GesundheitKrankheiten, Ursachen. Therapieansätze

Spat – eine fatale Diagnose?

Nach wie vor ist das Auftreten von Spat eine sehr häufige Ursache für Lahmheiten der Hinterhand. Früher galt es mehr oder weniger als fatale Diagnose, ist man doch davon ausgegangen, dass solche Pferde nie wieder ganz lahmfrei werden. Hier ist man heute weiter: Spat ist eine „degenerative Gelenkserkrankung“, also beispielsweise mit einer rasch fortschreitenden Arthrose zu vergleichen.

Es kommt zu Entzündungen im Gelenk und daraufhin stirbt Knorpelgewebe ab. Die Knorpelschicht dient aber als „Puffer“, um die Stöße, die auf das Gelenk treffen, abzufangen, damit der Knochen keinen Schaden nimmt.

Das Sprunggelenk des Pferdes ist – wie unser Fußknöchel auch – relativ kompliziert gebaut und besteht aus mehreren Gelenken. Eines davon ist für die Bewegung des Röhrbeins im Bezug zum Unterschenkel zuständig: Das Tarsokruralgelenk. Dieses ist beim Spat glücklicherweise nicht betroffen. Neben diesem großen Gelenk gibt es eine reihe kleiner Knöchelchen, die über so genannte Straffe Gelenke miteinander verbunden sind.

Diese Gelenke sind also in sich praktisch nicht beweglich und spielen entsprechend bei der Bewegung des Gesamtgelenks keine Rolle. Sie werden aber belastet, wenn es zu Erschütterungen im Gelenk kommt, was beim Auffußen und der Lastaufnahme passiert.

Hier dienen sie (zusammen mit der Hufkonstruktion und allen anderen Gelenken des Hinterbeins) als Stoßdämpfer, um dafür zu sorgen, dass die Wucht des Auffußens möglichst im unteren Beinbereich abgefangen wird und nicht bis in die Wirbelsäule weiter geleitet wird.

Je steiler die Hinterhand eines Pferdes gestellt ist, umso mehr Stoß müssen dabei Huf und Knorpelschichten abfangen, weil wenig Federung durch Gelenkbeugung möglich ist. Man kann das selber ausprobieren: Läuft man barfuß mit leicht gebeugten Knien, so wird ein Großteil der Erschütterung beim Auffußen über Muskeln, Sehnen und Bänder abgefangen, wir „federn“ im Knie.

Probiert man jetzt mal, mit durchgedrückten Knien zu aufzutreten, dann ist das nicht nur unbequem, sondern sorgt auch dafür, dass die Erschütterung des Auftretens bis zum Scheitel spürbar ist. Ähnlich geht es Pferden, die ein zu steil gestelltes Sprunggelenk haben.

Sie können beim Auffußen die Erschütterung nur in geringem Maß durch „federn“ im Tarsokruralgelenk abfangen. Statt dessen geht hier viel Stoßerschütterung auf die direkt benachbarten, straffen Gelenke. Diese sind für solche Belastungen aber nicht ausgelegt, es kommt zu Entzündungsreaktionen und damit zur Ausbildung von Spat.

Für Reitpferde hat man daher schon vor Jahrhunderten Richtlinien festgelegt, wie die gewünschte Winkelung der Hinterhand aussehen sollte, damit diese Pferde eine ordentlich Beugung zeigen, was eine möglichst verschleißarme Bewegung unter dem Reiter ermöglichen soll.

Ganz anders bei Zugpferden. Hier gilt: je steiler die Hinterhand, umso mehr Zugkraft kann entwickelt werden. Da sich Zugpferde im schweren Zug nicht schnell bewegen, war die Stoßdämpfung im Sprunggelenk hier nebensächlich.

Aus diesem Grund sieht man noch heute bei Kaltblütern und allen Pferden mit diesem „Zugpferde-Erbe“ oft eine steile Hinterhandwinkelung, bis hin zu fast senkrechten Hinterbeinen. Vom Fjordpferd über den Freiberger bis zum Quarterhorse sind solche steilen Stellungen sehr verbreitet, auch wenn man züchterisch versucht, dagegen anzugehen.

