Die große Frage: Wieviel Heu muss ich pro Jahr und Pferd überhaupt rechnen?

Wir alle wissen, dass die Heumenge sehr stark schwanken kann, je nachdem, was für Pferde ich habe, ob sie auf die Weide kommen oder nicht, ob das Heu in Raufen, Netzen oder am Boden verfüttert wird. In diesem Podcast halten wir die wichtigsten Zahlen fest und erklären dir anhand einfacher Beispiele, wie du den Bedarf an Heu pro Pferd ziemlich genau berechnen kannst, um damit durch das Jahr zu kommen.

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Wie viel Heu ich eigentlich rechnen muss pro Pferd und Jahr. Der Hintergrund, warum wir diese Frage öfter bekommen, ist einfach dieser unglaublich heiße und trockene Sommer, den wir 2018 hatten. Viele Leute haben bis dahin Heu immer in kleinen Mengen nach Bedarf gekauft. Wenn es aufgebraucht war, dann hat man wieder ein bisschen nachgekauft. Der Lieferant hat ja genug. 2018 war das Heu aufgrund der großen Trockenheit in den meisten Teilen von Deutschland massiv Mangelware und man war froh über jeden Ballen, den man bekommen hat. Und das hat die Leute geprägt, sodass für Betreiber größerer Ställe bis zur kleinen Haltergemeinschaft natürlich das Bedürfnis da ist, Heu für das Jahr auf Vorrat zu kaufen. Auch wenn man die Lagermöglichkeiten nicht hat, gibt es ja oft die Möglichkeit, dass man den Bauern schon komplett den Jahresvorrat abkauft und das bei ihm einlagert und dann Stück für Stück geliefert bekommt. Aber dafür muss ich natürlich wissen, wie viel ich brauche. Und da wird es dann oft schon schwierig. Denn wir alle wissen ja, dass die Heumenge sehr stark schwankt, je nachdem was für Pferde ich habe und ob ich Weide dazu habe oder nicht.

Aber an ein paar Zahlen muss ich mich ja mal festhalten und das kann man sich eigentlich relativ einfach durchrechnen. Die Heumenge, die Pferde fressen, wenn man sie frei fressen lässt, liegt normalerweise zwischen 2 bis 3 kg je 100 kg Körpergewicht. Was heißt das, wenn ich gesunde Pferde nehme und denen Heu zur freien Verfügung gebe? Wenn es sich hier um gesunde Pferde handelt, dann pendeln sich diese Pferde immer ein in dem Bereich zwischen 2 bis 3 kg je 100 kg Körpergewicht. Da ist ohne Zusatzfutter gerechnet, also wirklich nur das Heu. Diese Zahl  kann man schon mal als Grundlage nehmen, um damit zu arbeiten. Nun muss ich natürlich mit einberechnen, dass viele Ställe im Sommer Zugang zu Weide haben. Das kann stundenweise, den ganzen Tag oder die ganze Nacht sein, oder auch 24 Stunden Weidegang. Wenn ich wirklich so viel Fläche habe, dass ich die Pferde im Sommer 24 Stunden draußen stehen lassen kann, dann muss ich die Weidezeit tatsächlich rausrechnen aus meiner Heumenge. Das ist aber in den meisten Regionen eher selten der Fall. Die meisten Ställe haben im Sommer nur limitierten Weidezugang. Da kommen die Pferde so ca. zwischen zwei und acht Stunden raus. Aber auch diese acht Stunden gehen meistens nicht über den ganzen Sommer, da die Pferde spätestens so ab Juli nicht mehr genug Futter finden und man anfangen muss zuzufüttern.

Deswegen kann man sich in den meisten Fällen ganz gut an diesen 2 kg je 100 kg Körpergewicht orientieren. Das ist das Minimum, was ich einplanen muss. Jetzt muss ich natürlich wissen, wie viel mein Pferd wiegt. Das kann ich zum Beispiel mit der Pferdewaage rausfinden. Oder es gibt ja mittlerweile auch Berechnungen, die relativ zuverlässig sind. Am zuverlässigsten ist jedoch die Pferdewaage. Und wenn ich dann weiß, dass mein Pferd z.B. 500 kg wiegt, dann habe ich ein Gewicht, mit dem ich rechnen kann. 500 kg brauchen 2 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht, also 10 kg, die mein Pferd pro Tag braucht. Und diese 10 kg pro Tag, die kann ich jetzt einfach multiplizieren mit 365 Tage pro Jahr. Dann komme ich auf 3650 kg Heu, die ich pro Jahr für ein Pferd benötige.

