GesundheitKrankheiten, Ursachen. Therapieansätze

Sehnen- und Fesselträgerschäden nachhaltig therapieren

Viele Pferdebesitzer haben schon die leidige Erfahrung hinter sich, dass ihr Pferd von einem Moment zum anderen mit einem Sehnen- oder Fesselträgerschaden dasteht. Verschiedenste Therapieansätze werden hier angeboten, von Boxenhaft bis Stammzelltherapie.

Oft genug ist diese Verletzung dann der Auftakt zu einer „Lahmheitskarriere“, bei der immer wieder die Sehnen- oder Bänderstrukturen des einen oder anderen Beins betroffen sind. Neben der Therapie am akuten Schaden sollte daher immer noch der Blick erweitert werden auf die möglichen Ursachen.

Die Chinesische Medizin lehrt uns, dass Sehnen und Bänder in einem engen Zusammenhang mit dem Leberstoffwechsel stehen. Tatsächlich zeigen viele Pferde mit solchen Schäden oft auch Frühmarker für Leberprobleme wie Stichelhaare, Augenprobleme, senkrechte Streifen im Fell von ca. 2cm Breite, Braunfärbung des schwarzen Langhaars oder des ansonsten schwarzen Fells, Königstaler (dunkle Fellflecke im sonst hellbraunen Fell) u.ä. und es sind besonders oft Füchse, Palominos (Isabellen) und Fuchs-Schecken betroffen, die offenbar aufgrund ihrer Farbgenetik eine Veranlagung zu Leberproblemen haben.

Die Leber ist das große „Chemielabor“ des Körpers und an einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt. Von der Verarbeitung des aufgenommenen Zuckers bis hin zur Entgiftung von Abfallstoffen reichen ihre Aufgaben. Insbesondere der Entgiftungsprozess spielt dabei eine wichtige Rolle im Sehnen- und Bändergeschehen.

Denn kann die Leber die Abfallstoffe nicht mehr ausreichend umbauen, damit die Nieren sie ausscheiden können, so kann es zu Einlagerung in Bindegewebsstrukturen kommen, zu denen auch Sehnen und Bänder zählen.

Das sorgt dafür, dass winzigste Verletzungen (Mikrofissuren), wie sie im Sehnen- und Bändergewebe insbesondere der Beine vor allem bei Bewegung tagtäglich auftreten, nicht mehr ausreichend schnell repariert werden können.

Es kommen jeden Tag neue Schäden hinzu und die Sehne wird regelrecht „fadenscheinig“ wie die Ferse einer alten Socke. Bei einer solchen ausgedünnten Sehne kann dann eine kleine Zusatzbelastung, beispielsweise ein Stolpern oder eine Drehbewegung auf dem Bein, zu einem Reißen der verbliebenen Fasern führen und damit zum klinisch manifesten „Sehnenschaden“.

Daher sollte man bei der Therapie solcher Schäden immer unterscheiden zwischen der Regeneration der Sehnenstruktur selber und den vorbeugenden Maßnahmen, damit es nicht zu weiteren Schäden kommt.

Für die Therapie von Sehnen- und Bänderschäden hat es sich bewährt, die Pferde nicht in der Box ruhig zu stellen, sondern sie auf einem Paddock (ohne Schmerzmittel) sich frei bewegen zu lassen. Mehrere Heunetze können hier ein bisschen Bewegungsanreiz schaffen. Das Pferd sollte in Sichtweite von anderen Pferden sein oder mit einem ruhigen Pferd zusammen stehen, auf keinen Fall in einer unruhigen Offenstallgruppe, wo es zu Bewegung gezwungen wird.

Der Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers, sodass das Pferd das Bein nicht mehr belastet, als möglich ist.

Die ständigen, kleinen Bewegungsimpulse sorgen dafür, dass sich die neu gebildeten Fasern in Zugrichtung ausrichten, sodass weniger Narbengewebe entsteht und die Sehne belastbarer und elastisch wird.

Dann kann man die Abheilung beschleunigen durch die Zufütterung von Kieselgur und die Anwendung von Keramik-Gamaschen, welche die Infrarot-Strahlung des Gewebes zurück reflektieren, z.B. von CeraTex oder Back on Track. Diese können nach einer Eingewöhnungsphase vor allem über Nacht angelegt werden, da die Pferde sich dann weniger bewegen und die Gamaschen die Durchblutung in diesem Zeitraum verbessern.

Morgens sollten die Gamaschen abgenommen werden und man kann lokal eine Schlangengiftsalbe auftragen, z.B. Horvizym Salbe von HorviEnzymed. Das Schlangengift zieht ein und löst in der Tiefe eine Immunreaktion aus, wodurch der Heilungsprozess beschleunigt wird. Auf diese Weise kann die Abheilung meist deutlich beschleunigt werden und die Sehne ist anschließend wieder belastbar.

Im zweiten Schritt sollte man Leber-Belastungen prüfen. Hierzu kann man die Entgiftungsfunktion über einen Urin-Test überprüfen, den KPU Test. Man fordert ein Urinröhrchen beim Labor an (z.B. www.vetscreen.de), fängt Urin auf und lässt den Indikan-Wert und den Kryptopyrrol-Wert bestimmen.

Der Indikan-Wert gibt eine Aussage darüber, in welchem Zustand der Dickdarm ist. Kommt es hier zu Fehlgärungen, so nimmt der Körper permanent Stoffe auf, die er über Leber und Nieren wieder mühsam entsorgen muss, was eine zusätzliche und vermeidbare Belastung darstellt.

Der Kryptopyrrol-Wert gibt eine Aussage darüber, wie entgiftungsfähig die Leber ist. Sind diese Werte auffällig, dann sollte das Pferd auf Kryptopyrrolurie (KPU) therapiert werden, um die Leber wieder in einen normalen Entgiftungszustand zu versetzen.

Die Fütterung sollte dahingehend optimiert werden, dass stärke- und zuckerhaltige Futtermittel (Müsli, Pellets, Hafer, Karotten, Äpfel, Bananen, Brot….) ebenso gestrichen werden wie silierte Futtermittel (Heulage, Silage) und „Probiotika“ wie Milchsäurebakterien oder Bierhefe. Sie alle fördern die Belastung der Leber und sind bei solchen Pferden unbedingt zu vermeiden.

Neben einem ständigen Zugang zu magerem Heu, Mineralfutter, Salzleckstein und Wasser kann man eingeweichte Heucobs verwenden, um das Kieselgur zu verabreichen.

Um nach Ausheilen des Sehnen- oder Fesselträgerschadens im beginnenden Training den Muskelaufbau zu fördern, bietet sich die Fütterung von Esparsette als Eiweißlieferant an.

Darüber hinaus sollte die Haltung auf Stress überprüft werden. Dabei kann sowohl eine ranghohe- als auch eine rangniedrige Herdenposition Stress bedeuten, eine unruhige Gruppe mit häufigen Wechseln ebenso wie eine Boxenhaltung mit eingeschränkten Sozialkontakten. Die Hufbearbeitung sollte dahingehend optimiert werden, dass der Hufmechanismus möglichst ungestört arbeiten kann.

Beschläge mit Keilen, Platten, Einlagen oder Stegen schränken oft die Hufmechanik ein, sodass die Durchblutung der unteren Gliedmaße nicht mehr optimal gegeben ist und damit ein neuer Sehnenschaden entstehen kann. Beachtet man alle umgebenden Faktoren (Fütterung, Haltung, Hufbearbeitung), dann kann man einen Sehnen- oder Bänderschaden in der Regel ohne größere Folgeerscheinungen und ohne Chronifizierung ausheilen.

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