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Kotwasser durch Stress – kann das sein?!

Mit dem Ende der Weidesaison beginnt bei vielen Pferden wieder die Kotwassersaison. Während das Pferd bei Durchfall Kuhfladen-ähnliche Haufen absetzt, sind bei Kotwasser die Pferdeäpfel geformt.

Aber während oder nach dem Kotabsetzen oder auch völlig unabhängig davon, wird braune Flüssigkeit abgesetzt. Kotwasser ist sauer und damit aggressiv gegen die Haut. Wäscht man das Pferd nicht regelmäßig, so ist das nicht nur optisch unschön, sondern kann auch zu Hauterkrankungen im betroffenen Bereich führen. Gerade im Winter stellt damit Kotwasser natürlich ein Problem dar, da man  einem Pferd bei Minusgraden nur ungern Schweif und Hinterhand wäscht.

Entzündungen werden meist verursacht durch Fehlgärungsprozesse im Dickdarm. Die Ursachen sind entweder in den Haltungs- oder den Fütterungsbedingungen zu suchen. So konnte in einer Studie gezeigt werden, dass Stress allein schon ausreicht, um Kotwasser auszulösen.

Stress führt zu einer verringerten Durchblutung der Darmschleimhaut. Das verlangsamt die Peristaltik und so kann es zu Fehlgärungen kommen.

Aber auch der Aspekt Fütterung spielt eine große Rolle. Unverträgliche Futtermittel wie Heulage, Silage oder Maissilo spielen hier ebenso eine Rolle wie „Strukturmüslis“. Silierte Futtermittel tragen einen großen Anteil von Milchsäurebakterien in den Dickdarm ein, die dort bei einem gesunden Pferdedarm nicht vorkommen.

Sie produzieren Milchsäure, die den Darm ansäuert. Dadurch sterben natürliche Darmsymbionten ab und der ganze Fermentierungsprozess läuft aus dem Ruder.

Gehäckseltes Raufutter, wie es in Strukturmüslis, getreidenfreien Müslis oder Kräutermüslis verwendet wird, verlangsamt die Peristaltik ebenfalls, da es in der Regel nicht gründlich gekaut wird. Jede Störung der Verdauungsgeschwindigkeit kann zu Fehlgärungen führen.

Bei diesen Fehlgärungsprozessen entstehen in großem Stil flüchtige Fettsäuren, vor allem Essigsäure, Buttersäure und Propionsäure. Diese greifen nachweislich die Darmschleimhäute an. Es kommt zu Entzündungen der Darmschleimhäute und damit weiterer Störung des normalen Verdauungsprozesses.

Bleiben die Entzündungen über einen längeren Zeitraum bestehen, lockern sich die Zellverbände der Darmschleimhaut und es entstehen „Löcher“, die vom ohnehin schon überlasteten Immunsystem nicht ausreichend repariert werden können. Durch solche Löcher kann es zum Einsickern von Lymphflüssigkeit in den Darm kommen, das wir optisch als Kotwasser sehen.

Auch wenn die ursprüngliche Ursache schon lange zurück liegt, zum Beispiel ein Winter mit Heulagefütterung vor drei Jahren, kann die Verdauung heute noch gestört sein. Da hilft dann oft auch die perfekte Fütterung und Haltung zunächst nicht viel.

Denn kommt es erst einmal zu einem massiven Besatz des Darms mit den falschen Keimen, so kommen die Pferde häufig aus dem Teufelskreis aus Darmstörung und Kotwasser nicht mehr von alleine heraus.

Auch wenn Ihr Pferd nur in bestimmten Situationen, zum Beispiel beim Verladen oder wenn der Schmied kommt mit Kotwasser reagiert, oder wenn es nur im Winter auftritt, spricht das für bereits bestehende Verdauungsprobleme im Dickdarm.

Diagnostisch sind solche Fehlgärungen nachweisbar über den Indikan-Wert. Fordern Sie hierfür ein Urinröhrchen beim Labor an (z. B. www.sension-gmbh.de) und lassen Sie den Indikan-Wert bestimmen.

Ist dieser bei 0, dann läuft der Fermentierungsvorgang im Dickdarm normal. Ist er bei 1, sollte die Fütterung optimiert und der Darm gegebenenfalls mit naturheilkundlichen Mitteln unterstützt werden, damit die Fermentierungsprozesse sich schnellstmöglich wieder stabilisieren.

Liegt der Indikan-Wert zwischen 2 und 4, dann sind deutliche Veränderungen in der Fütterung und eventuell der Haltung angezeigt sowie den Darm sanierende Maßnahmen. Hier muss mit längeren Therapiezeiten gerechnet werden, weil häufig auch neben dem Kotwasser schon andere erste Symptome auf eine Entgleisung von Stoffwechselprozessen hinweisen.

Hat Ihr Pferd auch Kotwasser? Dann sind Sie nicht allein. Es trifft gerade im Winter wieder reihenweise Pferde. Warum ausgerechnet im Winter? Hinter dem Kotwasser steckt in aller Regel eine entzündete Darmschleimhaut. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. In den meisten Fällen lassen sie sich aber auf zwei Faktoren zurückführen: Stress oder Fütterung.