Das zweite, was ich wissen muss, ist nicht nur das Gewicht meines Pferdes, sondern auch das Gewicht der Rundballen. Je nachdem, ob die Ballen fester oder loser gepresst sind, wie viele Lagen gewickelt sind und welchen Durchmesser der Ballen hat, kann das Gewicht der Ballen auch sehr stark variieren. Aber da muss man einfach mal mit dem Landwirt sprechen, was seine Ballen wiegen. Die meisten haben eine Waage und haben entsprechend die Möglichkeit, weil auch die Landwirte oft nach Kilo rechnen, um dann den Endpreis zu kennen.

Gehen wir mal davon aus, dass unser Ballen 250 kg wiegt. Wenn ich 3650 kg pro Jahr brauche, komme ich auf 14,6 Ballen. Ich brauche also aufgerundet 15 Ballen für ein Jahr für ein Pferd, um das Pferd über das Jahr zu füttern, mit dieser Minimummenge von 2 kg. In diesen 2 kg sind mögliche Alternativen mit einberechnet, also dass ich im Sommer einen Teil des Futterbedarfs über die Weide decken kann. Wenn ich jetzt davon ausgehe, dass ich wenig oder keinen Weidezugang habe, dann muss ich eher mehr rechnen. Wenn wir jetzt mal von der Maximalmenge pro Pferd und Tag von 3 kg Heu pro 100 kg Körpergewicht ausgehen, dann komme ich bei meinem 500 kg Pferd auf 15 kg pro Tag, mit denen ich rechnen muss. 15 kg pro Tag mal 365 Tage ergibt jetzt 5475 kg Heu pro Jahr. Also 5,5t, die ich da schon brauche für dieses Pferd. Geteilt durch unser Ballengewicht von 250 kg, die wir jetzt mal angenommen haben, komme ich also auf 21,9, also rund gerechnet 22 Ballen, die das Pferd pro Jahr braucht.

Ich muss also für mein Pferd, je nachdem wie viel Weidezugang ich habe und wie viel Gras dort zur Verfügung steht, zwischen 15 und 22 Ballen für ein Jahr rechnen. Habe ich zehn Pferde im Stall, komme ich so auf 150 bis 220 Ballen, die ich für ein Jahr benötige und die ich also entsprechend in irgendeiner Form bevorraten muss.

Man kann Heu etwas strecken mit Stroh, aber Stroh dient nur zur Verlängerung der Fressdauer. Das erfüllt nur den Zweck, dass gierige Pferde das Heu nicht so schnell wegschnappen können. Denn wenn ich einen sehr gierigen Fresser habe und ich lege ihm da 10 kg Heu pro Tag hin, dann sind diese 10 kg manchmal in 6 bis 8 Stunden weggefressen. Manche sind sogar noch schneller. Den Rest des Tages hat das Pferd nichts zu tun. Deswegen arbeitet man dann mit Stroh zum Untermischen, einfach nur um die Fressgeschwindigkeit zu verlangsamen. Die Heumenge pro Tag sollte dieselbe sein. Habe ich gesunde Pferde, kann ich das entsprechend so in relativ grobmaschigen Heunetzen anbieten. Heunetze verwende ich in diesem Fall vor allem, damit ich keinen Verlust habe, denn der ist noch gar nicht mit eingerechnet. Wenn man Pferden Heu auf dem Boden anbietet, kann man davon ausgehen, dass man etwa 50 % Verlust hat. Das heißt, etwa die Hälfte von dem Heu kann ich am Ende des Tages zusammenkehren und wegschmeißen, weil die Pferde drauf gepinkelt und gepäppelt haben oder weil es im Matsch zertreten wurde.

