FuttermittelRaufutter

Achtung – Heuqualität

Der Jahrhundertsommer in vielen Regionen im letzten Jahr hat dazu geführt, dass das Heu zwar in zu geringer Menge, aber dafür in einer Top-Qualität eingebracht werden konnte.

Durch den größtenteils warmen Winter hat die Qualität in vielen Scheunen aber – auch trotz optimaler Lagerbedingungen – oft gelitten. Bei Bodentrocknung geht innerhalb von 50 Stunden immer ein Schimmelbefall ins Trocknungsgut.

Das heisst, dass es komplett schimmelfreies Heu praktisch nicht gibt. Die geringen Mengen machen den Pferden jedoch nichts aus.

Auch in der Natur ist das Futter, gerade im Winter, nicht immer in Topqualität im Bezug auf Mikroorganismenbesatz, sodass sie im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt haben, mit einer gewissen Menge an Schimmel im Futter umzugehen. Warme und feuchte Winter jedoch sorgen dafür, dass der Schimmel sich im Heu übermäßig vermehren kann.

So kann es jetzt passieren, dass man Heuballen, die man in bester und supertrockener Qualität reingeholt hat letzten Sommer, jetzt beim öffnen stauben und muffeln, also klar auf übermäßigen Schimmelbefall hinweisen.

Solchen Ballen können von außen völlig normal aussehen, manchmal sieht man es tatsächlich erst beim Öffnen. Der Ballen ist dann regelrecht von innen nach außen durchgeschimmelt. Problematischer ist es oft noch mit den Ballen, die ganz unten lagen und eventuell Bodenfeuchtigkeit aufgenommen haben oder solchen, die an der Wand lagen und hier Kondenswasser gezogen haben oder an der Wetterseite der zugigen Scheune lagen.

Hier ist der Schimmelbefall oft schon von außen zu sehen in Form von grauen, verklebten Platten. Auch von dieser Stelle ausgehend ist meist der ganze Ballen aufgrund der langen Lagerzeit schon durchgeschimmelt. Was man sieht ist sozusagen nur die Spitze des Eisbergs.

In normalen Jahren würde man solche verdorbenen Ballen auf den Misthaufen werfen und schauen, dass man Heu ordentlicher hygienischer Qualität nachkauft. Aufgrund der massiven Ernteeinbußen vom letzten Jahr ist das aber kaum möglich, da so gut wie kein Heu angeboten wird. Und wenn man Heu bekommt, dann ist die Qualität häufig genug noch schlechter als die in der eigenen Scheune.

Die ersten Landwirte haben zwar schon Heu gemacht, aber ein Schnitt von Ende Mai / Anfang Juni ist sehr nährstoffreich und daher insbesondere für Freizeitpferde und solche mit Neigung zu Stoffwechselproblemen nicht geeignet.

Außerdem muss das Heu nach der Ernte mindestens 8, besser 12 Wochen „nachschwitzen“. In dieser Zeit werden Gifte z.B. aus Hahnenfuß oder Endophyten abgebaut und die Verdaulichkeit steigt. Verfüttert man es zu früh, drohen schwere Erkrankungen wie Hufrehe oder Kolik. Daher kann das Heu von diesem Jahr frühestens ab Herbst verfüttert werden.

Es ist auch nicht immer die Lösung, die Pferde 24h auf den Weiden zu lassen. Denn dafür benötige ich ausreichend große Flächen, damit die Pferde auch genügend Futter finden (man kann mit 1-2 Hektar pro Pferd rechnen) und nicht jedes Pferd sollte aufgrund seines Stoffwechsels und der Futterqualität auf den Wiesen so lange Weidezugang haben.

Daher bleibt in vielen Ställen nichts anderes übrig, als sich mit dem Heu vom letzten Jahr irgendwie über den Sommer zu retten, bis die neue Ernte verfüttert werden kann. Um das Risiko für Atemwegsprobleme durch fliegende Schimmelsporen zu minimieren kann man das Heu anfeuchten.

Dabei reicht es meist aus, wenn man mit der Gießkanne Wasser über dem Heu verteilt, sodass es befeuchtet ist. Auch eine Blumenspritze mit großem Wasserbehälter, den man durch eine manuelle Pumpe unter Druck setzt und dann gleichmäßig sprühen kann (bekommt man in jedem Gartenmarkt, wird meist von Gartenbesitzern zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln verwendet, bitte aber nur neue nicht gebrauchte, ausgewaschene Geräte verwenden!) hat sich gut bewährt.

