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5 Tipps worauf man bei der Wahl des Hufbearbeiters achten sollte

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Ob barhuf oder Eisen, ob Kunststoff oder Alu… über die passende Art und Weise, die Hufe eines Pferdes zu bearbeiten und sie gegebenenfalls auch zu schützen, gibt es viele Meinungen, verschiedenste Schulen und letztlich keine Rundumlösung, die für alle Pferde passt. Jedes Pferd hat seine eigene Hufbalance und seine Hornqualität und auch die Beanspruchung ist natürlich ganz unterschiedlich.

So wird ein Pferd im hohen Spring- oder Vielseitigkeitssport sich barhuf eher schwer tun, da gerade bei schlechtem Boden ein Eisen mit Stollen gute Stabilität gibt. Dagegen können die meisten Dressurpferde, die eigentlich nur zwischen Box und Halle pendeln, auch gut barhuf gehen.

Für Freizeit- und Wanderreiter gibt es mittlerweile ein großes Angebot an alternativem Hufschutz  wie zum Beispiel Hufschuhen, um Spitzenbelastungen beim Reiten abzufedern, während die Pferde auf der Koppel – wo sie ja den größten Teil des Tages verbringen – barhuf bleiben.

Dazu kommt, dass nicht nur jeder Besitzer, sondern auch jeder Hufbearbeiter natürlich seine eigene Philosophie hat, wie ein Huf zu bearbeiten oder auch zu schützen ist. Die Wahl des Hufbearbeiters ist aber essentiell, denn ohne Huf kein Pferd!

Am Ende gibt man dann als Besitzer viel Geld für Osteopathen, Sattler, Physiotherapie und Zusatzfuttermittelchen aus, die eigentlich besser am Huf investiert wären, denn hier ist das Fundament für die Biomechanik des ganzen Pferdes.

Einen guten Hufbearbeiter zu finden, ist nicht einfach. Häufig sieht man das Ergebnis dann auch erst so richtig nach mehreren Besuchen – wenn der Huf sich in eine bessere oder in eine schlechtere Richtung entwickelt.

Auch trauen sich viele Pferdebesitzer(innen) nicht so recht, ihrem Hufbearbeiter zu widersprechen, auch wenn sie das Gefühl haben, dass die Art der Zurichtung eigentlich nicht passt für ihr Pferd.

Hier sind ein paar Tipps, auf was man bei der Wahl des Bearbeiters achten sollte – unabhängig davon, ob man ein Freund von barhuf oder Eisen ist, von dieser oder jener Schule, bei der gelernt wurde:

1) Empfehlung

Es ist immer gut, einen Hufbearbeiter auf Empfehlung von vertrauten Pferdebesitzern zu wählen, die mit demjenigen schon seit vielen Jahren gute Erfahrungen haben. Man kann hier nicht nur das Pferd anschauen, das schon länger bearbeitet wird und sich ein Bild machen, ob die Hufe eher korrekt stehen oder alles eher falsch aussieht.

Außerdem hat man auch die Gelegenheit, sich den Bearbeiter auch erstmal anzuschauen, während er an einem andern Pferd arbeitet und man kann schauen, ob „die Chemie“ stimmt.

Ein Hufbearbeiter sollte Pferd und Reiter nach Möglichkeit über viele Jahre begleiten, da ist es gut, wenn man hier auch ein gewisses Vertrauensverhältnis aufbauen kann und das Gefühl hat, dass man auch genauer nachfragen oder anderer Meinung sein kann.

Gute Hufbearbeiter haben oft volle Auftragsbücher, sodass es durchaus sein kann, dass man selber auch nur „auf Empfehlung“ als neuer Kunde aufgenommen wird. Hier kann die Stallkollegin vielleicht ein gutes Wort einlegen.

Ein weniger wichtiges Kriterium sollte hingegen der Preis sein. Nicht jeder billige Hufbearbeiter ist gut, ebenso wenig wie jeder teure. Man kann am Ende oft für beide hohes „Lehrgeld“ zahlen.

Der Preis, den ein Hufbearbeiter verlangt, richtet sich nach vielen Kriterien: von der persönlichen Einstellung über regionale Einkommensunterschiede bis zu der Bearbeitungstechnik, die für das individuelle Pferd notwendig ist. E

Ein guter Hufbearbeiter ist immer seinen Preis wert – unabhängig davon, wie hoch dieser ist. Denn er erspart einem mit seiner Arbeit langfristig unnötige Zusatzkosten von Osteopathen-Dauerbesuchen bis Spezialhuffuttermittel.

