FuttermittelMineralfutter

Mineralversorgung in der Weidezeit

Das Pferd steht auf der Koppel und man lehnt sich als Pferdehalter zurück, weil endlich diese anstrengende Zufütterei des Winters ein Ende hat. Das ist schon richtig, aber dennoch sollte man auch und gerade während des Sommers auf eine ausreichende Mineralversorgung achten.

Das Mineralfutter muss dabei nicht mit Vitaminen versetzt sein, denn über das Weidegras nehmen die Pferde ausreichende Mengen von den Vitaminen auf, die sich nicht selber herstellen (wie Vitamin C oder D) oder von der Darmflora zur Verfügung gestellt bekommen (wie die B-Vitamine). Dabei reichen schon 30-60 min Zugang zu Frischgrün, über Weide oder frisch gemähte Wiese, um die Vitaminversorgung sicher zu stellen.

Eine Überversorgung mit Vitaminen kann hier ebenso viele Probleme bereiten wie ein Mangel, daher ist es sinnvoll, darauf zu achten, dass möglichst keine oder wenig Vitamine im Sommer-Mineralfutter enthalten sind.

Außerdem sollte man beim Mineralfutter darauf achten, dass es möglichst frei ist von Bierhefe. Es wird viel geschrieben darüber, dass die Bierhefe wertvolle Vitamine, vor allem die des B-Komplexes enthält. Verschwiegen wird dagegen in der Regel, dass Bierhefe im Dickdarm des Pferdes die Ansiedelung von Milchsäurebakterien fördert.

Diese stellen für die Darmflora des Pferdes ein großes Problem dar, weil sie den Darm mit Milchsäure ansäuern und damit den pH Wert absenken. Die natürliche Darmflora ist aber auf ein neutrales pH Milieu angewiesen.

Eine Studie an Fohlen, die gegen Durchfall behandelt werden sollte, hat gerade wieder eindrücklich gezeigt, wie problematisch Milchsäurebakterien für die Verdauung des Pferdes sind (https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/jpn.12923…).

Die Fohlen, die mit Milchsäurebakterien gefüttert wurden, hatten deutlich stärkeren Fohlenrosse-Durchfall, der auch deutlich länger anhielt als bei den Fohlen der Placebo-Gruppe.

Daher sollte man die Ansiedelung von Milchsäurebakterien im Dickdarm des Pferdes immer vermeiden, also auch die Fütterung von Bierhefe.

Der große Hype um organische Mineralstoffe ist im Wesentlichen dem Bedürfnis der Marketing-Abteilungen geschuldet, ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz zu haben. Derzeit überbieten sich die Hersteller regelrecht darin, ihre Mineralfutter mit organischen Mineralien anzureichern.

Dabei ist diese Trend physiologisch überhaupt nicht sinnvoll. Denn Pferde haben in ihrer Darmwand ein ausgeklügeltes Aufnahmesystem für Mineralstoffe, das über spezialisierte Transporter-Moleküle funktioniert. Die einzelnen Transporter sind dabei immer auf ein bestimmtes Mineral spezialisiert und können vom Organismus fein gesteuert werden. Das heißt, dass diese Transporter aktiviert werden, wenn von dem entsprechenden Mineral zu wenig im Körper vorhanden ist.

Der Transporter wird aber inaktiviert, sobald die Speicher für dieses Mineral voll sind. Auf diese Weise werden Mineralstoffe nur dann aufgenommen, wenn der Körper sie auch benötigt, ansonsten verbleiben sie im Nahrungsbrei und werden mit dem Kot ausgeschieden.

Organische Mineralstoffe sind hingegen an ein organisches Molekül gebunden, in der Regel eine Aminosäure. Sie kommen in der Natur so in der Regel gar nicht vor, sondern sind synthetische Produkte, die nichts mit natürlicher Ernährung zu tun haben, auch wenn der Name das suggeriert. Die organisch gebundenen Mineralstoffe umgehen den Mineral-Transportermechanismus, da sie über die Aminosäure-Transportermoleküle aufgenommen werden.

So gelangen die organischen Mineralstoffe sozusagen als „blinde Passagiere“ in den Körper, ob er sie braucht oder nicht. Einmal aufgenommen, stellt der Körper jedoch fest, dass er die Aminosäure so gar nicht gebrauchen kann, weil da ja fälschlicherweise ein Mineralstoff dranhängt. Dieses wird abgespalten und in der Regel über die Nieren wieder ausgeschieden.

Das ist ein mühsamer Prozess, daher kommt es bei der Fütterung von organischen Mineralstoffen auch erstmal zu erhöhten Werten im Blut. Diese werden aber wieder in den physiologischen Bereich runter reguliert, da der Körper seine Mineralwerte in engem Rahmen konstant hält.

