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Hundstage: was tun bei der Hitze?

Die Hundstage machen auch den Pferden zu schaffen!

Kommende Woche erreichen wir die „Hundstage“, die traditionell heißeste Zeit des Sommers und der Wetterbericht geht auch schon von Temperaturen über 30°C in den meisten Regionen aus. Pferde haben eine weit größere Toleranz gegenüber Temperaturschwankungen als wir Menschen.

In Steppen, Tundren und Halbwüsten, wo die Pferde ursprünglich zu Hause sind, müssen sie Unterschiede von +40°C an heißen Tagen bis -20°C in kalten Nächten kompensieren können. Ihr Komfortbereich liegt zwischen -15°C und +25°C, das heisst, dass sie bei diesen Temperaturen noch nicht massiv gegen Überhitzung oder Erfrierung gegensteuern müssen.

Wenn wir jedoch nächste Woche Temperaturen jenseits der 30°C bekommen und die Pferde dann vielleicht noch in der prallen Sonne auf einer Weide stehen, dann kann es kritisch werden. Vor allem für die jüngsten und die ältesten, denn Fohlen können nur schlecht ihren Temperaturhaushalt regulieren durch ihre große Oberfläche im Verhältnis zur Körpermasse. Alte Pferde jenseits der 20 haben häufig altersbedingte Herz-Kreislaufprobleme und bekommen daher auch massive Probleme bei zu großer Hitze.

Für die meisten Pferde reicht es, wenn man sie an den heißen Tagen nicht tagsüber auf einer ungeschützten Fläche lässt. Hat man die Möglichkeit von Schatten auf den Weiden (Bäume, Wäldchen, Unterstände oder Zugang von der Weide zum Offenstall), dann gehen die Pferde in der Mittagshitze von ganz allein in den Schatten.

Schön ist es, wenn sie hier dann ein paar Heunetze zur Verfügung haben, sodass sie auch bei längeren Weidepausen im Schatten weiter knabbern können und die Fresspause nicht zu lang wird. Das setzt aber voraus, dass die Schattenbereiche auf der Weide groß genug sind, dass auch bei nicht harmonischen Gruppen alle ein schattiges Plätzchen finden.

Kommt es zu Rangeleien oder Mobbing um die Schattenplätze, dann geraten die Pferde in Stress und das ist gerade bei großer Hitze fatal für das Herz-Kreislauf-System. Gerade rangniedrige Pferde können hier mit Kreislaufkolik oder -kollaps reagieren. Optimal sind Bäume als Schattenspender, da unter ihnen auch ein lauer Wind durchgehen kann. Geschlossene Unterstände wie fahrbare Weidehütten, oder auch Weidezelte, die an 3 Seiten zu sind, können sich in der Sonne unerträglich aufheizen. Dann muss man sich nicht wundern, warum die Pferde lieber in der prallen Sonne stehen als im Unterstand. Koppelunterstände sollten immer so konstruiert sein, dass der Wind durchstreichen kann, um für ein angenehmes Klima zu sorgen.

Hat man keinen Schatten auf den Koppeln, dann sollte man die Pferde entweder früh am Morgen und/oder spät am Abend auf die Weide lassen und über den Mittag in den schattigen Stall holen. Alternativ kann man sie auch über Nacht draußen lassen und tagsüber drinnen, wenn das von der Weidedauer nicht zu lang ist.

Wenn geplant ist, die Pferde jetzt über Nacht statt über Tag auf die Weiden zu stellen, sollte man die Pferdehalter allerdings vorher informieren. Da die Pferde dann oft in ihrem Schlafrhythmus gestört sind (viele schlafen dann nachts auf der Weide nicht, im Gegensatz zum gewohnten Rhythmus, wo sie sich nachts auf dem Paddock oder in den Stall für ihre Tiefschlafphase hinlegen), kann es durchaus sein, dass sie ausgesprochen übermüdet am nächsten Tag herumschlurfen und der Reiter sich dann wundert, ob sein Pferd krank ist.

Hat ein Pferd große Probleme mit der Hitze, dann sollte man für zusätzliche Abkühlung sorgen. Hier kann man sich das Prinzip der Verdunstungskälte zunutze machen: Pferd nass machen, durch das anschließende Verdunsten kühlt das Pferd etwas ab.