2) Umgang mit dem Pferd

Als Therapeut kann ich nachvollziehen, dass man manches mal genervt ist von unerzogenen Pferden, die nicht stillstehen, einem bettelnd an den Taschen rumrupfen, mit den Hufen scharren etc. Gerade für einen Hufbearbeiter, der mit dem Gesicht immer im Schlagradius des Pferdes arbeitet, ist ein kooperatives und wohlerzogenes Pferd besonders wichtig, denn ein Tritt führt hier schnell zur Arbeitsunfähigkeit und eventuell sogar Frührente.

Aber dennoch sollte man mit fremden Pferden immer sachlich umgehen, auch wenn ihnen bisher keiner Benehmen beigebracht hat.

Leider hat sich das noch nicht überall herumgesprochen und man sieht manchmal ausgesprochen grobe und unbeherrschte „Erziehungsmaßnahmen“. Je nach Pferd kann so etwas aber durchaus dazu führen, dass es panische Angst vor der Hufbearbeitung entwickelt, weil es diese mit den negativen Erfahrungen in Verbindung bringt.

Das sind dann oft genug die Pferde, wo in Zukunft erst der Tierarzt das Pferd sedieren muss, damit anschließend die Hufe gemacht werden können. Das ist nicht nur unschön, sondern auch teuer und belastend für alle Beteiligten.

Ein guter Hufbearbeiter hat Geduld mit jungen Pferden, die einfach noch nicht lange ihre Balance auf drei Beinen halten können, ebenso wie mit alten, die aufgrund ihrer Arthrosen nicht mehr lange mit angehobenem Bein stehen können.

Kurze Bearbeitungsphasen mit Absetzpausen, nur das nötigste machen und zwischendurch Erholungspausen mit einer Runde Bewegung helfen hier mehr als grobe Strafe. Ist ein Pferd wirklich einfach schlecht erzogen, dann sollte ein offenes Wort mit dem Besitzer gesprochen werden – häufig sieht man das ja als Pferdebesitzer selber gar nicht mehr, weil es einfach „so normal“ ist.

Der Besitzer kann viel dafür tun, dass es in Zukunft besser klappt: man kann mit seinem Pferd durchaus am Anbinder „stillstehen“ ebenso üben wie Hufe geben – im Zweifel auch mit der Hilfe eines guten Trainers, der einem mit Übungen und kleinen Tricks bei schwierigen Pferden weiterhelfen kann.

Ein solcher Weg ist langfristig immer der sinnvollere, weil das Pferd lernt, mit dem Hufbearbeiter zu kooperieren, statt sich zu wehren oder Angst zu bekommen. Und je gelassener dann der Hufbearbeiter, desto besser klappt das auch von Mal zu Mal mit der Hufbearbeitung.

3) Umgang mit dem Besitzer

Häufig werde ich als Osteopath zu Pferden gerufen, wo schon der erste Blick auf die Hufe zeigt, dass ich oben gar nicht anfangen muss zu arbeiten – solange das Pferd unten mit solchen Hufen herumläuft. Darauf angesprochen, wirken die Besitzer oft verunsichert bis verängstigt: ja, sie hätten den Hufbearbeiter auch schon dazu gefragt, aber der sagt, das müsse so sein und basta.

Ein guter Hufbearbeiter sollte alles, was er am Huf macht, auch erklären können. Es geht hier nicht um Hokuspokus, sondern im Wesentlichen um Biomechanik und die ist logisch und erklärbar  – auch einem Laien! Man muss sich nur die Mühe machen.

Als Pferdebesitzer sollte man seinem Hufbearbeiter immer Fragen stellen können, warum zum Beispiel dieser spezielle Beschlag gewählt wird und was für Auswirkungen das auf das Pferd hat. Wenn man das Gefühl hat, dass sich das Pferd in eine falsche Richtung entwickelt – beispielsweise zunehmen klemmig läuft, weniger Schwung hat oder ähnliches, dann sollte man auch offen mit seinem Hufbearbeiter darüber sprechen können.

Natürlich sind nicht immer die Hufe Schuld, es kann auch sein, dass der Rücken sich verändert hat und der Sattel nicht mehr passt, dass das Pferd ein Zahnproblem entwickelt hat oder vielleicht auch mit dem neuen Reitplatzboden einfach nicht zurecht kommt.

Aber die Hufe spielen immer eine wichtige Rolle bei der Bewegung und wenn man reiterlich eine Verschlechterung bemerkt, sollte man das offen ansprechen können – und nicht aus Angst vor dem Hufbearbeiter runterschlucken müssen.

