau zwischendurch anbaut, um wieder mehr Stickstoff anzureichern, um den Boden zu verbessern. Hier kann man also auch bei den geeigneten Böden Esparsette nehmen und als Pferdefutter verwenden. Und seit einiger Zeit zirkulieren dann so Aussagen im Internet, dass ja Esparsette total schädlich wäre für Pferde, weil die ja giftig sei. Diese Aussage geht im Wesentlichen zurück darauf, dass die Esparsette im Gegensatz zur Luzerne sogenannte kondensierte Tannine enthält. Kondensierte Tannine sind Bitter- und Gerbstoffe. Sie sind in sehr vielen Pflanzen enthalten, die teilweise auch von Pferden sehr gerne gefressen werden. Pferde haben eine relativ große Begeisterung für Bitter- und Gerbstoffe, weil diese die Peristaltik anregen. Und der Darm des Pferdes ist nun mal sehr lang und das Futter muss da zügig durch transportiert werden. Deswegen profitieren Pferde sehr davon. Wenn sie einen hohen Gehalt an Bitter- und Gerbstoffen im Futter haben, dann läuft die Peristaltik ein bisschen runder.

Gleichzeitig wirken diese ganzen Bitter- und Gerbstoffe auch entgiftend, weil sie die Leber anregen, die dann mehr Galle produziert. Diese Galle hat verschiedene Aufgaben, unter anderem ist sie einer der Entgiftungswege für die Leber. Das heißt auch hier entsprechend eine anregende Funktion. Nun gibt es bei den Gerbstoffen sehr viele verschiedene Gerbstoff oder auch kondensierte Tannine. Das ist ein Überbegriff. Und zu sagen, dass alle kondensierten Tannine giftig sind, das ist so wie zu sagen, alle Säugetiere sind brandgefährlich. Es gibt nun mal einen Unterschied, ob ich mir einen Tiger anschaue oder einen Hamster. Und genauso ist es bei den kondensierten Tanninen auch. Das heißt, es gibt welche, die schon in kleinen Mengen sehr giftig sein können. Die Gerbstoffe in der Esparsette entsprechen aber denen, die wir zum Beispiel auch im grünen Tee haben. Und kein Mensch würde jetzt sagen: „Oh, grüner Tee ist giftig!“ Wenn ich ein paar Liter davon trinke, dann habe ich auch irgendwann ein Gesundheitsproblem. Aber wenn ich da zwei, drei Tassen am Tag trinke oder vielleicht sogar eine Kanne voll am Tag, dann hat das einen durchaus gesunden Effekt auf meinen Organismus. Und das ist eben auch bei den kondensierten Tanninen in der Esparsette so, bei der Wirkung auf das Pferd. Das heißt, in kleinen Mengen hat sie eine positive Wirkung auf die Verdauung des Pferdes, weil eben diese kondensierten Tannine die Peristaltik anregen und so darmstabilisierend wirken. Da gibt es also auch sehr viele Untersuchungen, zum Beispiel an kleinen Wiederkäuern, an Schafen und Ziegen, dass es das Darmmilieu stabilisiert.