Organische Mineralstoffe sind also durchaus sinnvoll bei nachgewiesenen Mangelerscheinungen, um in möglichst kurzer Zeit die Speicher wieder aufzufüllen. In Mineralfuttern sind sie jedoch sinnlos, da diese ja nur mögliche leichte Mängel im Grundfutter ausgleichen sollen. Im Fall von organisch gebundenem Selen sind sie sogar problematisch für das Pferd, da sie in dem Fall als Selenomethionin oder Selenocystein direkt in die Eiweiße des Körpers eingebaut werden. Diese Eiweiße sind jedoch „defekt“, da sie sich nicht stabil falten können.

Solche Eiweiße können ihren Aufgaben nicht mehr nachkommen. Werden sie dann abgebaut, kann es zu einem „Flutungseffekt“ mit Selen kommen, das der Organismus dann teilweise gar nicht rechtzeitig ausscheiden kann. Eine Reihe von Gesundheitsproblemen, von aufreißenden Kronrändern über EOTRH bis zu EMS, Insulinresistenz und Cushing-Symptomen stehen mittlerweile im Verdacht, mit einer Selen-Überversorgung in Zusammenhang zu stehen.

Daher sollte auf organisches Selen („Selenhefe“) im Mineralfutter unbedingt verzichtet werden.

Ein gutes Mineralfutter für artgerecht gefütterte Pferde (Winter = Heu, Sommer = Heu und Weide / Grasschnitt) ist das Mineral Pur G von OKAPI. Es enthält durchweg anorganische Mineralstoffe, ist frei von Vitaminen und „Leckerschmecker“-Zusätzen wie Apfeltrester, Getreiderückstände etc..

Die 2% Melasse, die zum Granulieren verwendet werden, machen das Mineralfutter nicht süß, sodass die Pferde wirklich schmecken, was sie fressen. Es wird daher in der Regel nur nach Bedarf aufgenommen.

Wer seine Pferde auf sehr mineralarmen Sand- oder Moorböden hält, sollte eher das Weidemineral G(S) anbieten, da es das magere Grundfutter besser ausgleicht. Es wird ebenfalls nur nach Bedarf aufgenommen.

Wer nur sein Pferd auf der Weide mit Mineralfutter versorgen will (ohne es dafür von der Weide zu nehmen), hat oft Probleme, weil alle Pferde angerannt kommen, sobald man mit einem Futterkübel die Weide betritt. Schon gibt es Schlägerei darum, wer als erster an den Eimer kommt. Für solche Fälle kann man die Mineralkekse von OKAPI verwenden. Unauffällig aus der Hosentasche gegeben, kann man sie gezielt füttern und vermeidet allzuviel Aufregung in der Gruppe.

Sie eignen sich auch hervorragend als kombinierte Belohnung mit Mineralversorgung für kleine Wanderritte. Eine Handvoll davon am Abend gegeben sind sie ein großes Dankeschön für den schönen Ritt und liefern neben wertvollen Eiweißen und Fettsäuren stärkefreies Kraftfutter) auch Mineralstoffe nach, die über den Tag verbraucht wurden.

Natürlich sollte immer auch ein Salzleckstein zur Verfügung stehen, damit die Pferde den Salzverlust durch das Schwitzen ausgleichen können. Salz ist lebensnotwendig, auch um den Flüssigkeitshaushalt im gesamten Körper zu regulieren. Geraten Pferde in Salzmangel, kann das erhebliche Folgen für die Gesundheit haben.

Dabei kann man beobachten, dass die meisten Pferde Natursalzsteine bevorzugen gegenüber den weißen Press-Steinen. In vielen Ställen sieht man daher die rosafarbenen Himalaya-Salzsteine. Sie werden aus Pakistan importiert, wo sie teilweise unter haarsträubenden Bedingungen abgebaut werden.

Eine ökologisch sinnvolle Alternative sind die Salzsteine aus heimischem Abbau. Insbesondere im Alpenraum, aber auch in anderen Regionen Deutschlands, gibt es große Salzvorkommen, die abgebaut werden und meist auf unserem Tisch landen. Bei diesem Abbau entstehen auch große Bruchstücke, die als Bergkern (z.B. von OKAPI) oder Steinsalz-Brocken dem Pferd angeboten werden können.

Sie sind zwar nicht so schick in Form geklopft und mit Loch gebohrt wie die Himalaya-Steine, werden aber ebenso gern genommen. Legt man sie in eine saubere Ecke im Unterstand, sind sie vor Regen geschützt und werden gerne angenommen.

Mit etwas bastlerischem Geschick kann man auch auf dem Auslauf oder der Weide ein „Regendach“ bauen. Einige Ställe legen auch eine dicke Holzscheibe auf den Auslauf und platzieren den Salzleckstein dort in der Mitte. Bei Regen löst sich Salz und zieht als Salzwasser in das Holz ein. Solche Salz-Holzscheiben werden beknabbert, sie sorgen neben der Salzversorgung auch für eine bessere Abnutzung der Schneidezähne.

Eine „Salzlecke“ – ob mit oder ohne Regendach – ist für die Pferde ein zusätzlicher Bewegungsanreiz, um dort mal vorbeizuschlendern und die Salzvorräte nach dem Schwitzen in der Mittagshitze wieder aufzufüllen.

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