Dafür kann man die Pferde mit dem Wasserschlauch – von den Hufen beginnend langsam Richtung Herz arbeiten – abspritzen oder mit Ihnen zum nächsten Bach oder See spazieren und sie dort baden lassen.

Wer weder Wasserschlauch noch See / Bach hat, kann auch mit Wassereimer und Schwamm arbeiten. Das ist effektiver als eine Blumenspritze, die nur einen feinen Nebel auf dem Pferd verteilt, der schnell wieder trocknet. Natürlich sollte man sein Pferd möglichst rund um die Mittagszeit nass machen, wenn es heiß ist. Zum Abend hin kann man vielleicht nochmal den Schweiß des Tages runterwaschen, aber dann bringt das Kühlen durch Abspritzen nicht mehr viel, da es ja ohnehin kühler wird und die Pferde – wenn es richtig kühl wird – zu frösteln beginnen.

Hat man einen Paddock Trail, dann könnte man durchaus überlegen, für die kommenden Sommer eine Pferdeschwemme anzulegen. Viele Pferde lieben es, bei heißem Wetter darin zu „parken“ oder sich einen privaten Whirlpool daraus zu machen: https://www.youtube.com/watch?v=38WJ9eXNviI.

Alte Pferde haben oft Probleme, ihr Winterfell komplett und bis zum Beginn des heißen Wetters abzulegen. Hier sollte man zur Schermaschine greifen und ihnen eine „Sportfrisur“ verpassen. Dafür muss man nur in seltenen Fällen das Pferd komplett scheren, meist erst dann, wenn sie so gut wie keinen Fellwechsel mehr haben. Bei den meisten älteren Semestern reicht es, wenn man einen Streifen entlang von Hals, Brust und ggf. noch Flanke (also Bib oder Trace Schur: https://bilder.markt.de/images/…/pferde/schurarten_pferd.png) rasiert, um die Thermoregulation zu verbessern. Der Rücken, vor allem die Nierenpartie, sollte möglichst nicht geschoren werden. Denn wenn dann doch ein Schlechtwettereinbruch kommt, dann brauchen die Pferde hier den Kälte- und Nässeschutz.

Hat man einen Unterstand – ob auf der Weide oder als Offenstall – als einzigen Schattenspender, der aber rundherum geschlossen ist, dann steht bei heißem Wetter oft die Luft darin.

Natürlich wäre es optimal, hier für zusätzliche Belüftung zu sorgen, beispielsweise indem man einige Bretter im oberen Bereich entfernt oder kürzt, so dass „Fenster“ entstehen, die man ja im Winter gegen die Zugluft auch mit Windschutznetzen versehen, im Sommer aber offen lassen kann.

Als kurzfristige Lösung kann man erstmal einen oder mehrere Ventilatoren aufzustellen, um die Luft in Bewegung zu bringen. Die Ventilatoren müssen allerdings so aufgestellt / angebracht werden, dass die Pferde nicht über Kabel stolpern und keine Unfallgefahr mit den Geräten besteht. Hier kann es sinnvoll sein, die Ecken abzuzäunen und die Geräte dort aufzustellen und die Kabel an der Wand entlang zu führen. Außerdem müssen sich die Pferde an die Geräuschkulisse gewöhnen, was aber meist recht schnell klappt.

Zeigen die Pferde Anzeichen von Überhitzung: starkes Schwitzen, Schwindel, Taumeln, unsicherer Gang, Kolikanzeichen, verzögerte kapillare Rückfüllzeit etc., dann ist unbedingt sofort das Pferd in den Schatten zu bringen, abzukühlen (Wasser, die Beine am besten in Kübel mit Eiswasser stellen) und sofort der Tierarzt zu alarmieren. Nicht nur beim Menschen, sondern auch beim Pferd kann ein Hitzschlag lebensbedrohlich werden.

Daher besser vorbeugen und den Pferde bei großer Hitze, also meist von 11 bis 17 Uhr, die Möglichkeit geben, im Schatten zu stehen und dort ihr Heu zu knabbern und rechtzeitig mit Wasser für Abkühlung sorgen.

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