Spannenderweise hat Esparsette bei den kleinen Wiederkäuern auch eine entwurmende Wirkung, vermutlich eben über das verbesserte Darmmilieu. Man weiß, dass diese Gerbstoffe positive Wirkung haben bei Schleimhautentzündungen im Magen-Darm Bereich. Also auch hier ein positiver Nebeneffekt, der unter anderem dafür sorgt, dass das Immunsystem besser arbeitet und natürlich sich auch hier wieder besser gegen Würmer, andere Parasiten und viele Keime wehren kann. Also hat sie definitiv eine stabilisierende Wirkung auf den Verdauungstrakt. Das ist wahrscheinlich auch beim Pferd mit dafür verantwortlich, dass das Wurmmanagement besser gestaltet wird, dass die Pferde also weniger anfällig sind für Würmer in kleinen Mengen. Das heißt natürlich jetzt nicht, dass ich das Heu ersetzen kann mit Esparsette. Die Pferde brauchen als Grundlage Heu. Und nicht ohne Grund schreiben die Hersteller auch drauf, dass man bei einem ausgewachsenen Pferd maximal 3 kg pro Tag Trockengewicht füttern sollte. Das sind eben Bereiche, wo man gerade mit diesen kondensierten Tanninen völlig im grünen Bereich ist, wo man sich keine Sorgen machen muss, dass das zu irgendwelchen Vergiftungen führt, sondern hier nutzt man den positiven Effekt auf den Stoffwechsel, wie so oft in der Fütterung, gerade in der Phytotherapie. Die Dosis macht das Gift und in kleinen Mengen hat es eine positive Wirkung auf den Körper. In großen Mengen wird es dann irgendwann giftig. Da müssen wir nicht drüber diskutieren, aber in großen Mengen sind ja viele Dinge giftig. Also wie gesagt, wenn ich grünen Tee in sehr großen Mengen zu mir nehme, kriege ich auch irgendwann Gesundheitsprobleme.

Ein mittelgroßer Warmblüter um die 1,50 m kann normalerweise problemlos 1 bis 3 kg am Tag bekommen, wenn es notwendig ist. Bei der Doppelpony-Fraktion würde ich nicht mehr als 2 kg am Tag geben. Und wenn es eher die kleineren Ponys sind oder die leichteren Kandidaten, so 1,30 m würde ich maximal so 1 kg Kilo am Tag sagen, das ist dann schon eine ganze Menge. Und üblicherweise fängt man sowieso mit geringeren Mengen an. So eine Kaffeetasse voll sollte man erst einmal abwiegen, einweichen mit Wasser und damit anfangen und dann von da aus langsam steigern. So viel also zu den kondensierten Terminen. Zusammenfassend: In großen Mengen giftig, aber in den Mengen, in denen wir sie füttern, überhaupt keine Giftproblematik beim Pferd, sondern eher ein positiver Gesundheitseffekt.

Was ist der andere Effekt von der Esparsette? Der andere Effekt ist der, dass sie einfach einen sehr hohen Eiweißgehalt hat, also einen deutlich höheren Eiweißgehalt als Heu. Wenn man sich Heuproben anschaut, dann reden wir normalerweise so über Eiweißgehalte im Schnitt von 6 bis 9 %. Also auf 10 kg Heu gerechnet habe ich so 600 bis 900 g Eiweiß, die das Pferd pro Tag bekommt. Das ist erst mal jetzt verdauliches Eiweiß. Das reicht einem gesunden Pferd, was gut im Futter steht, völlig aus für seinen Erhaltungsbedarf auch für 2 bis 3 mal die Woche ein bisschen mehr Training. Viel mehr brauchen die Pferde nicht zugefüttert. Wir haben aber tatsächlich auch die schwerfuttrigen Pferde da draußen. Ich weiß, wir haben viel mehr dicke als dünne Pferde, aber es gibt sie trotzdem. Es gibt die dünnen Kandidaten, die einfach von Hause aus schwerfuttrig sind. Ob das jetzt ein Vollblüter ist oder ein Warmblüter, der stark im Vollbluttyp steht. Da ist man meistens froh über jedes Kilo, was man auf die Rippen draufkriegt. Genau ist es bei den alten Pferden, die man gerade so über den Winter bekommt, weil einfach das Zahnmaterial nicht mehr so gut funktioniert. Das sind auch so Kandidaten, die einem sehr schnell zusammenfallen und vor allem dann massiv Muskelmasse abbauen, wenn sie nicht genügend Energie zur Verfügung haben. Das sind also Pferde, wo man ruhig ein bisschen mehr Eiweiß in der Ration haben möchte. Dasselbe gilt natürlich auch für laktierende Stuten, insbesondere wenn die Stuten im Winter ihre Fohlen kriegen. Also diese typischen Januar/Februar Fohlen, die wir ja im Warmblutbereich/ Vollblutbereich oder bei den Westernpferden gerne haben. Dann sind aber noch keine Weiden offen und die Pferde haben nur Heu. Diese Stuten brauchen tatsächlich etwas mehr Eiweiß in der Ration. Das gilt auch für die Stuten, die zwar auf der Weide sind, aber das eine Fohlen noch bei Fuß haben und das nächste schon wieder im Bauch ist. Auch da kann das manchmal mit der Eiweißversorgung ein bisschen knapp werden, gerade wenn wir einen trockenen Sommer haben mit sehr trockenen Weiden.