Stress führt zu einer Minderdurchblutung der Darmschleimhaut. Dadurch ist diese schlecht geschützt und es kann leicht zu Entzündungen kommen, insbesondere wenn die Fütterung noch dazu nicht optimal ist. Aber hat denn mein Pferd wirklich Stress, wenn es keine Turniere geht und eigentlich nur den ganzen Tag in seiner Offenstallgruppe herumsteht?

Stress für das Pferd muss für den Menschen nicht offensichtlich sein. Natürlich ist das Pferd ein soziales Tier und braucht den Kontakt zu Artgenossen. In der freien Wildbahn ist eine Herde aber eine gewachsene Familie – die Fohlen wachsen in einer festen Gruppe auf und kennen daher die Besonderheiten jedes Pferdes und die Verhaltensregeln. Die Gruppe gibt Entspannung und Sicherheit.

Unsere Gruppenhaltung ist aber nicht mit der natürlichen Wildpferdeherde zu vergleichen: wir stecken wildfremde Pferde in eine Gruppe, oft ganz unterschiedliche Rassen (die tatsächlich unterschiedliche Sprachen sprechen – Pferde sind Rassisten!), ganz unterschiedliche Altersgruppen und kaum ist mal ein bisschen Ruhe eingekehrt, zieht ein Pferd aus oder ein neues ein und schon wird die ganze soziale Ordnung wieder durcheinander gebracht. Trotzdem erwarten wir, dass sich alle prima verstehen.

Wie fühlen Sie sich denn nach so einem Tag in der Bahn oder im Großraumbüro, wo Sie mit wildfremden Menschen unterschiedlicher Sprache und Verhaltensweise zusammen waren und irgendwie auskommen mussten?

Besonders häufig ist Stress daher tatsächlich zu beobachten in Offenställen. Aber auch Boxenhaltung (ob mit Paddock-Balkon oder ohne) ist nicht ganz ohne Stress für das Pferd – denn das Pferd ist ein Steppentier, kein Höhlenbewohner. Wie oft giftet denn Ihr Pferd zu seinem Nachbarn oder umgekehrt? Wie verspannt ist es nach einem Tag in der Box, dass es sich erstmal „ausbuckeln“ muss?

In der Weidesaison ist das Leben noch wesentlich stressfreier – die Pferde verbringen den ganzen Tag draußen, können über ihre Bewegung Stress abbauen und haben genügend Platz, um einander auszuweichen. Werden dann die Weiden geschlossen, können sich die Pferde nicht mehr ausweichen – sie sind auf engem Raum zusammen, egal ob mit einer Boxenwand dazwischen oder im Offenstall. Pferde sind Bewegungstiere, jede Art von Platzmangel oder eingegrenztem Horizont macht schon Stress.

In Gruppenhaltung gelangen dazu rangniedrige Pferde oft nicht ausreichend an das Raufutter und bekommen in vielen Fällen nicht ausreichend Nachtschlaf, weil die Gruppe zu unruhig ist. Aber auch wenn ein Pferd weiter oben in der Rangordnung ist, kann es damit Stress haben – denn es muss seine Position ja ständig verteidigen.

Das gilt insbesondere bei häufigem Wechsel in der Gruppe und wenn kein souveräner Herdenchef vorhanden ist. Mangelndes Raufutter ist auch bei Boxenhaltung ein hoher Stressfaktor, sind die Pferde doch ständig auf Futtersuche, weil der Bauch zwickt. Da tritt man schon mal wütend gegen die Wand zur Nachbarbox. Abhilfe beim Stress schaffen vor allem drei Faktoren:

  • weniger Pferde oder mehr Platz pro Pferd (was sich nicht immer so leicht realisieren lässt), aber gerade im Winter sollte man auf große Tages-Ausläufe, optimal im Paddock Trail System achten
  • mehr Raufutter und vor allem mehr Fressplätze, sodass die Pferde ausweichen können – Heunetze verlängern die Fresszeiten, sodass über 24h gefüttert werden kann, mehrere Heustationen auf dem Trail sorgen für natürliche Bewegung beim Fressen
  • mehr ordentlich eingestreute Liegefläche

Gerade zum letzten Punkt wird bei Offenställen viel gestritten. Aber aktuelle laufende Untersuchungen zeigen ganz klar, dass zu kleine eingestreute Liegebereiche deutlich das Stresslevel in Gruppenhaltung steigern. Gleiches gilt für Boxen, in denen sparsam eingestreut wird:

Würden Sie selber auf der fäkalienverschmierten Gummimatte oder auf dem hauchdünnen Sägemehl über Beton schlafen wollen?

Pferde sind sehr reinliche Tiere, es ist für sie eine Zumutung, in ihrem eigenen Mist zu fressen und zu schlafen. Und auch wenn sie im Stehen dösen können – es geht nichts über zwei bis drei Stunden tiefen, ungestörten Nachtschlafs, um am nächsten Tag wieder entspannt und leistungsbereit zu sein. Daher ist eine großzügige Einstreu wichtig auch für die Psychohygiene.

Verbringen Sie mal einen Tag im Stall und beobachten Sie die Pferde. Sie werden sehen: Die haben mehr Stress, als man so denkt.

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