Das heißt, wenn ich eine Bodenfütterung bevorzuge, dann muss ich meine Heumenge noch mal verdoppeln. Wenn ich mit Heunetzen arbeite, die relativ enge Maschen so zwischen 3 und 5 cm haben, dann verhindere ich den Verlust schon ganz deutlich. Dann habe ich meistens nur einen Verlust, der zwischen 10 und 20 % liegt. Den muss ich natürlich noch mit einberechnen. In meiner Fütterung habe ich das Heu in Raufen mit Netz. Auf diese Weise komme ich meistens nur auf 10 % Verlust, den ich habe, weil die Pferde immer mal ein Maul voll rupfen. Ein bisschen was fällt dann wieder in die Raufe zurück. Habe ich Netze frei hängen und Heu fällt zu Boden, wird nicht alles aufgefressen, was zu Boden fällt. Dann habe ich also ein bisschen mehr Verlust. Das ist der Anteil, den ihr dann noch dazurechnen müsst. Da muss man also pro Pferd, wie gesagt, etwa mit 10 bis 20 % Verlust an Heu rechnen. Die müsst ihr noch mal oben drauf rechnen, damit ihr auf eure Jahresmengen kommt. Das erstaunt einen immer erst einmal, auf welche Mengen man da eigentlich kommt, wenn man sagt 220 Ballen pro Pferd, das muss man ja auch erst mal lagern können. Ja, Heu wird eine ganze Menge verbraucht. Wir können es strecken mit Stroh, aber die Heumenge bleibt dieselbe, auch wenn ich die Fressgeschwindigkeit verlangsame. Deshalb bleibt auch die Anzahl der Heuballen, die wir pro Jahr rechnen müssen, gleich.

Das sind für so ein Stall schon eine ganze Menge Heuballen, aber es lohnt sich oft. Also gerade 2018 sind die Heupreise im Laufe des Sommers immer weiter angestiegen von in den meisten Regionen so 35 bis 45 €, mit denen sie angefangen haben. Im Spätsommer dann plötzlich 75 €, 85 €, 95 €. Als dann klar war, dass der zweite Schnitt ausfällt, sind die Preise noch weiter gestiegen. Wer dann wirklich im Juni/ Juli 2019 noch mal nachkaufen musste, weil er nicht genügend im Vorrat hatte und die neue Ernte einfach noch nicht zu füttern war, der hat so zwischen 200 und 250 € für einen Ballen bezahlt. Und wenn man sich solche Preise anguckt, dann lohnt sich es schon, rechtzeitig einzukaufen, rechtzeitig zu bevorraten und lieber ein paar Ballen zu viel einzukaufen, die man dann im Zweifelsfall im Frühjahr abgeben kann oder einfach über den Sommer noch zu Ende füttern kann. Also immer lieber ein bisschen mehr Heu im Vorrat haben, als dass man zu knapp gerechnet hat. Das war jetzt ein Rechenbeispiel für ein Pferd mit 500 kg. Wenn ich natürlich dort ein Warmblüter stehen habe, der 750 bis 800 kg hat, muss ich mit ganz anderen Mengen rechnen. Habe ich da Ponys stehen, die vielleicht nur 350 kg wiegen, muss ich weniger rechnen. Aber ihr habt jetzt mal das Grundprinzip verstanden.

Also zusammenfassend: 2 bis 3 kg Heu je 100 kg Körpergewicht, dann mit dem Gewicht des Pferdes multiplizieren, das Ganze mit der Anzahl der Tage im Jahr multiplizieren und dann durch das Gewicht der Heuballen teilen. Und dann kommt ihr auf die Anzahl der Heuballen, die er braucht. Und dann lieber etwas großzügig aufrunden, dann kommt ihr eigentlich ganz gut hin und dann habt ihr auch genug Heu, um damit durch das Jahr zu kommen. So viel zu dem Thema „Wie viel Heu muss ich eigentlich einkaufen für meinen Stall? Mit was muss ich rechnen?“.

Das Thema Heuqualität ist natürlich auch noch eine ganz spannende Geschichte. Woran erkenne ich eigentlich ein gutes Pferdeheu? Da gibt es ja sehr viele Qualitätskriterien von der Struktur des Heus über die Nährwerte bis hin zum Hygienestatus, also ob Schimmel drin ist oder nicht. Das gucken wir uns dann in einem separaten Podcast an, da werden wir uns noch einmal ganz genau mit beschäftigen. Wir würden uns freuen, wenn ihr wieder einschalte. Wenn euch dieser Podcast Spaß gemacht hat, dann empfehlt ihn sehr gerne weiter. Außerdem haben wir noch viele andere Podcasts mit spannenden Themen. Da kommen zum Beispiel noch einige Podcasts zum Thema Heufütterung, also wie ich das optimal machen kann, und zum Thema Heuqualität. Wir