Also man merkt, es gibt schon durchaus einige Pferde, bei denen man etwas mehr Eiweiß in der Ration haben möchte. Die meisten füttern in solchen Fällen dann irgendwelche Sojaprodukte zu. Davon bin ich persönlich gar kein Fan, zum einen weil Soja ökologisch sehr fragwürdig ist, weil der Sojaanbau größtenteils in Südamerika stattfindet. Da unten wird der Urwald abgeholzt, damit wir unseren Pferden Soja füttern können, was um die halbe Welt transportiert wurde. Das muss man sich auch mal ökologisch auf der Zunge zergehen lassen, was wir da machen. Und zudem ist eigentlich das Eiweißmuster im Soja gar nicht gut für Pferde. Die Pferde können nämlich nicht gut Muskelmasse aufbauen, sondern sie schwimmen eher auf. Sie werden dann sehr gerne lymphatisch, wenn man Soja füttert. Sie sehen dann zwar runder aus, aber das ist eigentlich nur eingelagertes Wasser. Und in dem Sojaschrot oder in der Sojabohne ist eine Stärke enthalten, die beim Pferd nicht Dünndarm verdaulich ist. Und wenn die dann in den Dickdarm gelangt, wenn ich zum Beispiel Sojaschrot füttere, dann sorgt das im Dickdarm für Fehlgärungen. Und das kann natürlich Entgleisungen der Darmflora, also Dysbiosen mit sich bringen. Also alles so Sachen, die man eigentlich gar nicht haben möchte. Deswegen ist Soja denkbar ungeeignet in der Pferdefütterung. Hier ist es also wesentlich besser, wenn man auf andere Eiweißquellen zurückgreift. Und da bietet sich eben die Esparsette an. Die Esparsette hat ein ähnlich hohen Eiweißgehalt wie die Luzerne, aber das Eiweißmuster ist besser, das heißt, es sind mehr für das Pferd essentielle Aminosäuren vorhanden. Das sind Lysin, Methionin und Threonin. Die machen quasi die Qualität vom Eiweiß aus.