Für den Reiter eines solchen Pferdes heißt das, dass das Pferd eine starke Veranlagung dazu hat, Spat zu entwickeln. Das heißt nicht, dass Pferde mit perfekter Hinterhandwinkelung nicht auch Spat bekommen könnten. Aber Pferde mit steiler Hinterhand sind einfach viel häufiger betroffen.

Ob er dann auch tatsächlich klinisch manifest wird, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu gehört neben der Hufzurichtung und ggf. Beschlag oder Hufschutz auch die Reitweise, die Häufigkeit der Belastung, die Bodenbeschaffenheit in der jeweiligen Haltung bzw. im Gelände und vieles mehr.

Die Therapie der Wahl war früher, die Entzündungen im Gelenk so effektiv wie möglich zu dämmen, um das Gelenk zu erhalten. Da die Bewegungsmechanik jedoch die gleiche blieb, zeigten die Pferde immer wieder „Spatschübe“, also Phasen mit erheblicher Lahmheit.

Daher noch die alte Überzeugung, dass ein solches Pferd nie lahmfrei würde. Bis man in Untersuchungen festgestellt hat, dass sehr viele ältere Pferde Verwachsungen dieser Knochen zeigen, eine so genannte „Ankylosenbildung“, die Endform der arthrotischen Veränderung, bei der beide Knochen miteinander verwachsen und das Gelenk verschwindet.

Diese Pferde waren teilweise erfolgreich im großen Sport eingesetzt worden und bis an ihr Lebensende lahmfrei gelaufen. Sobald also das Gelenke nicht mehr vorhanden ist, kommt es auch nicht mehr zu Entzündungsschüben. Da diese straffen Gelenke keinen Anteil an der Beugung des Sprunggelenks haben, sieht man die Ankylosenbildung auch nicht in der Bewegung.

Die heutige Therapie sieht also so aus: Wenn ein Spatschub das erste Mal auftritt, dann sollte man mit entzündungshemmenden und Knorpel aufbauenden Mitteln arbeiten und dem Pferd Zeit und Ruhe geben, z.B. in einer ruhigen Paddockhaltung, möglichst mit einem nachgiebigen Boden – Wiese, Hackschnitzel oder Sand. Ruhige Bewegung ist wichtig für die Regeneration von Gelenken, aber keine schnelle Bewegung (nicht reiten, longieren, keine unruhige Herde).

Von der Therapie her bietet sich ganz klassisch die Teufelskralle an, zusammen mit Glucosaminsulfat als Knorpelnährstoff, beispielsweise als Synofit. Gleichzeitig sollte man mit dem Hufbearbeiter über eine mögliche Optimierung im Hufbereich sprechen und mit dem Trainer über eine Veränderung des Trainings hin zu mehr Hankenbeugung und damit Schonung des Sprunggelenks.

Ist die Lahmheit ausgeheilt und trotz Huf- und Trainingsoptimierung treten erneut spat-bedingte Lahmheiten auf, dann sollte man mit dem Tierarzt sprechen über Möglichkeiten, den Knorpelzerfall zu beschleunigen. Hier wird das Pferd eine längere Auszeit benötigen, bis das Gelenk zurückgebildet ist und die Knochen miteinander verwachsen sind.

Man kann diesen Prozess, zusätzlich zur tierärztlichen Therapie, beschleunigen, indem man täglich eine Schüsslersalbe bestehend aus Calcium carbonicum, Calcium fluoratum und Magnesium phosporicum auf den betroffenen Bereich aufträgt. Diese Therapie ist recht langwierig und kann auch mal ein Jahr dauern. Ist das Gelenk dann aber verwachsen, bleibt das Pferd für den Rest seines Lebens von weiteren Spat-Schüben auf diesem Bein verschont.

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