Sie geben einen feinen Wassernebel ab, der sich als feuchter Film über das Heu legt. Damit wird der Sporenstaub gebunden, ohne dass das Heu durchweicht ist, was bei den warmen Temperaturen zu Gärungsprozessen führen kann. Vom Tauchen ist auch eher abzuraten, es ist nicht nur eine höllisch schwere Arbeit, sondern durch das Untertauchen gerät der Schimmel im Heu unter Stress und fängt umso mehr an, seine Sporen abzuwerfen.

Außerdem fängt das durchweichte Heu in der Wärme schneller an zu gären, sodass man viele kleine Portionen über den Tag verteilt geben muss. Füllt man die Raufen nur ein- bis zweimal täglich, ist das Ergebnis, was die Pferde dann fressen müssen, oft sehr unappetitlich.

Das Ergebnis ist dann oft ein Heu ,das noch belastender ist für die Atemwege und den Stoffwechsel, als wenn man es nur leicht angefeuchtet verfüttert hätte.

Hat man bereits Atemwegsallergiker im Stall, die auf Schimmelsporen mit Husten oder Asthma (Dämpfigkeit) reagieren, dann reicht das Anfeuchten meist nicht aus, hier muss der Schimmel abgetötet werden.

Dafür eignen sich Heubedampfer, die man kommerziell kaufen oder selber bauen kann (Bauanleitungen gibt es mittlerweile eine ganze Menge im Internet).

Durch Befeuchten oder Bedampfen kann man das Problem der Atemwegsbelastung gut lösen. Der Schimmelpilz selber kann sich im Darm des Pferdes nicht ansiedeln.

Schimmelpilze brauchen Sauerstoff zum Überleben und der ist im Darm des Pferdes Mangelware. Daher werden sie nur durchgeschleppt und mit dem Kot wieder ausgeschieden. Was jedoch problematisch ist sind die vom Schimmel produzierten Mykotoxine (Schimmelgifte), da diese durch Anfeuchte, Eintauchen oder Bedampfen nicht reduziert werden.

Von ihnen gibt es eine ganze Reihe, die über die Darmwand aufgenommen werden und eine erhebliche Belastung für die Entgiftungssysteme des Pferdes darstellen. Einige wirken außerdem negativ auf die Dickdarmflora des Pferdes und können damit Dysbiosen (Fehlgärungen) auslösen.

Solche Mykotoxine kann man jedoch abbinden mit kommerziellen Mykotoxinbindern wie z.B. dem EndoProtect von Okapi. Der Wirkmechanismus von Mykotoxinbindern ist in zahlreichen in vitro und in vivo Studien nachgewiesen worden. Die Mykotoxinbinder sind Zellwandproteine speziell dafür gezüchteter Hefestämme, die in der Lage sind, die verschiedenen Schimmeltoxine abzubinden.

Sie verbleiben dann gebunden im Nahrungsbrei und werden mit dem Kot ausgeschieden. Für die Produktion der der Mykotoxinbinder werden die Hefen nach der Vermehrungsphase „zerschreddert“, um die Zellwandproteine frei zu setzen und das Ganze wird getrocknet und meist mit speziellen Gesteinsmehlen wie Bentonit versetzt, als Futtermittel angeboten. Pferde fressen solche Mykotoxinbinder in der Regel problemlos mit.

Man kann sie für die ganze Gruppe über das (angefeuchtete) Heu streuen oder – wenn sich nicht alle an den Kosten beteiligen wollen – auch ins Futter oder eine Handvoll eingeweichte Heucobs geben.

Das ist kein Freibrief, den Pferden grundsätzlich schimmeliges Futter zu geben! Auch bei bestem Management ist eine erhöhte Belastung des Organismus’ durch solches Futter gegeben.

Aber man kann zumindest die Zeit überbrücken, bis die neue Heuernte zur Verfügung steht und damit wieder auf hygienisch einwandfreies Heu wechseln. Dann kann man die alten Schimmel-Ballen auch endlich auf den Misthaufen werfen.

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