Es kommt auch nicht nur darauf an, wie viel Eiweiß insgesamt in dem Futter drin ist, sondern vor allem wie hoch der Anteil von diesen drei Aminosäuren ist. Und der ist in der Esparsette noch mal höher als in der Luzerne. Das heißt, das ist für Pferde ein sehr hoch qualitatives Eiweiß, was man füttert. Wenn diese drei Aminosäuren in großer Menge drin sind, dann muss man gar nicht so viel Gesamteiweiß füttern, weil dann das Eiweiß einfach besser verwertet werden kann. Und dieser höhere Gehalt von sehr hochqualitativem Eiweiß zusammen mit der darmstabilisierenden Funktion der kondensierten Tannine sorgt dafür, dass die Pferde ihre gesamte Futterration besser verwerten können und entsprechend dann auch mehr auf die Rippen kriegen. Also bei den schwerfuttrigen Kandidaten und denen mit erhöhtem Bedarf merkt man einen ganz deutlichen Unterschied, ob die jetzt nur mit Heu gefüttert werden, ob die nur Luzerne dazu bekommen oder ob sie Esparsette zu bekommen. Man bekommt also mit der Esparsette noch mal ein deutlich besseres Fütterungsergebnis, als wenn man die Luzerne füttert. Die Luzerne hat darüber hinaus den Nachteil, dass sie sogenannte Oxalate enthält. Oxalate fangen Kalzium ab. Das ist in den meisten Regionen nicht so ein Problem, weil wir meistens einen riesigen Kalziumüberschuss im Grundfutter (Heu) haben, sodass die nicht ins Gewicht fallen. Wenn aber mein Heu von sehr kalziumarmen Böden wie zum Beispiel von Sandböden stammt oder von Moorböden, dann sind die Pflanzen oft nicht in der Lage, so viel Kalzium aus dem Boden aufzunehmen. Die Folge ist ein kalziumarmes Heu. Wenn ich dann noch Luzerne dazufüttere, dann wird das problematisch was den Calciumgehalt im Futter angeht. Gerade wenn dann vielleicht auch noch Kraftfutter mit dem hohen Phosphorgehalt dazukommt, dann komme ich in Imbalancen und muss entsprechend wieder gegen regulieren. Das Problem haben wir bei der Esparsette nicht, weil sie keine Oxalate enthält. Die Luzerne steht außerdem in starkem Verdacht, dass sie die Pferde fotosensitiv macht. Das heißt, die Pferde werden empfindlicher für Sonnenbrand. Das merken vor allem die Besitzer von den hellhäutigen Pferden, also die ganzen Cremellos, die Perlinos, die eine rosa Haut haben, aber auch die Tigerschecken, also Knabstrupper zum Beispiel, die ja gerne mal rund um Augen und Nüstern rosa pigmentiert sind. Oder die Pferde mit den breiten Blessen oder breiten Laternen, die halt eine rosa Nase haben und dann gerne auch rosa Haut rund um die Augen haben. Diese Pferde sind dann besonders anfällig für Sonnenbrände an diesen Stellen. Und das ist auch so ein Grund, weshalb man bei solchen Fällen mit der Luzerne eher vorsichtig sein sollte. Da würde ich tendenziell eher auch auf eine Esparsette wechseln. Also was ist die Take-Home-Message zur Esparsette? In den Mengen, in denen man sie füttern sollte ist sie nicht schädlich für Pferde. Ganz im Gegenteil, sie ist durchaus gut und gesund. Was den Eiweißgehalt angeht: Ja, sie liegt höher im Eiweiß als Heu. Aber auch hier wieder gilt: die Dosis macht das Gift. Wir wollen natürlich nicht das Heu ersetzen mit Esparsette. Das wäre ziemlich absurd, wenn ich jetzt anfangen würde, ein Grundfutter mit 15 % Zucker und 15 % Eiweißgehalt zu füttern. Da würde es jedem Pferd die Sicherung raushauen. Aber das machen wir nicht, sondern wir füttern ganz normal unser Heu, was halt mehr oder weniger Eiweiß enthält. Und dazu kann man entsprechend Esparsette geben und damit eben den Eiweißgehalt in der Fütterung etwas aufpeppen. Das in Kombination mit den kondensierten Tanninen, die das Darmmilieu stabilisieren, sorgt für eine bessere Futterverwertung. Deswegen ist die Esparsette eben besonders geeignet für Pferde, die schwerfuttrig sind oder die einen erhöhten Eiweißbedarf haben, wie eben Zuchtstuten, gerade wenn im Winter die Fohlen kommen. Besonders Zuchtstuten mit Fohlen bei Fuß und Fohlen im Bauch oder Jungpferde in den ersten ein, zwei Jahren ihres Wachstums, wenn die Weiden nicht viel hergeben, haben einen erhöhten Eiweißbedarf. Die sollten ein bisschen was dazu kriegen. Oder eben Pferde, die im großen Sport laufen. Und damit meine ich jetzt nicht, dass ich zweimal im Sommer ein kleines ländliches Reitturnier gehe, sondern großer Sport heißt Klasse S und höher, wo die Pferde wirklich ackern müssen, dann haben die schon erhöhten Eiweißbedarf. Da kann man den ganz gut über Esparsette decken. Esparsette hat also deutliche Qualitätsvorteile gegenüber der Luzerne und ganz dramatisch viele Qualitätsvorteile gegenüber dem Soja, was sonst eben gerne als Eiweißlieferant verwendet wird.