4) Balance von Huf und Pferd

In der Ausbildung vieler Hufbearbeiter wird leider nur Wert auf den Huf gelegt – und das Pferd, das da oben noch dranhängt, wird völlig vergessen. Dabei beeinflussen sich beide natürlich ständig gegenseitig. Um die optimale Hufbalance zu finden, muss man entsprechend auch den Rest anschauen.

Es bringt überhaupt nichts, den Huf in den perfekten Winkel „hinzuzimmern“, wenn dieser einfach nicht zum Fessel- und Schulterwinkel passt. Dann entsteht eine gebrochene Fesselachse: Wenn man beim stehenden Pferd von der Seite aus eine gedachte Linie durch die Fessel legt, dann sollte diese sich im Huf direkt fortsetzen und keinen „Knick“ machen.

Eine gebrochene Fesselachse belastet massiv die Zehengelenke und leistet der Entstehung von Arthrose, Schale oder Podotrochlose in diesem Bereich Vorschub.

Ein Pferd mit steiler Fessel wird nun mal immer steiler stehen als das im Lehrbuch – ein Pferd mit flacher Fessel eher flacher. Darauf sollte Rücksicht genommen werden ebenso wie auf das Gangverhalten des Pferdes, weshalb sich ein Hufbearbeiter zumindest am Anfang ein Pferd immer vorführen lassen sollte.

Auch die Reitweise und ggf. Trainingsbelastung sowie der Boden, auf dem sich das Pferd vorwiegend bewegt, müssen mit einbezogen werden. So müssen Hufe von Pferden, die auf brandenburger Sandböden stehen, etwas anders bearbeitet werden als solche, die auf steinigen bayrischen Wegen laufen.

Während einer Korrekturphase kann es durchaus mal notwendig sein, dass ein Pferd einen orthopädischen Spezialbeschlag benötigt – und sei es, um die Veränderung einfach zu beschleunigen.

Dieser ist aber bei den allermeisten Pferden nur für eine gewisse Phase notwendig und nicht dauerhaft. Wenn einem das komisch vorkommt, dann sollte man immer nachfragen dürfen, ob und warum dieser Beschlag notwendig ist und darauf auch eine befriedigende Antwort bekommen.

5) Fortbildung

In den letzten Jahren hat sich sehr viel getan, was unser Wissen rund um den Huf angeht. Nicht nur der Trend zur Barhuf-Haltung, sondern auch viel Forschung am Huf hat dazu geführt, dass wir Zusammenhänge zwischen Bearbeitung und mechanischer Belastung oder auch zwischen Stoffwechsel und Huf viel besser verstehen und in der täglichen Arbeit auch darauf eingehen können. Ein guter Hufbearbeiter sollte sich daher regelmäßig fortbilden, um seine Arbeit immer weiter zu optimieren.

Nicht jeder hat natürlich nach Feierabend die Zeit und Muße, um noch Fachpublikationen zu lesen. Aber es gibt Kongresse, Tagungen und Seminare sowohl von den verschiedenen Schulen als auch offen für Vertreter aller Schulen, wo neues Wissen vorgestellt wird und auf denen man sich auch unter Kollegen austauschen kann.

Es bilden sich auch zunehmend Interessengemeinschaften, die offen sind für Vertreter jedweder Bearbeitungsrichtung – vom einfachen Stammtisch bis zu bundesweiten Organisationen – wo man sich auf Fachebene austauschen kann und immer wieder Neues lernt.

Bei diesen Treffen merkt man dann auch oft genug, wie wenig wir eigentlich noch immer verstehen von dem, was beim individuellen Pferd alles passiert.

Das Zusammenspiel aus Haltung, Bodenbeschaffenheit, Fütterung, Training, individueller Veranlagung und vielem mehr machen jeden Pferdehuf zu einem kleinen Überraschungspaket. Daher sollte ein Hufbearbeiter immer offen sein für neues Wissen oder auch neue Herangehensweisen.

Ein vehementes Ablehnen aller Beschläge ist ebenso von Scheuklappendenken geprägt und sinnlos wie das Wettern gegen alle Barhufgänger. Das Schimpfen auf jene Arbeitsweise nach XYZ ebenso ignorant wie das Meckern gegen diese Bearbeitungs-Grundsätze.

Jedes Pferd ist in Individuum und sollte, auch was seine Hufe und seine momentane Situation angeht, so betrachtet werden.

Was für den einen gut passt, kann für das Nachbarpferd genau das falsche sein. Ein guter Hufbearbeiter ist in der Lage, sich auf jedes Pferd und seine speziellen Anforderungen individuell einzustellen und das Beste für dieses Pferd zu machen.

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