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Insulinresistenz – nicht nur ein Problem bei Moppelponys

Insulinresistenz wird von den meisten Pferdebesitzern immer noch mit EMS (Equines Metabolisches Syndrom) gleichgesetzt, dabei sind das zwei ganz verschiedene Erkrankungen.

EMS heißt, dass mein Pferd deutliches Übergewicht hat und im Fall von „echtem“ EMS ist das Fett.

Ein Pferd mit Fetteinlagerungen kann gleichzeitig auch eine Insulinresistenz haben, das muss aber nicht der Fall sein. So haben auch viele Menschen mit starkem Übergewicht gleichzeitig eine Insulinresistenz.

Aber eben nicht alle. Insulinresistenz (Diabetes Typ 2) ist eine eigenständige Erkrankung, die mit anderen Stoffwechselproblemen einhergehen kann.

So haben viele Pferde mit Übergewicht (EMS, Pseudo-EMS) auch Insulinresistenz – aber nicht alle. Auch sehr viele Pferde mit Cushing-Symptomen haben zeitgleich Insulinresistenz, ebenso wie viele Pferde mit Hufrehe-Vorgeschichte.

Es gibt aber auch immer mal wieder Pferde, die symptomatisch überhaupt nicht in Richtung Stoffwechsel auffällig sind, aber dennoch insulinresistent sein können. Diese fallen dann oft das erste Mal nur auf, weil sie „aus dem Nichts heraus“ eine Hufrehe schieben.

Insulinresistenz bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse zwar auf die Schwankungen im Blutzuckerspiegel reagiert und entsprechend Insulin produziert, dass jedoch die Rezeptoren der Zellen, die den Zucker daraufhin aufnehmen und zwischenspeichern sollten (v.a. Muskel- und Leberzellen) nicht mehr in ausreichendem Maß auf das Insulin reagieren. Die Folge ist ein dauerhaft erhöhter bzw. schlecht regulierter Blutzuckerspiegel.

Dieser wird beim gesunden Pferd aus guten Gründen in einem sehr engen Bereich konstant gehalten. Denn sowohl bei einem zu geringen Blutzuckerspiegel als auch bei einem erhöhten, hat das fatale Konsequenzen auf den Organismus. Ein chronisch schlecht regulierter Blutzuckerspiegel kann dafür sorgen, dass nach und nach die Kapillaren im Gewebe zerstört werden, was in Folge beim Menschen zu Niereninsuffizienz und zum Absterben der unteren Gliedmaßen („Diabetikerfuß“) führen kann.

Bei Pferden geht man davon aus, dass die Folgen ähnlich gravierend sind und derzeit laufen viele wissenschaftliche Untersuchungen, um die Auswirkungen des schlecht regulierten Blutzuckers im Hufbereich auf molekularer Ebene zu verstehen.

Fest steht bereits, dass hohe Insulinspiegel ebenso wie Fehlregulationen des Blutzuckerwerts an Hufrehe beteiligt sein können, auch wenn wir die Mechanismen noch nicht bis ins letzte Detail verstehen.

Oft sind Pferde mit Insulinresistenz unauffällig, solange sie ausschließlich Heu mit einem moderaten Zuckergehalt (<10%) bekommen. Wird dann aber eine neue Heucharge aufgemacht, die höhere Zuckergehalte aufweist oder beginnt die Anweidezeit mit dem zuckerreichen, jungen Frühlingsgras, dann ist der Körper nicht in der Lage, diese Anflutung mit Zucker ordentlich zu regulieren.

Ein Hufreheschub kann die unschöne Folge sein.
Leider gibt es bis heute keine vernünftige Diagnostik, um Insulinresistenz beim Pferd nachzuweisen. Man kann jedoch aus dem so genannten „EMS-Profil“ zumindest eine Tendenz ableiten. Wichtig ist bei dieser Untersuchung, dass das Pferd vorher nicht hungern („Nüchtern-Abnahme“) darf, weil man dann falsch-negative Werte bekommt, eine Insulinresistenz also durch die lange Hungerphase verschleiert werden kann.

Man sollte in den 12 Stunden vor Probennahme keine zucker- oder stärkehaltigen Futtermittel geben (also auch keine Äpfel oder Möhren), aber das Pferd darf durchgehend sein normales Heu fressen.

Dann wird Blutglucose aus stabilisiertem NaF Blut (nicht aus Serum! das gibt falsch-negative Werte) bestimmt sowie Insulin (dafür muss die Probe spätestens 30 min nach Abnahme zentrifugiert und tiefgefroren sein, sonst baut sich Insulin ab und dann bekommt man auch wieder falsch-negative Werte).

Derzeit geht man davon aus, dass ein Pferd Insulinresistenz hat, wenn Blutglucose und Insulin erhöht sind und dass ein Diabetes Typ 2 (sozusagen das Endstadium) vorliegt, wenn ein hoher Blutzuckerspiegel mit einem geringen Insulinspiegel zusammen auftritt.

Leider sind sowohl Glucose als auch Insulin nur Momentaufnahmen, ein Langzeitzuckerwert wie HbA1c beim Menschen wurde bis heute für das Pferd nicht etabliert. Aber diese Werte geben schon einen Anhaltspunkt. Daher sollte man bei Verdacht lieber mal ein EMS Profil machen lassen, als nachher mit einer Hufrehe zu enden.

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