Also was ist die Antwort zu der Frage „Ist Esparsette gut oder giftig?“ Ganz klar ist Esparsette gut. Natürlich für die Pferde, für die sie geeignet ist. Wenn ich so ein Pummelpony auf der Wiese stehen habe, wo ich sowieso schon immer aufpassen muss, und bei Pferden, wo ich das Heu schon mit engmaschigen Heunetzen dosieren muss und die nur mit Fressbremse auf die Weide dürfen, weil sie sowieso schon kugelrund sind, da ist es jetzt relativ sinnlos, auch noch eine Esparsette zuzufüttern. Die brauchen ja diese Eiweißgehalte nicht. Lediglich wenn ich ein Pferd habe, was eher lymphatisch ist, also eher Wassereinlagerungen hat. Diese Pferde haben nämlich unter der Lymphe oft gar nicht so viel auf den Rippen und leiden aber sehr oft unter dem gestörten Milieu. Und hier kann zum Beispiel so eine Hand voll Esparsette eine ganz gute Sache sein. Zum einen, um das Darmmilieu zu stabilisieren und zum anderen, um auch verschiedene Therapeutika drunter zumischen. Also da können wir durchaus drüber reden, aber die kriegen dann natürlich nicht zwei drei Kilo zugefüttert, sondern die kriegen dann eine gute Handvoll, einfach damit man immer ein bisschen dran bleibt an der Darmstabilisierung und damit man eben andere Therapeutika ganz gut untermischen kann. Die Esparsette hat nämlich einen relativ starken Eigengeschmack, im Gegensatz jetzt zum Beispiel zu Heucops und wird von den Pferden in der Regel sehr gerne gefressen. Es gibt wenige Pferde, die bei Esparsette lange Zähne machen. Die meisten finden die sehr lecker und durch den starken Eigengeschmack überdeckt die halt auch ganz gut andere Geschmacksrichtungen von irgendwelchen Therapeutika, die ich da drunter mische. In der Form kann das dann gut verwendet werden.

Das gilt auch bei den Senior Pferden. Bitte nicht Heu mit Esparsette ersetzen, sondern das Heu, was nicht mehr gefressen werden kann aufgrund von Alter und Zahnzustand, das muss ich erst einmal mit Heucops ersetzen, also quasi mit vorgekautem Heu. Und diese Heucops kann ich dann noch mal ergänzen mit ein bisschen zugemischter Esparsette für einen etwas höheren Eiweißgehalt. Und dann kann ich auch die Pferde, die eben sehr stark zu Muskelabbau neigen, und teilweise aussehen wie Cushing-Kandidaten, ganz gut mit ein bisschen Esparsette im Futter wieder auffüttern und kann die ganz gut auch damit über den Winter bringen und im Gewicht halten.

Ich hoffe, das hat euch Spaß gemacht und euch einen neuen Einblick gegeben. Wenn es euch gefallen hat, gebt uns gerne einen Daumen hoch und empfiehlt den Podcast auch gerne weiter. Gerade auch gegenüber den ganzen Kritikern der Esparsette, die immer schimpfen und sagen wie schlecht alles ist. Wenn man bei den Leuten nachfragt, stellt man oft fest, dass da gar nicht so wahnsinnig viel Fachwissen dahinter steckt. Die haben das einfach nur irgendwo gelesen, dass die Esparsette schlecht ist und wiederholen das jetzt. Also da kann man durchaus mal ein bisschen Aufklärungsarbeit betreiben. Das ist eigentlich ein ganz tolles Futtermittel ist.